Wein mit allen Sinnen. Die K&U-Hausmesse 2019
  • Von Martin Kössler
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  • 09.05.2019
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Wein mit allen Sinnen? Das Motto unserer Hausmesse 2019. Hinter jedem unserer Weine stehen nicht nur Leidenschaft und Können unserer Winzer, sondern neben einem Jahr harter Arbeit im Einklang mit der Natur auch deren Lebensphilosophien. Um sie in ihrer Vielfalt erleben zu können, braucht es mehr als nur »Geschmack«. Da sind alle Sinne gefragt …

Sie waren wie immer unprätentiös, klug, charmant, witzig und beredt, unsere knapp 80 Winzer aus aller Welt, die am Freitag und Samstag auf der 22. K&U-Hausmesse nicht nur ihre Weine zur Probe stellten, sondern den rund 2 000 aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland angereisten Gästen Rede und Antwort standen. Lobeshymnen gab es schon während der Veranstaltung von beiden Seiten für die jeweils andere: »…unglaublich interessiertes Publikum, …stellen richtig gute Fragen, …verkosten konzentrierter als manche Profis«. Den Besuchern imponierte die Offenheit unserer Produzenten, die »mit uns auf Augenhöhe reden…, toll erklären können…, ihre Leidenschaft spüren lassen«. Und wir von K&U freuen uns über begeisterte Mails und viele Beiträge in den sozialen Medien: »Es gibt keine vergleichbare Veranstaltung… Es geht um Genuss, um Leidenschaft und um Authentizität…Hausmesse war der Hammer. Habe so tolle Sachen für mich entdeckt….vielen Dank für Ihre unermüdliche Arbeit am radikal anderen Weinerlebnis«, um nur ein paar der vielen Stimmen zu zitieren.

 

Das Motto »Wein mit allen Sinnen« haben viele offensichtlich ernst genommen und sich durch unsere Weinerlebnis-Touren gearbeitet um – konsequentes Spucken vorausgesetzt – am Ende nicht betrunken, sondern wieder ein bißchen klüger zu sein. Schön, dass da Unbekannte zum Thema der »Preis des Geschmacks« ins Gespräch kamen, engagiert über schwefelfrei gekelterten Naturwein diskutierten und sich mit Tipps versorgten, welche Weine am besten zum Käse von Schweizer Almen oder zur französischen Austern-Vielfalt oder umgekehrt, welche Naschereien zu Clairette de Die oder zu Cerdon, zwei dezent süßen Schaumweinen aus den Alpen, passen.

 

In den bis auf den letzten Platz besetzten Seminaren faszinierte Niko Brandner von Griesel mit seinem Querschnitt durch die Vielfalt der Schaumweine. Matthieu Boesch aus dem Elsaß erntete viel Applaus für seine spannende Sicht auf das Phänomen »Grand Cru«. Der bekannte Nürnberger Koch Christian Wonka begeisterte mit ungewöhnlichen Spargelrezepten zum Wein (grandios sein nur dezent gesalzter, roher Spargel zum weißen Rioja von Ojuel) und Molly Sheppard von Spottswoode aus dem kalifornischen Napa Valley öffnete mit ihren weltweit gefeierten Cabernets so manchem die Augen zum Thema Tannine und deren Preis.

 

Die beiden Abende nach der Messe brachten Franzosen, Italiener, Spanier, Österreicher, Kalifornier, Deutsche und Portugiesen an einen Tisch. Da wurde kreuz und quer verkostet.

Schmeckt man biodynamischen Weinbau? Wie bestimmt ihr den richtigen Lesezeitpunkt? Lässt sich Kupfer bei der Pilzbekämpfung minimieren? Bodenarbeit oder Dauerbegrünung? Ohne Geheimniskrämerei wird da erzählt von Siegen und Niederlagen in Weinberg und Keller, von sanftem Rebschnitt, verkleinerten Rebflächen, Bäumen im Weinberg, der Gesunderhaltung alter Rebstöcke und den 1001 anderen Details, die handwerklichen Wein so spannend und so anders machen.

 


Die Frage zum Abschied: Wann findet die Hausmesse 2020 statt?

Freitag | 24. April 2020 | 16:00 – 20:00 h

Samstag | 25. April 2020 | 11:00 – 17:00 h


 

 

Zurück zu 2019: Freitag geht es gleich richtig gut los. Nach wenigen Minuten ist das Ofenwerk gut gefüllt. Der Freitag entwickelt sich immer mehr zum konzentrierten »Arbeitstag«. Aufmerksam wird da verkostet. Die vier Stunden wollen schließlich genutzt sein. Die Winzer sind so beeindruckt wie begeistert von unseren Besuchern und deren respektvollem Interesse an Wein und Mensch. Wir notieren eine ganz tolle, entspannte Atmosphäre.

Übrigens verteilen sich, entgegen immer wieder geäußerter Kritik an früheren Messen, die Besucher dank unserer Verkostung-Touren gleichmäßig an alle Stände. An keinem gibt es  Gedränge. Jeder kann an jedem Stand ohne Beeinträchtigung nach Belieben probieren. Sehr positiv haben sich die 20.- Euro Eintritt bemerkbar gemacht: Wirkungstrinker und Freibiergesichter bleiben weg, wer kommt, will aufmerksam probieren.

 

Der Samstag ist der fröhliche Verkostungstag im Kreise von Freunden und Bekannten. Väter kommen mit Söhnen und Töchtern, Familien mit Kindern, Freunde mit Bekannten. Es herrscht disziplinierte Volksfeststimmung. Großartig! Die Atmosphäre ist umwerfend und überträgt sich auf alle, Winzer wie Besucher. Es gibt kaum Gedränge, es wird gelacht, gestaunt, probiert und diskutiert. Unsere aufwendig konzipierten Verkostungstouren werden eifrig absolviert, Wein wird sichtlich zum Vergnügen. Wir freuen uns über mehr als 2000 Besucher an beiden Tagen.

 

Als um 17 Uhr die Pforten schließen, gipfeln 37 Jahre harte Arbeit für das Gute im Wein in einem Moment des Glücks. Dank an alle, die mithalfen, die mitmachten, die kamen, die tranken, fragten und genossen und Wein mal anders erleben wollten – und hoffentlich fanden, was sie suchten.

 

Sie, unsere Besucher, Freunde, Gäste und Interessierte, waren großartig. Unsere Winzer waren wieder sehr beeindruckt von Ihrem Respekt und Ihrem Interesse. Auch deshalb kommen sie gerne persönlich zu unserer Messe, weil sie sich bei uns ernstgenommen fühlen in ihrer Arbeit, ihrer Philosophie, ihrem Sein wie sie sind. Großes Kompliment also von all unseren Winzern an Sie, unsere Gäste und Besucher!

 

 

Jasmin Hirsch von Hirsch Vineyards an der kalifornischen Sonoma Coast war zum ersten Mal dabei. Ihre Weine scheinen mächtig Eindruck gemacht zu haben. Sie nahm ihren Auftrag ernst und beriet unsere Besucher ausführlich und mit sichtbarer Leidenschaft. Ihre Pinot Noirs gehören zur absoluten Weltspitze und beeindruckten auch unsere Winzer nachhaltig. Viele kamen immer wieder vorbei, um Jasmines Weine zu verkosten. Jasmine wiederum war vom Fachwissen und dem Interesse unserer Messebesucher so beeindruckt, daß sie ankündigte, schon bald wieder mit von der Partie zu sein.

 

 

Good old Jim. Er kam direkt aus dem Krankenhaus, unser Freund Jim Clendenen von »Au Bon Climat« aus St. Barbara in Kalifornien. Er kommt seit vielen Jahren jedes Jahr, um seine Weine persönlich vorzustellen. Sein Charisma und seine menschliche Art machen ihn zu einer der großen Persönlichkeiten der Weinwelt. Sein Wissen ist enzyklopädisch, menschlich ist er uns zum Freund geworden und als Verkoster kennen wir niemanden, der ihm das Wasser reichen kann.

Jim präsentierte Weine, die verfügbar sind, aber auch Jahrgänge, die erst im Laufe des Jahres eintreffen. Sie gehörten wieder, wie zu erwarten, zu den meistbestellten unserer Messe.

 

 

Ray Kaufman.  Oben im Bild Mitte. Freund und Geschäftspartner seit fast 30 Jahren. Er präsentiert Weine von Freunden und Partnern, sowie seinen eigenen Malbec »Adelante« aus Argentinien. Seit 30 Jahren reisen wir, forschen wir und suchen wir zusammen nach neuen Winzern, spannenden Weinen und den interessanten Menschen dahinter.

 

Molly Sheppard, rechts im Bild, ist Weinmacherin bei Spottswoode Estate im Napa Valley. Spottswoode produziert einige der der besten Cabernets der Welt. Sie sind weltberühmt, obwohl sie aus einem winzig kleinen, sehr sympathischen Familienbetrieb in St. Helena mitten im Napa Valley stammen. Uns verbindet eine langjährige Partnerschaft. Spottswoods Weine sind Weltklasseweine für Kenner und Könner, leider teuer, dafür aber auch richtig gut.

Molly hielt auch ein spannendes Seminar, in dem sie nicht nur ihren Betrieb vorstellte, sondern auch kompetent einführte in die klimatischen und geologischen Gegebenheiten im Napa Valley. Sie stellte vier ihrer großen Cabernet Sauvignons vor, darunter auch den mit 100 Punkten bewerteten Jahrgang 2015. Ein eindrucksvolles Erlebnis.

 

 

Apropos Seminare: Christian Wonka, Spitzenkoch aus Nürnberg, in Aktion. Er servierte drei verschiedene Spargelpräparationen, die Martin Kössler (rechts im Bild) mit entsprechenden Weinen begleitete. Die gekonnte Kombination von Essen und Trinken interessiert immer mehr Menschen. Wir werden ihr auf der nächsten Hausmesse einen Schwerpunkt widmen.

Christian Wonkas Spezialität sind Gemüse aller Art.  Unten im Bild sein roher Spargel, raffiniert mit nur einem Hauch Zucker und Salz abgeschmeckt, dazu servierte Martin Kössler einen weißen Rioja von der Bodega Ojuel:

 

 

Niko Brandner, Chef des Sekthauses Griesel & Compagnie an der hessischen Bergstrasse (Bild unten), führte ein in die Herstellung und Qualitätskriterien von Schaumweinen. Sein Seminar war wieder atemberaubend informativ. Mehr Wissen über die Faszination der Blasen im Wein kann man in 45 Minuten kaum vermitteln.

 

 

Der Tisch von Elise Dechannes aus der Champagne (unten) war heftig umlagert. Sie kam nicht dazu, auf die Toilette zu gehen, wie sie uns abends anvertraute. Kein Wunder, wann kann man schon mal einen Les Riceys probieren, einen echten Rosé-Champagner aus reinsortigem Pinot Noir von der Côte des Bar.  Er interessierte zahlreiche Besucher und war nach der Messe ausverkauft. Elise war beeindruckt und begeistert vom Interesse unserer Besucher an ihren feinsinnigen Champagnern.

 

 

Die Vier unten im Bild wußten nicht wie ihnen geschieht. Unsere Alpenwinzer aus Bugey und Savoyen, mitten in den Bergen zwischen Lyon und Mont Blanc, hatte Dunja Ulbricht zum Kommen verpflichtet. Sie staunten nicht schlecht über das Interesse an ihren Weinen.

Links Familie Renardat-Fache. Deren raffiniert süßer Rosé-Schaumwein Cerdon aus Bugey verursachte erst Skepsis, dann Begeisterung, und entwickelte sich im Lauf der Messe zum Verkaufsschlager.

In der Mitte Sylvain Liotard von der Domaine »13 Lunes«.  Der biodynamische Newcomer aus Savoyen verblüffte mit merkwürdig eigenwilligen regionalen Weiß- und Rotweinen aus autochthonen Rebsorten, die den Osten Frankreichs zu einer Fundgrube für ungewöhnliche Weine machen.

Und schließlich Jean-Pierre von Coté Cairn. Er produziert auf einem der höchsten Weinberge Frankreichs im Vercors, einer atemberaubend schönen Landschaft gegenüber der Alpen des italienischen Piemont, einen nur dezent süßen, dafür um so spannender würzigen Schaumwein, der dem merkantilen Asti Spumante einst als Vorbild diente. Hier hat er als handwerklicher Biodynamik-Schaumwein viel mehr Tiefgang und Facetten zu bieten: Clairette de Die. Ein Natur-Schaumwein  unbekannter Frische und Ausstrahlung, der zu Gebäck und fruchtigen Desserts einen Partner liefert, der viele neue Freunde fand.

 

 

Marie (Bild unten) und Matthieu Boesch aus dem Elsaß sind eine der großen Entdeckungen der letzten Jahre. Ihre großartigen Pinot Noirs finden reißenden Absatz, obwohl sie aus dem Elsass kommen. Wer hätte das gedacht. Und ihre trockenen Gewürztraminer sind zunächst schockierend, weil sie so anders sind als erwartet, finden aber trotzdem das Interesse unserer Kunden. K&U-Kunden sind eben besondere Kunden – und die Weine der beiden Biodynamik-Winzer wie gemacht für K&U. Eine Fügung des Schicksals, daß sich unsere Wege vor ein paar Jahren gekreuzt haben.

Der SWR portraitiert in dem überaus sehenswerten Film »Elsass & Vogesen – neu entdeckt« ab 1:21 h auch Marie und Matthieu Boesch ausführlich …

 

 

Julien und Emanuelle Montagnon von der Domaine Lombard (unten im Bild), auch sie nominiert für den Feinschmecker-Award »Newcomer des Jahres«, waren das erste Mal auf unserer Hausmesse. Sie stellten die winzige Appellation Brézème vor, die einzige Syrah der Nord-Rhône, die auf Kalkboden steht.

Spannende Weine vibrierender Originalität und berührender Natürlichkeit. Biodynamik. Sie werden schon bald wieder so berühmt und gesucht sein, wie sie es vor der Reblauskatastrophe waren: Damals galt Brézème als dem Hermitage ebenbürtig.

Dazu bauen Julien und Emanuelle mühsam die alten Trockensteinmauern wieder auf, die den Weinen der spektakulären Terrassen von Brézème einst Weltruf einbrachten. Ein Wahnsinnsunterfangen für ein Weingut, dem wir große Zukunft voraussagen.

 

 

Damit sich alle, die nicht unsere Messe besuchen konnten, ein Bild von den interessanten Menschen hinter den Weinen machen können, die Sie gerne trinken, bleibt uns nur der Tipp, nächstes Jahr zu unserer Hausmesse 2020 zu kommen.

 

Unsere legendären Winzerabende nach den Messetagen können Sie leider nicht miterleben. Wir veranstalten sie exklusiv nur für unsere Winzer. An ihnen sind Freundschaften fürs Leben entstanden. Da wird er gepflegt, der Austausch untereinander, der Austausch mit uns, da wird fachgesimpelt und über Privates gesprochen. Da werden Strategien diskutiert und Pläne geschmiedet. Da entsteht Interesse an Biodynamik, weil sie bei anderen erfolgreich praktiziert wird. Da wird der Händler zum Partner und der Winzer zum Freund.

Zur Küche von Jens Brockerhoff und El Paradiso, ausschließlich aus besten Produkten der Region zubereitet, leeren wir gemeinsam die Flaschen, die auf der Messe präsent waren. Damit jeder den Wein des anderen probieren kann.

Es sind tolle Abende, an denen sich die Winzer untereinander kennenlernen. Auf keiner anderen Messe finden sie so viele Gleichgesinnte, wie bei uns. Schließlich widmen wir Ihrer täglichen Arbeit unser kompromißloses Einkaufs- und Qualitätskonzept. Bei uns erfahren sie, wie der deutsche Markt funktioniert, hier schmieden sie Allianzen, hier hören sie und wir einander zu, hier wird in allen Sprachen gesprochen, zur Not mit Händen und Füssen.

 

Unten im Bild bedankt sich Dunja Ulbricht bei allen Winzern im Namen von K&U für ihr Kommen, Ihr Engagement und ihr Interesse an unseren Kunden und Besuchern, an uns und unserer Arbeit.

 

 

Ein neues Gesicht bei K&U: Darja Ulbricht (unten Mitte). Ihrer Sprachgewandtheit, ihrem Organisationstalent und ihrer Zuverlässigkeit verdanken wir eine Geschlossenheit im Team, die uns anspornt zu neuen Taten.

Hier Darja im Gespräch mit Emanuelle Schoch von Mas Seren aus den Cevennen und Serge Scherrer von der Domaine Agarrus. Die Zukunft von K&U…

 

 

 

Bedanken möchten wir uns bei den vielen Helferinnen und Helfern, die auch dieses Jahr wieder unsere Hausmesse möglich gemacht haben. Ohne euch geht nichts und wegen Euch kommen unsere Winzer gerne zu uns, denn auf keiner anderen Messe werden sie so gut betreut wie bei uns.

 

Besonderer Dank schließlich gebührt Christoph Schlee (Bild unten). Er plant und organisiert unsere Messe minutiös, hält alle und alles zusammen, spinnt die Fäden in aller Ruhe und das ohne jede Aufregung. Das souveräne mind behind. Danke!

 

Bilder Martin Kössler & Knut Pflaumer, mit herzlichem Dank!

 

Auf die Hausmesse 2020!

Freitag | 24. April 2020 | 16:00 – 20:00 h

Samstag | 25. April 2020 | 11:00 – 17:00 h

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