Bio-Wein
Natürliches Weinvergnügen?
»Nur Bio« ist zu wenig ...
 

Der konventionelle Weinbau betrachtet den Boden als Substrat, auf dem Reben Trauben produzieren. Er »bearbeitet« ihn chemisch, baut dadurch Boden und Nährstoffe ab und düngt systemisch. Dagegen hält der Bio-Winzer seinen Boden durch Begrünung und Bearbeitung lebendig, er baut ihn auf und versorgt seine Reben so mit natürlichen Nährstoffen, Spurenelementen und Wasser.
Während der konventionelle Winzer nur der Empfehlung der »guten fachlichen Praxis« unterliegt, mit katastrophalen Folgen für Mensch und Umwelt, wird die biologische Traubenproduktion jährlich zertifiziert und streng kontrolliert. Auch im Bio-Weinbau muß gespritzt werden, je nach Witterung und Standort sogar häufiger als konventionell, dabei kommen aber nur Kupfer, Pflanzentees und wenige natürliche Präparate in niedriger Dosierung zum Einsatz. Synthetische Dünge- und Spritzmittel sind verboten.
In der Weinbereitung regeln die Bioverbände den Einsatz von Schwefel und kellertechnischen Eingriffen. Trotzdem schmeckt Bio-Wein nicht grundsätzlich besser als Industriewein. Dazu muß er weit mehr sein als »nur Bio« ...

Was bedeutet »Bio« im Wein?
 

Bis 2012 durfte Biowein nur als »Wein aus Trauben aus biologischem Anbau« bezeichnet werden. Der Anbau im Weinberg war präzise geregelt, für die Verarbeitung der Bio-Trauben zu Bio-Wein gab es über 25 Jahre hinweg keine Regelung. Die kam erst mit der »EU-Durchführungsverordnung 203/2012 zur biologischen Kellerwirtschaft«, die das »Bio« in der Weinbereitung seitdem regelt. Erst jetzt darf sich »Biowein« so nennen.

Wie kaum anders zu erwarten, fiel die neue Kellerrichtlinie der EU-Kommission industriefreundlich aus, erlaubt sie doch die Verwendung von Zusatzstoffen und Manipulationen aus der konventionellen Kellerwirtschaft, u. a. den Einsatz geschmacksverändernder Holzersatzstoffe, Enzyme und Reinzuchthefen, um »Bio-Wein« in großen Mengen und billig produzieren zu können.

Sie konterkariert damit zwar die Vorstellung vom reinen und natürlichen Biowein grundlegend, macht das Bio im Wein zur Verbrauchertäuschung, dem Verbraucher scheint dies aber egal zu sein, wie die Sortimente der Biowein-Versender und des einschlägigen Bioweinhandels beweisen.

Um sich von der merkantilen Makulatur des dort vorherrschenden EU-Bio-Siegels abzugrenzen, reagierten seriöse Verbände wie Bioland®, Ecovin®, Naturland®, AB®, Biodyvin® oder Demeter® mit jeweils eigenen, schärferen Vorgaben und Richtlinien.
Die biologische Zertifizierung ist aber nur eine Kontrolle definierter Prozessabläufe. Eine Garantie für geschmackliche Qualität im Wein kann und will sie nicht sein. Einzig der französische Bio-Elite-Verband Biodyvin® garantiert mittels einer sensorischen Eingangs-Prüfung besondere geschmackliche Qualität.

Gegen die zunehmende Ver-Industrialisierung des Bioweines wehren sich besonders engagierte Bio- und Biodynamik-Winzer in aller Welt, in dem sie das zwingend vorgeschriebene EU-Biosiegel aus Protest nicht mehr auf ihre Etiketten drucken. Damit dürfen wir, formale EU-Vorschrift, ihre Weine aber nicht mehr als »Bio« deklarieren, obwohl sie von seriösen Verbänden zertifiziert sind.

Wir nehmen nur noch seriös biologisch zertifizierte Betriebe ins Programm. Wir können verstehen, daß diese mit jenen billigen EU-Bio-Massen- und Markenweinen, deren Kontrolle im Süden Europas vom Schreibtisch aus zu erfolgen scheint, wie der vielfache Nachweis verbotener Phosphonate durch die Zeitschrift »Ökotest« vermuten läßt, nicht in einen Topf geworfen werden möchten. Wir können auch verstehen, daß sie ihre Weine nicht mehr als »Bio« deklarieren möchten, obwohl sie weit mehr als »nur Bio« sind, weil derzeit viele Winzer weniger aus Überzeugung, als aus wirtschaftlichem Kalkül zum Bioweinbau konvertieren.

Um aber den vielen skrupellosen Trittbrettfahrern, die behaupten, »eigentlich« biologisch zu arbeiten, aber »keine Lust zu haben«, sich zertifizieren zu lassen, Paroli zu bieten, fordern wir nicht nur regelmäßig die aktuellen Bio-Zertifikate an, wir fordern auch die korrekte Deklaration der biologischen Zertifizierung. Es geht um Transparenz und Glaubwürdigkeit. Alles andere halten wir für unseriös und Vortäuschung falscher Tatsachen.

Grundsätzlich

Biologischer Anbau hinterläßt weniger Schadstoffe und ist für Mensch und Natur immer besser als konventioneller Weinbau. Daß die Böden deshalb aber »gesünder« oder lebendiger und die Trauben »besser« als im konventionellen Anbau sind, garantiert Bioweinbau nicht automatisch. Wenn ein Winzer sein Bio-Handwerk nicht engagiert und professionell betreibt, fällt auch im Bioweinbau die Realität trist aus. Warum sind so viele Bioweine durch Auf- oder Entsäuerungen, Schönungen und andere »Korrekturen« im Keller entstellt? Warum schmecken so viele Bioweine banal, langweilig und unambitioniert, also keinen Deut anders als ihre konventionellen Pendants?

»Bioweine« sind weder per se authentischer noch besser als konventionelle Weine. Schon gar nicht sind sie »gesünder«. Das zu behaupten ist verboten, und es ist Quatsch. Ethanol ist krebserregendes Zellgift, ob Bio oder nicht. Auch hier macht die Dosis das Gift.

Dem klassischen Biowein-Handel scheinen Ideologie und Preis wichtiger zu sein als geschmackliche Kriterien und Qualität. Er läßt Authentizität, Charakter und Herkunft, Ökologie und handwerklichen Anspruch zu Lippenbekenntnissen verkommen.

Der Biowein muß seine zunehmende Intransparenz in Herkunft und Produktion dringend zum Thema machen, bevor sie ihm zum Problem wird!

Bio aus Überzeugung

Wir sind überzeugt davon, dass Weinbau ohne Bio nicht zukunftsfähig ist. In Zeiten des Klimawandels wird »Bio« zur fast schon notwendigen Voraussetzung für Qualität im Wein. Nicht umsonst sind in den letzten fünfzehn Jahren zahlreiche Spitzenwinzer weltweit zum biologischen Weinbau konvertiert. So mancher hat dabei seinen Betrieb verkleinert, weil die Arbeit im Weinberg größeren Arbeitsaufwand erfordert. Sie nehmen kleinere Ernten in Kauf. Sie kennen ihre Reben, die sie über entsprechende Bodenbearbeitung mit Nährstoffen und Feuchtigkeit sorgen. Sie arbeiten für lebendigen Boden, denn nur er stärkt ihre Reben und beugt so Krankheiten und Pilzbefall vor. Ihr Verständnis des komplexen Zusammenspiels zwischen Boden und Rebe, zwischen Morphologie und Physiologie, unterscheidet sie grundsätzlich vom konventionellen Betrieb, der im Weinberg gedankenlosen Krieg gegen die Natur führt (siehe Bilder rechts).

Während der konventionell wirtschaftende Winzer Trauben produziert, die er im Keller nach den Rezepten der Önologie zu Wein verarbeitet, der »technisch korrekten« Konventionen entspricht, versucht der engagierte Bio-Winzer seinen Weinen den Ausdruck von Boden, Klima und Lage zu vermitteln. Dazu beeinflußt er die Physiologie seiner Reben so, dass deren Trauben gesund und optimal reif geerntet werden können, um im Keller weder Most noch Wein »korrigieren« zu müssen. Nur solche Weine interessieren uns. Sie zeichnen sich stets durch ein dichtmaschiges Mundgefühl aus, das den Jahrgang nicht mit der Technik der Machart kaschiert, und sie riechen nicht simpel »fruchtig«, sondern duften komplex würzig.

Die Zukunft im Wein.

 

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»Naturwein. Mehr als nur Bio.«
 

Für unsere Winzer ist »Bio« Lebensphilosophie. Ihre Weine sind »mehr als nur Bio«, weil sie im Weinberg aufwendig nachhaltig entstehen, um im Keller extrem schonend und so natürlich wie möglich ausgebaut werden zu können. Sie müssen »anders« schmecken als konventionelle Weine. Agrarindustriellen Weinbau, wie ihn die meisten hoch gefeierten Spitzenbetriebe noch immer in flächendeckendem Einsatz praktizieren, lehnen wir kategorisch ab. Handel und Presse verschweigen dies ignorant, um sich auf den Ausbau im Keller als für Stil und Qualität entscheidend zu kaprizieren. Dabei liegt der Schlüssel aller Qualität im Wein im Weinberg, weshalb wir nur noch engagiert biologisch wirtschaftende Betriebe ins Programm nehmen. Die müssen, weit »mehr als nur Bio«, im Keller garantiert auf alle »korrigierenden« Zusätze und Manipulationen verzichten, um uns jenen geschmacklichen Mehrwert garantieren zu können, den wir von ihnen fordern.