• 29/12/2015
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  • Kolumne

Clos Rougeard, Saumur. Charly Foucault ist tot.

Traurige Nachrichten. Gestern Abend (28.12.2015) ist Charly Foucault, der ältere der beiden Foucault-Brüder, der eigentlich Jean-Louis heißt, in einem Krankenhaus in Angers verstorben.  Ihr Weingut »Clos Rougeard« führen wir seit den frühen 90er Jahren.

 

Ich erinnere mich noch gut an unseren ersten Besuch auf dem Weingut. Da waren die beiden noch Nobodies, die in der Region belächelt wurden, weil sie gegen neues Holz im Wein waren und ihr Keller nicht »modernen« Standards entsprach, womit sie damals unsere Neugier geweckt hatten.

 

Charly und sein Bruder Bernard Foucault, genannt »Nady«, lehnten alle Neuerungen moderner Önologie ab. Sie vergoren nie anders als spontan, immer in gebrauchten Fässern, schon damals mit minimalem Schwefeleinsatz und bewirtschafteten schon damals ihre Reben biologisch. Ihre Weine widersprachen selbstbewußt und eigenwillig konventionellen Vorstellungen von Wein. Viele Jahre taten wir uns deshalb schwer, sie zu verkaufen. Es verstand sie kaum jemand, weil sie sich kompromißlos der Mode überreifer Traubenlese entgegenstellten, um sich ganz auf Frische und Filigranität zu kaprizieren. Das interessierte bis vor wenigen Jahren kaum jemand. Die Weine gingen über viele Jahre ausschließlich an ein paar wenige Kenner und Eingeweihte. Glücklich, wer ihre sensationellen »Les Poyeux«, ihren extrem raren »Le Bourg« oder gar ihren weißen »Brezé« im Keller hat. »Le Bourg« 1989 z. B. gehört zu den ganz großen Weinerlebnissen, an die ich mich erinnern kann. Die Weine der Frères Foucault sind große Cabernet Francs und Chenins, denen unendliches Leben beschieden scheint. Heute sind ihre Wein angeblich »hip«. Wir fragen uns nach den vielen Jahren des Desinteresses, warum und von wem sie plötzlich verstanden werden.

 

Es war nicht immer leicht, mit den beiden Charakterköpfen zu arbeiten. Charly und Nady hatten weder Fax noch Mobiltelefon, man mußte hinfahren, wenn man was wollte. Ihr Leben war der Weinberg und seinem Rhythmus unterwarfen sich beiden kompromißlos. Dem schnellen modernen Businessleben widersetzten sie sich wie wenige. Sie konnten es sich leisten. Man fuhr zu Ihnen, auch wenn es schwer war Termine zu bekommen, und vereinbarte die jährliche Zuteilung. Solche Persönlichkeiten gibt es im modernen Wein kaum noch. Mit solchen Winzerfiguren im Kopf kommt einem der moderne Weinzirkus vor wie eine Seifenoper. Romain Guiberteau war ihr letzter »Lehrling«, der jederzeit Zugang hatte, er setzt heute ihr Erbe fort. Als Françoise, die Frau von Charly, vor vielen Jahren auf Chateau Yvonne die Weinbereitung übernahm, waren wir mit von der Partie und hatten unerwarteten Erfolg mit ihren Weißweinen. Charly war mächtig stolz darauf, daß seine Frau Erfolg hatte als Weinmacherin. Nach dem Verkauf des Chateaus zog sie sich zurück und es wurde still um sie.

 

Mit Charly Foucault hat die Weinwelt eine große, stille, extrem integere, von schnellen Moden und aufgeregtem Zeitgeist unberührte Persönlichkeit verloren, der wir in aller Stille nachtrauern. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau Françoise und den Kindern Antoine und Caroline, sowie bei seinem Bruder Nady und dessen Frau Anne.

 

Zur Erinnerung hier ein Video mit den beiden.

Unsere Tipps

2014

Domaine Guiberteau

Saumur rouge

16,00 €

2011

Domaine Guiberteau

Saumur Blanc »Clos de Guichaux«

21,80 €

2013

Domaine Guiberteau

Saumur blanc

16,00 €

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