• 06/01/2015
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  • Kolumne

N°3/2015. Klartext. Das Video zum Bio-Wein

 

»Bio-Wein«. Seit Jahren bauen nicht nur die einschlägigen Biomärkte, sondern auch der deutsche Lebensmittelhandel ihr Weinsortiment im Bio-Bereich aus. Dort gehen Weine im Preisbereich zwischen 2.79 und 4.99 Euro am besten. Biologisch mögen sie ja sein, diese Weine, um Ökologie kann es dabei aber wohl kaum gehen; daß man dabei sehr oft der Psyche des Verbrauchers auch noch mit »Fair Trade«-Labeln huldigt, macht das Ganze um so komischer.

 

Diese bei den »Bios« so beliebten Billigqualitäten haben in der Kellerwirtschaft mit »Bio« nach unserer Vorstellung nicht mehr viel zu tun. Durch die neue EU-Kellerrichtlinie, die den einstigen »Wein aus biologisch angebauten Trauben« juristisch über Nacht zum »Biowein« machte, dürfen Bioweine im Keller nun so billig und schnell produziert werden wie Billigweine aus agrarindustrieller Produktion. Vergärung mittels synthetisierter Reinzuchthefe, Enzyme zur Filtrationshilfe, Zusatz von Schönungs-, Stabilisierungs- und »Korrektur«-Mitteln, Anreicherung, Auf- bzw. Entsäuerung sowie Zusatz von Holzersatzstoffen sind legale und deshalb gängige Bio-Praxis.

Daß zudem Bioweine im Namen des Preises zu »landestypischen« Verschnitten auf dem Bioweinfaßmarkt zusammengekratzt und zur Marke anonymen Inhalts hochstilisiert werden, setzt dem Drama »Biowein« die Krone auf. Was sich da der Handel mit Bioweinen leistet, ist höchst fragwürdig. Statt Transparenz zu schaffen, verschleiert er sein Tun so wie die Agrarindustrie. Mit dem Öko-Gedanken, der sich einst absoluter Transparenz im Handel und regionaler Wirtschaft mit kurzen Wegen und authentischer Herkunft verschrieb, haben diese »Bioweine« unserer Meinung nach nicht mehr viel gemein.

 

»Bio« ist also auch im Wein zum knallharten Business geworden und »Biowein« letztlich zur Verbrauchertäuschung mutiert. Er diskreditiert damit jene ehrlichen und engagierten Biowinzer, die im Keller konsequent das umsetzen, was sie im Weinberg an Ausgangsmaterial schaffen: Eine bessere weil andere, unmanipuliert natürliche Weinqualität.

Für uns muß seriöser Biowein vom Weinberg bis auf die Flasche anders produziert sein als konventioneller Wein. Deshalb sollten jene Weine, die wir als Bioweine deklarieren, »anders«, nämlich lebendig und spannend schmecken, garantiert nicht konventionell.

 

Ein Video-Plädoyer für einen Biowein neuer Definition. Für eine qualitativ andere, vor allem aber transparentere Zukunft.

Unsere Tipps

2013

Beurer

Stettener Trollinger »K&U-Sonderedition«

8,90 €

ohne Jahr

Françoise Bedel & Fils

Champagne Brut »Comme Autrefois«

75,00 €

2010

Domaine de la Chevalerie

Bourgueil »Chevalerie«

19,90 €

2013

Biovio

Rossese di Albenga »U Bastio«

15,00 €

2008

Valdonica

»Saragio« Montereggio Massa Marittima

19,90 €

IElvio Mobili
10.Jan.2015
Dem "Kommerz" werden Ideale geopfert und man läßt sich für ihn bereitwillig auf Kompromisse ein. Der Weinmarkt ist davon nicht verschont. Es ist an der Zeit, sich dagegen zu wehren und nicht käuflich zu sein. Dazu braucht es "Sendungsbewusstsein". Herr Koessler, Ihnen gebührt Dank!
der Floh
09.Jan.2015
VIelen dank, sehr beeindruckend, toll zusammengefasst und auf den Punkt gebracht. Danke für die vielen tollen Tipps .. der floh
Dr. med. Martin Kerres
06.Jan.2015
Danke, Martin Kössler, für die klaren Worte. Das Nicht-Wissen ist die Herausforderung. Gäste, die ich durch mein Weingut Valdonica führe, sind betroffen: Erst im Erleben von verantwortungsvoller Nachhaltigkeit in den Weinbergen, im Keller, im Team... entsteht Klarheit und Wertschätzung. Mit dem Nicht-Wissen werden wir zum Spielball der Pseudo-Bio Marketing-Maschinerie. Bei der Auswahl des Motoröls wird oft mehr Rücksicht auf den Motor genommen als bei der Auswahl eines Weines Rücksicht auf den Körper genommen wird. Danke für den unermüdlichen Einsatz für verantwortungsvolle Nachhaltigkeit!
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