Weine für Schneetage und frostige Temperaturen
Der kalte Winter braucht besondere Weine. Um Ihnen die Qual der Wahl zu ersparen, haben wir entsprechend gemütlich wärmende Wohlfühl-Weine ausschließlich nach ihrer geschmacklichen Wirkung ausgesucht, also nach ihrem besonderen Mundgefühl, ihrer »Textur«, nicht nur nach ihrem Preis. Weil der Januar inzwischen von vielen zum »Dry January« erklärt wird, setzen wir dieser Enthaltsamkeit die sinnliche Differenzierung der Selbstwahrnehmung, wie sie nur guter Wein zu offerieren vermag, entgegen. Wir wünschen Freude und geistige Anregung mit unserer kleinen Auswahl an Weinen für die kalten Tage und Nächte dieses Winters.
Inhalt: 0.75 l (22,53 €* / 1 l)
Einer der fröhlichsten Schäumer, den wir kennen
Es gibt höchst originelle lokale Schaumweine zum erstaunlich günstigen Preis. Zum Beispiel diesen hier von Mutter und Töchtern Lusenti aus der Emilia Romagna, der winterliche Abende mit exotisch wärmender Würze erfüllt.
Solch fröhliche Spaß-Schäumer findet man in vielen Ecken Italiens. Seine Rebsorte: Malvasia di Candia Aromatica - eine wahre Duftbombe aus einer alten autochthonen weißen Aroma-Rebsorte aus der Gegend von Piacenza, die dort vornehmlich vor Ort genossen wird. Bei uns kennt man sie kaum, diese originellen lokalen Spezialitäten, die Italien erst zu Italien machen. Wir finden ihn himmlisch, diesen natürlich perlenden schwefelfreien PetNat, der attraktiv würzig und aromatisch intensiv aus dem Glas dampft, fast an Curry erinnernd, weniger fruchtig als exotisch komplex im breiten Spektrum seines wunderbaren Aromas. Auf seine Art einmalig. Aus Bioanbau. Macht schäumend Freude, schafft fein perlend Freunde, erfreut die Sinne.
2021 Vino Frizzante »Emiliana« Malvasia di Candia IGT, Lusenti 16,90 €
Chardonnay mit Wohlfühlgarantie
Marie und Jean-Hugues Goisot zählen zur absoluten Spitze der Weinszene in Frankreich. Die beiden agieren aber so leise und bescheiden, fast schon scheu, daß sie vor allem Insidern bekannt sind. Ihr Betrieb liegt, wenige Kilometer von Chablis entfernt, im äußersten westlichen Zipfel Burgunds und gilt damit bereits als »ab vom Schuß«. Gut für Sie, gut für uns.
Ihr großer Chardonnay »Gueules de Loup«, ein »Bourgogne Côte d´Auxerre«, liefert genau das Wohlgefühl, das winterlicher Weißwein braucht. wohltuend seidig, kühl und geschmeidig im Mundgefühl, daß sinnliche Entspannung einsetzt, sobald man ihn auf der Zunge hat. Da zieht ihn filigrane Säure über die Zunge, steinige Mineralität reizt die Zungenrändern und man lauscht ihm gespannt hinterher, wie er am Gaumen in raffiniert seidig kühler Konsistenz ausklingt. Das kann so nur großer Chardonnay. Unsere weiße Winter-Überraschung für Stunden der Muse und inneren Ruhe.
2022 Bourgogne Chardonnay »Gueules de Loup«, Goisot 27,50 €
Star der Winter-Küche
Ein richtig gemütlicher Silvaner. Rainer Zang und Sohn Maximilian gehören zu den stillen Größen in Frankens Weinszene. Sie verzichten auf den Glanz einer modernen Vinothek, arbeiten stattdessen mit grosser Kompetenz und Leidenschaft an fränkischen Weinen mit Persönlichkeit und Seele, die sie in großen alten Holzfässern mit viel Zeit auf der Hefe spontan vergären.
»Langgraben« ist ihre beste Lage, ein Modell-Silvaner für Franken. Muschelkalkboden, alte Reben, niedriger Ertrag, bunte Biodiversität zwischen den Rebzeilen und viel Zeit im Keller für einen mundfüllend geschmeidigen Silvaner voller Wärme und Ausstrahlung, dem jede Schwere abgeht. Dicht und mit viel Schmelz gleitet er wohltuend samtig in trockener Kräuterwürze über die Zunge. Passt wie kaum ein anderer zu winterlichen Suppen und schmackhaft regionaler Winterküche.
2022 Silvaner »Langgraben«, Öko-Weingut Zang, Franken. 24,00 €
Winterweiss aus Spanien
Über 140 weiße Rebsorten beleben die Vielfalt in Spanien, das hierzulande fast ausschließlich für Rotwein steht. »Garnatxa Blanca« ist eine alte lokale weisse Rebsorte, die vorausschauende Winzerinnen und Winzer im Süden Frankreichs sowie im Penedès wieder vermehrt anbauen, weil sie der Klimakrise besonders gut widersteht. Hier liefert sie einen munter anregenden Weißwein, der genüsslich durch kalte Winternächte begleitet.
In der Farbe hell mit leicht goldenen Reflexen. Im Duft erinnert er an reifes weißes Obst, Birne und Zitrusfrüchte. Druckvoll mundwässernd seine Mineralität, präzise straff und lang im Mundgefühl. Der Ausbau im Holzfass sorgt für feine warme Brioche-Noten, im Nachklang erinnert er aromatisch an kandierte Früchte. Ein aufregend anspruchsvoller Weißwein, der sich aber ganz entspannt und raffiniert harmonisch zu Süßwasserfisch geniessen lässt, zum winterlichen Kabeljau wie zu hellem und dunklem Geflügel. Und zu einfacher, aber schmackhafter Winterküche aus regionalen Vegetabilien macht er besonders Spass.
2022 Garnatxa Blanca »Loxarel« D.O. Penedès, Loxarel 16,50 €
Antizyklisch. Bordeaux!
Überall ist derzeit zu lesen: Bordeaux is out. Zu weit hat es die Region in ihrer Arroganz getrieben. Cabernet und Merlot sind nicht mehr der Maßstab aller Dinge. Zehn Prozent der Rebfläche stehen dort zur Rodung an. Weil Frau und Mann heute selbstbewußter trinken und das teure Klischee für das Ego nicht mehr brauchen.
Wir haben uns schon vor vielen Jahren aus Bordeaux zurückgezogen, obwohl wir mal einer der Import-Pioniere der Region waren. Lang ist's her. Trotzdem gibt es dort Weine, die es in dem Stil und der Qualität zu dem Preis woanders nicht gibt. Valmengaux ist so ein Wein. Seit ein paar Jahren in neuem Besitz, sehr engagiert geführt, Biodynamik im Weinberg, kleine überschaubare Produktion, gute Arbeit im Keller, alles Handarbeit, mit Herzblut bewirtschaftet. So schmeckt dieser kleine Bordeaux denn auch: Deftig und ehrlich ungeschminkt, potent und geschmeidig, ein Maul voll Wein. Bordeaux, wie er sein sollte und wie man ihn an kalten Winterabenden so gerne im Glas hat.
2018 Domaine de Valmengaux, Côtes de Fronsac, Bordeaux 19,50 €
Es gibt ihn, den guten Primitivo
Primitivo ist buchstäblich in aller Munde. Oft schrecklich süß, weil der Grundwein so billig ist, daß er nur mit viel Zucker (bis zu 18 g/l sind üblich und erlaubt, ein Zuckerwürfel wiegt 3 g) erträglich ist. Ein Trauerspiel, aber extrem erfolgreich.
Wir treten den Beweis an, daß Primitivo guter Wein sein kann. Seriös trocken, aus nachvollziehbarem Winzerhandwerk mit biologischem Anbau und gekonnt natürlichem Ausbau. Deshalb nicht billig, dafür aber bemerkenswert anspruchsvoll und qualitativ hochwertig. Bilderbuch-Rotwein für kalte Winternächte. Der junge Vito D´Onchia beherrscht sein Metier. Er liefert hier ein echtes Meisterstück ab. Wir hatten noch nie einen so animierenden, trinkfreudig süffigen, zugleich aber auch »ernsthaft« und seriös schmeckenden Primitivo im Glas wie diesen. Sein Geheimnis? Vito fügte dem Wein winzige 5 % Cabernet Sauvignon von jungen Reben hinzu. Die Folgen sind hier zu bewundern. Da kann der Winter gar nicht kalt genug werden!
Herzerwärmend gut aus dem Rhônetal
Vom Weinhandel lange verächtlich »Kotz in die Rhône« genannt, hat sich die südfranzösische »Côtes du Rhône« als zweitgrößtes Weinbaugebiet Frankreichs inzwischen zur zuverlässigen Quelle außergewöhnlich preiswerter Weine entwickelt. Fast 25 % der Rebfläche werden dort inzwischen regenerativ bewirtschaftet. Die dynamische Ferme Saint-Martin liegt als Pionierbetrieb im kleinen Örtchen Suzette hoch über dem Rhônetal und ist einen Besuch unbedingt wert.
Terres Jaunes. Gelbe Böden. Die Reben stehen hier auf dem gelben Lehm- und Muschelkalkboden der Appellation Beaumes de Venise. Ein hochwertiges »Cru« also, aus Grenache, Syrah, Terret Noir, Counoise und anderen roten Sorten. Dunkelgetönt rubinrot in der Farbe. Kraftvoll würzig und pfeffrig im Duft, der pralle Frucht verströmt. Im Mundgefühl raffiniert kühl in der Wirkung und trotz potenter Konzentration voller Dynamik. Geschmeidig und fast luftig auf der Zunge, wirkt hochwertig seidig und fein in den Gerbstoffen. Hinreißend guter Stoff aus dem französischen Süden, der im winterlichen Norden geradezu herzerwärmend agiert.
2022 »Les terres jaunes« AOP Beaumes de Venise 18,90 €
Den Günstigen zum Schluss
Ein Preiswunder, das auch uns immer wieder zum Staunen bringt in unseren Verkostungen. Frankreich hat sie wie kein anderes Weinbauland, die Qualität zum fairen Preis. »Filante« aus dem Minervois im südfranzösischen Languedoc ist eine hinreißend mediterran geprägte, prall dunkelwürzige Assemblage von alten Carignan- und Grenache-Reben. Die natürliche Synergie der beiden Rebsorten kann man riechen und fühlen: Carignan, zur Hälfte an der Cuvée beteiligt, ist die große rote Rebsorte des Mittelmeers; sie ist dickschalig und verleiht dem Wein tintig dunkle Farbtiefe und eine tiefgründig »blaue«, kühle Würze, die an Lakritze, Lorbeer und Wacholder erinnert. Die Rebsorte Grenache liefert jene dichte, samtigweiche Packung, die den Mundraum mit pfeffriger Wirkung und warmer Opulenz austapeziert. Ihr Zusammenspiel liefert ein beeindruckend hochwertiges Mundgefühl, das »Filante« in seiner Preisklasse zur glorreichen Ausnahme macht. Ein mediterranes Meisterwerk, das kalte Winterabende mit wohltuend samtiger Opulenz in kerniger Gerbstoff-Substanz schmückt.