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Hirsch Vineyards

Jasmine & David Hirsch

Pinot Noir aus Kalifornien läuft allmählich Burgund den Rang ab. Es war David Hirsch, der mit seinen Trauben, die er an die damals renommiertesten Weinmacher Kaliforniens verkaufte, schon vor 30 Jahren die Maßstäbe setzte, weil deren Weine Furore machten und sich selbstbewußt Burgund in den Weg stellten. Tochter Jasmine setzt sein Werk heute fort in Weinen, die Burgund das Fürchten lehren.

Region: Sonoma Coast

Betriebsgröße: 29 ha

Bewirtschaftung: Biodynamisch

Boden: Sandstein mit einer Mischung aus schwerem Lehm, sandigem Lehm, Steinen und Kies je nach Parzelle, sehr dünne Bodenauflage

Rebsorten: Pinot Noir, Chardonnay

Als wir in den 1980er Jahren begannen, Wein aus Kalifornien zu importieren, spielte Pinot Noir so gut wie keine Rolle. König Cabernet und Königin Chardonnay dominierten uneingeschränkt Kaliforniens Weinszene. Das änderte sich schlagartig, als 2004 der Film »Sideways« ein Interesse an der bis dahin im Schatten Burgunds vor sich hindämmernden Rebsorte auslöste, das bis heute nachwirkt, denn der kultige Film ist mitverantwortlich dafür, daß Burgund in den Jahren seitdem Bordeaux allmählich abgelöst hat in der Gunst des Zeitgeistes. Wer als Weinkenner auf sich hält, beschäftigt sich heute mit Pinot Noir und Burgund, während Bordeaux nur noch im Kreis einer eingeschworenen Fangemeinde von altem Glanz zehrt. 

Während die globale Weinindustrie in den letzten Jahren die bedingungslose »Premiumisierung« befeuert hat, holt sie jetzt die Realität ein: Der einst alles dominierende Cabernet Sauvignon hat sich nicht nur durch stilistisch banale Premium-Klischees aus dem Markt geschossen, sondern auch durch atemberaubende Premium-Preise, die sich selbst ihre finanziell belastbare Premium-Kundschaft nicht mehr leisten will. 

Der kalifornische Pinot Noir hat sich dagegen nicht nur qualitativ souverän eigenständig entwickelt, er hat sich in all den Jahren auch preislich kaum verändert. Damit bietet er sich als weltweit ernsthafteste und preiswerteste Alternative zu den Pinots aus Burgund an, die längst in preislichen Spähren agieren, die nur selten dem Inhalt der Flaschen (der auch nur Wein ist) entsprechen. Eine historische Chance, die Kalifornien in seinen besten Pinots unerwartet differenziert zu nutzen versteht. In der transparent kommunizierten Breite möglicher Weinbereitungsverfahren stilistisch aufregend vielfältig, im Charakter der Herkunft präzise profiliert, geschmacklich fein, kühl und raffiniert elegant bis reif, dicht, potent und kraftvoll, und das frei von banalen stilistischen Klischees. 

Von der Weinwelt weitgehend unbemerkt, haben Kaliforniens führende Pinot Noir-Winzer eine Revolution angezettelt. Ihr Geschmacksparadigma steht der alten Vorstellung von kalifornischem Wein diametral entgegen. Ihnen geht es um authentisch unmanipulierten Charakter, ohne Auf- und Entsäuerung und systematische Chaptalisierung wie in Burgund. Es geht ihnen um die natürliche Balance von Alkohol und Körper und um ausgereizte Gerbstoffqualität, die sie ausschließlich durch entsprechende Arbeit im Weinberg zu erzielen versuchen, unterstützt von entsprechend angepaßter Weinbereitung, die keinem Rezept folgt, sondern die physische Beschaffenheit der Beerenschalen berücksichtigt.  

Es ist eine bemerkenswert stringente, extrem dynamische Evolution, die Kaliforniens ambitionierte Pinot Noirs binnen weniger Jahrzehnte an die Weltspitze beförderte. Souverän und selbstbewußt umgesetzt von Pionieren, die ihre Visionen lebten und dabei große Risiken auf sich nahmen im Kampf gegen den Markt, gegen Vorurteile und gegen die Natur, die es ihnen nicht immer leicht machte. Was sie dabei von uns Europäern unterscheidet, ist ihre Bereitschaft zur Kommunikation. Man gibt dort zu, wenn man Fehler gemacht hat, warnt seine Kollegen davor, sie ebenfalls zu machen. Man tauscht seine Erfahrungen bereitwillig aus, lernt voneinander, hört sich gegenseitig zu, diskutiert Probleme offen und benennt sie. Das erklärt die enorm schnellen Lernkurven im kalifornischen Weinbusiness. Man darf nicht vergessen, daß auf keiner der Flächen, auf denen heute in Kalifornien Pinot Noir wächst, jemals Reben standen. Da geht es um maximalen Erfahrungsaustausch, denn  dort gibt es keine Traditionen, die man auf der Basis jahrhundertelanger Erfahrungen zu Rate ziehen kann. Die im Anbau zickigste rote Rebsorte der Welt mußte sich ihre Habitate in der neuen Welt schwer erkämpfen. 

Den jahrelangen mühsamen Anpassungsprozess absolvierten im kühlen Süden Kaliforniens unter anderen Pioniere wie Jim Clendenen von Au Bon Climat und sein ehemaliger Partner Adam Tolmach von Ojai Vineyards. Sie machten die Region zur bis heute boomenden. Nicht nur, weil ihre Weine in besagtem Film Sideways eine Rolle spielten, sondern auch, weil sie zahlreiche Menschen dazu inspirierten, es ihnen gleich zu tun.

Im wärmeren Norden Kaliforniens war es David Hirsch, der wie kein anderer die Vorstellungen kalifornischen Pinot Noirs prägte. Gegen jedes bessere Wissen kaufte er in den späten 1970er Jahren an der Sonoma Coast Land, um als einer der ersten dort Reben zu pflanzen. Jahrelang hatte er sich mit dem Anbau von Reben beschäftigt. Für die dortige Lage hoch über dem Pazifik schien ihm neben Chardonnay auch Pinot Noir die ideale Rebsorte zu sein. 

Mitten in der schwer zugänglichen Wildnis regenwaldähnlicher Redwood-Wälder begann er 1980 auf dem Bergrücken einer ehemaligen Schafzucht, in Sichtweite zum Pazifik, den ersten Weinberg anzulegen. Die Reben wuchsen an, trugen die ersten Früchte. 1987 gibt er den erlernten Beruf auf und konvertiert zum Vollzeit-Traubenbauern. Das wechselhafte Klima macht ihm und seinen Reben schwer zu schaffen. Mühsam lernt er seine komplexen Böden zu verstehen, die durch die jahrelange Viehzucht bis auf eine dünne Erdauflage so abgetreten sind, daß kaum noch organische Masse vorhanden ist. Feuchtigkeit und Nebel des nahen Pazifiks sorgen für regelmäßigen Pilzbefall. Die sommerliche Hitzeperiode mit vielmonatiger Trockenheit stresst die jungen Reben, die harte Sonneneinstrahlung läßt die Beeren zu Rosinen schrumpfen. Durch veränderte Reberziehungsformen und Orientierung neugepflanzter Rebzeilen, sowie Versuchen zur Verbesserung der Bodenstruktur versucht er den Herausforderungen der Natur Herr zu werden. 

Der zunächst bedauerte Mangel an Traditionen wird mit den Jahren zu einer Freiheit im Agieren und Reagieren, die David Hirsch zunehmend sicherer macht in Fragen des passenden Pflanzmaterials, der Anlage neuer Weinberge und der Bewirtschaftung vorhandener, vor allem aber im Verständnis des Zusammenspiels von Bodenbeschaffenheit, Blattwerk, Photosyntheseleistung und Reifeverhalten. Durch praktische Erfahrung und viele Rückschläge erlangt er profundes Wissen. Das erlaubt ihm schon nach wenigen Jahren Trauben zu produzieren, die so begehrt sind, daß die damals führenden Pinot Noir-Produzenten Kaliforniens wie Kistler, William Selyem, Flowers oder Siduri bei ihm Schlange stehen, um sie zu kaufen. Ihm zu Ehren weisen sie deren Herkunft auf den Etiketten ihrer Weine aus. So wird »Hirsch Vineyards« bekannt, ohne eigene Weine zu produzieren.

Ein Blick auf das bescheidene Weingutsgebäude links im Hintergrund. Es liegt inmitten der wilden Natur der Sonoma Coast, umgeben von einem paradiesischen Biotop. Der Weg dorthin ist mühsam, Besucher finden kaum den Weg hier hoch und so zeigt sich der Betrieb optisch schmucklos, technisch aber intelligent zweckmäßig konzipiert.

Im Jahr 2002, nach zweiundzwanzig Jahren, in denen David Hirsch sich auf das Pflanzen und die Bewirtschaftung seiner Reben konzentriert und Trauben für einige der teuersten und angesehensten Weine Kaliforniens produzierte, beschließt er, sein eigenes Weingut zu gründen, um selbst Weine zu produzieren. Als Weinmacher und Kellermeister engagiert er Ross Cobb. Der Pinot-Noir-Spezialist genießt großen Ruf, hat schon einigen Betrieben der Sonoma Coast zu Ruhm und Ehre verholfen. David Hirsch will die Antworten auf seine vielen Entscheidungen in den Rebgärten in seinen eigenen Weinen erleben. Dazu beginnt er, jede einzelne Parzelle getrennt auszubauen, um sie verkosten zu können. Er will die Beschaffenheit ihrer Böden schmecken, das Klima und den Einfluß der Jahrgänge auf jede Parzelle erleben und so die Folgen seiner unzähligen Entscheidungen draußen in den Weinbergen endlich verstehen lernen.

Ein bewundernswerter Ansatz: Da baut jemand ein Weingut, um seine Reben besser bewirtschaften zu können! Die Konsequenz kommt prompt: 2011 stellt David Hirsch seine Parzellen Stück für Stück auf biodynamische Bewirtschaftung um, mit der Ernte 2014 sind seine 29 Hektar unter Reben sowie die Gemüsegärten und Obstplantagen von Familie Hirsch umgestellt. Im gleichen Jahr verläßt Ross Cobb das Weingut, um sich dem eigenen Betrieb zu widmen, der zu florieren beginnt. Die Zukunft von »Hirsch Vineyards« beginnt, denn ... 

... seit 2008 arbeitet Tochter Jasmine Hirsch mit auf dem elterlichen Betrieb. Sie hat nach ihrem Studium Berufserfahrung in Amsterdam, Prag und New York gesammelt, doch die Sehnsucht nach der Natur läßt sie nach Hause zurückkehren. Dort kümmert sie sich zunächst um Kunden und Vertrieb. Dann erwacht ihr Interesse an Boden, Reben und Wein. Sie beschließt, den Vater auch in der Außenwirtschaft zu entlasten, lernt den Weinbau von der Pieke auf und beginnt sich nun auch intensiv mit der Weinbereitung zu beschäftigen, die sie in naher Zukunft selbst übernehmen möchte. Der Moment kommt, als David Hirsch verunglückt und nicht mehr wie gewohnt mitarbeiten kann. 

Vom ersten Tag an haben Hirschs den Einsatz von Enzymen zur Farbausbeute ebenso verweigert, wie die Aufzuckerung des Mostes, Säurekorrekturen, Schönungen und Filtration. Ihre Weine gären auf den natürlich wilden Hefen in kleinen, der Parzellengröße angepaßten Gärtanks, in denen die Trauben von Hand untergetaucht werden können. Ausbau und Reifung erfolgen im Keller darunter in gebrauchten Barriques, in denen die Weine so lange auf der Hefe reifen, bis sie Füllreife signalisieren. In diesem Sinne beschließt Jasmine 2015 den Betrieb zu übernehmen, seit 2019 zeichnet sie für die Weinbereitung allein verantwortlich. In ihren Weinen zelebriert sie heute ein handwerkliches Niveau, das in seiner kommunikativen Transparenz so manchem Winzer Burgunds Vorbild sein sollte. 

»When they go high, we go low«

In Abwandlung des berühmten Spruchs von Michele Obama steht auf »Hirsch Vineyards« eine möglichst praktikable Weinbereitung im Vordergrund, die in ihrer Einfachheit konsequent auf den Weinbau draußen abgestimmt ist. Das Weingut besteht im Wesentlichen aus einer offenen Halle mit Wellblechdach ohne Wände, in der zahlreiche kleine, oben offene Gärbehälter stehen. Ihre Anzahl entspricht der Zahl der Parzellen, so daß jede einzelne hier separat gären und maximal individuell verarbeitet werden kann. Da Jasmine je nach Jahrgang bevorzugt »wholebunch« (also mit Stiel und Stängel) vergärt, also nicht abbeert, ist jeder Tank so dimensioniert, daß er von oben erreichbar ist, um die Maische von Hand untertauchen oder bewegen zu können. In der Kühlung vertraut sie der herbstlichen Natur, weil die Behälter so klein sind, daß sie sich während der Gärung kaum erwärmen. Die Behälter selbst lassen sich aber kühlen oder erwärmen, je nach Bedarf. Low-Tec statt High-Tec - weniger ist hier mehr.

Weil die Arbeit ganz auf die Qualität der Trauben ausgerichtet ist, muß hier nicht vermeintlicher »Fortschritt« richten, was die Natur nicht liefern konnte. Deshalb erfolgt die Weinbereitung auch rezeptfrei; es ist der Jahrgang, der entscheidet, wie die Trauben verarbeitet werden. Jede Lage soll sich maximal individuell präsentieren können. Hier herrscht souveräner Minimalismus, agiert profundes Können, für Weine ungeschminkter Expressivität und Natürlichkeit. Profundes Können statt lautem Marketing.

Die sogenannte Sonoma Coast ist eine gut 20 km breite Hügelkette, die sich direkt am Pazifik im Westen des Sonoma County, gut 100 km nordwestlich von San Francisco, vom Marine County im Süden bis nach Mendocino im Norden zieht.
Hier erstrecken sich die Weinberge von »Hirsch Vineyards« wellenförmig über einen Küstenkamm, der auf 460 m Höhe über dem Pazifik liegt, der nur knapp 4 km entfernt zu sehen ist. Im Sommer ist es heiß, trocken und wüstenähnlich, das saftige Grün des Frühlings wird braun und verdorrt. Zwischen Oktober und April regnet es, das Klima ist aber insgesamt extrem wechselhaft, mit großen Schwankungen bei Feuchtigkeit und Temperatur. Stürme und Wind richten immer wieder große Schäden an.

Dieses klimatische Chaos trifft hier auf eine Geologie, die eine höchst komplexe Mischung aus diversen Morphologien und Gesteinsarten ist. Die Abholzung des Menschen, die anschließende Viehhaltung und Erosion führten zu wenig fruchtbaren Böden auf einer Sandsteinbasis, auf der eine mehr oder weniger dünne Schicht aus schwerem Lehm, Sand, Ton und verwittertem Schiefer liegt.

Die Reben stehen hier auf sanften Hügel mit unterschiedlichen Neigungen in alle Richtungen. Das bedeutet, daß eine Rebe auf gut durchlässigem Sandstein stehen kann, der wenig Wasser hält, was langsames Wachstum und eine langsame Reifung begünstigt, während eine Rebe wenige Meter entfernt auf einem stark tonhaltigen Boden mit hohem Magnesiumgehalt steht, der viel Wasser speichert und starkes vegetatives Wachstum begünstigt, was zu ungleichmäßiger Reife innerhalb der Trauben führt. Diese komplexen Wachstumsbedingungen spiegeln sich in den Weinen von »Hirsch Vineyards« unmittelbar wider. Da fällt jeder Jahrgang anders aus und jede Lage wagt den eigenen Charakter. 

Hirsch Vineyards zieht sich entlang der berühmten San-Andreas-Verwerfung, die dort in den Pazifik mündet, und besteht aus mehr als 60 verschiedenen Parzellen. Diese erstrecken sich über eine Fläche von 29 Hektar, was zu einer Vielfalt an Lagen führt, die sogar jene der burgundischen Côte de Nuits übertrifft.

Sie entstanden über 30 Jahre hinweg auf der Grundlage von Bodenbeschaffenheit, Topografie und Exposition der Sonneneinstrahlung, sowie potentiellen Pilzbefalls durch Nebel und Feuchtigkeit vom Meer. Der ständig in Bewegung befindliche San-Andreas-Graben hat die Böden und Topographien der Parzellen über Jahrtausende hinweg extrem unterschiedlich geformt und verformt. Deshalb hat David Hirsch jede einzelne individuell erschlossen und mit bewußter Diversität an Klonen und Massenselektionen bepflanzt. Nahezu jede Parzelle hat eine individuelle, der Exposition angepaßte Form der Reberziehung, jede wird separat bewirtschaftet, von Hand geerntet und individuell zu Wein verarbeitet.

Handarbeit ist Trumpf auf den Spitzenweingütern an der Sonoma Coast. Da geht ohne die Mexikaner gar nichts. Sie sind das Rückgrat der gesamten kalifornischen Weinindustrie. Tausende von Ihnen arbeiten auf den Weingütern des Landes oder für eines der zahlreichen Lohnunternehmen, die die Weinberge der Schönen und Reichen dort im Auftrag bewirtschaften und unterhalten. 

Zur Ernte bieten sich hunderte von mexikanischen Erntekolonnen an. Sie sind beliebt, ihre Arbeit wird geschätzt und sie verdienen gutes Geld. Wenn sie nach Gewicht bezahlt werden, arbeiten sie oft im Akkord, tun das extrem routiniert, ungewöhnlich schnell und trotzdem sehr präzise. Je nach Jahrgang und Klimaverlauf lesen sie auch die ganze Nacht hindurch bei Flutlicht. Seit der aggressiven Anti-Migrations-Politik der Regierung Trump herrscht Panik im gesamten US-amerikanischen Weinbau. Ohne die mexikanischen und südamerikanischen Arbeitskräfte, die oft schon seit vielen Jahren im Land sind, allerdings nur geduldet, nicht legal, könnte die Wirtschaft des Landes, der gesamte Dienstleistungssektor, die Gastronomie und der Weinbau einpacken. 

Mit Everardo Robledo hat Jasmine Hirsch einen Weingutsleiter, der seit 1988 für ihre Familie arbeitet. Er ist längst eingebürgert und hat nicht nur jede der 90.000 Reben auf den 29 Hektar des Betriebs gepflanzt, er bewirtschaftet sie auch bis heute. Seine acht Brüder arbeiten ebenfalls auf Weingütern und für Lohnunternehmen im Weinbau. Sie gelten als Meister des Weinbaus an der Sonoma Coast. Weil Hirsch Vineyards abgeschieden auf knapp 500 m Höhe über dem Pazifik mitten im Wald liegt und nur über eine unbefestigte Sandpiste erreichbar ist, leben die mexikanischen Mitarbeiter mit ihren Familien auf dem Gelände des Weingutes, das sie auch mit Gemüse und Lebensmitteln versorgt.


Weinbau an der Sonoma Coast. Neugier, Wagemut und viel Erfahrung

Der Weinbau der neuen Welt kann weder auf Traditionen noch auf überliefertes Erfahrungswissen zurückgreifen. Es gibt sie nicht. Jede Rebe muß an jedem Standort in Physiologie und Reifeverhalten ihrer Beeren, also in der Auswirkung auf Aroma und Geschmack ihres Weines, beobachtet, erlebt und erfahren werden. 

Als David Hirsch 1980 als einer der ersten an der Sonoma Coast Reben zu pflanzen beginnt, hat er über Weinbau viel gelesen, praktische Erfahrung hat er keine. Er befragt Geologen und Biologen und erfährt, daß die junge vulkanische Vergangenheit Kaliforniens (der berühmte Sankt Andreas-Graben läuft direkt unter seinem Weingut in den Pazifik) die Böden dort morphologisch wie geologisch äußerst kleinteilig und komplex gestaltet hat. In Europa gibt es ähnlich vielfältige Bodenstrukturen nicht. 

David Hirsch braucht viele Jahre, um zu verstehen, daß die von den Tieren der Vorbesitzer abgetretenen flachen, nährstoffarmen und kaum Wasser speichernden Oberböden seiner ehemaligen Schafsfarm seine Reben nur unzureichend ernähren. Die Funktion des Boden für den Weinbau kennt man damals weder in der alten, noch in der neuen Welt. In der biologischen und biodynamischen Bewirtschaftung steht der Boden im Mittelpunkt der Arbeit, doch David Hirsch interessiert sich (noch) nicht für den regenerativen Anbau. Er rodet seine Parzellen und pfropft in jeder nun die Reben auf zur Bodenchemie passenden individuellen Unterlagsrebe. Ihre Pflanzung richtet er bestmöglich aus und konzipiert ihre Reberziehung individuell an den jeweiligen Licht- und Wachstumsverhältnissen. Dann beschließt er 2002, seine Trauben nicht mehr an Kaliforniens beste Weinmacher zu verkaufen, sondern will sie selbst zu Wein verarbeiten, um so die Eigenschaften seiner Böden kennenzulernen. Er baut das heutige Weingut auf, entdeckt fasziniert die Rückkopplung seiner Böden mit Reben und Wein und beginnt 2011, den gesamten Betrieb auf biodynamische Bewirtschaftung umzustellen. Seitdem entwickeln die Weine mit jedem Jahr mehr markantes Profil in Stil und Charakter, je nach Lage und Bodenstruktur. 

2014 übernimmt Tochter Jasmine den Betrieb. Mit Kompost und Komposttees baut sie die organische Substanz ihrer Lagen gezielt auf und es entstehen die heutigen, sich prägnant unterscheidenden Lagen-Weine, die sie und ihren Betrieb weltweit bekannt machen als das kalifornische Spiegelbild der Côte de Nuits in Burgund.

Bohan Dillon

Jasmine Hirschs Einstiegs-Pinot Noir, einer Dorflage in Burgund entsprechend. Ein so erfreulicher wie erschwinglicher Pinot Noir, der feingliedrig und saftig delikat die ätherische Duftigkeit und tiefgründige Würze der Sonoma Coast ins Glas bringt. Charmant und trinkfreudig, wird er mit der gleichen Sorgfalt produziert, wie die großen Lagen-Pinots. Der überragende Jahrgang 2021 stammt aus drei Lagen der West Sonoma Coast. »Hirsch« und »Hellenthal« grenzen  aneinander, der »Heintz-Vineyard« liegt 20 Meilen südlich von Hirsch Vineyards. 2021 und 2023 hält Jasmine für ihre bisher gelungensten, trinkbarsten und ansprechendsten Jahrgänge dieses Weines. Zwei Schnäppchen, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

San Andreas Fault

Hirschs Pinot Noir »San Andreas Fault« ist das legendäre Aushängeschild des Betriebs, das Ideal großen Sonoma Coast-Pinots. Er stammt von Trauben aus 21 verschiedenen Parzellen, die auf der berühmten Erdbebenfalte des San Andreas-Grabens liegen, der hier wenige Kilometer weiter ins Meer läuft. Auf den vielfältigen Bodenformationen dieser Lagen entsteht ein komplex feiner Pinot Noir, der die exemplarische Hirsch-Handschrift trägt. 

Erinnert im Duft an frische rote Kirschen, an frisch aufgebrochene Erde und nassen Stein (Geosmin), durchsetzt mit einem Hauch Anis, Minze und braunen Gewürzen. Am Gaumen saftig konzentriert, mit lange nachwirkendem Nachklang. Seine kalifornisch dichte Frucht mündet in wertvolle, vielschichtig mundfüllende, raffiniert delikate Gerbstoff-Wirkung, die den Jahrgang und dessen vielfältige Einflüsse auf die Qualität der Trauben sensibel zu respektieren versteht. Großer Pinot Noir, den man eher in Burgund als in Kalifornien verortet, und der doch ganz Sonoma Coast ist.

Chardonnay Estate

Der Estate Chardonnay ist der einzige Weißwein, den Jasmine Hirsch produziert. Die Produktion ist limitiert, das Alter der Reben, die kargen Böden und das extreme Meeresklima sorgen für einen Wein mit frischer, straffer Säure, seidiger Textur und ausgeprägt salziger Mineralität. Der erste Chardonnay-Weinberg wurde schon 1994 angelegt und lieferte Trauben für einige der berühmtesten Chardonnays der damaligen Zeit.

Im Jahrgang 2023 bekamen wir mal wieder ein paar Flaschen. Ein elektrisierender Wein mit feinziselierter Säure und bemerkenswerter Mineralität. Großzügig im Duft,  raffiniert unterlegt mit subtilen Noten von Briocheteig, frischem Apfel, Zitrusaromen und einem Hauch Salz. Am Gaumen erinnert er an Burgund, im Mundgefühl und Duft erweist er sich als klassischer Kalifornier Ein edler Wein mit fabelhaftem Mundgefühl und spannender Energie.

Estate Reserve

David Hirsch träumte viele Jahre lang davon, einen Reserve Pinot Noir aus seinem Weinberg herzustellen. Seit der ersten Ausgabe im Jahr 2009 hat sich der Wein durch die Auswahl der besten und ältesten Rebzeilen zum exemplarischen Ausdruck der Hirsch-Charakteristik entwickelt.  

Im Duft dicht und komplex im Zusammenspiel von Frucht und würzigen Aromen. Öffnet sich in Noten von dunklen Kirschen und Cassis, mit Anklängen von Austernschalen und Erde. Großer Pinot Noir mit seidigem Auftakt am Gaumen  und verführerischer Fülle im Mundgefühl. Seine Gerbstoffe sind ungewöhnlich feinkörnig, wirken lange nach und öffnen sich eindrucksvoll im Mund. Ein komplex strukturierter Wein, der von langer Lagerung im Keller stets sehr profitiert, aber auch jung sofort getrunken und genossen werden kann Leider stets rar und kaum zu kriegen.

East Ridge

Die Lage East Ridge fällt steil in ein tiefes, versteckt liegendes Tal ab und ist teilweise vor den klimatischen und meteorologischen Einflüssen der Küste geschützt. Eine der warmen Parzellen von Hirsch Vineyards. Die Böden hier sind eine Mischung aus Lehm und Gestein, deren Anteile je nach Hangneigung und Ausrichtung variieren. 

Die flachen Bergböden mit ihrer dünnen Erdauflage beanspruchen die Reben stark und bringen tanninhaltige, dunkle und kraftvolle Weine hervor. Die Erträge sind extrem niedrig. 

East Ridge duftet in der Jugend stets eher schüchtern, deutet aber kräftige dunkle Früchte an, die darauf warten, sich zu entfalten. Noten von Salbei, Orangenschalen, weißen Blumen, edlen Hölzern, Himbeeren und frischem Granatapfel stehen über dem Glas. Sehr attraktiv und exotisch. Am Gaumen dicht und schmackhaft in seidiger Textur, die die Tannine umhüllt und dem Wein elegante Kraft und dicht verwobenes Potenzial verleiht. Immer einer der strukturiertesten Weine von Hirsch Vineyards mit dem kräftigsten Rückgrat, das Zeit braucht, um sich zu entwickeln.

West Ridge

Der West Ridge ist eine der anspruchsvollsten Weinbergslagen von Hirsch, die Weine hervorbringt, die ätherisch, zerbrechlich und eindringlich aromatisch sind. Die sanften Hügel des West Ridge sind von schwerem schwarzem Lehm geprägt, der eine unwirtliche Umgebung schafft, die die Reben belastet und ihr Wachstum hemmt. Allerdings gibt es im West Ridge auch Stellen mit Sand, Lehm und Fels, die einen Mikrokosmos der Komplexität bilden, die für Hirsch so typisch ist. 

Die Lage profitiert von der kühlenden Wirkung des Pazifiks, ist aber vor dem Einfluss von Wind und Nebel geschützt. Die Weine aus diesem Teil von Hirsch sind deshalb ätherisch, zerbrechlich und von betörender Aromatik, zeigen eine bemerkenswerte Kombination von Fruchtkonzentration mit nassem Stein, Salbei, Lorbeer, Cassis und Veilchen. Ein Bukett voller Finesse, Eleganz und Spannung. Auch dieser Pinot braucht stets etwas Zeit, um sich zu entwickeln.

Raschen Ridge

Eine grandiose Lage. Bringt Weine mit hedonistischen Fruchtaromen, kräftigen Berg-Tanninen und dynamischer Energie hervor. Raschen Ridge ist ein schmaler, hoch gelegener Felsvorsprung. Der westliche Teil besteht aus zersetztem Sandstein mit einer perfekten Mischung aus Erde und Gestein. Er ist nach allen Seiten hin offen, und kalter Wind und Nebel peitschen die Reben. 

Der östliche Teil ist geschützter, und der Boden hat einen höheren Tonanteil. Zusammen ergeben diese beiden Terroirs einen Wein, der Selbstbewusstsein mit Eleganz, Genussfreude mit Komplexität und Vergnügen mit Faszination verbindet. Seine Frucht ist edel, konzentriert und rein. Himbeeren und Erdbeeren vermischen sich mit Noten von Orangenschalen, rotem Hibiskus, Granatapfel, Lorbeer und Anis. Am Gaumen üppig und seidig, mit den für die Lage so charakteristischen kernigen Gerbstoffen. Zeigt Vielschichtigkeit und unglaubliches Potenzial. Wir empfehlen, den Wein einige Jahre ruhen zu lassen, seine Gerbstoffe brauchen Zeit, um sich zu harmonisieren.

Block 8 Estate

Block 8 Estate ist ein Spitzen-Pinot Noir von einer einzigen, abgeschlossen auf einem hohen Bergrücken liegenden Parzelle, die David Hirsch seit langem als »Grand Cru-Parzelle« bezeichnet. Der Boden ist hier durch einen hohen Gehalt an Eisenoxid rötlich gefärbt und hat einen durchschnittlichen Stein- und Kiesanteil von 40 bis 70 %. Das sorgt für eine super Drainage, sodass die Wurzeln tief und weit wachsen können. Block 8 ist je nach Gesteinsanteil und Lage in sieben Parzellen unterteilt, die alle 1993 bepflanzt wurden. Eine unserer beständigsten und charakteristischsten Lagen.

Der Wein öffnet sich im Glas mit einer Ladung reifer Erdbeeren im Duft, vermischt mit einem Hauch von Rosenblättern, nassem Stein und dunklen Gewürzen sowie reifen Kirschen. Distinguiert expressiv, aristokratisch und selbstbewusst schwelgerisch. Im Mundgefühl präsent seidig in den Gerbstoffen, die saftig und großzügig in noble Frucht verwoben sind. Der große Grand Cru-Pinot Noir von Hirsch, mit langem Nachklang, komplexem Mundgefühl und exorbitanter Reife- und Lagerfähigkeit.

Hirsch Vineyards | 45075 Bohan-Dillon Rd. | Cazadero, CA 95421 | Erstinverkehrbringer: Gebr. Kössler & Ulbricht GmbH & CoKG

Hirsch Vineyards

Inhalt: 0.75 l (65,33 €* / 1 l)

49,00 €*

Inhalt: 0.75 l (65,33 €* / 1 l)

49,00 €*

Inhalt: 0.75 l (66,53 €* / 1 l)

49,90 €*
2023

Chardonnay »Estate«

Hirsch Vineyards

Inhalt: 0.75 l (98,67 €* / 1 l)

74,00 €*

Inhalt: 0.75 l (100,00 €* / 1 l)

75,00 €*

Inhalt: 0.75 l (100,00 €* / 1 l)

75,00 €*

Inhalt: 0.75 l (104,00 €* / 1 l)

78,00 €*

Inhalt: 0.75 l (132,00 €* / 1 l)

99,00 €*

Inhalt: 0.75 l (132,00 €* / 1 l)

99,00 €*
2022

Pinot Noir »Reserve Estate«

Hirsch Vineyards

Inhalt: 0.75 l (132,00 €* / 1 l)

99,00 €*

Inhalt: 0.75 l (132,00 €* / 1 l)

99,00 €*

Inhalt: 0.75 l (132,00 €* / 1 l)

99,00 €*

Inhalt: 0.75 l (132,00 €* / 1 l)

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Inhalt: 0.75 l (132,00 €* / 1 l)

99,00 €*

Inhalt: 0.75 l (132,00 €* / 1 l)

99,00 €*

Inhalt: 0.75 l (132,00 €* / 1 l)

99,00 €*
2016

Pinot Noir »Reserve Estate«

Hirsch Vineyards

Inhalt: 0.75 l (132,00 €* / 1 l)

99,00 €*
2017

Pinot Noir »Reserve Estate«

Hirsch Vineyards

Inhalt: 0.75 l (132,00 €* / 1 l)

99,00 €*

Inhalt: 0.75 l (132,00 €* / 1 l)

99,00 €*

Inhalt: 0.75 l (132,00 €* / 1 l)

99,00 €*

Inhalt: 0.75 l (145,33 €* / 1 l)

109,00 €*

Inhalt: 0.75 l (146,67 €* / 1 l)

110,00 €*
2017

Pinot Noir »Block 8 Estate«

Hirsch Vineyards

Inhalt: 0.75 l (146,67 €* / 1 l)

110,00 €*
2020

Pinot Noir »Reserve Estate«

Hirsch Vineyards

Inhalt: 0.75 l (146,67 €* / 1 l)

110,00 €*

Inhalt: 0.75 l (146,67 €* / 1 l)

110,00 €*

Inhalt: 0.75 l (146,67 €* / 1 l)

110,00 €*

Inhalt: 0.75 l (146,67 €* / 1 l)

110,00 €*