Dass »Colle Florido« heute trotz seiner äußerlichen Bescheidenheit als eines der spannendsten Weinbau-Projekte in den Abruzzen gilt, liegt an Andrea Ugolotti, der in seinem früheren Leben einer der renommiertesten Sommeliers Italiens war, mit Stationen im Waterside Inn im englischen Maidenhead, im legendären L’Oustau de Baumanière in Les Baux der Provence und im toskanischen Nobelhotel Il Pellicano. Er setzte dort als einer der ersten seines Metiers nachhaltige Naturwein-Akzente und machte sich damit einen Namen.
Nachdem er Daniela kennengelernt hatte, beschloss er, die Seite zu wechseln und arbeitete einige Jahre in Weinbaubetrieben in Montalcino, um das Winzerhandwerk von der Pike auf zu lernen. Dann beschlossen die beiden, den Neuanfang zu wagen. Sie zogen auf den kleinen Bauernhof in der Nähe von Pescara, den Daniela von ihrer Familie übernehmen konnte, renovierten ihn und »Colle Florido« war geboren.
Seit 2019 ist Colle Florido biologisch zertifiziert. Erst kürzlich konnte das von Daniela, die gelernte Architektin ist, geplante und realisierte neue kleine Kellereigebäude in Betrieb genommen werden. Ein dauerbegrüntes Dach sorgt für natürliche Kühlung, ein paar Holzfässer unterschiedlicher Grösse und ein paar Betontanks sind alles, was die beiden neben dem üblichen Keller-Equipment brauchen.
Für Andrea die Bühne für großes Handwerk, denn er stellt hohe Ansprüche an sich und seine Weine. Er zelebriert sie auf einem Qualitätsniveau, das in den Abruzzen bislang unbekannt war. Zwar dominierten die grossen Winzerlegenden Valentini und Emidio Pepe über Jahrzehnte hinweg den Ruf der Abruzzen-Weine, doch sind sie heute mehr oder weniger Geschichte. Heute sind es die Weine von »Colle Florido«, die In eigensinniger Ursprünglichkeit und im unverwechselbaren Charakter der Herkunft einer neuen Wein-Realität in den Abruzzen den Weg weisen.
Unbeirrt von globalen Trends und geschmacklichen Moden sehen die beiden versierten Quereinsteiger in den besonderen Eigenschaften ihrer lokalen autochthonen Rebsorten Trebbiano abruzzese und Montepulciano abruzzese die Zukunft des Weinbaus in den Abruzzen - sofern sie zeitgemäß bewirtschaftet und interpretiert werden.
Ihre Reben stehen auf rund 200 m Höhe auf kalkhaltigen Lehmböden, ausgerichtet nach Nordosten und Westen. Ihre Montepulciano-Trauben ernten sie in einer 25 Jahre alten Pergola-Anlage, die sich als ideal erwiesen hat in Sachen Pilzbefall. Die Sporen des falschen. Mehltaus schaffen es meist nicht bis in die Höhe der Pergola und so sind die beiden eine große Sorge los.
Ihre Trebbiano-Reben sind 10 Jahre alt und Andrea legt grossen Wert darauf, daß in den Abruzzen eine eigenständige und besonders hochwertige Varietät der großen Trebbiano-Familie steht, von denen viele trotz gleichen Namens genetisch kaum Ähnlichkeit miteinander haben.
Die Rebsorte neigt zu hohem Ertrag bei niedrigem Extrakt und wenig Alkohol. Es verlangt also einige weinbauliche Kunst, um daraus hochwertigen Wein zu produzieren wie »Il Postino«. Den raren Trebbiano d´Abruzzo von Andrea und Daniela, der eine echte Nummer ist, nicht nur unter den Weißweinen der Abruzzen, sondern auch im nationalen Kontext. Dort sind Weißweine derart ausgeprägter Persönlichkeit noch immer eher dünn gesät.
In der Weinbereitung, die seit 2025 im neuen kleinen Keller stattfindet, setzt Andrea kompromißlos auf spontane Gärung in Holzfässern und Zementtanks bei natürlicher Gärtemperatur.
Daniela hat das Dach so begrünt und das Gebäude so isoliert, daß sie weder Kühlung noch Heizung benötigen. Als Mitglied des Naturweinverbandes »VinNatur« reduzieren die beiden die Eingriffe in die Weine auf das absolut nötige Minimum. Low-Intervention im besten Sinne. Diese »natürliche« Weinbereitung sorgt für beeindruckende Präzision im Mundgefühl und bei aller Dichte und Substanz auch für begeisternd agile Frische im Trunk und eine vibrierende Lebendigkeit, die den Weinen ein beeindruckend eigenständiges Profil verleiht.
Es gehört viel Reflexion und Selbstkritik dazu, sich so konsequent aus dem Flow des sich selbst beweihräuchernden italienischen Weinzirkus herauszuhalten, wie es Daniela und Andrea praktizieren. Sie machen in aller Ruhe, aber selbstbewußt und präzise fokussiert in Ausrichtung, Philosophie und Stil, ihr Ding.
So gehört ihr weißer Trebbiano abruzzese »Il Postino«, von einer kleinen Parzelle, die dem Postboten ihres Dorfes gehörte, dem sie diesen Wein widmen, inzwischen zu den grossen Weisswein-Charakteren des Landes, der sich mit vielen großen französischen Weißweinen messen kann. Da spürt man sie dann, die geschmackliche Schulung, die Andrea seiner früheren Profession verdankt ...
... und auch die beiden Rotweine und der Rosato von »Colle Florido« gelten als Ausnahmeerscheinungen in den Abruzzen. Man zählt sie dort zu den besten. Deshalb sind sie sehr begehrt. Doch Daniela und Andrea produzieren insgesamt nur rund 15.000 Flaschen, und dabei soll es auch bleiben. Wir freuen uns deshalb sehr, mit diesen beiden großartigen Menschen und ihren Weinen arbeiten zu dürfen. Ein Glücksgriff, der uns und euch noch viel Freude machen wird.
Colle Florìdo
Inhalt: 0.75 l (30,53 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (33,20 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (34,53 €* / 1 l)