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Colle Florido

Daniela Trolio & Andrea Ugolotti

Wir wissen, warum wir kleine Betriebe  großen vorziehen. Die Individualität und Originalität, die dieses sympathische Winzerpaar aus den lokalen Rebsorten der Abruzzen auf Flasche bringt, beweist den markanten Einfluss der Betriebsgröße auf Qualität und Stil: Ohne humane Dimension ist die wilde Natur und das spezielle Klima der Abruzzen nicht in derart ungeschminkt authentische Weine zu übersetzen, die diese Weine hier zu den aufregenden Italiens macht.

Region: Abruzzen

Rebfläche: 4 ha

Boden: Lehm und Moränenablagerung

Bewirtschaftung: zertifiziert biologisch

Rebsorten: Trebbiano abruzzese, Montepulciano

Der Besuch auf Colle Florido hat lange nachgewirkt bei uns. Wir trafen dort zwei Menschen, die uns beeindruckt haben, weil sie mit sich im Reinen zu sein scheinen, in sich ruhen und ihre Ansprüche ans Leben in aller Bescheidenheit umzusetzen scheinen. Andrea Ugolotti war in seinem früheren Leben ein Mensch der Öffentlichkeit, der jahrelang im Rampenlicht stand. Heute wirkt er fast schon schüchtern und zurückhaltend. Er meidet die Öffentlichkeit und ist am liebsten unter Menschen, die er kennt und schätzt. Seine Partnerin Daniela Trolio war Architektin. Sie bewirtschaftet heute mit Andrea ein kleines Paradies nordwestlich von Pescara, an dem die beiden ihre  Besucher gastfreundlich und warmherzig teilhaben lassen. Da reduzieren zwei kluge und sensible Menschen ganz bewußt die Ansprüche ihres vorherigen Berufslebens zugunsten eines erfüllten Lebens mit der Natur. 

Sie erliegen nicht der Gier nach Grösse, wie so viele ihrer Winzerkollegen. Sie haben beschlossen, so klein zu bleiben, dass sie mit ihrer eigenen Hände Arbeit die angestrebte Qualität realisieren können. Sie wollen den Verkaufsdruck der Größe nicht. Und - sie kennen das Leid jener anonymen Leiharbeiter, die von zwielichtigen Agenturen vermittelt werden, um die Saisonarbeit in den Reben der grossen Güter um sie herum billiger zu absolvieren, als es lokale Arbeitskräfte könnten. 

Fremdbewirtschaftung und Leiharbeit sind in den großen Weinbaubetrieben Europas traurige Realität. Auch bei uns in Deutschland. Davon erfahren wir nur nicht, weil die Branche dichthält. Stattdessen inszenieren sich viele renommierte Winzerpersönlichkeiten in der Öffentlichkeit als elitäre Kunsthandwerker. Obwohl sie meist kaum noch in ihren Reben sind, weil ihre Betriebe zu groß sind und sie gar keine Zeit dafür haben. Sie müssen ihre vielen Flaschen irgendwie unters Volk bringen. Dafür sind sie ständig unterwegs. Das erklärt, warum Individuelle, interessante und authentische Weinqualitäten heute fast nur noch aus kleineren Betrieben kommen, die in humaner Dimension arbeiten und wirtschaften. Size matters. 

Wie gut tut da das Paradies von Andrea und Daniela! Die beiden leben ihre Wertvorstellungen so positiv und nachhaltig, daß sie sich in ihren ursprünglich natürlichen Weinen unmittelbar widerspiegeln, die mehr können als nur »gut« zu schmecken.

»Colle Florido« liegt in der Gemeinde Pianella in den Hügeln westlich von Pescara auf 200 m Höhe. Das kleine Weingut bewirtschaftet, von Weizenfeldern und anderer Landwirtschaft umgeben, ein noch intakt wirkendes Ökosystem mit einer Vielfalt von Kulturen. Man fühlt sich in vorindustrielle Zeiten versetzt: Da sind kleine Reb-Parzellen von Olivenhainen, Gemüsegärten und Ackerland umgeben; Weiden, Hecken und Bäume trennen den Betrieb, den die beiden von Danielas Eltern übernahmen, von den Nachbarn. 

Da betreiben zwei Quereinsteiger mit Empathie und Leidenschaft nicht nur Weinbau auf 4 Hektar Fläche, sie produzieren auch ein hinreißend gutes Tomaten-Sugo, Olivenöl und die legendäre »la Scruccjata«, eine hinreißend schmeckende Traubenmarmelade aus der roten Rebsorte Montepulciano, die Daniela aus deren Most ohne jeden Zusatz (auch nicht von Zucker) so einkocht, bis sie eine fast feste Konsistenz hat. Ein Juwel unter den Marmeladen.

Dass »Colle Florido« heute trotz seiner äußerlichen Bescheidenheit als eines der spannendsten Weinbau-Projekte in den Abruzzen gilt, liegt an Andrea Ugolotti, der in seinem früheren Leben einer der renommiertesten Sommeliers Italiens war, mit Stationen im Waterside Inn im englischen Maidenhead, im legendären L’Oustau de Baumanière in Les Baux der Provence und im toskanischen Nobelhotel Il PellicanoEr setzte dort als einer der ersten seines Metiers nachhaltige Naturwein-Akzente und machte sich damit einen Namen. 

Nachdem er Daniela kennengelernt hatte, beschloss er, die Seite zu wechseln und arbeitete einige Jahre in Weinbaubetrieben in Montalcino, um das Winzerhandwerk von der Pike auf zu lernen. Dann beschlossen die beiden, den Neuanfang zu wagen. Sie zogen auf den kleinen Bauernhof in der Nähe von Pescara, den Daniela von ihrer Familie übernehmen konnte, renovierten ihn und »Colle Florido« war geboren.

Seit 2019 ist Colle Florido biologisch zertifiziert. Erst kürzlich konnte das von Daniela, die gelernte Architektin ist, geplante und realisierte neue kleine Kellereigebäude in Betrieb genommen werden. Ein dauerbegrüntes Dach sorgt für natürliche Kühlung, ein paar Holzfässer unterschiedlicher Grösse und ein paar Betontanks sind alles, was die beiden neben dem üblichen Keller-Equipment brauchen. 

Für Andrea die Bühne für großes Handwerk, denn er stellt hohe Ansprüche an sich und seine Weine. Er zelebriert sie auf einem Qualitätsniveau, das in den Abruzzen bislang unbekannt war. Zwar dominierten die grossen Winzerlegenden Valentini und Emidio Pepe über Jahrzehnte hinweg den Ruf der Abruzzen-Weine, doch sind sie heute mehr oder weniger Geschichte. Heute sind es die Weine von »Colle Florido«, die In eigensinniger Ursprünglichkeit und im unverwechselbaren Charakter der Herkunft einer neuen Wein-Realität in den Abruzzen den Weg weisen.

Unbeirrt von globalen Trends und geschmacklichen Moden sehen die beiden versierten Quereinsteiger in den besonderen Eigenschaften ihrer lokalen autochthonen Rebsorten Trebbiano abruzzese und Montepulciano abruzzese die Zukunft des Weinbaus in den Abruzzen - sofern sie zeitgemäß bewirtschaftet und interpretiert werden.  

Ihre Reben stehen auf rund 200 m Höhe auf kalkhaltigen Lehmböden, ausgerichtet nach Nordosten und Westen. Ihre Montepulciano-Trauben ernten sie in einer 25 Jahre alten Pergola-Anlage, die sich als ideal erwiesen hat in Sachen Pilzbefall. Die Sporen des falschen. Mehltaus schaffen es meist nicht bis in die Höhe der Pergola und so sind die beiden eine große Sorge los.

Ihre Trebbiano-Reben sind 10 Jahre alt und Andrea legt grossen Wert darauf, daß in den Abruzzen eine eigenständige und besonders hochwertige Varietät der großen Trebbiano-Familie steht, von denen viele trotz gleichen Namens genetisch kaum Ähnlichkeit miteinander haben. 

Die Rebsorte neigt zu hohem Ertrag bei niedrigem Extrakt und wenig Alkohol. Es verlangt also einige weinbauliche Kunst, um daraus hochwertigen Wein zu produzieren wie »Il Postino«. Den raren Trebbiano d´Abruzzo von Andrea und Daniela, der eine echte Nummer ist, nicht nur unter den Weißweinen der Abruzzen, sondern auch im nationalen Kontext. Dort sind Weißweine derart ausgeprägter Persönlichkeit noch immer eher dünn gesät.

In der Weinbereitung, die seit 2025 im neuen kleinen Keller stattfindet, setzt Andrea kompromißlos auf spontane Gärung in Holzfässern und Zementtanks bei natürlicher Gärtemperatur. 

Daniela hat das Dach so begrünt und das Gebäude so isoliert, daß sie weder Kühlung noch Heizung benötigen.  Als Mitglied des Naturweinverbandes »VinNatur« reduzieren die beiden die Eingriffe in die Weine auf das absolut nötige Minimum. Low-Intervention im besten Sinne. Diese »natürliche« Weinbereitung sorgt für beeindruckende Präzision im Mundgefühl und bei aller Dichte und Substanz auch für begeisternd agile Frische im Trunk und eine vibrierende Lebendigkeit, die den Weinen ein beeindruckend eigenständiges Profil verleiht.

Es gehört viel Reflexion und Selbstkritik dazu, sich so konsequent aus dem Flow des sich selbst beweihräuchernden italienischen Weinzirkus herauszuhalten, wie es Daniela und Andrea praktizieren. Sie machen in aller Ruhe, aber selbstbewußt und präzise fokussiert in Ausrichtung, Philosophie und Stil, ihr Ding. 

So gehört ihr weißer Trebbiano abruzzese »Il Postino«, von einer kleinen Parzelle, die dem Postboten ihres Dorfes gehörte, dem sie diesen Wein widmen, inzwischen zu den grossen Weisswein-Charakteren des Landes, der sich mit vielen großen französischen Weißweinen messen kann. Da spürt man sie dann, die geschmackliche Schulung, die Andrea seiner früheren Profession verdankt ...

... und auch die beiden Rotweine und der Rosato von »Colle Florido« gelten als Ausnahmeerscheinungen in den Abruzzen. Man zählt sie dort zu den besten. Deshalb sind sie sehr begehrt. Doch Daniela und Andrea produzieren insgesamt nur rund 15.000 Flaschen, und dabei soll es auch bleiben. Wir freuen uns deshalb sehr, mit diesen beiden großartigen Menschen und ihren Weinen arbeiten zu dürfen. Ein Glücksgriff, der uns und euch noch viel Freude machen wird.

Colle Florido | Contrada Colle Florido 6a | 65019 Pianella (PE) | Erstinverkehrbringer: Gebr. Kössler & Ulbricht GmbH & Co KG

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