Der »arme«Süden?
Uns haben es im Süden besonders das Latium und Kampanien angetan. Zwei Regionen des Mezzogiorno, in denen in Sachen Wein enorm viel passiert. Eine neue, junge Winzergeneration nutzt das Potential der alten lokalen Rebsorten dort und setzt es in aufregend eigenständige Weiß- und Rotweine um. Sie bewirtschaften ihre Böden und Reben biologisch oder biodynamisch und nutzen die intakte Biodiversität ihrer kleinteiligen Umgebung kompetent, um den Herausforderungen der Klimakrise erfolgreich zu begegnen. Hier findet die Zukunft des Weinbaus bereits statt.
Neapel, die Hauptstadt der Region, macht Kampanien zur dichtest besiedelten Region Italiens und, nach der Lombardei, auch zur bevölkerungsreichsten. Der besondere Reiz Kampaniens ist seine Topographie. Von der Ebene im Norden und am Meer bei Neapel geht es binnen weniger Kilometer in die alpine Landschaft des Apennin, der im Landesinneren Höhen von 2050 Metern erreicht und auf der Halbinsel Sorrent an der Amalfiküste teilweise spektakulär steil ins Meer abfüllt. Über allem thront der 1277 Meter hohe Vesuv südlich von Neapel, der bis heute aktiv ist und zusammen mit den phlegräischen Feldern den wohl gefährlichsten Supervulkan Europas bildet. Entsprechend dominieren in Kampanien zumeist vulkanisch geprägte Böden den Weinbau.
Luigis Reben stehen in wenigen Rebzeilen auf kleinen Parzellen inmitten intakter Natur. Wald, Obst- und Nußbäume stehen in der Nachbarschaft. Weinbau in humaner Dimension. Luigi bewirtschaftet seine Reben »traditionell regenerativ«, ohne Traktor, mit nur minimaler Bodenbearbeitung und an Standort und Klima angepaßter Reberziehung.
Für die biologische Zertifizierung mußte er nichts an seiner Arbeit ändern. Das günstige Klima, die Höhenlage, die natürliche biologische Diversität der Umgebung, die nährstoffreichen Böden und die uralte Genetik seiner Reben sorgen dafür, daß er kaum Pflanzenschutz braucht. Nur in wenigen Jahrgängen bisher mußte er sein kleines Paradies mit Kupfer oder molekularem Schwefel behandeln. Es ist dieses natürliche Gleichgewicht der Natur, das seinen Weinen den unverwechselbar salzig mineralischen, pikant gelbwürzigen Charakter ihrer Herkunft verleiht.
Luigi ist Mitglied im Naturweinverband VinNatur. Er vergärt seine von Hand gelesenen Trauben nach dem Keltern mit kurzer Standzeit spontan im Edelstahltank. Anschließend läßt er die Weine lange auf der Vollhefe und, nach dem Abzug, noch rund ein Jahr auf der Feinhefe reifen. Ohne Zusatzstoffe, ohne Eingriffe und mit nur minimalem Schwefel (< 10 mg/l). Die niedrigen pH-Werte seiner Weine machen es möglich .
Seine Fianos präsentieren sich ungewöhnlich straff und präzise im Mundgefühl. Für Naturweine bemerkenswert geradlinig, transparent und reintönig, trotz Verzichts auf Filtration. Auf der Zunge salzig mineralisch, druckvoll und begeisternd dicht, durchzogen von einer saftig milden Säure, die fast weich wirkt. Statt Frucht setzen Luigis Fianos auf steinig rauchige Aromakomponenten, die auf den Kalktuff verweisen, der seine vulkanischen Böden besonders macht.
In Cesinali kann es richtig kalt werden. Die Temperaturunterschiede fallen zum Teil erheblich aus. Deshalb peilt Luigi seinen Lesezeitpunkt so an, daß die Säure nicht mehr spitz und hart ausfällt. Penibel erntet er nach dem pH-Wert des Mostes und »spielt« dazu mit den Erträgen, über die er die Physiologie seiner Reben zu steuern versucht.
Seinen legendären »Particella 928«, einer der großen Weißweine Italiens, baut er in einer traditionellen lokalen Reberziehung an, die auf viel Blattfläche setzt, die das generative Wachstum verzögert und die Trauben vor Sonnenbrand schützt (Bild oben). Ergebnis ist ein Fiano, der als Naturwein zu den unerwartet aufregenden Weißweinen des Landes gehört. Charakteristisch florale Aromatik, würzig kühles Mundgefühl, steinig karge Physis. Provozierend eigenständiges Profil, das den trägen Strom italienischer Weißwein-Banalität souverän bloßstellt.
Cantina del Barone
Inhalt: 0.75 l (25,32 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (26,53 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (34,53 €* / 1 l)