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Unterm Radar

Stellen Sie sich Vincent van Gogh als Winzer vor. Der Weine so macht, wie er gemalt hat: Leidenschaftlich, ohne Rücksicht auf Zeitgeistiges und den Geschmack des Publikums. Ob er seine Werke würde verkaufen können, bewegte ihn nicht. Er schaffte sie um ihrer selbst willen, beeindruckend in ihrer radikalen Kompromisslosigkeit. Nur wenigen seiner Zeitgenossen erschloss sich die Bedeutung seines Werks als fundamentaler Impulsgeber für die Moderne. In größerem Umfang verkauft wurden »van Goghs« erst Jahrzehnte nach seinem Tod, dann allerdings zu Höchstpreisen. Bis dahin segelte einer der größten Künstler der Moderne weitgehend unbemerkt unterm Radar. 

Nun wird nicht aus jedem Winzer, der gegen die aktuellen Lehren der Önologie aufbegehrt, gleich ein van Gogh der Weinwelt. Die meisten Versuche, Wein nicht von einem gewünschten Endprodukt her zu denken und entsprechend mit Hilfe moderner Weintechnologie zu produzieren, enden als mehr oder weniger gelungene Exerzitien, die ein entsprechend mehr oder weniger großes Trinkvergnügen bereiten. Das Gros der sogenannten Naturweine, deren unbestrittenes Verdienst in der Befreiung vom Geschmacksdiktat der etablierten Weinwelt liegt, zählt zu dieser Kategorie. 

Zwischen diesen beiden Polen einer jungen, wilden Weinszene und der eher bräsigen, »Elite« des Weinbusiness versucht das Gros handwerklich arbeitender Familienbetriebe seinen Platz zu behaupten. Von solchen Winzern, die nachhaltig und mit größtmöglichem Respekt für die Natur arbeiten, stammt das Gros unseres Sortiments. Unsere Kunden mögen diese Weine, weil sie einschätzbar und verständlich mal saulecker, mal komplex, mal grandioser Essensbegleiter, mal raffinierter Kaminwein sind. Diesen Weinen wird man mit »schmeckt mir« oder »schmeckt mir leider nicht« durchaus gerecht.   

Und dann gibt es die Weine, die sich diesen gewohnten Kategorien entziehen. Die radikal andere Kriterien brauchen um sich ihnen zu nähern. Denn diese Weine wagen Individualität und Einzigartigkeit, weil sie von Anfang an anders gedacht sind. Sie sollen nicht einfach schmecken, sie sind nicht als Verkostungsgewinner konzipiert, sie sollen die unverwechselbare Einmaligkeit eines Fleckens Erde und der Menschen, die ihn zum Sprechen bringen, in aller Komplexität widerspiegeln. Sie sind gewissermaßen Seelengemälde einer Landschaft, emotional und unverstellt. Wer sich auf sie einläßt, kann mit ihnen sinnlichen Kontakt zur Welt aufnehmen. Irgendwie logisch, dass sie auf dem heutigen Weinmarkt unter dem Radar segeln...

2023

Saint-Peray AOC weiss

Domaine de Lorient

Inhalt: 0.75 l (43,87 €* / 1 l)

32,90 €*

Domaine de Lorient, Nordrhone

Es ist ein Mysterium, daß auf allen wichtigen Märkten der Welt die kleinen Appellationen der nördlichen Rhône begeisterten Zuspruch finden. Nur bei uns scheint man abseits jener grossen bekannten Betriebe und Marken, die den Markt dominieren, kaum Interesse zu zeigen an Syrah, Viognier, Roussanne und Marsanne, den eigensinnigen Rebsorten der nördlichen Rhône, die dort auf spektakulär steilen Schiefer- und Granit-Lagen Charakter und Eigenart entwickeln, wie nirgendwo sonst auf der Welt. 

Dabei spielen dort kaum bekannte Winzerinnen und Winzer die Musik der Zukunft. Die junge Laure Colombo zum Beispiel. Ihr weißer Saint Peray aus der südlichsten und am wenigsten bekannten Lage der nördlichen Rhône gehört zum feinsten, was die Region zu bieten hat. Ihre Reben stehen auf einem Plateau in 500 m Höhe mit atemberaubendem Blick über das Rhônetal. Seinen unverwechselbar rauchig herbstlichen Charakter verdankt der Wein saurem granitischem Boden und den lokalen Rebsorten Marsanne (2/3) und Roussanne. Sie liefern einen furiosen Weißwein, der einst großen Ruf genoss, den die Reblaus aber vergessen machte. Von dieser Katastrophe haben sich die Weine von Saint-Peray bis heute nicht erholt. Seitdem fliegen sie unter dem Radar.

Juan-Carlos Sancha, Rioja

Juan-Carlos Sancha ist als Inhaber des Lehrstuhls für Önologie an der Weinuniversität der Rioja eine Institution in Spanien. Daß ausgerechnet er auf seinem eigenen kleinen Weingut in der Rioja alles anders macht als er lehrt, sagt viel aus über den Zustand des modernen Weinbaus. Als Önologe betreute er 13 Weingüter in Spanien und Chile. Doch der technische »Fortschritt« im Weinbau frustrierte ihn derart, daß er 1988 in sein Dorf im armen Süden der Rioja zurückkehrte, um dort fortan gegen die Tempranillo-Monotonie in der Rioja zu kämpfen und sich für den Erhalt jener alten Garnacha-Reben und autochthonen Rebsorten einzusetzen, deren Weinen er seitdem jene Wertschätzung zu verschaffen versucht, die sie seiner Meinung nach verdient haben.

Seit der Wein eine weltweite Nachfrage-Krise erlebt, stellt man auch in der Rioja Fragen zur eigenen Zukunft. Juan-Carlos hat sie für sich längst beantwortet: Er sieht sie in aufregend eigenständigen Weinen aus uralten, oft noch nicht vollständig identifizierten Rebsorten; er revitalisiert uralte Rebstöcke im kühlen Hochland der »falschen« Rioja und erweckt vom Aussterben bedrohte historische Rebsorten zu neuem Leben. Alles unter dem Radar des Marktes, der sich lieber üblichen Klischees hingibt, als das Abenteuer einer neuen (alten) Rioja als Chance zu begreifen.

2025

»Ad Libitum« Rioja Maturana blanco

Bodega Juan Carlos Sancha

Inhalt: 0.75 l (20,67 €* / 1 l)

15,50 €*

Inhalt: 0.75 l (39,33 €* / 1 l)

29,50 €*

Marie Adler, Pfalz

Die junge Maria Adler, Winzerin in Leistadt in der armen (weil einst kalten) Pfalz, ist Paradebeispiel für ein Weingut, das auf dem Radar des Marktes nicht erscheint. Marie tritt leise und bescheiden auf. Sie ist keine Frau der lauten Töne und der Eitelkeiten. Spielt sich nicht in den Vordergrund. Sie hat sich die wertvolle Freiheit erarbeitet, sich den Anforderungen und Vorstellungen des Marktes widersetzen, ihr ganz eigenes Ding machen zu können. 

Diese Freiheit im Denken und Handeln spürt man in ihren Weinen mit dem ersten Schluck. Unerwartet »frei« schmecken sie. Frei von den Zwängen des Zeitgeistes, vom Einfluss der Machart, von modischen Attitüden und stilistischen Klischees. In dieser ungewohnten Freiheit verunsichern sie, regen zum Widerspruch an, fordern Aufmerksamkeit, Verständnis und Zuwendung. Sie stehen mutig für sich, folgen keiner Erwartungshaltung, erfüllen keine geschmacklichen Vorgaben, sondern erstellen provozierend selbstbewußt ein ganz eigenes Bild von sich, das für Maries Böden, Reben und ihre Intuition steht. Ihre Weine sind, was sie sein wollen und sein können. Als solche bleiben sie zwangsläufig unter dem Radar des Marktes.   

Dr. Dori Bussay, Ungarn

Der Mensch folgt Gewohnheiten, ob er will oder nicht. Vor allem in Sachen Essen und Trinken ist er meist gewohnheitsgesteuert. »Ich trinke nur, was mir schmeckt« sagt er dann - als wisse er genau, was ihm schmeckt. Ungarn steht dabei kaum auf dem Speiseplan. Tatsächlich gibt es dort nicht viele Winzerinnen und Winzer, die unsere Sinne mit freudiger Ablenkung zu belohnen verstehen. Die aber, die es können, sind qualitativ furios, aufregend horizonterweiternd und unverwechselbar in Stil und Charakter

Dori Bussay, energiegeladene Landärztin und Mutter, ist auch höchst ambitionierte Winzerin in Zala, im äußersten Westen Ungarns. Sie hat sich einer Rebsorte verschrieben, die vor dem Aussterben stand. Diese scheint kaum aussprechbar, doch wenn man sich der Herausforderung stellt und ihren »Tschokaschölö« zum ersten Mal im Glas hat, eröffnet sich ein Rotwein-Vergnügen, das so fröhlich, verständlich, speisenkompatibel und hochwertig im Mundgefühl agiert, daß man sich fragt, warum man den Wein nicht längst im Keller hat. Doch Ungarn fliegt unter dem Radar des Marktes und so muß man für seine guten Weine ganz schön kämpfen.

2023

Csókaszőlő (rot)

Bussay Winery

Inhalt: 0.75 l (26,53 €* / 1 l)

19,90 €*

Inhalt: 0.75 l (29,33 €* / 1 l)

22,00 €*

D. S. Bio, Latium

Unterm Radar laufen meist Weine, die nicht dem Diktat der Betriebswirtschaft huldigen, sondern es wagen, einer mutig individuellen Lebensphilosophie, einer bestimmten Lebensanschauung, zu folgen. Sie verweigern sich dem Zeitgeist und den Gesetzen des Marktes, sind, was sie sind: Weine, die bewußtem Lassen entspringen, statt gezieltem Machen, und den Mut haben zu Eigenart und dem unverwechselbaren Charakter ihrer Herkunft.

Danilo Scenna würde von Betriebswirtschaftlern mitleidig belächelt. Er hat sich dem Erhalt der historischen Pergola-Terrassen in seinem Dorf am Rande des Nationalparks Abruzzen-Molise-Latium im Hinterland von Rom ebenso verschrieben, wie der Wiederbelebung der vergessenen ursprünglichen Rebsorten des Latium. Das ist nur unter großer Anstrengung einträglich. Trotzdem übersetzt er unbeirrt die uralte Kultur seiner Heimat in faszinierend charakterstarke Weine, worin ihn Wissenschaftler aus aller Welt und Rebzüchter unterstützen. Er konterkariert damit die Einfalt des modernen italienischen Weines und weist einem neuen Verständnis von Wein den Weg. Dazu nimmt er in Kauf, unter dem Radar des Marktes zu agieren, obwohl seine Weine zu den aufregendsten des Landes zählen.

Laroque d´Antan, Cahors

Einen Rotwein wie diesen haben Sie noch nicht im Glas gehabt. Weltklasse vom Arsch der Welt, aus Cahors im kaum beachteten Südwesten Frankreichs. Weil er im Mischsatz neben Malbec auch »fremde« Rebsorten enthält, darf er nur ein »IGP Côte du Lot« sein. Purer Hohn, denn was dieser Wein an Tiefe und Gerbstoff-Qualität liefert, ist selbst in der Spitze des französischen Weines alles andere als alltäglich.

Lydia und Claude Bourguignon sind unter engagierten Weinbaubetrieben in aller Welt bekannt wie der bunte Hund. Dreißig Jahre lang berieten sie die besten Betriebe der Welt in Sachen Bodenleben. Niemand in der Weinwelt weiß mehr über den Einfluß des Bodens auf die Qualität von Wein als sie. Seit ein paar Jahren arbeiten sie auf eigene Rechnung im eigenen Weingut. Prompt sprengen sie auch dort die Maßstäbe in Weinen atemberaubend eigensinniger Ausstrahlung und wegweisender Qualität. Im Weinbau setzen sie auf maximale Diversität in der Reb-Genetik und auf ursprüngliches, nie mit Chemie und Maschinen in Berührung gekommenes Bodenleben. Doch trotz visionärer Qualität laufen ihre Weine unter dem Radar, weil der Südwesten Frankreichs im Handel und bei der schreibenden Zunft kaum Fürsprecher hat. Ganz schön verrückt!

2024

»Nigrine« IGP Côte du Lot

Laroque d´Antan

Inhalt: 0.75 l (69,33 €* / 1 l)

52,00 €*
%
Sonderformat

Inhalt: 4.5 l (34,44 €* / 1 l)

155,00 €* 171,80 €* (9.78% gespart)

Das »Unterm-Radar«-Paket

Immer nur zu trinken, was alle anderen auch schon trinken, ist ganz schön langweilig und wird der faszinierenden Vielfalt im Wein nicht gerecht. Diese Vielfalt mag verunsichern, weshalb man dann eben doch nur trinkt, was man schon kennt. 

Die Weinwelt teilt sich zunehmend in zwei Lager auf. Auf der einen Seite der berechenbare Wein, uniform den Erwartungen des Mainstreams entsprechend. You know what you get. Das MacDonald-Phänomen: Schmeckt immer, schmeckt jedem, schmeckt überall gleich.

Auf der anderen Seite das Abenteuer Wein, maximal individuell, geprägt von Mensch und Natur, Boden und Klima, unberechenbar vielfältig, sinnlich anregend und geschmacklich aufregend »anders«. 

Dieses Paket nimmt euch mit auf die Reise zu engagierten Winzerinnen und Winzern und deren maximal natürlichen Weinen, die euch erleben lassen, wohin sich der Wein in seiner Absatz- und Klimakrise durch regenerativen Weinbau entwickeln wird.