Sie zeigen, was im deutschen Wein an stilistischer Vielfalt möglich wäre. Maries Weg zur Eigenständigkeit beginnt vor rund 10 Jahren mit dem »Collective Z«, das den Kleinbetrieb an der nördlichen Mittelhaardt über fünf Jahre hinweg im Kollektiv mit Freunden führt. Dann beginnt Christoph irgendwann im praktischen Selbstversuch, naturbelassene Weine zu produzieren. Marie arbeitet da noch in einem befreundeten Weinbaubetrieb. Dann übernimmt sie zunehmend Arbeit und Verantwortung und so wird aus dem ursprünglichen »Collective« jenes kleine 2 ha Weingut, das seit 2023 ihren Namen trägt.
Christoph und Opa Helmut unterstützen sie dabei, die 16 kleinen, weit verstreut liegenden Parzellen rund um Leistadt biologisch zu bewirtschaften. Deren Trauben verarbeitet Marie im eigenen kleinen Gewölbekeller. Ihre Moste vergärt sie spontan, deren Weine reifen in Stahl, Holz und Keramik mit viel Zeit auf der Hefe. Sie werden ohne Schönung und Filtration mit nur minimaler Schwefelzugabe abgefüllt. Vorindustrielles Handwerk.
Klein und deshalb anders
Maries selbstauferlegte handwerkliche Mühe gibt ihr die Freiheit, näher dran zu sein an der Natur, den Reben, den Böden. Ihr entgeht kein Detail im Weinberg. Das verleiht ihr den Mut, ihre Trauben anders als technisch sicher verarbeiten zu können.
Die beherrschbare Größe ermöglicht ihr, den Stil ihrer Weine der Qualität und dem Zustand ihres Lesegutes frei von Eingriffen und Zusatzstoffen zu überlassen. Sie weiß nicht schon vor der Lese, wie ihre Weine anschließend schmecken. Getrost kann sie ihre Trauben im Keller deren natürlicher Reduktivität überlassen, die sich ihrer regenerativen Bewirtschaftung draußen verdankt; sie muß im Keller nicht steuernd eingreifen, sie kontrolliert und beobachtet nur. Weil ihr Lesegut durch die lebendigen Böden nährstoffreich und durch die sorgfältige Handlese gesund in die Kelter kommt, starten ihre spontanen Gärungen meist reibungslos und laufen auch entsprechend durch.
Es ist diese Freiheit, die ihren Weinen jene vibrierend lebendige, ungeschminkt natürliche Ausstrahlung verleiht, die ihre Herkunft aufregend ursprünglich, knochentrocken und wagemutig eigensinnig in fühlbar kalkigem Mundgefühl in die Welt trägt. Die Imperfektion der Natur als Abweichung von der Norm der Gewohnheit.
Transparenz und Authentizität
Man kann Marie Adlers Natur-Verständnis als naiv und esoterisch abtun und die Dimension ihres Betriebs als unprofessionell belächeln. Wir suchen gezielt nach kleinen Weinbau-Betrieben, weil wir nur dort noch die Leidenschaft und Intention finden, die Weine mit Herkunftscharakter und Persönlichkeit erst möglich machen.
Wir sehen die Zukunft in solch kleinen Handwerks-Betrieben, weil sich guter Wein in Zukunft viel transparenter kommunizieren muß in Weinbau und Kellerwirtschaft, will er morgen noch Interesse finden. Die stilistische Monotonie der Gegenwart langweilt die Käuferschaft zunehmend. Sie sucht im Glas nach der glaubwürdigen Geschichte der Herkunft, die den einen Wein vom anderen nachvollziehbar unterscheidbar macht. Für die Käuferschaft von morgen muß Wein die Geschichte einer besonderen Rebsorte erzählen können, einer speziellen Lage, eines ungewöhnlichen Bodens, eines ausgefallenen Jahrgangs oder einer besonderen Machart. Nur wer seine Reben, deren Trauben und deren Eigenschaften so genau kennt wie Marie, kann abseits von Agrarchemie und moderner Önologie Weine produzieren, die eine Geschichte zu erzählen haben, die Interesse weckt an »mehr davon!«.
Weinbau und Ökonomie
Marie und Christoph versuchen mit ihren 9 Schafen die Biodiversität ihrer historischen Kulturlandschaft zu fördern. Ihre kleinparzellierten Lagen erstrecken sich weit verstreut von ihrem Gutshaus bis in das Naturschutzgebiet Berntal, einem Rückzugsort für besondere Flora und Fauna. Um den Pflanzenschutz dort so minimal wie möglich zu halten, spritzen die beiden klassisch Schwefel, um die Blütezeit minimale Mengen an Kupfer, ansonsten kommen nur Pfanzentees wie Ackerschachtelhalm, Brennnessel oder Lavendel zum Einsatz.
Marie hat bewusst keine Begrünung eingesät. Sie setzt auf die natürliche Biodiversität jener seltenen Trockenmagerwiesen, die in Leistadt noch übliches Bodenbild sind. Sie nutzt sie gezielt in der Monokultur Wein, um minimale Erträge für besonders extraktreiche Weine auf natürliche Weise zu generieren. Ökonomisch sinnvoll? Diese Frage haben Marie und Christoph für sich entschieden, in dem sie dieser Kulturlandschaft die Etiketten ihrer Weine widmen.
Zeit geben
Es ist ein kleiner Keller, in dem die Weine von Marie Adler reifen und ruhen. Ihre Produktion umfasst schließlich nur wenige Tausend Flaschen.
Trotzdem dürfen ihre Weine viel Zeit in den Fässern meist auf der Vollhefe verbringen, um dort zur Ruhe zu kommen und jene magische innere Harmonie zu entwickeln, die sie so speziell macht. Marie vergärt ihre Weine mit der wilden Hefe und gibt ihnen dann 12 Monate Zeit im Faß. Die Weine gären im alten, kleinen Gewölbekeller aus Naturkalkstein unter ihrem Haus. Ein natürliches Milieu, das die Terroir-Prägung der Weine zwischen dem Kalk des Bodens draußen in den Weinbergen mit dem Kalk im Keller perfekt verbindet.
Natur verstehen
Marie und Christoph beweiden mit neun Schafen von der Insel Ouessant fast alle Parzellen und sorgen so für natürliche Flora und Fauna. Auf Ausgleichsflächen der Pollichia beweiden sie zusätzliche Flächen. Das Stroh der Schaf-Ruheplätze verarbeiten sie das Jahr über mit der Wolle der Schafschur, den Tresterresten des Herbst und der Pflanzenkohle von alten Rebstöcken zu Kompost.
Stirbt ein Schaf, wird es im Weinberg vergraben. Mikroorganismen und Pilze besorgen den Gang alles Irdischen. In einer größeren Parzelle haben sie eine Brache mit Obst und eine kleine Parzelle mit einer pilzwiderstandsfähigen Rebsorte angelegt, in die sie während des Pflanzenschutzes die Schafe treiben.
Adler (Marie)
Inhalt: 0.75 l (23,87 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (23,87 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (39,33 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (39,33 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (39,33 €* / 1 l)