Danilo Scenna studiert in Rom und Frankreich Volkswirtschaft. Nach dem Diplom quittiert er sein Studium und kehrt nach Hause zurück, um den bäuerlichen Betrieb der Eltern in einem winzigen Weiler im alpinen Hinterland von Frosinone südöstlich von Rom zu übernehmen, also im Latium, das in Sachen Wein kaum noch jemand auf dem Radar hat, obwohl es uraltes Weinland ist. »Terra incognita«.
Doch Danilo hat einen Plan. In geschickten Verhandlungen gelingt es ihm, zusätzlich zu den vom Vater geerbten 1,5 ha einige kleine Parzellen zu kaufen oder langfristig zu pachten. Fünf Hektar Reben sollen ihm den Lebensunterhalt sichern. Darunter auch jene historischen Vite Maritata-Terrassen, in deren Vielfalt uralter wurzelechter Genetik er die Zukunft seines Betriebes sieht, denn vergleichbar natürliche Biodiversität gibt es im europäischen Weinbau kaum noch.
Diese Vite Maritata (übersetzt: verheiratete Reben) sind ein archaisches Anbausystem, das auf die alten Etrusker zurückgeht. Ihre berührend schönen alten Reb-Bestände überlebten, weil der Süden Italiens über Jahrhunderte vom »Fortschritt« vergessen wurde. Man findet sie gelegentlich noch in abgelegenen Regionen im privaten Anbau.
Danilos Terrassen liegen auf 800 m Höhe in alpiner Umgebung. Die alten autochthonen Reben ranken sich dort in berührender Symbiose an Olivenbäumen, Ulmen, Obstbäumen, Buchen, Eichen und Ahornbäumen über viele hundert Meter in 2,5 bis 3 m Höhe den Hang entlang. Die Böden federn hier vor Mykorrhiza-Pilzwerken, weil sie noch nie von Traktoren verdichtet wurden.
Ein Wunder der Natur, das nur aufwendig in Handarbeit zu bewirtschaften ist. Neben den Vite Maritata hat Danilo seine kleinen, weit verstreut liegenden Parzellen in enger Zusammenarbeit mit der Uni in Rom mit bereits ausgestorben geglaubten, wiederentdeckten und entsprechend vermehrten alten, lokal autochthonen Rebsorten bepflanzt.
So hat er das kleine Weingut mit dem obskuren Namen zu einem qualitativ aufregenden und in Sachen Weinbau wegweisenden in Italien gemacht. D.S. Bio ist Demeter® zertifiziert und Mitglied bei VinNatur®, Italiens größtem Naturweinverband. Danilo ist nicht nur ein angenehm bescheiden auftretender Mensch, sondern auch einer der engagiertesten und kompetentesten Winzer, dem wir in 40 Jahren Weinhandel begegnet sind.



Danilo kann in seinen Vite Maritata weitgehend auf Pflanzenschutz verzichten, von Tee- und Propolis-Applikationen zur Stärkung nach heftigen Regenfällen oder Hagelschlag abgesehen. Er führt das auf die an ihre Wachstumsbedingungen perfekt adaptierten alten, wurzelechten, autochthonen Rebsorten zurück, aber auch auf die exponierte Höhenlage (ca. 800 m über dem Meer), die einen für Süditalien späten Lese-Beginn meist erst in der dritten Septemberwoche zur Folge hat.
Seine Parzellen liegen isoliert, so daß sie von Peronospora, dem falschen Mehltau, verschont bleiben, und einmal mehr erweist sich hier die vielgescholtene Pergola-Erziehung als sinnvoll, weil sie die Pilzsporen nicht bis in die Traubenzone gelangen läßt und eventuelle Feuchtigkeit durch den Wind vom Meer schnell abtrocknen kann. Odium, also echter Mehltau, tritt hier allerdings auf, meist aber erst so spät, daß er die Ernte nicht dezimieren oder schädigen kann. Alle Parzellen von Danilo sind von Olivenhainen, Eichen- und Buchenwäldern, sowie wilder, unberührter Natur umgeben, was sie vor dem Schadbefall üblicher Massen-Reb-Haltung bewahrt.
Entscheidend dafür scheinen auch seine von Bodenverdichtung durch Maschinen und Düngemittel verschont gebliebenen lebendigen Böden mit ihren Mykorrhiza-Wurzelpilzen zu sein, die für natürlichen Pflanzenschutz sorgen, was Danilo in Zusammenarbeit mit der Uni in Rom nachzuweisen versucht.
Die ungewöhnliche Symbiose zwischen Bäumen und Reben scheint, zusammen mit der beeindruckend unberührt wirkenden Artenvielfalt, dafür zu sorgen, daß die Reben hier ihre natürliche Balance finden. Sie liefern nur niedrige Erträge, wie sie vor der Erfindung des Kunstdüngers im 19. Jahrhundert üblich waren, und weil die alten Pergolen zum Teil 2,5 m bis 3 m hoch sind, was deren händische Bewirtschaftung und Lese enorm erschwert, will sich niemand mehr den Aufwand an Arbeit und Zeit antun. Deshalb setzen wir uns so vehement für Danilos wegweisende Weine ein, beweist sein respektvoll traditioneller Weinbau doch ohne nerviges Nachhaltigkeits-Gelabere, daß angestammte lokale Rebsorten, lebendige Biodiversität und gesunde Böden Weinbau auch in Zukunft möglich machen.

Kompetenz und Mut
Es gehört viel Mut dazu, in einer Region wie dem Latium, das bis heute vom internationalen Weinhandel weder wahr- noch ernstgenommen wird, Weine aus unbekannten lokalen Rebsorten zu produzieren. Die Vorstellungen von italienischem Wein reduzieren sich bislang in der Regel klischeehaft auf die immer gleichen Anbaugebiete im Norden des Landes. Dabei ist der Weinbau im Latium mindestens so alt wie die Stadt Rom und seine lokalen Rebsorten erweisen sich in Charakter, Geschmack und Stil als Lichtblick in der Monotonie jener modischen Weine, auf die der italienische Weinbau heute meist peinlich ignorant reduziert wird.
Danilo Scenna haucht dem Latium neues Leben ein als Weinbauregion von morgen. Er tut dies in profunder Kompetenz mit einem offenen Blick für die Natur, der nicht vielen Winzern gegeben ist. So fasziniert ihn das historische Erbe der unverzüchteten Genetik seiner alten Rebstöcke, die er in Massenselektion vermehrt, um sie zu erhalten; hier erklärt er uns die nachhaltige Wirkung der Symbiose zwischen Baum und Rebe auf deren Gesundheit, und um die Morphologie und organische Zusammensetzung seiner von dichten Mykorrhiza-Pilznetzwerken durchzogenen Böden zu untersuchen, die er für die Gesundheit seiner Reben für entscheidend hält, engagiert er sich in Studien der Uni in Rom. Ein Winzer mit Weitblick und profunder Kompetenz in Sachen Biodiversität, dessen Weine aufregend neue Wege weisen. Unsere Tochter Niña unterstützt ihn dabei tatkräftig in Weinberg und Weinbereitung.
»Tradition« verstehen
Es gibt im Wein kaum einen Begriff, der so mißbraucht wird wie das Wort »Tradition«. Danilo Scenna geht es um die überlieferten, über Jahrhunderte praktizierten Traditionen im Weinbau seiner Region. Er hat sie gerade noch vorgefunden und versucht nun, zu verstehen, wie und warum sie dort so lange funktioniert haben, was sich seitdem im Weinbau verändert hat und wie man sie mit dem Wissen von heute weiterentwickeln kann. Ohne Agrochemie, Maschinenpark, Kunstdünger und die Monokultur der Massen-Rebhaltung.
Das setzt Respekt vor dem Wissen der Alten voraus, braucht aber auch profundes Wissen, um zu verstehen, warum ihr Weinbau funktioniert hat. Und es braucht eine Kundschaft, die nicht nur die Preise zu zahlen bereit ist, die der Verzicht auf Menge und Ertrag mit sich bringt, sondern die auch teilhaben will am Verständnis eines Weinbaus, der auf lebendige Biodiversität und ein Bodenleben setzt, das den üblichen »Pflanzenschutz« obsolet macht und Weine hervorbringt, die im besten Sinne »traditionell« sind, weil sie nicht den Klischees des modernen Massengeschmacks entsprechen. Danilo Scenna folgt dem Erfahrungsschatz früherer Generationen. Er setzt ihn neu gedacht (und noch immer staunend) in einen Weinbau um, der sich in der Größe bewußt beschränkt, den Böden mehr Aufmerksamkeit schenkt als dem Machen im Keller und in der Biodiversität und dem komplexen Zusammenspiel der lokalen Rebsorten mit deren natürlicher Umgebung die entscheidenden Qualitätsfaktoren für seine Weine sieht. Ein anderes Verständnis von Tradition, das Zukunft hat.


Geschichte mit Leben erfüllen
Die Wahrnehmung von Wein ist erschreckend geschichtslos, halten wir doch das, was wir heute trinken, für den Maßstab in Sachen Wein. Dabei ist er nur ein Wimpernschlag in der Jahrtausende alten Geschichte des vergorenen Traubensaftes, ein zeitgeistiger Furz der Weingeschichte. Wein und sein Geschmack sind ein sich ständig wandelndes Kontinuum. Deshalb gibt es DEN Wein so wenig, wie es DEN BESTEN gibt, weil sich jeder von uns seine ganz persönliche Vorstellung von Wein antrinkt, die nur die eigene Weinerfahrung widerspiegelt. Das ist der subjektive Part des Weintrinkens.
Es gibt auch einen objektiven. Der hat nichts mit dem persönlichen Geschmack zu tun. Er beruht auf der Beurteilung harter Fakten wie der Art der Vergärung, die abhängig ist von der Qualität der Nährstoffversorgung durch lebendigen Boden, oder dem Gehalt an Inhaltsstoffen, die auf der Zunge für den haptischen Reiz des Trigeminusnervs sorgen und das Mundgefühl beeinflussen, in dem sie die elektrochemische Leitfähigkeit der Geschmackspapillen erhöhen. Etc. etc.
Eine historische Methode, einem Weißwein mehr Struktur zu verleihen und ohne übermäßige Schwefelung haltbar zu machen, ist der mehr oder weniger lange Kontakt der Beeren mit dem gärenden Most. Dabei werden Gerbstoffe (und damit konservierende Antioxidantien) aus den Schalen gelutscht, die dem Wein eine herbe, an Rotwein erinnernde physisch spürbare Wirkung verleihen, die heute als »Orange-Wein« modische Wiederauferstehung feiert. Ein uraltes Verfahren der Weinbereitung, das mit der Erfindung der hydraulischen Presse, die binnen Sekunden die Schalen vom Saft trennt, jenem modisch »fruchtigen« Weißwein weichen mußte, den wir heute für »typisch« halten. Danilo Scenna nutzt die ungewöhnlich dicken Schalen einer alten, lokalen weißen Rebsorte, wie auf dem Bild zu sehen, für die Bereitung eines derart historischen »Orange-Weines«, den er »Indomato« nennt, ungezähmt: Weißwein, wie er früher war, als es die moderne Kellerwirtschaft noch nicht gab.
Die Natur machen lassen
Danilo Scennas Keller ist winzig. Er umfasst exakt das Volumen an Tanks, das seine Parzellen an Saft in einem durchschnittlichen Jahrgang liefern. Kleine Edelstahltanks, ein paar Betontanks, das wars. Nicht mehr, nicht weniger. Ein durch und durch praktischer Keller, denn seine Arbeit im Weinberg ist so wegweisend nachhaltig, daß er im Keller kaum noch etwas machen muß, außer zu kontrollieren, was ihm die Natur geliefert hat und nun daraus zu machen gedenkt.
Die spontane Gärung ohne Temperaturkontrolle setzt allerdings Böden voraus, die den Most mit allem versorgen konnten, was er an Nährstoffen und Spurenelemente benötigt, um reibungslos durchgären zu können. Außerdem setzt sie das Wissen um den pH-Wert in Trauben und Most voraus, schließlich steuert er nicht nur das Gärverhalten, sondern auch die Mikrobiologie im späteren Wein. Danilo Scenna ist diesbezüglich mit allen Wassern gewaschen: Seine Naturweine sind unbehandelt, deshalb komplex und charakterstark, zugleich aber so reintönig süffig, daß man kaum glaubt, Naturweine im Glas zu haben.
Seine Kompetenz im Weinberg geht übrigens so weit, daß er späten Hagelschlag im Jahr mittels Bienenvölkern zu reparieren weiß. Dazu stellt er alle drei Rebzeilen ein Bienenvolk in die Reben, das prompt ausschwärmt, um den Zucker auf den betroffenen Beeren zu »ernten«, wobei es die Einschlagstelle des Hagelkorns mit Propolis versiegelt. Ein Wunder der Natur, das reproduzierbar funktioniert. Mit diesem Wissen um die Qualität seiner Trauben kann Danilo seine Weine im Keller getrost sich selbst überlassen. Ein Ausnahmewinzer, der sein Können nicht an die große Glocke hängt. Für Weine, die wir in ihrer praktizierten Nachhaltigkeit für außergewöhnlich halten.


Olivenöl rarer Qualität
Danilo Scenna sieht so »harmlos« aus und gibt sich so bescheiden. Tatsächlich aber ist er ein Qualitätsfanatiker, der nichts dem Zufall überläßt. In Sachen Olivenöl ist er gar ein Pedant fast schon preussischer Prägung. Kein Wunder, daß sein Öl in der Region und in Rom so begehrt ist, daß es stets blitzschnell nach der Abfüllung ausverkauft ist. Auch wir bekommen leider nur eine kleine Menge zugeteilt.
400 Bäume bewirtschaftet Danilo zusammen mit seinen Eltern, die vor etwa 40 Jahren gepflanzt wurden. Frantoio, Moraiolo und Leccino haben sie als Varietäten im Anbau; sie geben dem Öl auch seinen Namen: Fra Mole. Für möglichst hohen Polyphenolgehalt verzichtet Danilo auf eine Bewässerung der Bäume und er versucht penibel, den optimalen Erntezeitpunkt zu treffen. Gespritzt werden die Bäume nicht, ihr Schutz erfolgt über die Biodiversität ihrer Umgebung und ein durch Humusaufbau aktives Bodenleben. Die frisch von Hand geernteten Oliven werden binnen weniger Stunden in einer modernen Pieralisi-Extraktionsanlage zu einem Spitzenöl verarbeitet, dessen Polyphenolgehalt zu den höchstmöglichen gehört. Danilo beherrscht auch dieses Metier: Sein Öl fällt aromatisch entsprechend intensiv aus, besitzt angenehm milde Bitterkeit und trotz Frische und hohen Polyphenolgehaltes nur leichte Schärfe am Gaumen. Ein raffiniertes Spitzen-Öl, das zu den feineren, delikateren seiner Art zählt.

Inhalt: 0.75 l (21,20 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (26,53 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (26,53 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (26,53 €* / 1 l)
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Inhalt: 0.75 l (30,00 €* / 1 l)