Bodegas Juan Carlos Sancha

Juan Carlos Sancha

Ein Universitätsprofessor als Rebell. Er kämpft als Winzer für alte Reben und alte Sorten und als Professor der Weinuni der Rioja für mehr Vielfalt, gegen Bewässerung und für diversere Genetik. Mit Weinen, die es faustdick hinter den Ohren haben und dem breiten Strom in der Rioja provozierend ungewohnte Charaktere entgegenstellen. 

Region: Spanien | Rioja

Rebfläche: 23 ha

Bewirtschaftung: Biologisch

Böden: Kalk/Lehm

Seit vielen Jahren ist Juan Carlos Sancha Professor für Önologie an der Universität der Rioja. Als solcher hat er tausende von Vorträgen auf der ganzen Welt gehalten, unter anderem auch in China und den Vereinigten Staaten. Ein abgehobener Theoretiker ist er deshalb nicht. Als Winzer mit eigenem, 23 Hektar großen Weingut kämpft er für die Erhaltung jener alten Rebstöcke, die in den unbekannten Randgebieten der Rioja unmittelbar nach dem Ende der Reblaus-Katastrophe, also vor rund 120 Jahren, dort gepflanzt wurden, bis vor kurzem als vergessen galten und ihm heute als Quelle genetischer Vielfalt dienen. Er versteht seine Universität also nicht als akademische Blase der Theorie, sondern sieht in ihr die praktische Aufgabe, der Region La Rioja die Augen zu öffnen für ihre Vergangenheit und damit für ihre Zukunft.

»Ich bin Winzer, der wie ein Professor denkt. Ich bin aber auch ein Professor, der wie ein Winzer denkt», meint er, »unsere Studenten an der Universität wissen sehr genau, wer nach Gehör spielt und wer die Partitur kennt«.

Juan Carlos Sancha ist als Winzer wie als Akademiker bemerkenswert offen und streitbar. Er steht seiner eigenen Zunft, der Önologie, inzwischen äußerst skeptisch gegenüber, weil er meint, sie drohe den Weinbau an Bedeutung zu überflügeln. Er weiß, wovon er spricht. 

Als Akademiker betreute er in seinem früheren Leben 13 Weingüter in ganz Spanien, einschließlich Chile. Über 800 Hektar Reben hat er dabei gepflanzt. 1988 kehrte er, vom technischen »Fortschritt« im Keller frustriert, zu seinen Ursprüngen in sein Dorf Baños de Río Tobía im armen Süden der Rioja zurück. Dort kämpft er seitdem als Winzer gegen die Tempranillo-Monotonie in der Rioja und für den Erhalt jener alten Garnacha-Reben, deren Weinen er wieder den Ruf zu verschaffen versucht, den sie seiner Meinung nach verdient haben.

Als Winzer verfolgt er zwei bedeutende Projekte. Das eine nennt sich »Ad Libitum«, lateinisch für »Vergnügen«. Er mußte es gegen den Willen seiner Universität durchsetzen, die damals im breiten Strom des Zeitgeistes in den internationalen Sorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Chardonnay und Sauvignon Blanc die Zukunft sah, wogegen Juan Carlos Sancha schon damals jene alten Sorten zu setzen versuchte, die er mit seinen Studenten in alten Weinbergen über die ganze Rioja verteilt gefunden hatte und die es vor dem Verschwinden zu retten galt.

Siebenundzwanzig lokale Rebsorten fanden sie damals. Diese bauten sie über zwanzig Jahre hinweg in der winzigen Menge von vier Litern pro Sorte aus. Nach diesen Versuchen blieben vier alte autochthone Sorten übrig, die Juan Carlos Sancha vermehrte und als einer der wenigen im Anbau hat: den weißen Tempranillo, die weiße und rote Maturana, sowie den einzigen Monastel-Wein der Welt.

Das andere Projekt nennt sich »Peña del Gato«. Es widmet sich der Wiederherstellung uralter, sehr hoch gelegener Weinberge, die mittels EU-Subventionen gerodet werden sollten, weil sie mit Grenache bepflanzt sind, die man durch zeitgemäße Tempranillo-Klone ersetzen wollte. Juan Carlos Sancha kaufte die alten Lagen, die zum Teil schon aufgegeben waren, rekultivierte sie mühsam und bietet davon neun Weine von neun verschiedenen Parzellen unter dem »Peña del Gato«-Etikett an. Der Name bezieht sich auf die Katzen des Dorfes, denen diese Lagen zu hoch waren, um dort jagen zu gehen. 

Die Reben bewirtschaftet er biologisch zertifiziert und baut sie im Sinne der Naturweinbewegung aus, mit nur minimaler oder gar keiner Schwefelung und ohne önologische Zusätze. Zum Ausbau benutzt er alte neutrale Fässer. Eine Parzelle baut er in der Steingut-Amphore aus.

Faßholz oder Traube?

»Die Rioja hat es geschafft, den Nebendarsteller »Faßholz« zum Hauptdarsteller zu machen», meint er, »so daß man heute glaubt, die Qualität der Rioja-Weine am Ausbau im kleinen Holzfaß festmachen zu können«. 
Liest man die internationale Fachpresse, kann man sich dieses Eindrucks nicht erwehren. Viele Fachjournalisten und Masters of Wine scheinen noch immer zu glauben, die Qualität eines Riojas hinge von dessen Reifezeit im Fass ab. Vor allem englische Fachautoren bewerten »moderne« Riojas mit viel Faßholz-Einfluß besonders hoch.
Juan Carlos Sancha wettert vehement dagegen. Wichtig sei nicht die Zeit, die der Wein im Faß verbringt, sondern die Qualität der Traube und des Bodens, von dem sie stammt, sowie das Mikroklima, in dem sie entsteht. »Nur sie verleihen den Trauben besondere Eigenschaften. Die Weinberge sind die Essenz der Qualität, nicht die Fässer. Die sind nur Schminke«, meint er provozierend.

»Heute ist die durchschnittliche Lebensdauer eines Weinbergs in der Rioja etwa 25 bis 30 Jahre. Die schlechte Genetik der Reben verhindert eine längere Lebensdauer. Man rodet und pflanzt neu. Nachhaltig ist das nicht. Unsere hundert Jahre alten Reben produzieren wenig, aber das, was sie produzieren, ist qualitativ sensationell – und damit nachhaltig.«

Diese Reben wurden gepflanzt, kaum daß die Reblaus überwunden war. Sie zerstörte damals praktisch alle Rebstöcke nicht nur in der Rioja, sondern in ganz Europa. Bis auf sandige Böden und verwitterten Schiefer gab es kaum einen Weinberg, der dem katastrophalen Schädling damals entkam. Die alten Rebstöcke, die Juan Carlos Sancha rekultiviert hat, stammen demnach aus den Jahren 1906 bis 1917. 

Weil die modernen Rioja-Weingüter solche Reben nicht zeigen können, zeigen sie der Welt ihre Tanks und ihre Fässer. Darauf führt der Önologieprofessor aus der Rioja die heutige Dominanz der Kellerwirtschaft über Rebe, Boden und Herkunft in der Wahrnehmung des Weines zurück - nicht nur in der Rioja, sondern weltweit. Über Keller und Ausbau wird in Weinbeschreibungen immer gesprochen. Über den Anbau, die Reberziehung, den Einfluß des Bodens, die Details der Bewirtschaftung und, ganz wichtig, über die Genetik praktisch nie.

Damals waren Weinbauern keine studierten Akademiker. Sie konnten und mußten den Erfahrungen vorheriger Generationen vertrauen. Die pflanzten ihre Reben auf den kargen, unfruchtbaren Böden, auf denen keine andere Kulturpflanze wachsen wollte - und stellten prompt fest, daß genau dort die besten Trauben entstanden. Damals pflanzte man aus Erfahrung stets im gemischten Satz: gesunde Vielfalt statt krankheitsanfälliger Einfalt. In der Rioja bestand dieser Mischsatz aus acht bis zehn verschiedenen Rebsorten, oft weiß und rot gemischt. In Alto Najerilla, wo Juan-Carlos Sanchas Weingut liegt, pflanzte man aber schon damals auf den abgelegenen, hohen Lagen rot und weiß getrennt. Rot war überwiegend Grenache, weiß waren gemischte Sätze aus zwei, drei, vier verschiedenen Rebsorten.

Von diesen Peña-el-Gato-Lagen bietet Juan Carlos Sancha heute mehrere verschieden ausgebaute rote Grenache-Varianten an und mit dem »Cerro la Isa« einen unglaublich spannenden, hochwertig großen historischen weißen Mischsatz, dessen Rebsorten er bis heute nicht kennt und dessen Rebstöcke den »Fortschritt« nur überlebten, so meint er, weil sie von Beginn an ob der Höhe ihrer Lage als nicht rentabel galten, weshalb die Einheimischen sie bewirtschafteten, um daraus Wein für sich zu Hause zu keltern.


Der charismatische Önologe ist übrigens nicht davon überzeugt, daß heute bessere Trauben produziert werden als vor 30 Jahren. Seine Erfahrung mit den alten Reben habe ihm gezeigt, daß die Genetik der alten Reben sehr viel besser weil vielfältiger und resistenter ist als die des modernen Pflanzmaterials. Er glaubt, daß der Klimawandel die Winzer aber dazu zwingen wird, Pflanzmaterial zu entwickeln, das weniger produktiv ist und zudem regenerativ bewirtschaftet werden muß, um das Wasserspeichervermögen der Böden gewährleisten zu können. Weinbau sei in naher Zukunft nur noch mit, nicht mehr gegen die Natur zu machen, meint er - und rennt damit offene Türen bei uns ein.

Önologie und Weinberg hätten sich nicht auf die gleiche Weise weiterentwickelt, fährt er fort: »Im Keller können, dürfen und müssen wir reparieren, was die Natur nicht geliefert hat, weil wir intensiv daran geforscht haben, immer mehr Trauben pro Rebstock zu produzieren. Keinerlei Fortschritte haben wir dagegen bei der Qualität der Trauben gemacht. Die meisten Veränderungen im Weinbau zielten darauf ab, produktivere Klone zu entwickeln, für die wir heute Bewässerung brauchen, um deren Produktion aufrecht erhalten zu können. Wir haben uns weltweit viel zu wenig damit beschäftigt, die Vorteile, die Trauben historischer Genetik bieten, wissenschaftlich zu erforschen, um sie entsprechend vermehren zu können. «

»Es gibt mehr als 80 Doktorarbeiten über die Bewässerung von Weinbergen. Wir haben an der Universität 1988 begonnen, unsere alten vergessenen Rebsorten zu vermehren, aber erst 2008, zwanzig Jahre später, wurden sie von der Kontrollbehörde für den Anbau zugelassen. Das ist ein Witz. Viele alte, vergessene, autochthone Rebsorten hätten der Klimakrise etwas entgegenzusetzen – ohne Bewässerung. Nur durch vielfältig alte Genetik und entschleunigte handwerkliche Bewirtschaftung, die die Wasserversorgung über Mykorrhiza-Netzwerke durch beschattende Bäume und insekten- und vögelfreundliche Hecken mit lebendigen Böden respektiert. Stattdessen forschen wir an Piwis und glauben, daß neue Rebsorten an alten Plätzen die Lösung sind. Ich kann beweisen, daß es anders geht.«

Ein Rebell mit akademischem Titel und weitem Blick, dessen brillante, mutig persönliche Weine für eine Zukunft im Weinbau stehen, die sich dem Strom der Ignoranz widersetzt.
Finca Fuentelacazuela | 26320 Baños de Río Tobía, La Rioja | Erstinverkehrbringer: Gebr. Kössler & Ulbricht GmbH & CoKG
2022 »Ad Libitum« Rioja Maturana tinta Bodega Juan Carlos Sancha

Inhalt: 0.75 l (16,00 €* / 1 l)

12,00 €*
2022 »Ad Libitum« Rioja Maturana blanca Bodega Juan Carlos Sancha

Inhalt: 0.75 l (20,00 €* / 1 l)

15,00 €*

Inhalt: 0.75 l (24,00 €* / 1 l)

18,00 €*
2020 »Peña el Gato« Garnacha Colleccion Bodega Juan Carlos Sancha

Inhalt: 0.75 l (25,33 €* / 1 l)

19,00 €*
2022 »Peña el Gato« Garnacha Granito Bodega Juan Carlos Sancha

Inhalt: 0.75 l (29,33 €* / 1 l)

22,00 €*
2020 »Peña el Gato« Garnacha Natural Bodega Juan Carlos Sancha

Inhalt: 0.75 l (29,33 €* / 1 l)

22,00 €*
2021 Cerro La Isa blanco »Viñedo Singular« Bodega Juan Carlos Sancha

Inhalt: 0.75 l (66,67 €* / 1 l)

50,00 €*