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Notizen aus der Champagne


Juli 2026 • Zu viele Trauben, zu wenig Abnehmer

In der Champagne gibt es 16.000 registrierte Winzer. Von denen verarbeiten nur etwa 2000 die eigenen Trauben zu Champagner, den sie unter ihrem Namen als Winzer-Champagner mit dem Kürzel RM (Recoltant Manipulant) vermarkten. Die restlichen Traubenproduzenten bewirtschaften ihre Rebflächen, verkaufen ihre Trauben oder deren Saft aber an eines oder mehrere der rund 350 Champagner-Häuser oder eine der 130 Genossenschaften. Ein eingefahrenes, genau geregeltes System, das sogar den Preis pro Kilo Trauben, in der Champagne einer der höchsten der Weinwelt, staatlich fixiert.

Doch derzeit ist die Nachfrage nach Trauben in der Champagne auf ein Allzeit-Tief gefallen. Nach der Ernte wird es ein Überangebot an Trauben geben dieses Jahr – was in der bisher nach Trauben gierenden Region nur ganz selten vorkommt. Traubenverträge werden nicht verlängert werden und die Spotmärkte für Trauben, Saft und Vin Clair sind schon heute fast vollständig versiegt. 

Es kündigt sich an, daß die Häuser, die vom Traubenkauf leben, die Möglichkeit nutzen werden, aus vielen Verträgen auszusteigen. Dies ist in der Champagne das letzte Mal in den Neunzehnhundertachtziger Jahren passiert. Die meisten Winzer dürften für dieses ungewohnte Szenario kaum einen Plan B haben. 

Zudem lassen die offiziellen monatlichen Verkaufszahlen darauf schließen, dass vor allem Winzer und Genossenschaften Schwierigkeiten haben, ihre Champagner zu verkaufen. Den großen Häusern scheint es noch einigermaßen gut zu gehen, obwohl auch bei ihnen die Verkaufszahlen stagnieren bzw. zurückgehen. So steht z. B. das bekannte Champagner-Haus Pommery kurz vor der Insolvenz. Vor dem Hintergrund wären viele Traubenbauern glücklich, wenn sie nebenbei ein paar Trauben verkaufen könnten. In der Champagne sicherten ihnen bisher die Verkäufe von Trauben, Saft und Stillwein ein regelmäßiges Einkommen. Heute sind zuverlässige Verkaufsprognosen aber kaum mehr möglich, Importeure und Händler zögern weltweit mit dem Einkauf oder sie zahlen spät und schlecht, und weil der Champagner-Markt fast weltweit gesättigt ist, beginnt der Traubenpreis pro Kilo zu sinken. Er wurde letztes Jahr schon gesenkt und man vermutet, daß er dieses Jahr weiter nachgeben wird. Schlechte Aussichten also für die Traubenproduzenten der Champagne.

Von all dem erfahren Kundinnen und Kunden kaum etwas. Sie glauben, daß die Welt des Champagners nach wie vor im Luxus schwelgt, doch sind die Zeiten vorerst vorbei. Der Champagne steht eine veritable Krise bevor, die sie sich selbst geschaffen hat. Hier demnächst mehr dazu.