»Terroir«
Ein französischer Begriff, der für unverwechselbaren, ortstypischen Charakter im Wein steht, der seine Herkunft so unverstellt und unverfälscht zeigt, daß man tatsächlich von »Terroir im Wein« sprechen kann. Weine mit Terroir spiegeln über Bakterien (Bild), Pilze und Salze aus dem Boden, auf dem ihre Reben stehen, ihren Ursprung und die natürlichen Wachstumsbedingungen ihrer unmittelbaren Umgebung in Duft, Geschmack und Mundgefühl unverwechselbar wider.
Der Begriff »Terroir« (abgeleitet vom französischen terre für Erde/Land) wird außerhalb Frankreichs oft falsch verwendet. Man setzt ihn bei uns meist dem Boden oder der Lage gleich. Im Französischen steht er für das so komplexe wie mysteriöse Zusammenspiel von Bodenbeschaffenheit, Klima und Mikroklima, Topografie der Lage und der Handwerkskunst der Menschen, die einen Wein in das übersetzen, was er uns zu geben bereit ist.
Das Wort »Terroir« steht für die Unverwechselbarkeit eines Weines
Selbst, wenn er aus derselben Rebsorte gekeltert wird, wird er von einem anderen Weinberg oder aus anderer Region stammend, spürbar anders riechen und schmecken.
»Terroir« ist der Gegenentwurf zur Normierung
Weine, die nach den Rezepten der Kellerwirtschaft produziert werden, können kein »Terroir« besitzen. Sie duften meist laut und fruchtig und werden, damit sie möglichst Vielen schmecken, nach den uniformen Klischees der modernen Önologie produziert, egal, ob die Flasche 3.- Euro oder 300.- Euro kostet.
Weine mit Terroir schmecken weder austauschbar, noch kann man in ihnen den Einfluss einer bestimmten Machart oder Weinbereitung entdecken; sie entstehen ohne jene geschmacksverändernden Zusatzstoffe, mit denen der moderne Wein marktgerecht in Duft und Geschmack eingestellt und verändert wird. In kompromisslosem Gegensatz dazu präsentieren sich Weine mit Terroir in fordernd individueller, charakterstarker Persönlichkeit. Dazu sind spontane Gärung und lebendige Böden für entsprechenden Nährstofftransport in Beeren und Most zwingende Voraussetzung. Nur mit schonender »low-intervention«-Weinbereitung zeigen sie dann in leiser, eher würziger als fruchtiger Expressivität die unverwechselbare »Identität« ihrer Herkunft, also jenes Ortes, in dem sie entstehen.