Villa Calicantus, Daniele Delaini

Ungeschminkt provozierende Natürlichkeit

Daniele Delainis »Villa Calicantus« ist ein morbider, verwunschener Ort hoch über Calmasino am Gardasee. Keine Spur von der Pracht der berühmten Weingüter im benachbarten Valpolicella. Hier geht es bescheidener zu.

Sein Vater war zu Zeiten, in denen Bardolino noch Gewicht hatte in der Weinwelt, einer der wichtigsten Traubenlieferanten der Region. Als der Niedergang kam, mußte er Stück für Stück seines Besitzes verkaufen, um überleben zu können. Als er 2010 stirbt, tritt Daniele das familiäre Erbe an und zieht mit seiner Familie aus Paris, wo er einen gutgehenden Weinhandel betrieb, nach Calmasino. Der Hof ist heruntergekommen und vom einstmals weitläufigen Grundbesitz der Familie ist nur etwas mehr als ein Hektar Reben übriggeblieben. Daniele macht sich ans Werk, will den alten Hof zum Weingut machen. Ohne fremdes Kapital starten Delainis 2011 quasi bei null. Mühsam regenerieren sie die Reben, stellen sie auf biologische Bewirtschaftung um und erwarten voller Spannung ihren ersten Jahrgang. Der fällt anders aus als erwartet: Hell in der Farbe und frisch in der Säure, aber auch unerwartet tiefgründig am Gaumen. 

In Paris haben sie sich mit der Naturweinbewegung angefreundet, die auch unter Italiens Winzern heftigen Zuspruch findet. Sie beschließen sich deren Ideen anzuschließen. Um den Charakter ihres ersten eigenen Jahrgangs verstehen zu lernen, geben Delainis Bodenanalysen in Auftrag. Die ergeben, daß sie mit dem höchsten Weinberg der Region eine der besten Lagen Bardolinos besitzen, deren kompakter Moränenboden sich aber als wasserdurchlässig erweist und kaum Humus enthält, also überaus mager ist und zudem, ungewöhnlich für Bardolino, sehr hohen Kalkgehalt aufweist. Es ist also der Boden, der ihren Wein trotz identischer Rebsorten wie im gegenüberliegenden Valpolicella, das ob tiefgründigerer Böden dunklere und dichtere Weine hervorbringt, hellfarbig, zart und elegant ausfallen läßt. Delainis beschließen, für die Humusbildung auf biodynamische Bewirtschaftung umzustellen und die Höhe ihrer Parzellen zu nutzen, um Weine zu produzieren, die sich grundlegend von dem unterscheiden, was der Region den zweifelhaften Ruf bescherte. 

Von einem Hektar kann man nicht leben. Delainis können auf ihrem Plateau weitere Hektar Reben langfristig pachten. Auch deren Böden sind mager, die Erdauflage ist dünn und sorgt für kleine Erträge, weshalb die Parzellen als minderwertig gelten. Das ficht Daniele nicht an. Er konzipiert für jede der fünf Parzellen fünf Weine, deren Weinbereitung und Ausbau er gekonnt auf deren Rebsorten, das Alter der Reben und deren Bodenmorphologie abstimmt. 

• So besteht sein köstlich delikater, seidig transparenter »Soracuna« vor allem aus Merlot, der im gemischten Satz gemeinsam mit Corvina, Molinara, Rondinella und Sangiovese gepflanzt wurde. Sie erntet und verarbeitet er gemeinsam.

• Von jungen Reben auf besonders kargen Böden stammt sein quicklebendiger, fröhlich sprudelnder PetNat »Sollazzo«, ein auf der Hefe belassener köstlich trinkfreudiger Naturschaumwein, mit dem er in kürzester Zeit rund um den See die Herzen der Gastronomie und deren Gäste eroberte.

• »Chiar'otto« ist ein aus dem Ausbluten des Rotweinmostes gewonnener, duftig würziger Rosé, der sich deshalb nicht Chiaretto nennen darf. Er begeistert mit weicher, süffig milder Textur, fröhlich duftigem Aroma und einem Namen, den man sich auch als Deutscher merken kann.. 

• Seiner Ur-Parzelle, der höchsten der Appellation, widmet Daniele einen tiefgründig samtig schmelzigen, dunkelfarbig potenten Bardolino Superiore, den er »Superiora« getauft hat und der Maßstab der Region ist, die Referenz. 

• Daß Bardolino richtig großer Wein sein kann, der es mit gutem Burgunder jederzeit aufnehmen kann, auch weil er ähnlich gut reift, beweist er mit seinem raren »Avresir«, einem Palindrom des Wortes »Riserva«, die es in Bardolino nicht gibt). Er stammt von 60 Jahre alten Reben, die in einer Senke mit tiefgründigerem Boden stehen, die dem Wein prompt Körper, Klasse und Rasse verleihen und Danieles visionäres Boden-Konzept eindrucksvoll bestätigen.

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Bardolino. Der Wein vom See. 

Daniele Delaini geht es um Transparenz und Eleganz in seinen Weinen. Dazu extrahiert er seine Trauben in seinem winzigen Keller so schonend wie möglich. Eigentlich praktiziert er eher eine Infusion. Er verzichtet also auf die übliche mechanische Extraktion der Beerenschalen. Und er gewährt seinen Weinen - je nach Jahrgang - die Zeit, die sie brauchen, um sich harmonisch zu präsentieren. Trotz ihrer eher hellen Farbe, der man stets unterstellt, für harmlos leichten Wein zu stehen, reifen sie exzellent über Jahre auf der Flasche. Bewußt bringt sie Daniele zudem spät auf den Markt. 

Daniele vergärt im Keller spontan in Beton- oder Edelstahltanks. Während der Weinbereitung verzichtet er auf Schwefel, wenn es ihm nötig erscheint, schwefelt er bei der Abfüllung minimal. Auf jedem Etikett deklariert der den freien und Gesamtschwefel. Immer sind seine Weine unfiltriert und naturtrüb, weshalb ihm bisher die DOC und DOCG-Banderolen verwehrt blieben. Im Jahr 2019 allerdings war das Consorzio von seinen Weinen so begeistert, daß sie ihm seitdem erlauben, sie als Bardolino zu etikettieren. Der Zeitgeist sorgt für Wandel.

Die Weine der »Villa Calicantus« stoßen ob ihrer delikaten Frische und natürlichen Leichtigkeit regelmäßig auf Unverständnis, zugleich finden sie aber auch begeisterten Zuspruch. Je nach Trinkerfahrung und Sichtweise.

Es sind Rotweine, die polarisieren, weil sie gewohnte Pfade hinter sich lassen. Sie setzen Maßstäbe, die weit über den Gardasee hinausgehen. Selbst konservative Gastronomen haben Danieles Weine inzwischen nicht mehr nur gelistet, sondern verkaufen sie trotz ihrer Preise mit Erfolg. Die Zeiten ändern sich ...

Delainis bewirtschaften inzwischen knapp 8 ha. Über 40% ihrer Ernte gehen in den Export. Gut 2000 Besucher kommen alljährlich auf ihren Hof, der, wenige Kilometer vom Gardasee entfernt, in einem der touristischsten Hotspots Norditaliens liegt. »Doch viele unserer Besucher kommen, probieren und kaufen nichts. Sie finden unsere Weine zu teuer, zu hell in der Farbe, zu sauer und zu dünn im Geschmack. Sie sind irritiert, daß sie so ganz anders schmecken als das harmlos geschmeidige Bardolino-Klischee aus zu warmen Weinbergen und zu hohem Ertrag«, meint Daniele gelassen. »Ich kann verstehen, daß sie mit unseren Wein-Charakteren Probleme haben. Doch auch ihre Vorstellung von Qualität im Wein wird sich spätestens dann ändern, wenn sie erkennen, wie manipuliert und austauschbar all die runden, weichen Weine mit hohem Alkohol sind, die für sie noch immer der Maßstab sind.« 

Delainis haben die für sie ideale Betriebsgröße gefunden. Ihre »Villa Calicantus«-Flaschen sind und bleiben also rar. Sie werden nicht umsonst einzeln nummeriert und von Hand etikettiert. Unter den kundigen Weintrinkern der Welt finden sie die Anerkennung, die sie verdient haben. Weil sie weit mehr können, als seelige Urlaubserinnerung an den Gardasee erwarten läßt.

Daniele Delainis »Villa Calicantus« ist ein morbider, verwunschener Ort hoch über Calmasino am Gardasee. Keine Spur von der Pracht der berühmten Weingüter im benachbarten Valpolicella. Hier geht es bescheidener zu.

Sein Vater war zu Zeiten, in denen Bardolino noch Gewicht hatte in der Weinwelt, einer der wichtigsten Traubenlieferanten der Region. Als der Niedergang kam, mußte er Stück für Stück seines Besitzes verkaufen, um überleben zu können. Als er 2010 stirbt, tritt Daniele das familiäre Erbe an und zieht mit seiner Familie aus Paris, wo er einen gutgehenden Weinhandel betrieb, nach Calmasino. Der Hof ist heruntergekommen und vom einstmals weitläufigen Grundbesitz der Familie ist nur etwas mehr als ein Hektar Reben übriggeblieben. Daniele macht sich ans Werk, will den alten Hof zum Weingut machen. Ohne fremdes Kapital starten Delainis 2011 quasi bei null. Mühsam regenerieren sie die Reben, stellen sie auf biologische Bewirtschaftung um und erwarten voller Spannung ihren ersten Jahrgang. Der fällt anders aus als erwartet: Hell in der Farbe und frisch in der Säure, aber auch unerwartet tiefgründig am Gaumen. 

In Paris haben sie sich mit der Naturweinbewegung angefreundet, die auch unter Italiens Winzern heftigen Zuspruch findet. Sie beschließen sich deren Ideen anzuschließen. Um den Charakter ihres ersten eigenen Jahrgangs verstehen zu lernen, geben Delainis Bodenanalysen in Auftrag. Die ergeben, daß sie mit dem höchsten Weinberg der Region eine der besten Lagen Bardolinos besitzen, deren kompakter Moränenboden sich aber als wasserdurchlässig erweist und kaum Humus enthält, also überaus mager ist und zudem, ungewöhnlich für Bardolino, sehr hohen Kalkgehalt aufweist. Es ist also der Boden, der ihren Wein trotz identischer Rebsorten wie im gegenüberliegenden Valpolicella, das ob tiefgründigerer Böden dunklere und dichtere Weine hervorbringt, hellfarbig, zart und elegant ausfallen läßt. Delainis beschließen, für die Humusbildung auf biodynamische Bewirtschaftung umzustellen und die Höhe ihrer Parzellen zu nutzen, um Weine zu produzieren, die sich grundlegend von dem unterscheiden, was der Region den zweifelhaften Ruf bescherte. 

Von einem Hektar kann man nicht leben. Delainis können auf ihrem Plateau weitere Hektar Reben langfristig pachten. Auch deren Böden sind mager, die Erdauflage ist dünn und sorgt für kleine Erträge, weshalb die Parzellen als minderwertig gelten. Das ficht Daniele nicht an. Er konzipiert für jede der fünf Parzellen fünf Weine, deren Weinbereitung und Ausbau er gekonnt auf deren Rebsorten, das Alter der Reben und deren Bodenmorphologie abstimmt. 

• So besteht sein köstlich delikater, seidig transparenter »Soracuna« vor allem aus Merlot, der im gemischten Satz gemeinsam mit Corvina, Molinara, Rondinella und Sangiovese gepflanzt wurde. Sie erntet und verarbeitet er gemeinsam.

• Von jungen Reben auf besonders kargen Böden stammt sein quicklebendiger, fröhlich sprudelnder PetNat »Sollazzo«, ein auf der Hefe belassener köstlich trinkfreudiger Naturschaumwein, mit dem er in kürzester Zeit rund um den See die Herzen der Gastronomie und deren Gäste eroberte.

• »Chiar'otto« ist ein aus dem Ausbluten des Rotweinmostes gewonnener, duftig würziger Rosé, der sich deshalb nicht Chiaretto nennen darf. Er begeistert mit weicher, süffig milder Textur, fröhlich duftigem Aroma und einem Namen, den man sich auch als Deutscher merken kann.. 

• Seiner Ur-Parzelle, der höchsten der Appellation, widmet Daniele einen tiefgründig samtig schmelzigen, dunkelfarbig potenten Bardolino Superiore, den er »Superiora« getauft hat und der Maßstab der Region ist, die Referenz. 

• Daß Bardolino richtig großer Wein sein kann, der es mit gutem Burgunder jederzeit aufnehmen kann, auch weil er ähnlich gut reift, beweist er mit seinem raren »Avresir«, einem Palindrom des Wortes »Riserva«, die es in Bardolino nicht gibt). Er stammt von 60 Jahre alten Reben, die in einer Senke mit tiefgründigerem Boden stehen, die dem Wein prompt Körper, Klasse und Rasse verleihen und Danieles visionäres Boden-Konzept eindrucksvoll bestätigen.

{{bilder}}

Bardolino. Der Wein vom See. 

Daniele Delaini geht es um Transparenz und Eleganz in seinen Weinen. Dazu extrahiert er seine Trauben in seinem winzigen Keller so schonend wie möglich. Eigentlich praktiziert er eher eine Infusion. Er verzichtet also auf die übliche mechanische Extraktion der Beerenschalen. Und er gewährt seinen Weinen - je nach Jahrgang - die Zeit, die sie brauchen, um sich harmonisch zu präsentieren. Trotz ihrer eher hellen Farbe, der man stets unterstellt, für harmlos leichten Wein zu stehen, reifen sie exzellent über Jahre auf der Flasche. Bewußt bringt sie Daniele zudem spät auf den Markt. 

Daniele vergärt im Keller spontan in Beton- oder Edelstahltanks. Während der Weinbereitung verzichtet er auf Schwefel, wenn es ihm nötig erscheint, schwefelt er bei der Abfüllung minimal. Auf jedem Etikett deklariert der den freien und Gesamtschwefel. Immer sind seine Weine unfiltriert und naturtrüb, weshalb ihm bisher die DOC und DOCG-Banderolen verwehrt blieben. Im Jahr 2019 allerdings war das Consorzio von seinen Weinen so begeistert, daß sie ihm seitdem erlauben, sie als Bardolino zu etikettieren. Der Zeitgeist sorgt für Wandel.

Die Weine der »Villa Calicantus« stoßen ob ihrer delikaten Frische und natürlichen Leichtigkeit regelmäßig auf Unverständnis, zugleich finden sie aber auch begeisterten Zuspruch. Je nach Trinkerfahrung und Sichtweise.

Es sind Rotweine, die polarisieren, weil sie gewohnte Pfade hinter sich lassen. Sie setzen Maßstäbe, die weit über den Gardasee hinausgehen. Selbst konservative Gastronomen haben Danieles Weine inzwischen nicht mehr nur gelistet, sondern verkaufen sie trotz ihrer Preise mit Erfolg. Die Zeiten ändern sich ...

Delainis bewirtschaften inzwischen knapp 8 ha. Über 40% ihrer Ernte gehen in den Export. Gut 2000 Besucher kommen alljährlich auf ihren Hof, der, wenige Kilometer vom Gardasee entfernt, in einem der touristischsten Hotspots Norditaliens liegt. »Doch viele unserer Besucher kommen, probieren und kaufen nichts. Sie finden unsere Weine zu teuer, zu hell in der Farbe, zu sauer und zu dünn im Geschmack. Sie sind irritiert, daß sie so ganz anders schmecken als das harmlos geschmeidige Bardolino-Klischee aus zu warmen Weinbergen und zu hohem Ertrag«, meint Daniele gelassen. »Ich kann verstehen, daß sie mit unseren Wein-Charakteren Probleme haben. Doch auch ihre Vorstellung von Qualität im Wein wird sich spätestens dann ändern, wenn sie erkennen, wie manipuliert und austauschbar all die runden, weichen Weine mit hohem Alkohol sind, die für sie noch immer der Maßstab sind.« 

Delainis haben die für sie ideale Betriebsgröße gefunden. Ihre »Villa Calicantus«-Flaschen sind und bleiben also rar. Sie werden nicht umsonst einzeln nummeriert und von Hand etikettiert. Unter den kundigen Weintrinkern der Welt finden sie die Anerkennung, die sie verdient haben. Weil sie weit mehr können, als seelige Urlaubserinnerung an den Gardasee erwarten läßt.

Inhalt: 0.75 l (21,33 €* / 1 l)

16,00 €*
2019 Bardolino Classico »Soracuna« Villa Calicantus

Inhalt: 0.75 l (21,33 €* / 1 l)

16,00 €*
2018 Bardolino Classico »Soracuna« Villa Calicantus

Inhalt: 0.75 l (21,33 €* / 1 l)

16,00 €*

Inhalt: 0.75 l (24,00 €* / 1 l)

18,00 €*

Inhalt: 0.75 l (33,33 €* / 1 l)

25,00 €*
2018 Bardolino Superiore »Avresir« Villa Calicantus

Inhalt: 0.75 l (46,67 €* / 1 l)

35,00 €*
2017 Bardolino Superiore »Avresir« Villa Calicantus

Inhalt: 0.75 l (46,67 €* / 1 l)

35,00 €*
2014 Bardolino Superiore »Avresir« Villa Calicantus

Inhalt: 0.75 l (60,00 €* / 1 l)

45,00 €*