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Weingut Seehaldenhof

Simon Hornstein & Familie

Simon Hornstein gehört zu jener neuen Winzergeneration, deren Sicht auf den Wein von der Naturweinbewegung geprägt ist. Seine Weine vermeiden aber den in vielen Naturweinen (zu) dominanten Einfluss der »natürlichen« Weinbereitung. Das gelingt ihm mittels präzise terminierter Lese von Hand, spontaner Gärung, weitgehenden Verzichts auf Schwefelzugabe (je nach Chemie der Moste), und seine Weine reifen lange auf der Hefe in Fässern unterschiedlicher Größe und Herkunft. Mutig kompromißlos verweigern sie sich beliebten Klischees, um in pikant salziger Frische, leise kühler Aromatik und präzise fester Struktur ihre besondere Herkunft vom See charakterstark erlebbar zu machen.

Region: Bayerischer Bodensee

Bewirtschaftung: Fair & Green® zertifiziert

Boden: Moräne (Kies, Steine, carbonatreicher Sand)

Rebsorte: Müller-Thurgau, Weißburgunder, Chardonnay, Spätburgunder

Betriebsgröße: 8,5 ha

Der Bodensee ist ein besonderer See. Geologisch ist er ein Gletscherrandsee der Würmeiszeit. Das Eis der Gletscher schob sich damals durch Gebirgstäler herab, ähnlich der Entstehung der Fjorde. Die Geologie am bayerischen Bodensee ist deshalb vor allem durch die letzte Eiszeit und den mächtigen Rheingletscher geprägt. Vorrückende Eismassen schufen das heutige Bodenseebecken und hinterließen Ablagerungen wie Moränen, in denen man Mineralien und Geröll aus den Alpen findet – zum Beispiel Granite und Kalksteine, die Gletscher über weite Strecken transportierten. Unter diesen eiszeitlichen Deckschichten besteht das Alpenvorland aus weichen Gesteinsschichten aus Sand, Ton und Mergel, entstanden im Tertiär aus Abtragungen der sich auffaltenden Alpen. 

Diese besondere Morphologie der Böden bestimmt denn auch die Struktur der Weine des Bodensees. Dort wird neben den Burgundersorten in rot und weiß vor allem auch Müller-Thurgau angebaut. Auf den sandigen Schwemmlandböden fallen die Weine saftig, weich und fruchtig aus. Auf den mineralienhaltigen Moränenablagerungen direkt am See aber zeigen sie sich straff, karg, fest und säurebetont.

Hier macht der junge Simon Hornstein von sich reden mit Weinen ungewohnt präziser Kontur und filigraner aromatischer Feinheit. Er hat sein Handwerk in Meersburg und Geisenheim gelernt, anschließend im Weingut Fürst in Franken und bei Martina und Johannes Gross in der Steiermark Erfahrungen gesammelt. In seinem eigenen Betrieb geht es ihm heute darum, den Charakter seiner morphologisch komplexen Moränen-Böden mit hohem Anteil an Kies, Steinen und carbonatreichen Sanden so unverfälscht und direkt wie möglich ins Glas zu bringen. 

Tatsächlich greifen seine Weine auf faszinierende Weise in Stil und Struktur nicht nur den Charakter des Jahrgangs, sondern auch der speziellen Moränenböden auf. Sie präsentieren sich, zumal im derzeit angebotenen Jahrgang 2023, der hier deutlich kühler ausfiel als im Rest des Landes, in durchdringend feiner Eleganz, straff und präzise im Spiel der Säure, karg und schlank im Mundgefühl, und durch den schonenden Ausbau, der den Weinen viel Zeit im Holzfaß läßt und sie nicht mit Zusatzstoffen und anderen Manipulationen belastet, so filigran und in der Wirkung im Mund so transparent und »durchlässig«, wie es ihre Böden morphologisch sind. Das sollte man wissen, schließlich fallen seine Weine unerwartet anders aus, als man es von tiefgründigen Schwemmlandböden an Seen wie z. B. vom Lugana vom Südende des Gardasees erwartet. 

Der Seehaldenhof von Familie Hornstein war, wie so viele landwirtschaftliche Betriebe rund um den See, ursprünglich ein Obstbaubetrieb. Man vermietete aber auch Zimmer, weil der Tourismus rund um den See ein einträglicher Nebenerwerb für viele Bauern und Landwirte war. Erst als Sohn Simon 2010 den Betrieb übernimmt, entsteht der heutige Weinbaubetrieb, der zum Weinbaugebiet Württemberg gehört, seine Herkunft aber als »Bayerischer Bodensee« deklarieren darf, weil er innerhalb jener 18 km liegt, die Bayern am Seeufer für sich beansprucht. 

»From soil to soul«. Ein vom Zeitgeist geprägtes Motto, mit dem Simon Hornstein für sich und seine Weine wirbt. Sie stehen tatsächlich dafür: Wenn man sie zum ersten Mal im Glas hat, staunt man, weil man derart straff säurebetonte, im Mundgefühl feste, karge, filigran kühl strukturierte Weine so nahe am See im tiefen Süden Deutschlands eigentlich nicht erwartet. Deshalb brauchen nicht nur seine Rotweine, sondern auch seine Weißweine viel Zeit im Glas oder am besten in der Karaffe, um sich entfalten zu können. Sie sollten möglichst auch nicht eiskalt serviert werden.

Weil Simons Weine den Charakter ihres Jahrgang und der Morphologie und Biologie ihrer Böden, auf denen sie entstehen, entwaffnend direkt und natürlich widerspiegeln, hat er den familiären Betrieb umbenannt. Er widmet ihn heute seiner besten Lage direkt am See, der »Seehalde«. Im Kontext des deutschen Weines, der nur zu oft geschmäcklerische Konzepte über authentische Identität stellt, ist er mit seiner Betriebsphilosophie eine wegweisende Ausnahme. Jetzt muß er sich nur noch biologisch zertifizieren lassen...

»Unser Seehaldenhof liegt in Nonnenhorn direkt am Bayerischen Bodenseeufer. Am Wasser, mit Blick auf die Alpen, leben wir und machen Wein. Jeder Wein hat sein Zuhause. Das soll man schmecken können. Deshalb machen wir Weine, die von dem jeweiligen Jahr und dem Boden, in dem ihre Reben wurzeln, erzählen.« 

So wirbt Simon Hornstein für sich und seine Weine. Ein Statement ohne Superlative, ohne Übertreibungen, das in verständlichen Worten treffend beschreibt, was seine Weine so speziell macht. Beim Gang durch die Rebzeilen erfährt man von seiner Begeisterung für gesunde, lebendige Böden, die er in seinen Weinen so fühl- und schmeckbar erfahrbar macht. Um so mehr erstaunt, daß sein Betrieb Mitglied in der Gemeinschaft FAIR’N GREEN ist, der wir äußerst skeptisch gegenüberstehen. 

Simon Hornstein propagiert eine ganzheitliche Sicht auf den Weinbau. Der sollte die Natur maximal respektieren, braucht eine nachhaltige Betriebsführung, aber auch entsprechendes gesellschaftliches Engagement: »Jeder einzelne trägt Verantwortung für die Gesellschaft, die Erde und die Zukunft. Denn auch alle, die trinken und essen beeinflussen den Markt und bestehende Strukturen. Unterstützt die kleinen BauerInnen... ist auf Dauer besser für alle - versprochen!»

Die namensgebende Lage »Seehalde« direkt am Bodensee

Seehaldenhof | Conrad-Forster-Straße 50 | 88149 Nonnenhorn

Seehaldenhof

Inhalt: 0.75 l (17,33 €* / 1 l)

13,00 €*

Inhalt: 0.75 l (18,00 €* / 1 l)

13,50 €*

Inhalt: 0.75 l (18,00 €* / 1 l)

13,50 €*
2023

Nonnenhorner Chardonnay

Seehaldenhof

Inhalt: 0.75 l (29,33 €* / 1 l)

22,00 €*
2023

Seehalde Chardonnay

Seehaldenhof

Inhalt: 0.75 l (60,00 €* / 1 l)

45,00 €*