Ripanero

Ripanero

Drei Freunde finden sich in der süditalienischen Basilikata zusammen, um ihre kleinen familiären Parzellen gemeinsam zu bewirtschaften und deren Weine auch gemeinsam zu vermarkten. Mario, Maurizio und Davide widmen sich dabei einer großen roten Rebsorte, die sie mit neuem Leben zu füllen versuchen, dem Aglianico del Vulture. 

Region: Basilikata | Süditalien

Rebfläche: 4 ha

Rebsorten. Malvasia Bianca, Aglianico del Vulture

Bewirtschaftung: Biologisch

Bodenformation: Vulkanisch, Tuff 


Ripanero ist ein noch sehr junger Betrieb. Erst 2014 beschließen die drei Freunde Maurizio Placido, Mario Di Nitto und Davide Zucale, die sich zuvor schon privat intensiv mit Wein beschäftigt hatten, die kleinen Parzellen ihrer Familien gemeinsam unter einem Dach zu bewirtschaften und deren Wein zu vermarkten. Aus ihrem Hobby wird Ernst. Sie gründen das gemeinsame Weingut Ripanero mit Sitz in Rionero, mitten im Kerngebiet einer der großen roten Rebsorten Süditaliens, des Aglianico del Vulture.

Es ist eine abgelegene Ecke in der ohnehin kaum bekannten Basilikata. Nach Rionero findet kein Tourist. Von dem kleinen, nicht sehr attraktiven Städtchen hat man aber freien Blick auf den südlichen Apennin, sowie auf die Ebene in Richtung Adria. Es liegt am Fuß eines vor ca. 130.000 Jahren erloschenen Vulkans, der weithin sichtbar die Landschaft beherrscht. Durch seine vermutlich jahrtausendelange vulkanische Aktivität hat er die Landschaft geformt und die Böden dort geprägt im ständigen Wechsel von Zusammensetzung und Morphologie. Diese Vielfalt der Böden spiegelt sich auch in den Weinen der Region wider. Im Zusammenspiel ihres vulkanischen Ursprungs mit den starken Temperaturwechseln auf den Höhenlagen der Hügellandschaft und der autochthonen Rebsorte haben sie das Potential, zu den ganz Großen Italiens zu gehören. 

Allerdings hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum jemand dieses Potentials angenommen. Das hat seine Gründe, denn der Süden Italiens findet trotz vieler spannender Projekte einer jungen und sehr dynamischen Winzerschaft bis heute im internationalen Weinhandel kaum Beachtung. Da geht es noch immer um die immer gleichen bekannten Regionen im Norden des Landes, als gäbe es in Italien südlich der Toskana kaum Wein (vom beliebten Primitivo abgesehen, der längst so für italienischen Rotwein steht, daß die meisten seiner Käufer vermutlich gar nicht wissen, wo ihr Lieblingswein - zumindest potentiell - entsteht). Die Ignoranz, die den Weinen des italienischen Südens entgegengebracht wird, ist bemerkenswert, denn das, was dort seit ein paar Jahren passiert, ist allemal spannender und interessanter als das, was einem im Norden des Landes an renommierter Hochglanz-Ware und glattem Mainstream zu oftmals albernen Preisen aus dem Glas entgegen gähnt.  

Die Naturweinbewegung hat aber inzwischen auch in Italien eine hochdynamische Entwicklung ausgelöst, die nicht mehr zurückzudrehen ist. Sie hat auch und gerade den südlichen Weinbauregionen große Aufmerksamkeit beschert und so beginnt sich das Blatt allmählich zu wenden, weil Leuchtturm-Betriebe wie Ripanero zunehmend für Aufmerksamkeit im eigenen Land sorgen und dies nicht ohne Widerhall in Presse und Handel bleibt.

Knapp vier Hektar bewirtschaften die drei von Ripanero heute. Ihre Parzellen liegen verstreut zwischen 500 und 700 m Höhe auf nach Nordosten ausgerichteten Hängen, die von Wald, Obstbäumen und Wildnis umgeben sind. Es ist eine berührende archaische Kulturlandschaft, die Hoffnung macht für die Zukunft des Weinbaus. Die Altvorderen wußten, warum sie damals die Reben stets oben an den Bergrücken entlang nach Nordosten ausgerichtet anlegten. Aglianico fühlt sich auf den von     

kühlen Nächten und vulkanischem Tuff geprägten Hängen des Vulture offensichtlich sehr wohl; seine dicken Beerenschalen können dort lange ausreifen, denn die Rebsorte wird dort erst im Oktober reif, in kühlen Jahren sogar erst Anfang November. In heißen Jahren kann sie so vor Kraft und Muskeln strotzen, daß sie sehr schonend und sensibel gekeltert und extrahiert werden muß, was man schon damals mit den Pflanzungen gen Nordosten zu steuern versuchte.  

Ripanero gilt in der Region als Maßstab für jene neue Generation von Weinen, die versucht, der eigenwilligen und speziellen Herkunft, wie auch der nicht minder eigenwilligen Rebsorte eine neue, eigenständige Identität abseits modischer Stil-Klischees zu verleihen, und so das unbestreitbare Potential der Region, die auf eine Jahrtausende alte Weingeschichte zurückblicken kann, nachhaltig unter Beweis zu stellen.

Diese Parzelle hat Maurizio in Ripanero eingebracht

Die Basilikata

Die Basilikata zählt mit ihren rauen Gebirgslandschaften, ihren langen Sandstränden und versteckten Badebuchten zu den Geheimtipps in Italien. Es ist eine dünn besiedelte und wilde Region zwischen dem Absatz und der Spitze des italienischen Stiefels, umgeben im Westen von Kampanien, im Nordosten von Apulien und im Süden von Kalabrien. Sie besteht im wesentlichen aus Gebirgen, die zum Teil bewaldet, zum Teil aber auch schon vor Jahrhunderten großflächig gerodet wurden, so daß ihre Landschaften auf ganz eigene Art und Weise zwischen dichten Wäldern und wüstenähnlich kargen Bergzügen hin- und herwechseln. Die Basilikata gilt als die drittärmste Region Italiens, hat aber eine der geringsten Arbeitslosenquoten. 

Bekannt wurde die Basilkata 2019 durch die Wahl der inzwischen weltberühmten Höhlenstadt Matera, eine der ältesten Städte der Welt, zur Kulturhauptstadt Europas. Die malerischen Bergdörfer Castelmezzano und Pietrapertosa sind vor allem bei Amerikanern beliebt, Deutsche trifft man dort kaum. Sie haben die Region noch nicht für sich entdeckt.

Die Basilikata pflegt eine selbstbewußt einfache Küche aus fast ausschließlich heimischen Produkten außergewöhnlich guter Qualität. Man kann dort deshalb nicht nur ausgezeichnet, sondern auch noch sehr preiswert speisen und lokale Weine genießen.

Der Weinbau ist dort weitgehend archaisch strukturiert. Die riesigen Monokulturflächen, wie man sie im benachbarten Apulien findet, gibt es dort kaum. Wir haben uns außerhalb des Aglianico del Vulture nicht näher mit dem Weinbau in der Basilikata beschäftigt, aber immer wieder nette und auch sehr gute lokale Weine getrunken. Die Hauptattraktion der Basilikata aber sind die Rebflächen am Vulture. Dabei fallen die Unterschiede in den Weinen erstaunlich groß aus, je nachdem ob man es mit Weinen zu tun hat, deren Reben auf vulkanischem Böden wachsen wie um Rionero oder Rapolla, oder ob sie von den eisenhaltigen Ton-Böden rund um das Städtchen Venosa kommen. 

Wie überall in Italien geht auch in der Basilikata die Neuorientierung im Weinbau vor allem von kleinen, biologisch arbeitenden Betrieben der Naturweinbewegung aus. Das sind nicht viele, doch beweisen sie auf meist eindrucksvolle Weise, daß es in Italien auch anders geht als mit der großen agroindustriellen Gießkanne. Ripanero zum Beispiel gelingt es, dem oft sehr rustikal interpretierten Aglianico eine sehr natürlich wirkende Ausstrahlung fast vornehmer Eleganz und Frische zu entlocken, ohne ihm Substanz, Dichte und seine beeindruckende Physis zu nehmen. Eine spannende Entwicklung, die den Süden des Landes in neuem Licht leuchten läßt. 

Der vulkanische Boden

Vulkanische Böden gehören zu den vielfältigsten Bodenformationen überhaupt. DEN vulkanischen Boden gibt es aber nicht. Am Fusse des Vulture dominiert vulkanischer Tuff unter einer dünnen Erdauflage, wie man hier im Bild sehr gut sehen kann. Dieses Profil liegt hinter Maurizios Parzelle und beherbergt, in den Fels geschlagen, den uralten natürlichen Weinkeller seiner Familie.

Man erkennt, wie viele unterschiedliche Gesteinsformationen hier den Boden bilden. Jeder Vulkanausbruch hat eine andere Gesteinsschicht beigetragen. Wann genau die schwarze Ascheschicht ausgeworfen wurde, wissen die Drei von Ripanero nicht. Die obere Tuffschicht, auf der heute die Reben wurzeln, fungiert wie ein Schwamm. Sie kann Wasser aufnehmen, was lange dauert, kann dieses aber wenn nötig auch wieder abgeben. In Verbindung mit der kühlen Höhenlage verhindert das Trockenstress für die Reben, die auf den nährstoffreichen Böden so gut versorgt werden, daß die spontane Gärung auch in heißen Jahrgängen stets reibungslos durchläuft. Derart strukturierte vulkanische Böden vermitteln ihren Weinen eine rauchige Komponente im Duft und kühle, dunkelwürzig salzige Mineralität in der geschmacklichen Wirkung.  

Die Lage

Die Qualität einer Lage ist mit bloßem Auge nicht einzuschätzen. Da geht es um den Ober- und Unterboden; dessen Fähigkeit Nährstoffe und Feuchtigkeit zu transportieren, zu speichern und abzugeben; um Klima- und Temperaturprofile; um Wind-, Licht und Sonnenexposition; um die sie umgebende Biodiversität und viele weitere Faktoren, die alle entscheidend sein können.

Die Parzellen der Drei von Ripanero gehören zu den höchsten der Region, sie liegen an Hängen, die nach Nordost oder Ost ausgerichtet sind. Hier die Parzelle von Maurizio inmitten von unberührter, noch weitgehend intakter Natur, umgeben von Wald, Obst- und Nussbäumen, Wildhecken und Granatapfelbäumen. Kein giftspritzender Nachbar. Böden, die noch nie mit synthetischer Chemie in Berührung kamen, bewirtschaftet mittels eines alten Traktors und viel Handarbeit. Ohne Bewässerung, weil die Böden lebendig sind. 

Deren Begrünung pflegt je nach Bedarf ein befreundeter Schäfer mit seiner Herde und die Reben werden wenn nötig mit Pflanzentees behandelt, mit Zitrusölen und mit ein wenig Kupfer, das in den lebendigen Böden aber schnell pflanzenverfügbar abgebaut wird.

Die Rebsorte

Aglianico di Vulture zählt zu den besten roten Rebsorten Italiens. Es gibt Autoren, die sie auf eine Stufe mit Nebbiolo und Sangiovese stellen. Aglianico wird in ganz Süditalien angebaut. Im benachbarten Kampanien prägt sie den Charakter der großen Rotweine von Taurasi und Taburnio, in der Basilikata erreicht sie ihren qualitativen Höhepunkt in den Weinen rund um den VultureEs sind vulkanische Böden, auf denen die Rebsorte offensichtlich am besten steht und gedeiht. 

Aglianico hat kleine Beeren mit dicken Schalen. Damit widersteht sie nicht nur den herbstlichen Wetterkapriolen, sondern ist auch wenig anfällig für Pilzkrankheiten und Fäulnis. Sie braucht, um ausreifen zu können, eine lange Vegetationsperiode, und so wird am Vulture nicht selten vor Mitte Oktober gelesen, in höhergelegenen kühlen Lagen kann es sogar später November werden. Die Hitze des Sommers macht ihr allerdings zu schaffen, weshalb ihre besten Lagen möglichst hoch und gen Norden oder Osten ausgerichtet sind. 

Aglianico ergibt farbintensive, kraftvoll gerbstoffbeladene Rotweine, die von einer tiefgründig dunklen, sehr attraktiven floralen Frucht durchzogen sind, in der man stets auch einen erdigen oder auch steinig wirkenden Unterton findet, der im Stadium der Trinkreife verblüffend an großen alten Bordeaux erinnert. Aglianico strotzt nicht nur vor Gerbstoffen, er besitzt auch eine delikate  Säureader, die ihn für lange Reife auf der Flasche prädestiniert. Wenn alles zusammenpaßt und sich die Kellertechnik nicht zeitgeistigen Aberrationen hingibt, kann Aglianico so zu einem der großen eigenständigen Rotweine der Welt werden. Die Weine von Ripanero weisen den Weg.

Mario: Arbeitet als Anwalt, doch inzwischen gehört seine Liebe dem Wein, so daß er seine Zeit zwischen den beiden Welten aufzuteilen versucht. Die Kompetenz im Wein verdankt er seiner Mitarbeit schon als kleiner Junge im kleinen Weinberg der Familie an der Seite seines Großvaters und Vaters. Während des Studiums zog er dann durch die Weingüter der Region, um deren Weine zu verkosten. Dabei lernte er nicht nur seine heutigen Partner kennen, sondern auch alle Winzer und Weine seiner Region. Es entstand eine Vorstellung von deren Potential, das er heute mit Ripanero auszuschöpfen versucht. Mario ist das »Mind behind« von Ripanero, kümmert sich um die Strategie, den Vertrieb und das Administrative.

Maurizio: Er ist der Verwalter der täglichen Arbeit bei Ripanero. Schon als Kind half er seiner Großmutter im Weinberg und im Keller und »experimentierte mit der berauschenden Wirkung der gärenden Moste«, wie er es nennt. Doch zunächst studiert er Informatik, schließt das Studium auch ab, um dann doch den Büro-Job seinem Kindheitstraum des Winzers zu opfern. Er rekultiviert den Weinberg der Familie, stellt ihn auf biologische Bewirtschaftung um, kauft eine weitere Parzelle dazu. Das  nötige Wissen um die produzierten Trauben in Wein verwandeln zu können, holt er sich über die Jahre bei befreundeten Winzern. 2014 beschließt er mit Mario das gemeinsame Weingut und bringt seine Parzellen als das Herz von Ripanero ein. 

Davide: Er ist der Jüngste im Trio von Ripanero. Davide ist das, was man einen Naturburschen nennt, fühlt er sich doch so mit der Natur verbunden, daß er sein Leben fast ausschließlich draußen verbringt. Er hat zwar an der landwirtschaftlichen Fakultät in Potenza studiert, doch zieht auch er die Arbeit im Keller und in den Weinbergen einem Job als Angestellter vor. Davide wirkt wie aus der Zeit gefallen. So jung er ist, so hart und unermüdlich arbeitet er draußen in den Weinbergen und im Keller. Nebenbei hütet er noch eine Schafherde und baut alte lokale Getreidesorten an, die er an Pasta-Produzenten in der Region verkauft. Davides Leidenschaft und Kompetenz stehen für die beeindruckende Dynamik hinter Ripanero.

Der Keller

Klein und bescheiden

Wer die Protz-Keller der berühmten Weinbaubetriebe Italiens kennt, wird hier enttäuscht sein. Die Dimensionen sind winzig, die Ausstattung auf das Nötigste beschränkt. 

Wir suchen genau das. Der Keller von Ripanero zeigt, daß hier Anbau und Traubenqualität wichtiger sind, als die Show im Keller. Die Kunst, klein zu bleiben für ausgereizt handwerkliche Qualität. Hier muß nichts korrigiert und manipuliert werden. Ripanero hat sich der boomenden Naturwein-Szene Italiens angeschlossen und so wird hier ohne geschmacksverändernde Zusatzstoffe, Schönungen und mit nur minimaler Schwefelung gearbeitet. Trotzdem sind die Weine extrem präzise, reintönig und auf ihre Art auch raffiniert im Kontext der Region.  

Blick von Marios Parzelle, mit rund 700 m Höhe eine der höchsten der Appellation, auf die markante Landschaft der zentralen Basilikata. Ausrichtung nach Osten, nur umgeben von Olivenhainen und Wildnis. Hier oben weht permanenter Wind, die Vegetationsperiode dauert bis in den Oktober hinein, startet allerdings auch erst spät (Photos K&U®). 

Ripanero Società Agricola | Via Tancredi, 6 | I-85028 Rionero in Vulture (Pz) | Erstinverkehrbringer: Gebr. Kössler & Ulbricht GmbH & CoKG

Inhalt: 0.75 l (30,53 €* / 1 l)

22,90 €*

Inhalt: 0.75 l (34,53 €* / 1 l)

25,90 €*

Inhalt: 0.75 l (34,67 €* / 1 l)

26,00 €*