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Laurel Glen Vineyard

Bettina Sichel

Sie übernahm 2011 dieses Kult-Weingut am Sonoma Mountain in Kalifornien und baute es binnen weniger Jahre in einen Bio-Vorzeigebetrieb um. Die Weine veränderten sich prompt, wurden geschliffener, feiner, aber nicht weniger aufregend vulkanisch in ihrem konzentriert dicht gewirkten Mountain-Cabernet-Charakter. Zwei Weine, klares Konzept, unverwechselbar in Stil und Charakter. Die Zukunft.   

Region: Sonoma Mountain

Rebfläche: 12 ha

Boden: Vulkanasche

Bewirtschaftung: Biologisch zertifiziert 

Rebsorten: Cabernet Sauvignon, Petit Verdot, Merlot, Cabernet Franc

Patrick Campbell war ein Urgestein der kalifornischen Weinszene. Sein für Besucher nicht zugängliches Weingut Laurel Glen Vineyard liegt versteckt hoch oben an einem nach Osten ausgerichteten Hang am Sonoma Mountain, einem erloschenen Vulkan. Über endlose Serpentinen und schmale Schotterwege führt der Weg hinauf, Wegweiser gibt es keine. Man muss den Weg kennen. 

Laurel Glen ist ein magischer Ort mit grandiosem Blick über das Sonoma Valley. Hier lebte Patrick Campbell von 1978 bis 2011, hier produzierte er seine legendären Cabernet Sauvignons. Sie sind bis heute echte Insiderweine geblieben. Große Unbekannte im unüberschaubaren Angebot an Spitzenweinen in Kalifornien. Die erst in den 1980er Jahren aufkommende Fachpresse nahm seine Weine nur bedingt wahr. Zu präsent waren und sind die Weine aus dem weit berühmteren Napa Valley. Sie saugen bis heute alle Aufmerksamkeit ab. Doch unter den Sommeliers und Weinfreaks in Los Angeles oder San Francisco waren Patricks Laurel Glen-Weine schon damals eine echte Nummer. Sie genossen Kult-Charakter und waren auf zahlreichen Weinkarten gelistet.

Von Beginn an war Ray Kaufman Weinmacher auf »Laurel Glen«. Wir lernten Patrick und Ray auf der glutheißen VINEXPO 1986 in Bordeaux kennen. Die beiden standen dort verloren hinter einem Tisch im Pavillon der Kalifornier und versuchten mit zwei einsamen Flaschen Kontakte zu knüpfen. Kalifornien war damals zum ersten Mal auf einer europäischen Messe präsent. Unter zahllosen Schlipsträgern fielen uns die beiden schrägen Gestalten, die T-Shirts und Jeans trugen und die Sache irgendwie nicht so ernst nahmen, positiv auf. Wir probierten ihre Weine, waren extrem überrascht, kamen ins Gespräch - und trafen uns wenige Tage später in Nürnberg. Schnell waren wir handelseinig und noch im gleichen Jahr flogen wir nach Kalifornien, um die beiden auf ihrem Weingut zu besuchen. Unser Kalifornien-Abenteuer begann. 

2011 mußte Patrick Campbell sein Weingut verkaufen, um die Scheidung von seiner Frau finanzieren zu können. Das traf uns hart. 26 lange Jahre hatten wir eng und erfolgreich zusammengearbeitet, nun stand plötzlich alles infrage.
Das Weingut kaufte Bettina Sichel, zusammen mit ein paar stillen Teilhabern. Sie war die Tochter jenes Peter Sichel, dem unter anderen auch Château Palmer in Bordeaux gehört und der mit der berühmt berüchtigten »Liebfrauenmilch«/»Blue Nun«, den meistverkauften Markenweinen ihrer Zeit aus deutscher Produktion, ein Vermögen gemacht hatte.

Unsere Zweifel waren schnell ausgeräumt. Denn Bettina setzte sich mit uns in Verbindung und lud uns ein, sie zu besuchen. Wir trafen uns an einem jener kalten, nebligen und total verregneten Tage, wie sie für den Januar typisch sind im Norden Kaliforniens, in ihren Weinbergen, beschnupperten uns und der Fall war klar.  

Bettina Sichel hatte einen Plan, den sie in den Folgejahren bemerkenswert konsequent durchzog. Mit Phil Coturri aus der direkten Nachbarschaft von Laurel Glen engagierte sie den Biodynamik-Spezialisten Kaliforniens schlechthin für die Umstellung auf biologischen Weinbau. Sie regenerierte jene Parzellen, in denen Viruserkrankungen schwere Schäden angerichtet hatten, pflanzte andere Parzellen neu in Dichtpflanzung, stellte die Bewässerung ein und baute im beschaulich netten Ort Glen Ellen im Sonoma Valley ein Lager mit angeschlossenem Verkaufsraum.  

Diese Arbeit und ihre Leidenschaft veränderte die Qualität ihrer Weine nachhaltig. Wir hätten nicht gedacht, daß dies möglich ist, aber heute zeigen ihre Weine hinreißenden Schliff in der Wirkung der Gerbstoffe und eine aromatische und strukturelle Tiefe, die den Charakter ihrer vulkanischen Herkunft aus der Höhe des Sonoma Mountain noch einmal intensivierte.

Im Bild oben eine alte Parzelle von Laurel Glen, in den 1960er Jahren wurzelecht gepflanzt mit eigenem Laurel-Glen-Klon. Reiner Cabernet Sauvignon. Der Weinberg liegt hoch über den Nebeln des Tales, ist nach Osten geneigt, man blickt auf den Höhenzug des Mount Veeder, der das Sonoma Valley vom Napa Valley trennt. Die vielen blauen Hülsen schützen nachgepflanzte junge Rebstöcke, die erkrankte oder tote alte Reben ersetzen.

Im Bild die typisch kalifornische Cabernet-Sauvignon-Reberziehung mit niedrigem Stock und einer merkwürdigen Metallkonstruktion für das Blattwerk, das hier deutlich erkennbar wesentlich höher aufgespannt wird als z. B. in Bordeaux. Cabernet Sauvignon neigt zu extremem Blattwachstum. Deshalb läßt man ihn hier in seiner Wachstumsphase munter vegetativ wachsen. Das wuchernde Laubwerk, das man nicht beschneidet um den Rebstock nicht zu stressen, spannt man nach oben so auf, daß es über die oberen Drähte nach unten hängen und weiter wachsen kann. Das sieht aus wie Kraut und Rüben, bringt den Rebstock in seinem Wachstum aber irgendwann in Balance, so daß er von sich aus beschließt, vom vegetativen Blatt- ins generative Traubenwachstum umzuschalten. 

Nun kann er die Gerbstoffe seiner dicken Beerenschalen über die große Blattfläche des Laubwerks per Photosynthese in aller Ruhe ausreifen. So entstehen jene fruchterfüllt samtigen Gerbstoffe, die kalifornische Cabernets so unverwechselbar seidig und wohltuend »schön« machen. Während der Gärung und der Extraktion der Beerenschalen sorgen die sauren vulkanischen Verwitterungsböden für besondere Farbausbeute und für eine Nährstoffversorgung des Mostes, die die natürliche spontane Gärung so füttert, daß diese von alleine durchlaufen kann. Die Qualität der massiv präsenten Gerbstoffe der Rebsorte beginnt man bereits in diesem jungen Stadium zu beeinflussen, indem man in oben offenen Gärbehältern vergärt, um die Ketten der »ausgelutschten« Gerbstoffpolymere durch Oxidationsprozesse so wachsen zu lassen, daß sie bereits in jungem Stadium ein hinreißend gutes Mundgefühl liefern, das dann durch den Ausbau in Holzfässern den letzten Schliff erhält. Es ist dieser die natürliche Physiologie berücksichtigende An- und Ausbau, der den Cabernets Kaliforniens ihre einzigartige Identität und Eigenart verleiht.  

Das Markenzeichen der Cabernets von »Laurel Glen« sind dichte, präsente, reife, fruchterfüllte Gerbstoffe, wie sie typisch sind für alte Reben (Bild) in Berglagen. Die fruchtbaren Lavaböden am Sonoma Mountain machen Düngung überflüssig, die exponierte Lage hoch über den Nebeln des Tales sorgt für ideale Temperatur- und Feuchtigkeitsverteilung. Die dickschaligen Trauben können dort oben sehr lange sehr gleichmäßig ausreifen. Deshalb beeindrucken große Jahrgänge von »Laurel Glen« in beiden Weinen mit mächtig strukturierter Komplexität, die sich mit zunehmender Reife in tiefgründige Harmonie und faszinierend entspannt wirkende Balance verwandelt. 

Es sind kühle, dicht gepackte Cabernets ganz eigener Ausstrahlung, einmalig in der Welt des Weines. Zeitlos im Stil, gekonnt gezähmt in der Kraftentfaltung, eigenständig im Charakter, europäisch im Esprit, aber kalifornisch in Reife, Dichte und unverwechselbarer Ausstrahlung.

Wie keine andere Rebsorte steht Cabernet Sauvignon weltweit für das Ideal des Rotweines. Sie wird deshalb inzwischen in fast jedem Land der Erde angebaut. Vor allem in der neuen Welt stieg ihre Anbaufläche bis 2010 um satte 26 %. 

Wie keine andere rote Rebsorte schmeckt Cabernet Sauvignon immer nach Cabernet Sauvignon, egal, wo auf der Welt er angebaut wird. Der Grund für seine unveränderte weltweite Popularität. Cabernet ist in Geschmack und Charakter weniger abhängig von Jahrgang, Herkunft und Machart als andere rote Rebsorten. Allerdings reift die spätreifende Sorte besonders gut nur in Klimata, in denen ihre dickschaligen, kleinen Beeren entsprechend lange und gleichmäßig ausreifen können, wie bei Laurel Glen am Sonoma Mountain oder im Napa Valley. Dort interpretiert man die Rebsorte in stilistischer Perfektion wie nirgendwo sonst. So wurde aus der einstigen Bordeaux-Kopie ein weltweiter Maßstab, der seinerseits kopiert wird. Sei es in Bordeaux, der Maremma, in Australien oder wo auch immer.   

Während Ray Kaufman aus Sicherheitsgründen seine Moste mit neutraler Champagner-Reinzuchthefe vergor, findet die Gärung auf Laurel Glen heute »spontan«, also mittels natürlich wilder Hefestämme aus den Weinbergen in relativ kleinen, oben offenen Gärtanks statt.

Um die Gerbstoffe der dickschaligen Beeren des Cabernet Sauvignon möglichst fein zu entwickeln, baut man den trockenen Wein nach der absolvierten Gärung in Barriques, also in kleinen Holzfässern mit 225l Inhalt, oder auch in größeren Gebinden aus, die stets aus Eichenholz sind, meist französischen oder amerikanischen Ursprungs. 

Dabei geht es nicht um den sogenannten »Barrique-Geschmack«, sondern um die natürliche Klärung des Weines, mehr noch aber um die gezielte Verlängerung der Kettenverbindungen der Gerbstoffe durch langsame Oxidation durch die Fassdauben hindurch. Pures Winzer-Handwerk im Einklang mit der Natur. Hier ein Photo aus dem alten Keller von Laurel Glen. Ray Kaufman verkostet sich durch die Fässer, um die Partien für den Zweitwein »Counterpoint« zu bestimmen.  

Das wenig beachtete Rückgrat der kalifornischen Weinindustrie sind die vielen Mexikaner, die das Jahr hindurch als gut bezahlte Wanderarbeiter die saisonalen Arbeiten in den Weinbergen verrichten. In unseren kleinen Weinbaubetrieben sind sie oft schon in der zweiten, dritten oder vierten Generation festangestellt. Viele sind inzwischen  Weinmacher oder Betriebsleiter. 

Fest steht, daß ohne Mexikaner im kalifornischen Weinbau nichts geht. Weil hier noch sorgfältig und aufwendig von Hand geerntet und sortiert wird, oft in der Spitze sogar auch von Hand abgebeert wird. Ein Wahnsinnsaufwand. Erntemaschinen gibt es hier nur in Großbetrieben in der Ebene.

Weil in jüngster Zeit durch die ICE-Kommandos Tausende von Mexikanern von der Arbeit abgehalten werden, leidet Kaliforniens Weinbau massiv unter der Trump-Administration. Viele, vor allem größere Weingüter mußten mangels Arbeitskraft bereits schliessen und Hunderte von Hektar Reben gerodet werden, weil nicht abgeerntete Rebflächen ein Krankheitsrisiko für Nachbar-Reben darstellen. 

Ray Kaufman im Herzstück der ältesten Parzelle von Laurel Glen. Man erkennt gut, wie niedrig die alten Rebstöcke sind, wie hoch dagegen das Laubwerk aufgespannt wird. Der Drahtrahmen ist höher, als Ray groß ist. Mehr Photosynthese für reifere Gerbstoffe.

Laurel Glen Vineyard | 13750 Arnold Dr Suite #9 | Glen Ellen, CA 95442 | Erstinverkehrbringer: Gebr. Kössler & Ulbricht GmbH & Co KG

Laurel Glen Vineyard

2019

Cabernet Sauvignon »Counterpoint«

Laurel Glen Vineyard

Inhalt: 0.75 l (78,67 €* / 1 l)

59,00 €*
2018

Cabernet Sauvignon

Laurel Glen Vineyard

Inhalt: 0.75 l (145,33 €* / 1 l)

109,00 €*