2011 mußte Patrick Campbell sein Weingut verkaufen, um die Scheidung von seiner Frau finanzieren zu können. Das traf uns hart. 26 lange Jahre hatten wir eng und erfolgreich zusammengearbeitet, nun stand plötzlich alles infrage.
Das Weingut kaufte Bettina Sichel, zusammen mit ein paar stillen Teilhabern. Sie war die Tochter jenes Peter Sichel, dem unter anderen auch Château Palmer in Bordeaux gehört und der mit der berühmt berüchtigten »Liebfrauenmilch«/»Blue Nun«, den meistverkauften Markenweinen ihrer Zeit aus deutscher Produktion, ein Vermögen gemacht hatte.
Unsere Zweifel waren schnell ausgeräumt. Denn Bettina setzte sich mit uns in Verbindung und lud uns ein, sie zu besuchen. Wir trafen uns an einem jener kalten, nebligen und total verregneten Tage, wie sie für den Januar typisch sind im Norden Kaliforniens, in ihren Weinbergen, beschnupperten uns und der Fall war klar.
Bettina Sichel hatte einen Plan, den sie in den Folgejahren bemerkenswert konsequent durchzog. Mit Phil Coturri aus der direkten Nachbarschaft von Laurel Glen engagierte sie den Biodynamik-Spezialisten Kaliforniens schlechthin für die Umstellung auf biologischen Weinbau. Sie regenerierte jene Parzellen, in denen Viruserkrankungen schwere Schäden angerichtet hatten, pflanzte andere Parzellen neu in Dichtpflanzung, stellte die Bewässerung ein und baute im beschaulich netten Ort Glen Ellen im Sonoma Valley ein Lager mit angeschlossenem Verkaufsraum.
Diese Arbeit und ihre Leidenschaft veränderte die Qualität ihrer Weine nachhaltig. Wir hätten nicht gedacht, daß dies möglich ist, aber heute zeigen ihre Weine hinreißenden Schliff in der Wirkung der Gerbstoffe und eine aromatische und strukturelle Tiefe, die den Charakter ihrer vulkanischen Herkunft aus der Höhe des Sonoma Mountain noch einmal intensivierte.
Das Markenzeichen der Cabernets von »Laurel Glen« sind dichte, präsente, reife, fruchterfüllte Gerbstoffe, wie sie typisch sind für alte Reben (Bild) in Berglagen. Die fruchtbaren Lavaböden am Sonoma Mountain machen Düngung überflüssig, die exponierte Lage hoch über den Nebeln des Tales sorgt für ideale Temperatur- und Feuchtigkeitsverteilung. Die dickschaligen Trauben können dort oben sehr lange sehr gleichmäßig ausreifen. Deshalb beeindrucken große Jahrgänge von »Laurel Glen« in beiden Weinen mit mächtig strukturierter Komplexität, die sich mit zunehmender Reife in tiefgründige Harmonie und faszinierend entspannt wirkende Balance verwandelt.
Es sind kühle, dicht gepackte Cabernets ganz eigener Ausstrahlung, einmalig in der Welt des Weines. Zeitlos im Stil, gekonnt gezähmt in der Kraftentfaltung, eigenständig im Charakter, europäisch im Esprit, aber kalifornisch in Reife, Dichte und unverwechselbarer Ausstrahlung.
Wie keine andere Rebsorte steht Cabernet Sauvignon weltweit für das Ideal des Rotweines. Sie wird deshalb inzwischen in fast jedem Land der Erde angebaut. Vor allem in der neuen Welt stieg ihre Anbaufläche bis 2010 um satte 26 %.
Wie keine andere rote Rebsorte schmeckt Cabernet Sauvignon immer nach Cabernet Sauvignon, egal, wo auf der Welt er angebaut wird. Der Grund für seine unveränderte weltweite Popularität. Cabernet ist in Geschmack und Charakter weniger abhängig von Jahrgang, Herkunft und Machart als andere rote Rebsorten. Allerdings reift die spätreifende Sorte besonders gut nur in Klimata, in denen ihre dickschaligen, kleinen Beeren entsprechend lange und gleichmäßig ausreifen können, wie bei Laurel Glen am Sonoma Mountain oder im Napa Valley. Dort interpretiert man die Rebsorte in stilistischer Perfektion wie nirgendwo sonst. So wurde aus der einstigen Bordeaux-Kopie ein weltweiter Maßstab, der seinerseits kopiert wird. Sei es in Bordeaux, der Maremma, in Australien oder wo auch immer.
Während Ray Kaufman aus Sicherheitsgründen seine Moste mit neutraler Champagner-Reinzuchthefe vergor, findet die Gärung auf Laurel Glen heute »spontan«, also mittels natürlich wilder Hefestämme aus den Weinbergen in relativ kleinen, oben offenen Gärtanks statt.
Um die Gerbstoffe der dickschaligen Beeren des Cabernet Sauvignon möglichst fein zu entwickeln, baut man den trockenen Wein nach der absolvierten Gärung in Barriques, also in kleinen Holzfässern mit 225l Inhalt, oder auch in größeren Gebinden aus, die stets aus Eichenholz sind, meist französischen oder amerikanischen Ursprungs.
Dabei geht es nicht um den sogenannten »Barrique-Geschmack«, sondern um die natürliche Klärung des Weines, mehr noch aber um die gezielte Verlängerung der Kettenverbindungen der Gerbstoffe durch langsame Oxidation durch die Fassdauben hindurch. Pures Winzer-Handwerk im Einklang mit der Natur. Hier ein Photo aus dem alten Keller von Laurel Glen. Ray Kaufman verkostet sich durch die Fässer, um die Partien für den Zweitwein »Counterpoint« zu bestimmen.
Das wenig beachtete Rückgrat der kalifornischen Weinindustrie sind die vielen Mexikaner, die das Jahr hindurch als gut bezahlte Wanderarbeiter die saisonalen Arbeiten in den Weinbergen verrichten. In unseren kleinen Weinbaubetrieben sind sie oft schon in der zweiten, dritten oder vierten Generation festangestellt. Viele sind inzwischen Weinmacher oder Betriebsleiter.
Fest steht, daß ohne Mexikaner im kalifornischen Weinbau nichts geht. Weil hier noch sorgfältig und aufwendig von Hand geerntet und sortiert wird, oft in der Spitze sogar auch von Hand abgebeert wird. Ein Wahnsinnsaufwand. Erntemaschinen gibt es hier nur in Großbetrieben in der Ebene.
Weil in jüngster Zeit durch die ICE-Kommandos Tausende von Mexikanern von der Arbeit abgehalten werden, leidet Kaliforniens Weinbau massiv unter der Trump-Administration. Viele, vor allem größere Weingüter mußten mangels Arbeitskraft bereits schliessen und Hunderte von Hektar Reben gerodet werden, weil nicht abgeerntete Rebflächen ein Krankheitsrisiko für Nachbar-Reben darstellen.
Laurel Glen Vineyard
Inhalt: 0.75 l (78,67 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (145,33 €* / 1 l)