Drew Family Cellars

Nur ein Geheimtipp: Pinot Noir & Syrah aus Passion und Leidenschaft

Pinot Noir ist die rote Rebsorte der Zukunft. Während das große Vorbild Burgund preisliche Höhen erreicht hat, die mit dem Inhalt der Flasche nicht zu erklären sind, richtet sich der Blick auf die Alternativen, die sich überall auf der Welt in den letzten Jahren etabliert haben. Auch sie haben ihren Preis, weil die Rebsorte nun mal zickig ist. Sie kosten aber weniger, werden transparenter produziert und stammen im Weinberg zudem oft aus ökologischer, zumindest aber aus seriös nachhaltiger Produktion. Bis sie allerdings der träge und überaus konservative Weinmarkt als die Alternative entdecken wird, dürften noch Jahre ins Land gehen. Wir von K&U sind derweil an vorderster Front für Sie unterwegs.

In Kalifornien schickt sich Pinot Noir an, zur neuen Leitsorte zu werden. Unter Kennern genießen große Pinot Noirs aus amerikanischer Produktion bereits großes Ansehen. So entstehen in den Santa Rita Hills im Süden Kaliforniens, in und um das Städtchen Santa Barbara herum, in unmittelbarer Nähe zum kühlen Pazifik grandiose Pinot Noirs eigenständiger Ausstrahlung und Aromatik. Auf der sich nordwestlich von San Francisco über 70 km entlang des Pazifiks erstreckenden Hügelkette der Sonoma Coasbauen seit über 20 Jahren wagemutige Winzer-Pioniere dichtgewirkte, raffiniert frisch wirkende Pinot Noirs einer stilistischen Vielfalt an, die der Burgunds in nichts nachsteht. Auch weiter im Landesinneren, im Anderson Valley oder auf den Bergrücken des noch weiter nördlich liegenden Mendocino Ridge, entstehen Pinot Noirs und Syrahs rarer Weltklassequalität, die hierzulande noch entdeckt werden will. Der hohe qualitative Anspruch ihrer durchweg handwerklich arbeitenden Winzer gipfelt in Weinen faszinierender stilistischer Vielfalt und Qualität, die Burgund und die Nordrhône allemal das Fürchten lehren. Es ist die Dynamik der Entwicklung und die Leidenschaft der Winzer dort, die uns bewogen hat, uns in Sachen Pinot Noir und Syrah an Amerikas Westküste noch intensiver als bisher zu engagieren.

In der Welt des Pinot Noir geht es längst nicht so illuster, bunt, laut und schrill zu, wie in der Welt des Cabernet Sauvignon. Da funktionieren die Rezepte nicht, mittels derer die berühmten Weinmacher des Napa Valley jeden Stil zu beeinflussen verstehen, der gerade angesagt ist und Punkte bringt. Pinot Noir entzieht sich Rezepten, wie er sich auch der Technik im Keller entzieht. Jeder Weinberg, jede Lage, jede Parzelle will individuell verstanden und in entsprechend individuellen Wein übersetzt werden. Deshalb bleiben Pinot Noir-Winzer lieber unter sich und überlassen anderen die große Bühne.

Eine dieser stillen Größen in Sachen Pinot Noir und Syrah ist Jason Drew. Er führt uns durch die Reben in der Wildnis seiner Field Station Ranch hoch in den Bergen des Mendocino Ridge an der kalifornischen Sonoma Coast. Wir unterhalten uns über seine Vorstellung von Reife im Wein. Europäische Pinot Noir-Winzer werfen Übersee-Pinot Noirs stets vor, im Charakter zu warm und zu reif zu sein. Jason wirkt plötzlich, als hätte ich ihm in den Hintern gepikst. »Du triffst den Nagel auf den Kopf. Wie schmeckt Reife in Pinot Noir? Wenn du die Traube am Rebstock probierst und du findest sie optimal reif, ist es für den Wein zu spät. Die große Herausforderung ist, genau den richtigen Lesezeitpunkt zu finden. Richtig wofür? Parzelle für Parzelle, Rebzeile für Rebzeile liegt er oft erstaunlich weit vor der geschmacklich optimalen Reife von Beere und Kern. Diesen optimalen Lesezeitpunkt gibt es. Er ist aber für den oberflächlichen Betrachter nicht ersichtlich, nicht einfach so zu erkennen oder zu bestimmen. Ich habe lange gebraucht, bis ich das verstanden habe. Das braucht Intuition, Erfahrung, Instinkt und Glück, um die rote Linie zu finden und zu treffen, ab der die Beere für den Pinot Noir, den du dir im Glas vorstellst, präzise reif ist. Du mußt also genau wissen, was deine Trauben können, um den Stil finden zu können, den sie dir liefern.«

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Jason ist ein leiser, angenehm bescheiden auftretender Mensch, dem die Antwort auf meine Frage sichtlich Vergnügen bereitet. Er schätzt die Grenzgänge im Leben, hat sie mehrfach vollzogen. »Wenn du mit Pinot Noir und Syrah arbeitest, zwei supersensiblen, dünnschaligen, pilz- und fäulnisempfindlichen Rebsorten, gibt es keine Sicherheit wie beim Cabernet. Da mußt du ständig auf der Hut sein, mußt tatsächlich fast jede deiner Reben kennen. Deshalb kannst du als Pinot Noir- oder Syrah-Winzer nicht große Flächen bespielen, du mußt klein sein und klein bleiben, wenn du an der Spitze mitspielen willst«, meint er. Prompt will ich wissen, wie er ausgerechnet auf diese Farm kam, auf der noch heute vor allem alte Apfelbäume stehen, statt Reben. Lediglich 3 Hektar haben Jason und seine Frau Molly hier gepflanzt.  

»Das ist schnell erklärt«, kontert Jason, »meine Karriere im Wein beginnt 1980. Da habe ich für renommierte Betriebe im Napa Valley Weinberge angelegt. Zuvor habe ich landwirtschaftliche Ökologie studiert, um mich weniger dem Wein, als dem Einfluß der Topographie und des Bodens auf den Wein zu widmen. Doch schon als Kind habe ich im Weinberg meines Onkels mitgearbeitet, irgendwie hat mich dessen Duft nach Erde, Rebholz und reifen Trauben nie mehr losgelassen. Ich habe dann für diverse Weingüter in Europa und Amerika gearbeitet und schließlich das Studium der Önologie und Rebkunde in Adelaide in Australien absolviert. Dort haben wir unseren ersten Sohn bekommen, der uns bewogen hat, wieder nach Kalifornien zurückzukehren, wo ich ab 1999 für Bryan Babcock in Santa Barbara als Winemaker gearbeitet habe. Als der Film »Sideways« dann jenen Boom auslöst, der die Szene dort bis heute auf den Kopf stellt, beschlossen wir, unser plötzlich sehr wertvoll gewordenes Haus zu verkaufen und uns in stillere Gefilde zu begeben. Stille, das hieß für uns Norden. Also sind wir nach Sonoma gefahren und haben uns dort umgesehen. Die erste Ranch, die wir uns ansahen, eine 11 Hektar große Apfelplantage mitten im Wald, gefiel Molly so gut, daß wir sie schließlich kauften. Hier steht ihr jetzt, 5 km vom Pazifik entfernt, 450 m über dem Meer. Hier sind wir seit dem Jahr 2000. Um Geld zu verdienen habe ich bis 2004 für viele Betriebe in der Region hier Wein gemacht und Weinberge bewirtschaftet, von denen wir noch heute Trauben beziehen. Sie sind noch heute die Basis für unser Geschäft, denn von unseren knapp 3 Hektar eigener Reben können wir nicht leben. 2004 haben wir hier dann den ersten eigenen Wein aus Trauben gemacht, die ich bewirtschaftet habe, denn mir ging es immer schon um »saubere«, nicht mit Agrarchemie kontaminierte Trauben. Wir sind hier übrigens seit 2011 biologisch zertifiziert. Da haben wir auch die ersten eigenen Reben gepflanzt, die uns 2014 den ersten Wein lieferten.«

Jason und Molly Drew pflanzen allen Unkenrufen zum Trotz eine Vielzahl von Klonen in ihre neuen Weinberge (diverse Dijon-Klone, aber auch Pommard, Calera, Swan, Rochioli und Mount Eden, die meisten wurzelecht gesetzt). Ihr kleines Paradies soll auch geschmacklich möglichst breite biologische Diversität entfalten können. Ziegen und Schafe weiden zwischen den Reben. Molly kümmert sich um die Obstbäume und sorgt ganzjährig für üppige Blütenpracht, und sie hält Pferde, denn sie ist begeisterte Reiterin. Der Dung ihrer Pferde ist bester Dünger und stolz berichtet Jason, daß seine vielfältigen Böden, von Sand über Sandstein bis zu eisenhaltigem Lehm, Humusgehalte von über 4% enthalten. 

Mit den eigenen Reben und der Bio-Zertifizierung beginnt eine neue Ära für Molly und Jason Drew. Jason beginnt spontan zu vergären, auch die Moste aus den zugekauften Trauben. Durch die langen Lieferkontrakte bewirtschaftet er die Weinberge ganzjährig selber, die besten kann er sogar in langjährige Pacht übernehmen. Viele der unbekannten Weinberge und Lagen im Anderson Valley und in Mendocino hat Jason zum Sprechen gebracht und bekannt gemacht. Sie gewährleisten ihm heute eine Traubenqualität, die Spontangärung und Ganztraubenverarbeitung (Wholebunch) möglich macht. »Die wilde Gärung hat mich viel Arbeit und Gedanken gekostet,« gibt er offen zu. »Am Anfang hatte ich Probleme mit den funky Aromen der Spontanhefen. Es war ein langer Weg für mich, aber ein gesunder Adaptionsprozess, denn man lernt seine Trauben auf ganz neue Art und Weise kennen. Heute vergäre ich alle Weine konsequent spontan. Sie sind viel besser, komplexer und lebendiger, so daß es für mich gar nicht mehr anders geht«.

Noch immer sind die verfügbaren Mengen winzig. Von einzelnen Cuvées gibt es oft nur wenige Hundert Flaschen. Deren Qualität aber hat sich herumgesprochen und nicht umsonst sagt man den Weinen des Drew Family Cellars heute nach, zu den Spannendsten Kaliforniens zu gehören. Auch uns haben Jasons Weine, die wir seit dem ersten Jahrgang führen, in ihren Bann gezogen. Sie sind eigen, sind anders als andere. Ich versuche Jason zu entlocken, wie er seine Weine im Kontext des kalifornischen Pinot Noir-Spektrum sieht. 

»Ich bin durch eine lange Evolution gegangen«, antwortet er selbstkritisch. »Es war eine harte Lernkurve in Richtung Reife. Der Lesezeitpunkt ist bei Syrah und Pinot Noir alles. Er ist das Geheimnis hinter Stil und Charakter. Über ihn habe ich tatsächlich zu meinem eigenen Stil gefunden. Ich mag Struktur im Wein, eine ganz bestimmte, von mir persönlich bevorzugte Struktur. Die scheint mir unmittelbar gekoppelt mit der Traubenreife. Sind die Trauben für meine Vorstellung zu reif, läßt ihr Wein diese dichte, aber kühle und feine Struktur vermissen. Also habe ich mich über den Lesezeitpunkt meiner Vorstellung von Struktur im Wein genähert. Deren Geheimnis ist die Balance der verschiedenen Säuren mit dem Tannin. Ich habe viele Jahre daran gearbeitet, diese Balance über meine Arbeit im Weinberg, über Boden und Begrünung, aber auch über Photosynthese und Laubwerk einstellen zu können. Das ist mir irgendwann gelungen, klingt aber einfacher, als es tatsächlich war: Balance bedeutet, daß du die Trauben erntest, kelterst und dann sich selbst überlassen kannst. Du fügst nichts hinzu, zu änderst nichts, du greifst nicht ein. Ein wenig Schwefel zum Schluß. Wenn du das so auf die Flasche schaffst und findest dann die Struktur im Wein, die du suchst, sind deine Reben in Balance. Es geht dabei vor allem um den richtigen pH-Wert. Die fehlende Balance hat mich oft verzweifeln lassen. Irgendwann aber wurde mir klar, was ich tun muß bzw. nicht tun muß, um sie zu erreichen. Heute habe ich den Mut, nichts zu tun, wenn ich das Gefühl habe, nichts tun zu müssen. Das hat meinen Blick auf meine Weine, aber auch auf Wein ganz grundsätzlich, nachhaltig verändert. Ich probiere anders als früher und hoffe, ihr könnt das, was ich mit Struktur und Balance meine, in meinen Weinen nachvollziehen ... « 

Jason Drews Weine, ob Syrah oder Pinot Noir, berühren unmittelbar. Man kann sich ihrer Ausstrahlung kaum entziehen. Sie sind so entspannt wie ihr Macher und treten auch so leise und unaufgeregt auf. Doch schon ihr erster Schluck elektrisiert. Dicht strukturiert, aromatisch vielschichtig, weich und füllig im Mundgefühl, aber zugleich präzise, frisch und raffiniert kühl und fordernd in Ausstrahlung und Wirkung. Sie sind anders als ihre europäischen Gegenstücke, schließlich kommen sie aus gänzlich anderer Kultur und Umgebung. Aber sie sind mindestens so spannend, ehrlich und authentisch, wie die wenigen Burgunder oder Nordrhône-Syrahs, von denen wir wissen, daß sie es ebenfalls sind. Jason Drew ist ein Großer, von dem man hören wird.

Pinot Noir ist die rote Rebsorte der Zukunft. Während das große Vorbild Burgund preisliche Höhen erreicht hat, die mit dem Inhalt der Flasche nicht zu erklären sind, richtet sich der Blick auf die Alternativen, die sich überall auf der Welt in den letzten Jahren etabliert haben. Auch sie haben ihren Preis, weil die Rebsorte nun mal zickig ist. Sie kosten aber weniger, werden transparenter produziert und stammen im Weinberg zudem oft aus ökologischer, zumindest aber aus seriös nachhaltiger Produktion. Bis sie allerdings der träge und überaus konservative Weinmarkt als die Alternative entdecken wird, dürften noch Jahre ins Land gehen. Wir von K&U sind derweil an vorderster Front für Sie unterwegs.

In Kalifornien schickt sich Pinot Noir an, zur neuen Leitsorte zu werden. Unter Kennern genießen große Pinot Noirs aus amerikanischer Produktion bereits großes Ansehen. So entstehen in den Santa Rita Hills im Süden Kaliforniens, in und um das Städtchen Santa Barbara herum, in unmittelbarer Nähe zum kühlen Pazifik grandiose Pinot Noirs eigenständiger Ausstrahlung und Aromatik. Auf der sich nordwestlich von San Francisco über 70 km entlang des Pazifiks erstreckenden Hügelkette der Sonoma Coasbauen seit über 20 Jahren wagemutige Winzer-Pioniere dichtgewirkte, raffiniert frisch wirkende Pinot Noirs einer stilistischen Vielfalt an, die der Burgunds in nichts nachsteht. Auch weiter im Landesinneren, im Anderson Valley oder auf den Bergrücken des noch weiter nördlich liegenden Mendocino Ridge, entstehen Pinot Noirs und Syrahs rarer Weltklassequalität, die hierzulande noch entdeckt werden will. Der hohe qualitative Anspruch ihrer durchweg handwerklich arbeitenden Winzer gipfelt in Weinen faszinierender stilistischer Vielfalt und Qualität, die Burgund und die Nordrhône allemal das Fürchten lehren. Es ist die Dynamik der Entwicklung und die Leidenschaft der Winzer dort, die uns bewogen hat, uns in Sachen Pinot Noir und Syrah an Amerikas Westküste noch intensiver als bisher zu engagieren.

In der Welt des Pinot Noir geht es längst nicht so illuster, bunt, laut und schrill zu, wie in der Welt des Cabernet Sauvignon. Da funktionieren die Rezepte nicht, mittels derer die berühmten Weinmacher des Napa Valley jeden Stil zu beeinflussen verstehen, der gerade angesagt ist und Punkte bringt. Pinot Noir entzieht sich Rezepten, wie er sich auch der Technik im Keller entzieht. Jeder Weinberg, jede Lage, jede Parzelle will individuell verstanden und in entsprechend individuellen Wein übersetzt werden. Deshalb bleiben Pinot Noir-Winzer lieber unter sich und überlassen anderen die große Bühne.

Eine dieser stillen Größen in Sachen Pinot Noir und Syrah ist Jason Drew. Er führt uns durch die Reben in der Wildnis seiner Field Station Ranch hoch in den Bergen des Mendocino Ridge an der kalifornischen Sonoma Coast. Wir unterhalten uns über seine Vorstellung von Reife im Wein. Europäische Pinot Noir-Winzer werfen Übersee-Pinot Noirs stets vor, im Charakter zu warm und zu reif zu sein. Jason wirkt plötzlich, als hätte ich ihm in den Hintern gepikst. »Du triffst den Nagel auf den Kopf. Wie schmeckt Reife in Pinot Noir? Wenn du die Traube am Rebstock probierst und du findest sie optimal reif, ist es für den Wein zu spät. Die große Herausforderung ist, genau den richtigen Lesezeitpunkt zu finden. Richtig wofür? Parzelle für Parzelle, Rebzeile für Rebzeile liegt er oft erstaunlich weit vor der geschmacklich optimalen Reife von Beere und Kern. Diesen optimalen Lesezeitpunkt gibt es. Er ist aber für den oberflächlichen Betrachter nicht ersichtlich, nicht einfach so zu erkennen oder zu bestimmen. Ich habe lange gebraucht, bis ich das verstanden habe. Das braucht Intuition, Erfahrung, Instinkt und Glück, um die rote Linie zu finden und zu treffen, ab der die Beere für den Pinot Noir, den du dir im Glas vorstellst, präzise reif ist. Du mußt also genau wissen, was deine Trauben können, um den Stil finden zu können, den sie dir liefern.«

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Jason ist ein leiser, angenehm bescheiden auftretender Mensch, dem die Antwort auf meine Frage sichtlich Vergnügen bereitet. Er schätzt die Grenzgänge im Leben, hat sie mehrfach vollzogen. »Wenn du mit Pinot Noir und Syrah arbeitest, zwei supersensiblen, dünnschaligen, pilz- und fäulnisempfindlichen Rebsorten, gibt es keine Sicherheit wie beim Cabernet. Da mußt du ständig auf der Hut sein, mußt tatsächlich fast jede deiner Reben kennen. Deshalb kannst du als Pinot Noir- oder Syrah-Winzer nicht große Flächen bespielen, du mußt klein sein und klein bleiben, wenn du an der Spitze mitspielen willst«, meint er. Prompt will ich wissen, wie er ausgerechnet auf diese Farm kam, auf der noch heute vor allem alte Apfelbäume stehen, statt Reben. Lediglich 3 Hektar haben Jason und seine Frau Molly hier gepflanzt.  

»Das ist schnell erklärt«, kontert Jason, »meine Karriere im Wein beginnt 1980. Da habe ich für renommierte Betriebe im Napa Valley Weinberge angelegt. Zuvor habe ich landwirtschaftliche Ökologie studiert, um mich weniger dem Wein, als dem Einfluß der Topographie und des Bodens auf den Wein zu widmen. Doch schon als Kind habe ich im Weinberg meines Onkels mitgearbeitet, irgendwie hat mich dessen Duft nach Erde, Rebholz und reifen Trauben nie mehr losgelassen. Ich habe dann für diverse Weingüter in Europa und Amerika gearbeitet und schließlich das Studium der Önologie und Rebkunde in Adelaide in Australien absolviert. Dort haben wir unseren ersten Sohn bekommen, der uns bewogen hat, wieder nach Kalifornien zurückzukehren, wo ich ab 1999 für Bryan Babcock in Santa Barbara als Winemaker gearbeitet habe. Als der Film »Sideways« dann jenen Boom auslöst, der die Szene dort bis heute auf den Kopf stellt, beschlossen wir, unser plötzlich sehr wertvoll gewordenes Haus zu verkaufen und uns in stillere Gefilde zu begeben. Stille, das hieß für uns Norden. Also sind wir nach Sonoma gefahren und haben uns dort umgesehen. Die erste Ranch, die wir uns ansahen, eine 11 Hektar große Apfelplantage mitten im Wald, gefiel Molly so gut, daß wir sie schließlich kauften. Hier steht ihr jetzt, 5 km vom Pazifik entfernt, 450 m über dem Meer. Hier sind wir seit dem Jahr 2000. Um Geld zu verdienen habe ich bis 2004 für viele Betriebe in der Region hier Wein gemacht und Weinberge bewirtschaftet, von denen wir noch heute Trauben beziehen. Sie sind noch heute die Basis für unser Geschäft, denn von unseren knapp 3 Hektar eigener Reben können wir nicht leben. 2004 haben wir hier dann den ersten eigenen Wein aus Trauben gemacht, die ich bewirtschaftet habe, denn mir ging es immer schon um »saubere«, nicht mit Agrarchemie kontaminierte Trauben. Wir sind hier übrigens seit 2011 biologisch zertifiziert. Da haben wir auch die ersten eigenen Reben gepflanzt, die uns 2014 den ersten Wein lieferten.«

Jason und Molly Drew pflanzen allen Unkenrufen zum Trotz eine Vielzahl von Klonen in ihre neuen Weinberge (diverse Dijon-Klone, aber auch Pommard, Calera, Swan, Rochioli und Mount Eden, die meisten wurzelecht gesetzt). Ihr kleines Paradies soll auch geschmacklich möglichst breite biologische Diversität entfalten können. Ziegen und Schafe weiden zwischen den Reben. Molly kümmert sich um die Obstbäume und sorgt ganzjährig für üppige Blütenpracht, und sie hält Pferde, denn sie ist begeisterte Reiterin. Der Dung ihrer Pferde ist bester Dünger und stolz berichtet Jason, daß seine vielfältigen Böden, von Sand über Sandstein bis zu eisenhaltigem Lehm, Humusgehalte von über 4% enthalten. 

Mit den eigenen Reben und der Bio-Zertifizierung beginnt eine neue Ära für Molly und Jason Drew. Jason beginnt spontan zu vergären, auch die Moste aus den zugekauften Trauben. Durch die langen Lieferkontrakte bewirtschaftet er die Weinberge ganzjährig selber, die besten kann er sogar in langjährige Pacht übernehmen. Viele der unbekannten Weinberge und Lagen im Anderson Valley und in Mendocino hat Jason zum Sprechen gebracht und bekannt gemacht. Sie gewährleisten ihm heute eine Traubenqualität, die Spontangärung und Ganztraubenverarbeitung (Wholebunch) möglich macht. »Die wilde Gärung hat mich viel Arbeit und Gedanken gekostet,« gibt er offen zu. »Am Anfang hatte ich Probleme mit den funky Aromen der Spontanhefen. Es war ein langer Weg für mich, aber ein gesunder Adaptionsprozess, denn man lernt seine Trauben auf ganz neue Art und Weise kennen. Heute vergäre ich alle Weine konsequent spontan. Sie sind viel besser, komplexer und lebendiger, so daß es für mich gar nicht mehr anders geht«.

Noch immer sind die verfügbaren Mengen winzig. Von einzelnen Cuvées gibt es oft nur wenige Hundert Flaschen. Deren Qualität aber hat sich herumgesprochen und nicht umsonst sagt man den Weinen des Drew Family Cellars heute nach, zu den Spannendsten Kaliforniens zu gehören. Auch uns haben Jasons Weine, die wir seit dem ersten Jahrgang führen, in ihren Bann gezogen. Sie sind eigen, sind anders als andere. Ich versuche Jason zu entlocken, wie er seine Weine im Kontext des kalifornischen Pinot Noir-Spektrum sieht. 

»Ich bin durch eine lange Evolution gegangen«, antwortet er selbstkritisch. »Es war eine harte Lernkurve in Richtung Reife. Der Lesezeitpunkt ist bei Syrah und Pinot Noir alles. Er ist das Geheimnis hinter Stil und Charakter. Über ihn habe ich tatsächlich zu meinem eigenen Stil gefunden. Ich mag Struktur im Wein, eine ganz bestimmte, von mir persönlich bevorzugte Struktur. Die scheint mir unmittelbar gekoppelt mit der Traubenreife. Sind die Trauben für meine Vorstellung zu reif, läßt ihr Wein diese dichte, aber kühle und feine Struktur vermissen. Also habe ich mich über den Lesezeitpunkt meiner Vorstellung von Struktur im Wein genähert. Deren Geheimnis ist die Balance der verschiedenen Säuren mit dem Tannin. Ich habe viele Jahre daran gearbeitet, diese Balance über meine Arbeit im Weinberg, über Boden und Begrünung, aber auch über Photosynthese und Laubwerk einstellen zu können. Das ist mir irgendwann gelungen, klingt aber einfacher, als es tatsächlich war: Balance bedeutet, daß du die Trauben erntest, kelterst und dann sich selbst überlassen kannst. Du fügst nichts hinzu, zu änderst nichts, du greifst nicht ein. Ein wenig Schwefel zum Schluß. Wenn du das so auf die Flasche schaffst und findest dann die Struktur im Wein, die du suchst, sind deine Reben in Balance. Es geht dabei vor allem um den richtigen pH-Wert. Die fehlende Balance hat mich oft verzweifeln lassen. Irgendwann aber wurde mir klar, was ich tun muß bzw. nicht tun muß, um sie zu erreichen. Heute habe ich den Mut, nichts zu tun, wenn ich das Gefühl habe, nichts tun zu müssen. Das hat meinen Blick auf meine Weine, aber auch auf Wein ganz grundsätzlich, nachhaltig verändert. Ich probiere anders als früher und hoffe, ihr könnt das, was ich mit Struktur und Balance meine, in meinen Weinen nachvollziehen ... « 

Jason Drews Weine, ob Syrah oder Pinot Noir, berühren unmittelbar. Man kann sich ihrer Ausstrahlung kaum entziehen. Sie sind so entspannt wie ihr Macher und treten auch so leise und unaufgeregt auf. Doch schon ihr erster Schluck elektrisiert. Dicht strukturiert, aromatisch vielschichtig, weich und füllig im Mundgefühl, aber zugleich präzise, frisch und raffiniert kühl und fordernd in Ausstrahlung und Wirkung. Sie sind anders als ihre europäischen Gegenstücke, schließlich kommen sie aus gänzlich anderer Kultur und Umgebung. Aber sie sind mindestens so spannend, ehrlich und authentisch, wie die wenigen Burgunder oder Nordrhône-Syrahs, von denen wir wissen, daß sie es ebenfalls sind. Jason Drew ist ein Großer, von dem man hören wird.

Inhalt: 0.75 l (45,33 €* / 1 l)

34,00 €*

Inhalt: 0.75 l (61,33 €* / 1 l)

46,00 €*

Inhalt: 0.75 l (64,00 €* / 1 l)

48,00 €*

Inhalt: 0.75 l (92,00 €* / 1 l)

69,00 €*

Inhalt: 0.75 l (92,00 €* / 1 l)

69,00 €*