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Die Kraft wahrer Tradition wider die Unformität der Moderne


Laurent Charvin ist ein schrulliger Eigenbrötler, dessen Weine zu den aufregendsten in Châteuneuf du Pape gehören, dem berühmtesten Weinbauort der südlichen Rhône, wenige Kilometer nördlich der alten Papststadt Avignon. Charvins kleines unscheinbar bescheidenes Weingut liegt im äußersten Norden der Appellation, genau in der Einflugschneise des Mistrals, jenes berühmt berüchtigten Windes, der mit 100 km/h und mehr durch das südliche Rhônetal rast. Seinen harten Böen widersteht nur eine Rebsorte unbeschadet: Grenache Noir. Sie hat Laurent Charvin deshalb fast ausschließlich im Anbau, die rare Ausnahme in der Region. 

Diesem Wind und seiner Kraft verdankt Châteauneuf du Pape übrigens seine stilistische Vielfalt. Sie ist so bunt, wie es dort Winzer gibt: Je nach Lage ihrer Weinberge rund um das windige Plateau von Châteuneuf du Pape unterscheiden sich deren Weine in den verwendeten Rebsorten (13 dürfen es sein), und damit in Stil und Charakter grundlegend voneinander. 

Laurent Charvin hat weder Barriques noch große Holzfässer im Keller stehen, und den obligatorischen Entrapper oder eine Presse sucht man bei ihm auch vergebens. »In meinen Weinen soll man die Qualität der Trauben schmecken können. Mir ist deshalb das Lassen wichtiger als das Machen«, meint Laurent, der einer der wenigen verbliebenen Winzer der berühmten Appellation ist, der seine Grenache-Trauben noch vollständig mit Rappen, also mit Stiel und Stengel, in großen traditionellen Betontanks mittels wilder Naturhefen spontan vergärt. 

Diese sogenannte Ganztraubengärung ist für den engagierten Winzer wesentliches Element der Identität seiner Weine. »Die Rappen sind so etwas wie die Nabelschnur zwischen dem Traubenkern, also der Frucht, und dem Rebstock. Zwischen beiden besteht eine natürliche physiologische Verbindung, eine Einheit. Die Rappen beim Keltern zu entfernen, bedeutet für mich, der Grenache ein wesentliches Element ihrer Natur und ihrer Geschichte zu nehmen.« Laurent Charvins Weine sind deshalb relativ transparent in der Farbe, weil der Most nicht mechanisch extrahiert werden kann, sie geben sich aufregend vielschichtig und »altmodisch« expressiv im Duft, sind ungeschönt und unfiltriert und reifen äußerst zuverlässig über Jahrzehnte jener aromatischen Komplexität entgegen, die den großen Ruf der Weine aus Châteauneuf du Pape einst begründete. 

Wenn sie so respektvoll verstanden und selbstkritisch umgesetzt werden wie hier, machen Traditionen Sinn. Ein im besten Sinne bäuerlicher Familienbetrieb, der seinen Weinen die Zeit gibt, die sie brauchen, um zu den Unikaten zu werden, die sie sind.

Charvin

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