Zum Hauptinhalt springen


Pestizide - im Boden, in der Luft, in der gesamten Natur

Oben im Bild typische Spuren des unter Landwirten und Winzern auf der ganzen Welt wohl beliebtesten Unkrautbekämpfungsmittels Glyphosat, das es unter diversen Handelsmarken zu kaufen gibt. Es ist auch das meistdiskutierte Pestizid der Welt. Doch es gibt zahlreiche weitere, die längst außerhalb ihres Anwendungsgebietes in der Umwelt zu finden sind, allen voran die berühmten Neonicotinoide, denen bereits Millionen Bienen zum Opfer gefallen sind. Pestizid ist der Oberbegriff für das, was man in Landwirtschaft und Weinbau »Pflanzenschutz« nennt. Gemeint sind damit neben den Herbiziden, den Unkrautbekämpfungsmitteln, auch Insektizide, also Schädlingsbekämpfungsmittel, und Fungizide, also Mittel gegen Krankheits- und Pilzbefall.

Aus aktuellem Anlass: Derzeit treibt die EU-Kommission mit dem sogenannten »Food and Feed Safety Simplification Omnibus« eine umfassende Deregulierung der Agrartechnologie voran, von Pestiziden über Biozide bis zu neuer Gentechnik. Ein Generalangriff auf das europäische Umweltrecht und das Vorsorgeprinzip. 

Zu diesem Ergebnis kommt ein juristisches Gutachten, das zahlreiche Umweltverbände und Institutionen in Auftrag gaben.  Demnach sind die geplanten unbefristeten Pestizidgenehmigungen rechtswidrig. Die Pläne der EU-Kommission verstoßen gegen europäisches Umwelt- und Gesundheitsrecht. Sie unterlaufen das Vorsorgeprinzip und ignorieren die Pflicht, neue wissenschaftliche Erkenntnisse bei der Risikobewertung und Genehmigung von Pestiziden zu berücksichtigen.

Die Pestizid-Deregulierung wäre ein beispielloses Geschenk an die Agrarindustrie. Statt Ökosysteme zu schützen, würden hart erkämpfte Schutzmechanismen geschleift und Genehmigungen entfristet.

Auch das Verfahren ist problematisch: Die EU-Kommission treibt ihren »Pestizid-Omnibus« im Schnellverfahren voran, ohne umfassende Folgeabschätzung, ohne öffentliche Beteiligung. Die Berichterstattung darüber ist kläglich, die Öffentlichkeit erfährt von dem Skandal kaum. Nur die Umweltverbände laufen Sturm. Hier ein pflegeleichter Artikel aus der Wochenzeitung »Die Zeit« vom 1. Februar 2026, der die Lobbyaktion immerhin erwähnt und auf eine alarmierende Studie zu den Folgen des Pestizideinsatzes verweist, die in der Fachzeitschrift »Nature« publiziert wurde.

Was hier geschieht, ist Teil einer großen Offensive: Konzernlobbys, wirtschaftsnahe Regierungen in Europa und Teile der EU-Kommission arbeiten daran, jahrzehntelang erkämpfte Standards unter dem Deckmantel des »Bürokratieabbaus« zu schleifen. Offensichtlich soll alles, was dem Profit der Industrie im Weg steht, weg. 

Im Parlament werden die Vorschläge von einem Bündnis aus Rechtsextremen und Konservativen durchgewunken, koordiniert von Manfred Weber, dem Chef der konservativen Fraktion. Die massiven Warnungen der Wissenschaft werden ignoriert und so scheint der Angriff auf die Pestizidregulierung erst der Anfang. Es droht eine regelrechte Flut weiterer Attacken auf bislang erreichte Umweltstandards.

Die Zulassung von Pestiziden aller Art nahezu jeglicher Kontrolle zu entziehen, kann nur Politikern einfallen, die andere Interessen haben als ihrem Volk zu dienen. Doch noch ist nichts entschieden. Ohne die Zustimmung des Europäischen Parlaments kann die Kommission den verrückten Vorschlag nicht in die Tat umsetzen ...

... danach sollen Ackergifte (Glyphosat & Co) »für immer« erlaubt werden. Hochgefährliche Bienengifte sollen durch »Notfallzulassungen« einfacher und länger zugelassen werden können. Pestizide, die Böden, Gewässer und Ökosysteme mit PFAS kontaminieren, sollen selbst nach einem Verbot noch bis zu drei Jahre lang übergangsweise gespritzt werden dürfen. »Konservatives« Politikverständnis.

Ankündigung: K&U auf ARTE TV

Am 16. Februar 2026 um 21:50 Uhr wird eine Wissenschaftsdokumentation zum Thema »Biowein - Alles reine Natur?« auf ARTE TV gezeigt, an der wir zusammen mit Simone Adams und anderen mitgearbeitet haben. 

Biowein - Alles reine Natur? 16.02.2026 • 21:50 - 22:45 Uhr

https://www.arte.tv/de/videos/120434-000-A/biowein-alles-reine-natur/