Nachdem Marc Castan jahrelang auf den geerbten Weinbergen als frustriertes Genossenschaftsmitglied Trauben produzierte, beschloß er eines Tages von heute auf morgen die Genossenschaft zu verlassen, auf biodynamischen Anbau umzustellen und seine Trauben selbst zu verarbeiten. 2009 bezog er im Weiler La Palme einen kleinen alten Weinkeller, 2010 kelterte er dort seinen ersten Wein unter eigenem Etikett.
Heute bewirtschaftet er auf einem in Sichtweite des Meeres liegenden Plateau mit kargen Kies- und Kalkböden gut 12 Hektar, bestockt mit alter Carignan, Grenache, Mourvèdre und Syrah. Er praktiziert dort eine von Esoterik und Ideologie befreite Biodynamik für gesundes Bodenleben. »Nur wenn es mir gelingt, möglichst viele tierische und pflanzliche Nützlinge anzusiedeln, kann ich die Monokultur des Weinbaus aufbrechen«, meint er. Die Zeit wird zeigen, ob es ihm gelingt.
Seine biodynamischen Präparate und Spritzmittel erzeugt Marc aus Pflanzen, die er im Umfeld seiner Rebgärten findet, selbst. Beim Rebschnitt versucht er, den Stress für die Rebstöcke zu minimieren. So bepinselt er z. B. die Schnittstellen aufwendig mit nährstoffreicher Ziegenmolke, um die Wundheilung zu beschleunigen. Auf das Kürzen der Triebe während der Vegetationsperiode verzichtet er schon seit Jahren.
Die oberflächliche Bodenbearbeitung, mit der er den Wasserhaushalt seiner in traditioneller Einzelstockerziehung stehenden Reben, dem »Gobelet«, zu steuern versucht, verrichtet er mit Hilfe eines uralten kleinen Handtraktors aus den fünfziger Jahren. Marc legt auf Handarbeit großen Wert. Es ist diese Leidenschaft für die Arbeit mit der Natur, die ihn vom anonymen Genossenschaftsmitglied zum begehrten Naturweinwinzer mutieren ließ. Inzwischen findet seine kleine Produktion reißenden Absatz, bei sich vor der Haustür, in Paris, aber auch zunehmend im Export.
Marc Castan, einstiger Profi-Surfer mit Bodybuilder-Figur, ist überzeugt, daß nicht nur die Lage am Meer und der kühlende Wind Frische in seine Weine bringen, sondern auch seine Art der »gewaltfreien Kultivierung«, wie er es nennt. Demnach tut er alles, um seine Reben nicht im dauernden Kampf gegen verdichtete Böden, mechanische Verletzungen, Krankheitserreger und Pilze zu ermüden, sondern ihre Widerstandsfähigkeit über maximal aktives Bodenleben aufzubauen.
»Meine uralten Rebstöcke wurzeln tief. Auf der Suche nach Wasser durchqueren sie meterdicke Gesteinsschichten, wo sie Mineralien aufnehmen. Sie müssen sich ganz schön quälen, um in unserem extremen Klima auf den mageren Böden hier zu überleben. Deshalb liefern sie nur kleine Erträge aus kleinen Beeren. Die entwickeln dafür aber Dichte im Mundgefühl und expressive Aromatik.«
Für die Bodenpflege und natürliche Düngung hat er sich eine Herde alter, lokaler, vom Aussterben bedrohter Kuhrassen angeschafft, die er von Parzelle zu Parzelle ziehen läßt. Sie sind ihm eine Herzensangelegenheit, ihnen widmet er denn auch einen seiner Weine: »Les Tondeuse«, französisch für »die Rasenmäher«.
Passend zur unkonventionellen Arbeit im Weinberg bestimmt Marc Castan auch den so wichtigen Zeitpunkt der Lese. Er vertraut weder der chemischen Analyse, noch dem Rat eines Önologen, er geht ausschließlich nach Geschmack und Substanz seiner Beeren. Weil er im Weinberg so schonend arbeitet, kann er seine Weine im Keller der Natur anvertrauen. Er entrappt seine Trauben je nach Jahrgang und Qualität nur zum Teil, verwendet also Stiel und Stengel mit, um bestimmten Weinen mehr Struktur zu verleihen. Für andere Cuvées verwendet er nur die Beeren und nimmt deren Most schon nach etwa 10 Tagen von der Maische, um ihnen Eleganz und trinkfreudige Leichtigkeit mit auf den Weg zu geben.
Marc vergärt grundsätzlich spontan ohne Temperaturkontrolle und versucht in seiner schonenden Weinbereitung übermächtige Konzentration und Extraktion zu vermeiden. Auch mit dem Schwefel geht er äußerst sparsam um. Wenn die Natur es erlaubt, füllt er ohne Schwefelzusatz. Nicht, um dem Stempel »Naturwein« zu genügen, sondern weil es für ihn selbstverständlich ist. Denn seine Trauben sind gesund, ihre Chemie läßt es zu und er mag die rauen Spuren der Schwefelung auf der Zunge nicht.
Marc Castan ist ein toller Typ. Bescheiden, leise, nachdenklich, selbstkritisch, kompetent. Weine wie die seinen hat es in dieser natürlichen stilistischen Freiheit bisher im Fitou nicht gegeben. Sie strotzen vor Charakter, folgen keinem Klischee, sind entwaffnend ehrlich, fühlen sich ungewohnt »frei« an im Mundgefühl, sind ungestüm natürlich und ursprünglich ungeschminkt. Nicht jedermanns Sache, aber dafür gibt es auch nicht genügend Flaschen von ihnen. Naturweine in des Genres bestem Sinne.
Mamaruta
Inhalt: 0.75 l (17,33 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (18,00 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (18,53 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (22,00 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (22,00 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (24,00 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (28,00 €* / 1 l)