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Domaine Mâmârutá

Marc Castan

Nicht viele Winzer in unserem Programm bewirtschaften ihre Reben ähnlich leidenschaftlich naturverbunden wie der ehemalige Profi-Surfer Marc Castan. Hart kämpft er gegen die Herausforderungen der Klimakrise. Obwohl die meisten seiner Reben auf kleinen, weit verstreuten Parzellen unweit des Meeres stehen, trocknen deren Böden trotz biologischer Bewirtschaftung zunehmend aus. Die Erträge sinken so, daß Marc sein Dasein als Winzer gefährdet sieht. Herzenswinzer mit quicklebendigen Naturweinen.   

Region: Languedoc / Fitou

Rebfläche: 12 ha

Boden: Kalkstein, Kiesel, Lehm

Bewirtschaftung: Biodynamisch 

Rebsorten: Muscat a petit grain, Muscat d´Alexandrie, Grenache blanc, Macabeu, Carignan, Grenache, Mourvèdre, Syrah

Es ist einer dieser glühendheißen Tage im Fitou, im Süden Frankreichs, unweit der spanischen Grenze. Die Dörfer ausgestorben, niemand wagt sich auf die Strasse. Selbst die Hunde und Katzen im Dorf suchen den Schatten. Und wir? Wir stapfen mit Marc Castan durch die Weinberge, bestaunen seine alten Reben und leiden mit ihm angesichts der harten Handarbeit, die sie ihm im Sommer abverlangen. 

Um fünf Uhr morgens beginnt dann sein Tag draußen in den Reben. Um die Mittagszeit muß er sich ins kühle Haus zurückziehen. Da geht kein Mensch mehr vor der Tür - außer den Touristen der Hotelburgen und Campingplätze entlang der Küste. Das Felsplateau im Hinterland von Leucate liegt hoch über dem Meer, ein magischer Ort. Weiter Blick übers Meer. Die Sonne sticht unbarmherzig. Man riecht und spürt die Trockenheit in den vielen kleinen Reb-Parzellen, die mühsam von Hand bewirtschaftet werden müssen. Archaische Kulturlandschaft. Wunderschön, aber man versteht, warum viele der kleinen Rebgärten längst aufgegeben sind, überwuchert von Brombeersträuchern und wilden Oliven. 

Marc ist einer der wenigen, der hier noch Reben bewirtschaftet. Seine Parzellen sind von wunderschönen uralten, zum Teil überwucherten Trockenmauern umgeben. Mediterrane Trockenvegetation. Wilde Oliven, Ginster, Rosmarin und Thymian. Nach Osten ersteckt sich „la grande Bleu“, wie das Mittelmeer hier genannt wird. Im Westen begrenzen die Höhenzüge des Corbières den Horizont. Im Norden fällt der Blick an Tagen mit klarer Luft auf den verschneiten Gipfel des heiligen Berges der Katalanen, den Mont Canigou.

Marcs älteste Reben wurden vor über einem Jahrhundert von seinem Urgroßvater angelegt. Der mußte die Pflanzlöcher damals noch mühsam von Hand Zentimeter für Zentimeter mit Eisenstangen in den nach nur ein, zwei Handbreit Erde anstehenden Kalkfels treiben. Der ständige Wind, der mal trocken aus den Bergen, mal feucht vom Meer her bläst, wird heute wie damals vom Geschrei der Möwen und dem permanenten, lauten Zirp-Konzert der Grillen begleitet. Es kann verdammt heiß werden hier im Süden. Wir bekommen die Hitze und ihre Trockenheit hautnah zu spüren an diesem Tag.

Wilde Weinlandschaft. Hinter den Felsen im Hintergrund liegt das Meer. Kleine Parzellen, von Wald oder Wildnis umgeben, sind eigentlich ideales Habitat für den Weinbau. Doch der Durst der Touristen entlang der Küste läßt die Grundwasser-Pegel soweit sinken, daß Landwirtschaft und Weinbau hier an ihre Grenzen stossen. Bewässert werden darf nicht und so bleibt nur die biodynamische Bewirtschaftung, um das Wasserspeichervermögen der kargen Kalkböden zu verbessern.

Nachdem Marc Castan jahrelang auf den geerbten Weinbergen als frustriertes Genossenschaftsmitglied Trauben produzierte, beschloß er eines Tages von heute auf morgen die Genossenschaft zu verlassen, auf biodynamischen Anbau umzustellen und seine Trauben selbst zu verarbeiten. 2009 bezog er im Weiler La Palme einen kleinen alten Weinkeller, 2010 kelterte er dort seinen ersten Wein unter eigenem Etikett.  

Heute bewirtschaftet er auf einem in Sichtweite des Meeres liegenden Plateau mit kargen Kies- und Kalkböden gut 12 Hektar, bestockt mit alter Carignan, Grenache, Mourvèdre und Syrah. Er praktiziert dort eine von Esoterik und Ideologie befreite Biodynamik für gesundes Bodenleben. »Nur wenn es mir gelingt, möglichst viele tierische und pflanzliche Nützlinge anzusiedeln, kann ich die Monokultur des Weinbaus aufbrechen«, meint er. Die Zeit wird zeigen, ob es ihm gelingt.

Seine biodynamischen Präparate und Spritzmittel erzeugt Marc aus Pflanzen, die er im Umfeld seiner Rebgärten findet, selbst. Beim Rebschnitt versucht er, den Stress für die Rebstöcke zu minimieren. So bepinselt er z. B. die Schnittstellen aufwendig mit nährstoffreicher Ziegenmolke, um die Wundheilung zu beschleunigen. Auf das Kürzen der Triebe während der Vegetationsperiode verzichtet er schon seit Jahren.  

Die oberflächliche Bodenbearbeitung, mit der er den Wasserhaushalt seiner in traditioneller Einzelstockerziehung stehenden Reben, dem »Gobelet«, zu steuern versucht, verrichtet er mit Hilfe eines uralten kleinen Handtraktors aus den fünfziger Jahren. Marc legt auf Handarbeit großen Wert. Es ist diese Leidenschaft für die Arbeit mit der Natur, die ihn vom anonymen Genossenschaftsmitglied zum begehrten Naturweinwinzer mutieren ließ. Inzwischen findet seine kleine Produktion reißenden Absatz, bei sich vor der Haustür, in Paris, aber auch zunehmend im Export. 

Marc Castan, einstiger Profi-Surfer mit Bodybuilder-Figur, ist überzeugt, daß nicht nur die Lage am Meer und der kühlende Wind Frische in seine Weine bringen, sondern auch seine Art der »gewaltfreien Kultivierung«, wie er es nennt. Demnach tut er alles, um seine Reben nicht im dauernden Kampf gegen verdichtete Böden, mechanische Verletzungen, Krankheitserreger und Pilze zu ermüden, sondern ihre Widerstandsfähigkeit über maximal aktives Bodenleben aufzubauen. 

»Meine uralten Rebstöcke wurzeln tief. Auf der Suche nach Wasser durchqueren sie meterdicke Gesteinsschichten, wo sie Mineralien aufnehmen. Sie müssen sich ganz schön quälen, um in unserem extremen Klima auf den mageren Böden hier zu überleben. Deshalb liefern sie nur kleine Erträge aus kleinen Beeren. Die entwickeln dafür aber Dichte im Mundgefühl und expressive Aromatik.«

Für die Bodenpflege und natürliche Düngung hat er sich eine Herde alter, lokaler, vom Aussterben bedrohter Kuhrassen angeschafft, die er von Parzelle zu Parzelle ziehen läßt. Sie sind ihm eine Herzensangelegenheit, ihnen widmet er denn auch einen seiner Weine: »Les Tondeuse«, französisch für »die Rasenmäher«. 

Passend zur unkonventionellen Arbeit im Weinberg bestimmt Marc Castan auch den so wichtigen Zeitpunkt der Lese. Er vertraut weder der chemischen Analyse, noch dem Rat eines Önologen, er geht ausschließlich nach Geschmack und Substanz seiner Beeren. Weil er im Weinberg so schonend arbeitet, kann er seine Weine im Keller der Natur anvertrauen. Er entrappt seine Trauben je nach Jahrgang und Qualität nur zum Teil, verwendet also Stiel und Stengel mit, um bestimmten Weinen mehr Struktur zu verleihen. Für andere Cuvées verwendet er nur die Beeren und nimmt deren Most schon nach etwa 10 Tagen von der Maische, um ihnen Eleganz und trinkfreudige Leichtigkeit mit auf den Weg zu geben.

Marc vergärt grundsätzlich spontan ohne Temperaturkontrolle und versucht in seiner schonenden Weinbereitung übermächtige Konzentration und Extraktion zu vermeiden. Auch mit dem Schwefel geht er äußerst sparsam um. Wenn die Natur es erlaubt, füllt er ohne Schwefelzusatz. Nicht, um dem Stempel »Naturwein« zu genügen, sondern weil es für ihn selbstverständlich ist. Denn seine Trauben sind gesund, ihre Chemie läßt es zu und er mag die rauen Spuren der Schwefelung auf der Zunge nicht. 

Marc Castan ist ein toller Typ. Bescheiden, leise, nachdenklich, selbstkritisch, kompetent. Weine wie die seinen hat es in dieser natürlichen stilistischen Freiheit bisher im Fitou nicht gegeben. Sie strotzen vor Charakter, folgen keinem Klischee, sind entwaffnend ehrlich, fühlen sich ungewohnt »frei« an im Mundgefühl, sind ungestüm natürlich und ursprünglich ungeschminkt. Nicht jedermanns Sache, aber dafür gibt es auch nicht genügend Flaschen von ihnen. Naturweine in des Genres bestem Sinne. 

Domaine Mamaruta | 29 avenue de la mer | F-11480 La Palme | Erstinverkehrbringer: Gebr. Kössler & Ulbricht GmbH & CoKG

Mamaruta

Inhalt: 0.75 l (17,33 €* / 1 l)

13,00 €*

Inhalt: 0.75 l (18,00 €* / 1 l)

13,50 €*
2022

»Les Tondeuses«

Mamaruta

Inhalt: 0.75 l (18,53 €* / 1 l)

13,90 €*

Inhalt: 0.75 l (22,00 €* / 1 l)

16,50 €*

Inhalt: 0.75 l (22,00 €* / 1 l)

16,50 €*

Inhalt: 0.75 l (24,00 €* / 1 l)

18,00 €*

Inhalt: 0.75 l (28,00 €* / 1 l)

21,00 €*