Es ist eine bukolische Landschaft, in der Essen und Trinken die Gesellschaft zusammenhalten. Die Emilia-Romagna ist bekannt für ihre Küche, ihre Gastronomie und ihre Gastfreundschaft. Der Wein ist hier noch täglicher Essensbegleiter. Kein modisches Hochleistungs-Genussprodukt, sondern Lebensmittel, das bezahlbar sein soll und muß. Deswegen wird hier viel produziert. Nicht Qualität steht hier im Vordergrund, sondern Menge. Die Erträge sind entsprechend hoch, der Chemieeinsatz leider auch.
Es war Lodovica Lusenti, die 2011 als eine der ersten in der Emilia Romagna auf biologische Bewirtschaftung umstellte. Seit 2014 ist ihr Betrieb zertifiziert. Ihre Reben erstrecken sich auf 22 Hektar über die Hügel des Val Tidone, das westlich von Piacenza liegt. Sie sind zwischen 12 und 80 Jahre alt,
die Trauben der älteren Weinberge keltern die Lusenti-Damen zu aufregend regional geprägten Stillweinen. Synthetische Düngemittel und chemische Pestizide gibt es bei Lusentis seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Die vorwiegend lehmigen Böden werden mit Gründüngung bewirtschaftet, eine Ziegenherde sorgt für biologische Diversität und zur Schädlingsbekämpfung setzen die Lusenti-Damen auf Schwefel und Kupfer, die sie Jahr für Jahr durch weinbauliche Maßnahmen zu reduzieren versuchen.
In ihrem Val Tidone werden seit dem 19. Jahrhundert originelle Schaumweine aus den lokalen autochthonen Rebsorten produziert. Sie spielen zwar im internationalen Weinhandel keine Rolle, werden links liegen gelassen, stehen aber für vom Volk getrunkene Weine mehr als jeder Barolo oder Chianti für Italien.
Die Lusenti-Damen widmen ihre Arbeit dem Ziel, hier wieder hochwertige und langlebige Schaumweine mit authentisch regionalem Charakter zu produzieren. Dazu setzen sie auf biologischen Anbau und im Keller auf traditionelle wie auf moderne Low-Intervention-Weinbereitungstechniken.
Mutter Lodovicas Spezialität sind hinreißend hochwertige Spumante mit ungewöhnlich langer Reifezeit auf der Hefe (mindestens 24 bis zu 50 Monaten und mehr!), während sich Tochter Martina den modernen unfiltrierten PetNats widmet, die sie »sur lie«, also naturtrüb, in den Handel bringt. Mit ihrer legendären, feinperlig schäumenden Malvasia »Emiliana« hat sie unter eigener frecher Ausstattungslinie ihren Betrieb weit über die Grenzen der Emilia hinaus bekannt gemacht.
Die Produktion so origineller wie hochwertiger Schaumweine gewinnt bei den Lusenti-Damen zunehmend die Oberhand. Deren Grundweine werden meist in Edelstahltanks vergoren.
Doch auch alle anderen Gefässe, in denen man Trauben vergären kann, interessieren Mutter und Tochter Lusenti für ihre Stillweine, und so experimentieren sie mit Amphoren, Betontanks und Holzfässern unterschiedlicher Größe.
Lusentis keltern ihre Rotweine aus dickschaligen Rebsorten wie Barbera, Croatina und Cabernet Sauvignon. Diese brauchen Sauerstoff aus dem Ausbau im Holzfaß, um ihre kernige Gerbstoffpräsenz durch Polymerisation harmonisieren zu können.
Es entstehen überaus eigenständige Weincharaktere, die den üblichen Vorstellungen italienischer Weine selbstbewußt regionale Eigenart gegenüberstellen und so Italiens faszinierende Vielfalt zelebrieren.
Handlese ist auch bei Lusentis zwingende Voraussetzung für gesundes Lesegut in der Kelter.
Mutter und Töchter Lusenti jagen keinen modischen Trends hinterher. Sie verarbeiten ihre Trauben maximal schonend mit Respekt, um ihren Weinen bewußt »altmodischen« Charakter zu vermitteln, den sie mit dem Wissen der Naturwissenschaften in Weine integrieren, die so authentisch wie möglich die Traditionen ihrer Herkunft widerspiegeln.
Biodiversität ist das große Schlagwort unter engagierten Winzerinnen und Winzern in aller Welt. Dabei geht es vor allem um das Wasserspeichervermögen der Böden, also um Photosyntheseleistung durch Begrünung und deren Pilzkulturen im Boden. Es geht aber auch um maximale Vielfalt an biologischem Leben über der Erde. Deshalb pflanzen auch Lusentis in Zusammenarbeit mit Biologen um und in ihre Parzellen zur Auflockerung der Monokultur Hecken und Büsche. Die Auswirkungen auf den Pflanzenschutz vor allem in Sachen Pilzbefall sind meßbar positiv.
Tochter Martina träumt gerne, wie sie sagt. So träumt sie davon, eines Tages eine Landwirtschaft betreiben zu können, die auf einer sich gegenseitig stützenden Biodiversität basiert. Dazu will sie nicht nur Weinberge bewirtschaften, sondern auch Olivenbäume, will Beerenobst anbauen und die Käseherstellung aus der Milch ihrer Ziegen einbeziehen, die als Unkrautvernichter und natürliche Düngung in ihren Parzellen leben. Sie hofft damit die Abhängigkeit von nur einer Kulturpflanze zu verringern und so eine sehr viel buntere und vielfältigere lokale Biodiversität aufbauen zu können.
2023 beschließen Mutter Lodovica und Tochter Martina, das Sortiment aufzuteilen in zwei Linien, die unterschiedlich und getrennt sind, aber nebeneinander existieren, weil sie miteinander verbunden sind. Martina bezeichnet ihre Linie als »experimentell«. Sie spiegelt ihre persönliche Interpretation von Wein wider: zeitgemäß, zugänglich, witzig und maximal natürlich, trotzdem aber präzise und reintönig. Die Linie der Mutter nennt sie traditioneller, weiser und besinnlicher – elegant gekleidete Weine, die in Stil und Charakter an die Wurzeln der Familie anknüpfen.
Die Weine der Lusenti-Damen haben abseits üblicher Italo-Klischees viel zu bieten:
Mutter Lusentis großer Pinot Noir-Spumante kommt in limitierter Auflage als »Metodo Classico« auf den Markt, mit einer Reifezeit auf der Hefe von mindestens 48 Monaten, »Brut Nature«, also ohne Dosage. Obwohl kaum bekannt, einer der besten Schaumweinen des Landes.
Martinas hinreißend süffige Naturschäumer »Ciaomare« (Rosé) und »Mare d´inferno« (Rot) aus der Barbera-Traube haben sich nicht nur wegen ihrer frechen Etiketten zu absoluten Rennern entwickelt. Ihre legendäre Malvasia »Emiliana« sur lie, ohne Zusatz von Sulfiten und naturtrüb auf der Hefe belassen, hat sich zum Türöffner weit über die Naturweinszene hinaus entwickelt
Nicht vergessen werden sollte auch der Süßwein »Il Piriolo«, den Mutter Lodovica aus der aromatischen Malvasia di Candia per »Passito«-Verfahren gewinnt. Weil betörend frisch im Trunk, aber auch enorm potent in Dichte, Feinheit und Delikatesse, zählt er zu den großen Süßweinen des Landes.
Lusenti
Inhalt: 0.75 l (23,87 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (23,87 €* / 1 l)
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Inhalt: 0.75 l (26,53 €* / 1 l)
Inhalt: 0.75 l (43,87 €* / 1 l)
Inhalt: 0.5 l (69,80 €* / 1 l)