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Az. Agr. Lusenti

Lodovica, Martina & Susanna Lusenti

Pures Vergnügen sind die Weine der drei Lusenti-Damen. Mutter und Töchter produzieren charaktervolle Stillweine und hinreißend lebensfrohe Schaumweine aus lokalen Rebsorten, die italienischer kaum sein können. Ein Muß, wenn es um Italien geht, weil allemal interessanter als die Klischees der großen Namen aus berühmt gemachten Regionen. Lusentis machen authentische Regionalität erlebbar.

Region: Piacenza | Emilia-Romagna

Bewirtschaftung: Biologisch zertifiziert

Betriebsgröße: 22 ha

Boden: Lehm und Kalk

Rebsorten: Malvasia di Candia Aromatica, Ortrugo, Chardonnay, Barbera, Croatina, Cabernet Sauvignon, Pinot Nero 

Italien steht für weit mehr als nur für Barolo, Chianti und die immer gleichen Maremma-Größen - von Lugana und Primitivo ganz zu schweigen. Man könnte hier, wenn man nur wollte, eine geradezu spektakuläre Vielfalt an Rebsorten und Weincharakteren entdecken, die ihresgleichen sucht auf der Welt. Die Frage, warum trotzdem nur die immer gleichen Regionen, Rebsorten und Weine Interesse finden, können Neurobiologen unbequem beantworten.

Als das Weingut »Lusenti Vini« Anfang der 1960er Jahre in den Colli Piacentini in der Emilia-Romagna nahe der Grenze zur Lombardei (auch das Piemont ist nicht weit) gegründet wird, liegt Italiens Weinszene im Tiefschlaf. Viel mehr als bäuerlich rustikale Weine, die ausschließlich in ihren Regionen konsumiert werden, gibt es kaum. Damals steht Italien für riesige Mengen an Lambrusco, Frascati, Soave und Chianti in Bastflaschen, also für unterstes Qualitätsniveau. Das erklärt, warum Italiens andere Weine bis in die 1980er Jahre hinein außerhalb der Landesgrenzen kaum der Rede wert sind.  

Dabei sind Weinreben im ganzen Land fester Bestandteil aller Landschaften und Regionen. Deren Wein wird aber fast ausnahmslos lokal zum Essen getrunken, qualitative Anstrengungen sind eher die Ausnahme als die Regel. 

Vor diesem Hintergrund gründet Gaetano Lusenti, den seine Freunde Nino nennen, den eigenen Weinbau mit kaum vorhandenen Erwartungen, aber großer Hoffnung. Für ihn steht Wein für Geselligkeit, die Fremde am Tisch zusammenbringt. Langsam baut er seinen Betrieb auf, verkauft die Trauben aber an die örtliche Genossenschaft. Seine Leidenschaft steckt er in den Weinbau und seine Reben, die Kellerwirtschaft interessiert ihn kaum. Seine Leidenschaft gibt er weiter an seine jüngste Tochter Lodovica. Sie verbringt ihre Kindheit und Jugend in den Weinbergen. Irgendwann beginnt sie aber mit ersten Experimenten in der Weinbereitung, die sie prompt so interessant findet, daß sie ihre ersten eigenen Weine zu produzieren beginnt. Sie tritt einmal mehr in die Fußstapfen des Vaters, als sie an sich entdeckt, daß sie mit der modernen Kellerwirtschaft und deren zahlreichen Manipulationsmöglichkeiten nichts zu tun haben will. Sie versucht stattdessen den Charakter der ursprünglichen Rebsorten ihrer Region möglichst unberührt von geschmacklicher Beeinflussung auf Flasche zu bringen - und ist damit ihrer Zeit weit voraus. 

Lodovica ist Mutter zweier Töchter, die beide im Betrieb mitarbeiten. Als vorausschauende, engagierte Winzerin hat sie den vom Vater übernommenen kleinen Betrieb zur lokalen Größe entwickelt, wobei sie ihre Berufung wie folgt beschreibt: »Für mich ist Weinbau eine Form des künstlerischen Ausdrucks. Eine Form der Rebellion. Eine Form der Freiheit, die meine Vorstellungen eines Lebens mit der Natur in meinen Weinen einzufangen versucht.«  

Unterstützt wird sie dabei von ihren Töchtern Martina und Susanna. Martina ist kreativ, sprüht vor Ideen, agiert am Puls der Zeit und teilt die Lebens- und Qualitätsphilosophie ihrer Mutter, für die sie kämpft. Sie vertritt das Weingut auf Messen und läßt nichts unversucht, um ihre Weine aus dem Schatten der Ignoranz des weltweiten Handels zu rücken. Ihre Schwester Susanna hat sich noch nicht für die Welt des Weines entschieden. »Ich bin wie eine Flasche ohne Etikett«, meint sie und läßt damit offen, die Geschichte des Familienbetriebs auch für sich fortzuschreiben.

Es ist eine bukolische Landschaft, in der Essen und Trinken die Gesellschaft zusammenhalten. Die Emilia-Romagna ist bekannt für ihre Küche, ihre Gastronomie und ihre Gastfreundschaft. Der Wein ist hier noch täglicher Essensbegleiter. Kein modisches Hochleistungs-Genussprodukt, sondern Lebensmittel, das bezahlbar sein soll und muß. Deswegen wird hier viel produziert. Nicht Qualität steht hier im Vordergrund, sondern Menge. Die Erträge sind entsprechend hoch, der Chemieeinsatz leider auch. 

Es war Lodovica Lusenti, die 2011 als eine der ersten in der Emilia Romagna auf biologische Bewirtschaftung umstellte. Seit 2014 ist ihr Betrieb zertifiziert. Ihre Reben erstrecken sich auf 22 Hektar über die Hügel des Val Tidone, das westlich von Piacenza liegt. Sie sind zwischen 12 und 80 Jahre alt, 

die Trauben der älteren Weinberge keltern die Lusenti-Damen zu aufregend regional geprägten Stillweinen. Synthetische Düngemittel und chemische Pestizide gibt es bei Lusentis seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Die vorwiegend lehmigen Böden werden mit Gründüngung bewirtschaftet, eine Ziegenherde sorgt für biologische Diversität und zur Schädlingsbekämpfung setzen die Lusenti-Damen auf Schwefel und Kupfer, die sie Jahr für Jahr durch weinbauliche Maßnahmen zu reduzieren versuchen.

In ihrem Val Tidone werden seit dem 19. Jahrhundert originelle Schaumweine aus den lokalen autochthonen Rebsorten produziert. Sie spielen zwar im internationalen Weinhandel keine Rolle, werden links liegen gelassen, stehen aber für vom Volk getrunkene Weine mehr als jeder Barolo oder Chianti für Italien.

Die Lusenti-Damen widmen ihre Arbeit dem Ziel, hier wieder hochwertige und langlebige Schaumweine mit authentisch regionalem Charakter zu produzieren. Dazu setzen sie auf biologischen Anbau und im Keller auf traditionelle wie auf moderne Low-Intervention-Weinbereitungstechniken. 

Mutter Lodovicas Spezialität sind hinreißend hochwertige Spumante mit ungewöhnlich langer Reifezeit auf der Hefe (mindestens 24 bis zu 50 Monaten und mehr!), während sich Tochter Martina den modernen unfiltrierten PetNats widmet, die sie »sur lie«, also naturtrüb, in den Handel bringt. Mit ihrer legendären, feinperlig schäumenden Malvasia »Emiliana« hat sie unter eigener frecher Ausstattungslinie ihren Betrieb weit über die Grenzen der Emilia hinaus bekannt gemacht.

Die Produktion so origineller wie hochwertiger Schaumweine gewinnt bei den Lusenti-Damen zunehmend die Oberhand. Deren Grundweine werden meist in Edelstahltanks vergoren. 

Doch auch alle anderen Gefässe, in denen man Trauben vergären kann, interessieren Mutter und Tochter Lusenti für ihre Stillweine, und so experimentieren sie mit Amphoren, Betontanks und Holzfässern unterschiedlicher Größe.

Lusentis keltern ihre Rotweine aus dickschaligen Rebsorten wie Barbera, Croatina und Cabernet Sauvignon. Diese brauchen Sauerstoff aus dem Ausbau im Holzfaß, um ihre kernige Gerbstoffpräsenz durch Polymerisation harmonisieren zu können.

Es entstehen überaus eigenständige Weincharaktere, die den üblichen Vorstellungen italienischer Weine selbstbewußt regionale Eigenart gegenüberstellen und so Italiens faszinierende Vielfalt zelebrieren.

Handlese ist auch bei Lusentis zwingende Voraussetzung für gesundes Lesegut in der Kelter. 

Mutter und Töchter Lusenti jagen keinen modischen Trends hinterher. Sie verarbeiten ihre Trauben maximal schonend mit Respekt, um ihren Weinen bewußt »altmodischen« Charakter zu vermitteln, den sie mit dem Wissen der Naturwissenschaften in Weine integrieren, die so authentisch wie möglich die Traditionen ihrer Herkunft widerspiegeln. 

Biodiversität ist das große Schlagwort unter engagierten Winzerinnen und Winzern in aller Welt. Dabei geht es vor allem um das Wasserspeichervermögen der Böden, also um Photosyntheseleistung durch Begrünung und deren Pilzkulturen im Boden. Es geht aber auch um maximale Vielfalt an biologischem Leben über der Erde. Deshalb pflanzen auch Lusentis in Zusammenarbeit mit Biologen um und in ihre Parzellen zur Auflockerung der Monokultur Hecken und Büsche. Die Auswirkungen auf den Pflanzenschutz vor allem in Sachen Pilzbefall sind meßbar positiv.

Tochter Martina träumt gerne, wie sie sagt. So träumt sie davon, eines Tages eine Landwirtschaft betreiben zu können, die auf einer sich gegenseitig stützenden Biodiversität basiert. Dazu will sie nicht nur Weinberge bewirtschaften, sondern auch Olivenbäume, will Beerenobst anbauen und die Käseherstellung aus der Milch ihrer Ziegen einbeziehen, die als Unkrautvernichter und natürliche Düngung in ihren Parzellen leben. Sie hofft damit die Abhängigkeit von nur einer Kulturpflanze zu verringern und so eine sehr viel buntere und vielfältigere lokale Biodiversität aufbauen zu können.

2023 beschließen Mutter Lodovica und Tochter Martina, das Sortiment aufzuteilen in zwei Linien, die unterschiedlich und getrennt sind, aber nebeneinander existieren, weil sie miteinander verbunden sind. Martina bezeichnet ihre Linie als »experimentell«. Sie spiegelt ihre persönliche Interpretation von Wein wider: zeitgemäß, zugänglich, witzig und maximal natürlich, trotzdem aber präzise und reintönig. Die Linie der Mutter nennt sie traditioneller, weiser und besinnlicher – elegant gekleidete Weine, die in Stil und Charakter an die Wurzeln der Familie anknüpfen.

Die Weine der Lusenti-Damen haben abseits üblicher Italo-Klischees viel zu bieten:

Mutter Lusentis großer Pinot Noir-Spumante kommt in limitierter Auflage als »Metodo Classico« auf den Markt, mit einer Reifezeit auf der Hefe von mindestens 48 Monaten, »Brut Nature«, also ohne Dosage. Obwohl kaum bekannt, einer der besten Schaumweinen des Landes.

Martinas hinreißend süffige Naturschäumer »Ciaomare« (Rosé) und »Mare d´inferno« (Rot) aus der Barbera-Traube haben sich nicht nur wegen ihrer frechen Etiketten zu absoluten Rennern entwickelt. Ihre legendäre Malvasia »Emiliana« sur lie, ohne Zusatz von Sulfiten und naturtrüb auf der Hefe belassen, hat sich zum Türöffner weit über die Naturweinszene hinaus entwickelt

Nicht vergessen werden sollte auch der Süßwein »Il Piriolo«, den Mutter Lodovica aus der aromatischen Malvasia di Candia per »Passito«-Verfahren gewinnt. Weil betörend frisch im Trunk, aber auch enorm potent in Dichte, Feinheit und Delikatesse, zählt er zu den großen Süßweinen des Landes. 

Mutter und Tochter:  »Gegen den Strom zu schwimmen ist eine Gabe unserer Familie, auch ich bin davon als Tochter meiner Mutter befallen. Als ich anfing, am Unternehmensprojekt mitzuarbeiten, hatte ich einige Ideen dazu. Die Wiederentdeckung dessen, was »aufgegeben« wurde, hat mich schon immer fasziniert. Warum also nicht auf Weinberge setzen, die als alt gelten? Warum nicht Amphoren verwenden? Warum nicht auf mehr flaschenvergorene Weine setzen? Warum nicht Etiketten anders gestalten? Es gibt viele Ziele, die wir erreichen wollen, und viele Wege, aus denen wir wählen können. Wir hoffen, die Erfahrungen der Vergangenheit mit den Träumen der Gegenwart verbinden zu können, um gemeinsam Weine mit Zukunft zu schaffen. Schließlich schwimmen wir Lusenti-Frauen gerne gegen den Strom«.

Lusenti Vini | Loc. Casa Piccioni 57 | I-29010 Ziano Piacentino PC | Erstinverkehrbringer: Gebr. Kössler & Ulbricht GmbH & Co KG

Lusenti

Inhalt: 0.75 l (23,87 €* / 1 l)

17,90 €*

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