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Domaine Guilhem & Jean-Hugues Goisot

Jean-Hugues, Marie & Guilhem Goisot

Es gibt nicht viele Weingüter, die den Charakter der Herkunft ihrer Weine so kompromißlos, gekonnt und überzeugend zu zelebrieren verstehen, wie dieses. Und das auf so bescheidene Weise, daß der Prunk, der Protz und die Arroganz so vieler anderer Betriebe in Burgund erst so richtig bewußt werden. Goisots wirken scheu und zurückhaltend, dabei gehören ihre Weine zu den absoluten Sternen Burgunds. Hier zu erleben (leider immer schnell ausverkauft).

Region: Bourgogne Côtes d´Auxerre

Bewirtschaftung: Biodynamisch Demeter®

Boden: Lehm/Muschelkalk (Kimmeridgien)

Rebsorte: Aligoté, Chardonnay, Pinot Noir

Betriebsgröße: 30 ha

Die Domaine Goisot - ein verborgener Schatz im Hinterland Burgunds. Über Burgund wird viel geschrieben und noch mehr gesprochen: Burgund ist, zumindest in bestimmten Kreisen, in aller Munde, denn wer im Wein-Business was sein will, der spricht über Burgund und seine Weine. Dabei ist die Region in ihren vielen Appellationen und Herkünften zwischen Macon und Chablis nur schwer durchschaubar. Vermutlich schmückt alleine deshalb schon die Erwähnung des Namens »Burgund« den Insider. Kriterien für das, was man dort ins Glas bekommt, werden allerdings so wenig erwähnt, wie die für Chardonnay und Pinot Noir so stilbestimmenden unterschiedlichen Weinbereitungsmethoden Berücksichtigung finden. Auch die omnipräsenten Spuren der modernen Agrarchemie in den »traditionell« bewirtschafteten Weinbergen und der enorme Kaliumüberschuss in den Böden durch die Kunstdünger-Orgien der Vergangenheit sind so wenig Thema wie die Chaptalisierung und die Auf- oder Entsäuerung von Most und Wein, die hier systematisch betrieben werden. Da wirft das Konzept der Lagenklassifikation, das in Burgund so hochgehalten wird wie die Preise, zumindest bei uns Fragen auf.  

Eine Antwort darauf finden wir in Saint Bris le Vineux, einer kleinen Gemeinde im äußersten Westen Burgunds. Dort produziert Familie Goisot in aller Stille und Bescheidenheit Weine, die eines der bestgehüteten Geheimnisse Burgunds sind. Ihre Reben stehen dort in der abgeschiedenen Côtes d´Auxerre, die nur Kundigen bekannt sein dürfte. Chablis ist nur 17 Kilometer entfernt und nach Paris sind es nur zwei Autostunden. Goisots können ihre familiären Wurzeln hier bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. In den eindrucksvollen Gewölbekellern aus dem 11. bis 13 Jahrhundert reifen heute ihre Burgunder. Weil diese auf Augenhöhe mit den weltbekannten Lagen Burgunds agieren, aber nur einen Bruchteil kosten, haben sie dem engagierten Familienbetrieb in Frankreichs Weinszene Kultstatus beschert. Seitdem kann man die Weine nicht mehr einfach kaufen, sie werden zugeteilt.

»Exogyra Virgula« heißt die große Muschel aus den Erdzeitaltern des Jura und der Kreidezeit, die hier, wie im benachbarten Chablis, Böden und Charakter der Weine unmißverständlich prägt. Kalkablagerungen in lehmig marinem Sediment. Die Rebsorten Burgunds - Chardonnay, Aligotè und Pinot Noir – stehen auch in Saint Bris. Einzigartig in Burgund wird hier aber traditionell auch Sauvignon Blanc angebaut, der in »Saint Bris« allerdings zu völlig eigenständiger Stilistik findet, die man 2001 auf Betreiben Jean-Hugues Goisots mit der Deklaration der eigenen Appellation würdigte. 

Goisots Weine erfüllen den Begriff des »Terroirs« im Dreiklang von Mensch, Boden und Klima mit Leben. Eindrucksvoll machen sie ihre steinigen Kalkböden unterschiedlicher Erdzeitalter im unverwechselbaren Herkunftscharakter ihrer Weine nachvollziehbar. Dazu haben sie den Einfluß der Weinbereitung so reduziert, daß er kaum spürbar ist. Der Ausbau ihrer großen Weine im Holzfaß ist nur über deren langes Hefelager erahnbar. Niedrige Erträge sorgen für dichte Substanz im Mundgefühl, pikant würzige Mineralität klingt in vertikaler Tiefgründigkeit aus, der karge Kalkboden dominiert in Goisots Weißweinen über den Charakter der Rebsorte. Herkunft pur in nachvollziehbarer Expressivität und Qualität, die so in Burgund nicht viele beherrschen.

1979 übernehmen Ghislaine und Jean-Hugues Goisot den Betrieb von seinem Vater. Aus Respekt vor dem ererbten Land stellen sie auf biologischen Landbau um, den es damals offiziell noch gar nicht gibt. Sie gehören damit neben der Domaine Guillot-Broux im Maconnais zu den ersten in Europa, die alternativen Landbau praktisch betreiben. 

Seit 2001 sind Goisots 30 Hektar Reben in den Gemeinden Saint-Bris, Irancy und Chablis offiziell organisch zertifiziert und noch immer tourt Vater Jean-Hugues als Berater durch das Land, um Winzerkollegen für den klima- und bodenschonenden Anbau zu gewinnen. Seit 2005 leitet Sohn Guilhem zusammen mit seiner Frau Marie (Bild oben) den Betrieb, der biodynamisch durch Demeter® zertifiziert ist.

Ihren unverwechselbaren Charakter verdanken die Weine nicht nur spontaner Gärung, viel Zeit auf der Hefe, dem Verzicht auf geschmacksverändernde Zusatzstoffe und minimaler Schwefelung, sondern vor allem auch der biodynamischen Bewirtschaftung draußen in den Weinbergen, die Goisots frei von Ideologie und Esoterik betreiben. 

In den letzten 30 Jahre pflanzten sie Neuanlagen in der Dichte von 10.000 Reben pro Hektar. Dadurch entstehen nur kleine Beeren, deren Aromatik aber komplex ausfällt. Ihre Weine wirken deshalb im Mundgefühl kompakt und fast samtig dicht, durch die tiefere Wurzelbildung geschmacklich spürbar mineralisch würzig und salzig geprägt. »Frucht« im herkömmlichen Sinne können so karge Böden wie im Bild nicht hervorbringen. Sie stehen für geschmacklich anspruchsvolle Mundgefühle voller Würze und »steinig« straffer Haptik.

Selbst in den trockenen, heißen letzten Jahren litten Goisots Reben nicht unter Stress und die spontanen Gärungen liefen reibungslos durch, was auf entsprechend gute Nährstoffversorgung der Beeren durch die kargen, aber lebendigen Böden schließen läßt. Je nach Jahrgang und Klimaverlauf bearbeiten Goisots ihre Dauerbegrünung und zum Pflanzenschutz kommen ausschließlich Gesteinspulver, Schwefel, Backpulver und Pflanzentees zum Einsatz. Synthetischen Dünger hat es bei Goisots noch nie gegeben. 

Großen Wert legen sie zudem auf entsprechende Selektionen für maximale genetische Vielfalt in ihren Rebgärten. Bislang blieben sie so weitgehend von den Herausforderungen der Klimakrise verschont. Bis heute sind ihre Böden frei von Virosen und ihre Beeren gesund, sie widerstanden den Attacken der Kirschessigfliege in den letzten Jahren erfolgreich. Der Unterschied ihrer Böden zu denen der Nachbarn ist allerdings schockierend. Da trifft der Weinbau von gestern auf den von morgen.

Im Keller setzt Guilhem auf Lassen statt Machen: Keine Schönungen, keine Stabilisierungen, keine Säurekorrekturen, keine Aufzuckerung. Für ihn liegt das Geheimnis seiner Weine im richtig gewählten Lesezeitpunkt. Für ihn arbeitet er das ganze Jahr hindurch, um Trauben mit niedrigem pH-Wert, aber perfekter aromatischer Reife ernten zu können. Dazu ist Handlese Voraussetzung, denn Guilhem akzeptiert keine Trauben in der Kelter, die ihm nicht gefallen. Seine Moste vergärt er spontan auf dem natürlichen, nicht sedimentierten Trub, der aus der Kelter läuft. 

Je nach Boden und Alter der Reben in seinen diversen Parzellen entscheidet er, ob deren Trauben in Tanks oder in Fässern zu Wein werden dürfen. Guilhem achtet dabei ungewöhnlich penibel auf die Qualität der Fässer, denn man soll in seinen Weinen nicht die Weinbereitung im Holzfass schmecken, sondern den natürlich reduktiven Einfluss der Hefen auf Mundgefühl und Geschmack. Je nach Jahrgang und Charakter seiner Weiß- und Rotweine werden diese erst nach neun bis achtzehn Monaten Reife auf der Feinhefe abgefüllt. Professionelle Naturweine im besten Sinne des Wortes.

Guter Wein ist Handarbeit. Draußen in den Reben, im Keller, bei der Ernte. Hier werden die Beeren für die Rotweine penibel am Rüttelband ausgelesen. Nur aus kerngesunden, einwandfreien Beeren lassen sich fehlerfreie Naturweine keltern, die mit sinnvoll minimaler Schwefeldosis auskommen. Ganz ohne geht es nicht.

Für seine Weißweine lehnt Guilhem Goisot die im Naturwein häufig praktizierten Maischestandzeiten ab. Durch den präzise bestimmten Lesezeitpunkt besitzen sie niedrige pH-Werte und durch die niedrigen Erträge der biodynamischen Bewirtschaftung sind sie so mineralisch und phenolisch dicht gepackt, daß sie weiteren Oxidationsschutz und zusätzliche Gerbstoffe nicht benötigen.

So entstehen hier atemberaubend reintönige, rassig präzise, radikal kompromißlose Weine einer Komplexität, die weder Frucht noch Restsüße, weder Opulenz noch Überreife im Mundgefühl zuläßt. Knochentrocken sind sie im Trunk. Ihre steinig straffe Würze und die Salzigkeit ihres kalkig-lehmigen Bodens dominieren über den Charakter ihrer Rebsorten. In feinstrukturierten, strahlend mineralischen Weißweinen und den elegant strukturierten, lebendigen Rotweinen spiegeln Goisots Weine eine Vision wider: sie sollen berühren, sollen zu Gedanken anregen und die Geschichte ihrer Herkunft und ihres Jahrgangs erzählen können. Goisots Weine sind auf ihre Weise eigensinnig groß und in ihrer Eigenart und Persönlichkeit, auch im weiten Kontext Burgunds, durchaus eine Klasse für sich. (Im Oktober 2026 importieren wir neue Jahrgänge von Goisots).

Der Irancy aus unserem Newsletter ist leider schon ausverkauft!

Domaine Goisot | 30 rue Bienvenu Martin | F-89530 Saint-Bris-le-Vineux | Erstinverkehrbringer: Gebr. Kössler & Ulbricht GmbH & CoKG

Goisot

Inhalt: 0.75 l (37,33 €* / 1 l)

28,00 €*
2023

Chablis »Faucertaine«

Domaine Goisot

Inhalt: 0.75 l (37,33 €* / 1 l)

28,00 €*