Reben auf schwarzer Lava-Asche. Der jüngste Boden im Weinbau. Locker sandige Morphologie, wasserdurchlässig, kaum organische Masse, aber extrem mineralstoffreich. Reben brauchen Mineralstoffe, um Trauben bilden und ernähren zu können, deren Moste von allein, ohne weitere Zusatzstoffe, die natürlich wilde Gärung bis zum trockenen Wein absolvieren.
Im Lavasand finden die Reben ideale Lebens- und Wachstumsbedingungen. Regenwasser versickert schnell, wird in den Poren der Aschepartikel (Tephra) aber gespeichert, was man sich wie einen Badeschwamm vorstellen kann. Wie auf vielen vulkanischen Inseln baut man auch am Ätna die Reben in der uralten, traditionellen Einzelstockerziehung an, dem sogenannten »Alberello«. Man zieht sie dabei an Holzpfählen hoch, unter denen von Hand eine Kuhle in den Sand geformt wird, die den nächtlichen Tau auffängt. Das reicht der Rebe. Im glutheißen Sommer verdorrt das Grün zwischen den Reben, im Winter beginnt es zu grünen, im Frühling blüht es zwischen den Reben in rarer Pracht.
Der Ätna ist nicht weit und so regnet es immer wieder nach größeren Ausbrüchen fruchtbare Asche auf die Umgebung. Er ist immerhin Europas mächtigster Vulkan. Und einer der aktivsten der Welt. Mit einer Höhe von +/- 3357 Metern dominiert er weithin sichtbar die Ostküste Siziliens. Immer wieder trägt sich an seinen Flanken Dramatisches zu: Erdbeben erschüttern die Region, Aschewolken verdunkeln den Himmel und Lavaströme zerstören Häuser hoch oben an einer seiner Flanken.
Der Ätna in seiner heutigen Gestalt entstand erst vor gut 3000 Jahren. Damals waren die Ausbrüche des Vulkans gewalttätiger, als sie es heute sind und beeinflussten mehr als einmal das Geschick der Menschen. Damals begannen griechische Pioniere Sizilien zu besiedeln. Die frisch gegründete Stadt Catania wurde mehrmals durch heftige Vulkanausbrüche zerstört. Bis heute verändert der Ätna so sein Erscheinungsbild mit jedem grossen Ausbruch.
Es ist die besondere Lage zwischen dem heutigen Catania und dem Gipfelkrater des Ätna, die Ciro Biondis Weine auf ihre ganz eigene Art prägt. Hier der Blick auf einen kleineren Ausbruch im Hintergrund aus einer seiner Lagen, deren üppige Blütenpracht und Biodiversität zwischen den Reben auf die Fruchtbarkeit der Böden verweist. Der Ätna wirkt hier weit entfernt, doch während grösserer Ausbrüche verdunkelt sich hier der Himmel und dicke Schichten an Asche und Auswurf bedecken Flora und Fauna.
Handarbeit
Die vielen kleinen Terrassen, der lockere Boden, die hohe Pflanzungsdichte und die spezielle Einzelstockerziehung der Reben (Alberello), machen aufwendige Handarbeit nötig. Hier wird z. B. im späten Frühjahr das Blattwerk ausgedünnt und die langen Triebe nach oben gezogen. Das macht die Weine vom Ätna, im Zusammenspiel mit den niedrigen Erträgen, teurer als andere aus Sizilien.
Nur das Nötigste
Ciro Biondi investiert Arbeit und Geld in seine Reben. Im Keller findet nur das Nötigste statt. Die Traubenannahme und Verarbeitung findet fast unter freiem Himmel statt, wie oben im Bild zu sehen. Von hier aus werden die gewonnenen Moste entweder in die großen Gärtanks aus Edelstahl gepumpt oder sie gären im Keller nebenan in gebrauchten Holzfässern unterschiedlicher Größe. Keep it simple.
Nerello mascalese
Nach dem Nero d’Avola ist sie die am häufigsten angebaute rote Rebsorte Siziliens. Sie reift spät aus, oft erst im Oktober oder je nach Lage auch erst im November. Sie besitzt große Beeren mit dünner, aber fester Schale, die aber kaum Farbpigmente enthält. Ihr Rotwein ist spröde und tanninreich, reift ausgezeichnet über Jahrzehnte und erinnert verblüffend an die großen Rotweine des Piemont.
Auf Sizilien heißen die Einzellagen »Contrada«. Hier ein eindrucksvoller Drohnenflug über die »Contrada Ronzini«, die auf 640 m Höhe beginnt und sich bis auf 700 m Höhe am oberen Rand des Kraters hinaufzieht. Hier entstehen die Weißweine »Chianta« und »Pianta« aus den Rebsorten Carricante, Cataratto und Minnella, hier stehen aber auch rote Nerello Mascalese-Reben für den Rotwein »Outis«. Die Lage ist nach Osten ausgerichtet und besteht aus vulkanischem Bims.
Die Contrada »Cisterna Fuori« liefert den gleichnamigen Rotwein. Hier stehen die roten Rebsorten Nerello Mascalese und Nerello Cappuccio in Ostlage auf rotem vulkanischem Bimsstein, der hier aber sehr viel kompakter ist und einen gewissen Anteil an organischer Masse, also Humus, enthält. Die Lage zieht sich ebenfalls auf bis zu 700 m über dem Meer an einem sehr viel älteren, bereits weiter erodierten Kraterrand hinauf.
Ein Drohnenflug über die alte Lage »San Nicolò«, die den gleichnamigen Rotwein hervorbringt. Die alten Nerello Mascalese- und Nerello Cappuccio-Reben sind hier noch wurzelecht, also nicht auf die in Europa vorgeschriebene, reblausresistente amerikanische Unterlage gepfropft. Die Rebstöcke sind dicht gepflanzt (1 x 1 m), und stehen in Süd-Ost-Ausrichtung auf 650 m Höhe auf rotem Bimsstein, der hier aber leicht, sandig und locker in der Morphologie ausfällt.
Biondi (Ciro)
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