SZ vom 18. Mai | Martin Kössler zum Thema Naturwein.

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Lagares

Lagares haben in Portugal uralte Tradition. Lagares nennt man in Portugal jene großen, flachen Vergärungsbecken aus Granit, Beton oder neuerdings auch aus Edelstahl, in denen die Trauben samt Stiel und Stengel behutsam mit den Füßen eingemaischt ("getroddelt") werden. Nach wenigen Tagen der Mazeration in den flachen Gärbecken werden sie für die weitere Gärung und den anschließenden Ausbau in Holzfässer umgefüllt. Die Mazeration der Beerenschalen in den Lagares erfolgt sehr schonend, weil die Fußballen die Bitterkeit verursachenden Zellen der Beerenhäute, Stiele und Rappen nicht zerstören. Die traditionelle Lagares-Kelterung bedingt, auch ob des enormen Sauerstoffkontaktes durch die große Oberfläche, eine sehr spezifische, samtig fruchtbetonte Gerbstoffstruktur der Rotweine, die sie identifizierbar macht ob ihrer dichten Samtigkeit und ihrer massiven, aber durch die Verwendung der Stiele und Rappen auch frisch wirkenden Präsenz. Waren portugiesische Rotweine früher durch unsachgemäße Lagares-Kelterung hart, grün und kantig, präsentieren sich die großen Rotweine Portugals heute als charaktervolle Bereicherung der Weinwelt.