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Bewässerung

Die Bewässerung von Weinbergen ist ein heikles, heftig umstrittenes Thema.
Die meisten Rebanlagen Australiens und viele amerikanische, nahezu alle chilenischen und argentinischen Weinberge sind bewässert bzw. müssen bewässert werden um überhaupt am Leben erhalten zu werden. Länder wie Deutschland und Frankreich sind sehr viel restriktiver, weil traditionell qualitätsorientierter. Zu recht, denn Art, Dauer, Ausmaß und Zeitfenster der Bewässerung sind kaum zu kontrollieren.
Die EU erlaubt ihren Mitgliedstaaten "zur Erzieiung optimaler Qualität von Qualitätsweinen eigene Regelungen zu treffen. Eine Bewässerung von Rebflächen ist grundsätzlich auf die Steigerung der Qualität auszurichten und nur möglich, wenn die Umweltbedingungen dies rechtfertigen". Eine dieser typischen, wachsweichen europäischen Regelungen.
Natürlich kann man in heißen Jahrgängen wie 2003 oder für den Weinbau eigentlich zu heißen Regionen durch Bewässerung Trockenschäden der Reben vermeiden, die zu unangenehmen Bitternoten im Wein führen; man kann im Weinberg zu niedrigen Säuren, die durch Aufsäuerung wieder behoben werden müßten, gegensteuern; man erreicht durch Bewässerung natürlich niedrigere Alkoholgehalte, weil die Rebphysiologie beeinflusst wird etc. etc.
Doch wer soll die Bewässerung kontrollieren?
In Spanien z. B. wird in einigen Regionen wild bis in die Ernte hinein bewässert, das Ergebnis ist die bekannte Schwemme harmlos fruchtiger, anspruchslos strukturierter Belanglostropfen, die im Weinhandel inzwischen so erfolgreich sind, daß sie seriösen Weinen aus seriösem Weinbau derart nachhaltige Konkurrenz machen, daß viele Winzer, die nicht bewässern (dürfen), ernsthafte Absatzprobleme haben, zumal diese Billigtropfen aus Industrieweinbau zu absoluten Kampfpreisen verramscht werden. Verkehrte Weinwelt, denn hier wird nicht bewässert zur Erzielung optimaler Qualität, hier wird bewässert für optimale Rendite. Die Böden versalzen, Wasser wird vergeudet, Resourcen verschwendet, natürlich gewachsene Märkte zerstört.
Das Thema Bewässerung ist ein komplexes Thema im Wein geworden, das von der Politik trotz völlig sinnloser Milliardensubventionen für den Weinbau kaum beachtet wird.
In Deutschland regelt das Weinrecht die Frage der Bewässerung sinnvoll. Mit Genehmigung der zuständigen Behörde darf hier "auf skelettreichen oder flachgründigen Böden und einer Hangneigung von mindestens 30 % nach dem 1. August eines jeden Jahres beregnet werden. Erzeugnisse aus unzulässigerweise beregneten Anlagen dürfen nicht als Qualitätsweine vermarktet werden." Das ist zwar auch schwierig zu kontrollieren, macht aber Sinn, denn es ist im Ansatz qualitätsorientiert.