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Herbizid »Paraquat«

Es wird viel diskutiert über Glyphosat. Doch Glyphosate sind nicht die einzigen Herbizide, die weltweit eingesetzt werden. Eines, das für viele Todes- und Krankheitsfälle verantwortlich ist, über das aber kaum gesprochen wird, ist »Paraquat«, das weltweit als Kontaktherbizid eingesetzt wird. »Paraquat« wird von dem Schweizer Pharmakonzern »Syngenta« unter dem Handelsnamen Gramoxone® vertrieben.

 

»Paraquat« wird vor allem in feuchtwarmen Klimata gegen breitblättrige Pflanzen und Gräser eingesetzt. Dort wird es sehr schnell durch die Oberfläche der Pflanzen absorbiert. Sein Wirkungsmechanismus zerstört das Photosystem der besprühten Pflanzen, deren Zellmembran wird porös und es kommt zu Wasserverlust, die behandelte Pflanze vertrocknet bei sonnigem Wetter dann innerhalb weniger Stunden.

Weil »Paraquat« nicht die Rinde von Bäumen oder die Schale von Nüssen durchdringt, wird es zur Unkrautbekämpfung in Obst- und Weingärten, aber auch in Kaffee-, Tee-, Kakao- und Ölpalmen-, sowie Nuss- oder Bananenplantagen eingesetzt. Auch in der in Trockengebieten propagierten pfluglosen Bodenbearbeitung leistet es gute Dienste, weil man dort bisher, trotz intensiven Einsatzes, nur wenige Fälle von Unkraut-Resistenzen beobachtete.

 

Wegen seiner enormen Giftigkeit ist »Paraquat« seit langem in der EU und in der Schweiz, sowie in über fünfzig weiteren Nationen, verboten. Weltweit ist es in rund 100 Ländern zugelassen, z. B. in Kanada, Australien, Japan und Neuseeland. In den USA, Südamerika und Indien wird es intensiv verwendet. In China will man es allmählich aus dem Verkehr ziehen. In Südafrika hält man mittels »Paraquat« Brandschneisen frei, um den dort häufigen Wald- und Buschbränden Paroli bieten zu können. Wie Glyphosat, setzt man auch »Paraquat« häufig zum Trocknen von pflanzlichem Material ein. So können dann z. B. Ernterückstände aus dem Getreide- oder Ananas-Anbau besser verbrannt werden . . .

 

»Paraquat« hat zu zahlreichen tödlichen Vergiftungsfällen geführt, weil es früher als rötlich braune, geruchlose Lösung in den Handel kam, die mit Cola- und anderen Mischgetränken verwechselt werden konnte. Weil es häufig auch von Selbstmördern geschluckt wurde, versetzt man es heute mit einer Substanz, die stechenden Geruch freisetzt, sowie mit einem schnell wirkenden Brechmittel.

Die US-Umweltbehörde EPA hat »Paraquat« als möglicherweise krebserregend eingestuft. Kleinbauern in Entwicklungsländern, die Pflanzenschutzmittel oft unsachgemäß lagern und ohne Schutzmaßnahmen anwenden, erlitten durch »Paraquat« zum Teil schwere chronische Erkrankungen.

Ein juristisches Gutachten aus dem Jahr 2011 kommt zu dem Schluss, dass Syngenta mit dem Verkauf des Herbizids in Entwicklungsländern elementare Menschenrechte missachtet. Deshalb beschloss Brasilien im Jahr 2017, das Herbizid mit einer dreijährigen Übergangsfrist zu verbieten.