Nein, Primitivo ist nicht Zinfandel! Primitivo ist mit Zinfandel verwandt, ist aber nicht identisch; beide Rebsorten scheinen immerhin die gleichen Eltern zu haben, wie DNA-Tests 1999 und 2001 bewiesen.
Wie dem auch sei: Zinfandel wie Primitivo sind alte, autochthone rote Rebsorten, die infolge ihres hohen Zuckergehalts meist recht hohen Alkohol (zwischen 13 und 15 Volumenprozent) besitzen. Während sich Zinfandel durch ein charakteristisches, an Zimt, Nelken, schwarzen Pfeffer und dunkle, beerig duftende Waldfrüchte erinnerndes Bukett auszeichnet, verströmt ein guter Primitivo ein eher einfaches, weniger intensives, deutlich weniger fruchtiges, dafür spannend an Leder und Edelhölzer erinnerndes Bukett.
Aufgrund der avancierteren Rebkultur und der schonenderen Weinbereitung in Kalifornien kann ein guter Zinfandel sensationell feine Gerbstoffe aufweisen, die wie kühle Seide die Zunge mit feinster Gerbstoffqualität zu verwöhnen versteht. Dagegen wirkt jeder Primitivo wie ein bäuerlich rustikaler Tropfen, weil weder die Weinbaukultur noch die Weinbereitung in Süditalien den Standard haben, den Kalifornien hier vorlegt. In Kalifornien, wo Zinfandel Kultstoff ist, der gutes Geld bringt, beeinflußt man schon im Weinberg die Qualität der Gerbstoffe durch entsprechende Laubarbeit. In Süditalien hat man von derart subtiler Vitikultur keine Ahnung. Hier produziert man ehrlich deftigen, kraftvollen Primitivo als typischen Regionalwein des Südens, der alkoholreicher, rustikaler und deutlich weniger würzig ausfällt, als das entsprechende Pendant aus Kalifornien. Doch wir wollen den Vergleich der beiden Rebsorten nicht überstrapazieren. Betrachten wir sie lieber als zwei interessante Rebsorten, die sowohl im Weinberg wie im Keller unterschiedlich behandelt werden und deshalb unterschiedlich riechen und schmecken. Nicht besser oder schlechter als die jeweils andere, sondern anders.Mehr erfahren