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Cantine dell`Angelo

Angelo Muto

Er sieht aus wie ein »gentle giant« und ist auch einer. Angelo ist ein sympathisch leise auftretender Winzer. Sein Weingut im Hinterland Kampaniens ist klein und bescheiden. Seine Reben, verteilt auf viele kleine Parzellen, unterscheiden sich signifikant von denen seiner Kollegen: kein Trockenstress, keine Überdüngung, kompetent an die Klimakrise adaptierter Weinbau. Ein Riese seines Metiers.

Region: Avellino | Kampanien

Bewirtschaftung: Biologisch

Boden: schwefelhaltige Kalk- und Tuffböden

Rebsorte: Greco

Betriebsgröße: 7 ha


Kampanien ist die weitgehend unbeachtete Heimat großer Weine des italienischen Südens. Der gilt als arm und wird vom internationalen Weinhandel sträflich vernachlässigt. Man blickt herablassend auf den »armen Süden«.

Würde man sich allerdings dorthin begeben, würde man einen Reichtum an Kultur, Küche, Natur und Landschaft vorfinden, der den »armen« Süden im Vergleich zum zubetonierten und dicht besiedelten Norden Italiens in ganz anderem Licht leuchten läßt. Im hochindustrialisiierten Norden des Landes herrscht die weltweit höchste Luftverschmutzung außerhalb Chinas, weshalb das Virus zu Beginn der Covid-Pandemie in der Lombardei so heftig wie nirgendwo sonst in Europa wüten konnte, und das Veneto ist die erste rote Zone der Welt in Sachen PFAS-Verschmutzung des Trinkwassers, wie eine Studie belegt. 

Auch im Süden Italiens gibt es katastrophale Umweltsünden. Sie sind brutal, aber lokal konzentriert. Insgesamt wirkt die Natur hier noch einigermaßen intakt. Der Süden des Landes ist landwirtschaftlich geprägt ist, die Strukturen sind klein. 

So bewirtschaftet auch die kleine Cantine dell’Angelo von Angelo Muto nur sieben Hektar Reben rund um das Städtchen Tufo. Angelo konnte 1995 mit »Miniere« eine der besten Lagen der Region kaufen, deren Wein er seit 2006 als Riserva abfüllt. Sie brachte ihm 3 Becher im Gambero Rosso - die höchste Bewertung im wichtigsten Weinführer Italiens. Ihre Parzelle gilt aufgrund ihrer Größe, ihres besonderen Bodens und ihrer steilen Lage mitten im Wald als Aushängeschild ihrer Appellation. Sie liegt auf einer ehemaligen Schwefelmine. Ihr Boden besteht aus Lehm, Mergel, Gips und Quarz und enthält Unmengen von kleinen leuchtendgelben Schwefeleinlagerungen, die den Wein unverkennbar aromatisch prägen: Er riecht nach Schwefel, obwohl Angelo ihn als Naturwein nicht zusätzlich schwefelt. »Miniere«, die Mine, macht seinem Name also alle Ehre. Die Lage ist so steil, daß sie nur von Hand zu bearbeiten ist, und sie liegt so günstig, daß Lichteinfall und Luftzirkulation Pflanzenschutz fast obsolet machen.

Hier der Blick auf Angelos höchstliegende Parzelle auf rund 600 m Höhe (übrigens bei 40°C Außentemperatur). Interessant die Topographie der Region: Kleine Parzellen mehr oder weniger steil an den Hängen links und rechts des Tales des Flusses Sabato liegend. Ganze 800 ha, die auf 300 bis 600 m Höhe liegen, umfasst die Appellation DOCG Greco di Tufo. Die Parzelle von Angelo in der Bildmitte unterscheidet sich von denen seiner Nachbarn signifikant. Seine Reben sind dichter gepflanzt und leiden nicht unter Trocken- oder Hitzestress, ihre Blattfarbe ist unten dunkelgrün, während sie nach oben heller wird. Zeichen guter natürlicher Nährstoffversorgung. Er gipfelt seine Reben nicht, sondern bindet deren Triebe in lange Girlanden, um sie nicht zu stressen. Weinbau für natürlich niedrigen Alkohol bei perfekter Traubenreife mit niedrigem pH-Wert, trotz Trockenheit und Hitze. Alle Arbeiten werden von Hand erledigt, die Böden für maximal lebendige Vitalität nur schonend oberflächlich bearbeitet. 

Es ist einer der heißesten Tage des Jahres während einer Hitzewelle, die ganz Europa erfaßt hat, als wir Angelo Muto im Dörfchen Tuffo zwischen Benevento und Avelino besuchen.  Dieses Mal will er uns all seine Parzellen zeigen. Sie liegen weit verteilt in den Hügeln um Tuffo. Wir erreichen sie mit seinem uralten Jeep In steilen Anstiegen und Abfahrten in äußerst unwegsamem Gelände. Wir staunen über atemberaubende Ausblicke und viele kleine Parzellen, die weitläufig und offen angelegt sind und sich harmonisch in die vielfältige Busch- und Waldlandschaft einfügen. 

Angelo beherrscht seinen Weinbau. Seine Reben sehen deutlich anders aus als die seiner Nachbarn. Sie lassen eine Energie verspüren, die auch seinen Wein lebendig und hochenergetisch wirken läßt. Wir sind beeindruckt von der spürbaren Vitalität seiner Reben und Böden und der unberührt natürlichen Biodiversität ihrer Umgebung. Sie haben so gar nichts mit moderner Massenrebhaltung gemein und stehen für das enorme Potential, das im armen Süden Italiens so reichhaltig schlummert.

Im Bild die Parzelle »Miniere«. Sie liegt mitten im Wald an einem steilen Nordwesthang auf einer alten Schwefelmine, die bis vor 30 Jahren noch ausgebeutet wurde. Überall liegen kleine gelbe Schwefelstücke im Boden. Die Bodenbeschaffenheit wechselt zwischen Sand, Kalkstein, Lehm, vulkanischen Ablagerungen und anorganischen Mineralvorkommen; unterschiedlichste Ausrichtungen und Lagen bilden ein facettenreiches und fragmentiertes Mosaik. 

Hier regiert, neben der wenig bekannten weißen Rebsorte »Coda di Volpe«, vor allem der weiße »Greco«, um dessen historische und genetische Abstammung sich viele Märchen ranken. Fest steht, daß sie nach der Reblaus-Katastrophe zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Region um Tufo verstärkt angebaut wurde, weil sie sich als ideal adaptiert an die Bedingungen dort erwiesen hat. Die Rebsorte Greco spielt damit den Vorteil vieler autochthoner lokaler Rebsorten des italienischen Südens aus: Sie erweisen sich als weitgehend immun gegen die Herausforderungen der Klimakrise, sind hitze- und trockenheitsresistent, bei niedrigem Alkohol und pH.  

Angelo Mutos Keller ist klein und zweckmäßig eingerichtet, sein Weingut von außen kaum als solches zu erkennen. Im Süden Italiens geht es bescheidener zu als im Norden des Landes.

Er verarbeitet ausschließlich eigene Trauben, die konsequent von Hand geerntet werden, per Ganztraubenpressung ohne Standzeit in der Presse. Den Most vergärt er unter Temperaturkontrolle spontan in unterschiedlich großen Stahltanks. Nach der Gärung reift der Wein bis zur Füllung ein Jahr auf der Voll- und Feinhefe, ohne Schwefel, ohne Schönung, ohne Filtration.  Angelo Muto ist Mitglied im renommierten Naturweinverband VinNatur®. Er weiß mit Schwefel umzugehen. Dazu steuert er über den biologischen Anbau die Physiologie draußen im Weinberg und damit den pH-Wert seines Mostes, um im Keller auf Schwefelzusatz verzichten zu können. Der erste Schluck offenbart das Potenzial großen Terroirs. Da paßt alles zusammen: Dichte Konzentration im Mundgefühl, frische Säure, perfekt integriert in eine aromatisch gelbe Konsistenz, pikant salzige Länge am Gaumen - großer Weißwein! 

Im Bild die alten Reben von Angelo Muto. In der stets doppelt gepflanzten Pergola baute man früher Wein an. Sie ermöglichte unter den Reben eine weitere Ernte, meist Getreide. Die Höhe der Trauben verhinderte den Befall mit den Sporen des Mehltaus. Altes Erfahrungswissen, das keine moderne Agrarchemie brauchte.

Cantine del´Angelo | Via S. Lucia 32 | I-83010 Tufo AV, Italien | Erstinverkehrbringer: Gebr. Kössler & Ulbricht GmbH & CoKG

Cantine dell`Angelo

2021

Greco di Tufo DOCG »Miniere«

Cantine dell`Angelo

Inhalt: 0.75 l (24,00 €* / 1 l)

18,00 €*