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Wasser

Wasser wird zur knappen Resource. Die nächsten Kriege werden um Wasser geführt. Doch wir wollen nicht lernen, damit schonend umzugehen, weil wir glauben, in unseren Breitengraden vom Mangel bislang nicht betroffen zu sein.

Das freilich stimmt so nicht, denn es gibt sehr wohl Regionen in Europa, in denen der Weinbau mit Wassermangel, vor allem in trockenen Jahrgängen wie 2015, 2016 und 2017, heftig zu kämpfen hatte. Südafrika und Australien sind von Hitze- und korrespondierenden Wasserproblemen derart stark betroffen, daß diese den Weinbau dort nachhaltig beeinflussen und verändern werden.

Trockenschäden und Hitzestress lassen Weine am Gaumen charakteristisch bitter schmecken.

Deshalb haben sich in Kalifornien ambitionierte Spitzenwinzer zusammengetan, um dort einen völlig neuen Weinbau zu etablieren, der die Physiologie der Rebe für niedrigen Alkohol - bei Verzicht auf künstliche Tröpfchen-Bewässerung - durch Verzicht auf jedweden Stress für den Rebstock auf neue, schonende Art und Weise zu beeinflussen versucht. Der Erfolg gibt ihnen recht, wir haben einige dieser Winzer im Programm, und ihre Arbeit wird sicher wieder wegweisend sein auch für unseren europäischen Weinbau.

 

Ohne Bioweinbau und Biolandwirtschaft wird es in Zukunft kaum noch gehen

 

Die durch intensiven Glyphosat- und Düngemitteleinsatz nachhaltig verdichteten und damit weitgehend aus der natürlichen Balance gebrachten Böden der konventionellen Landwirtschaft und des konventionellen Weinbaus sind nicht mehr in der Lage, Wasser halten zu können. Ihre dafür notwendigen Mykorrhiza-Kulturen sind zerstört. Deshalb kommt es zu zwangsläufigem Nährstoffmangel durch Bodenverdichtung, mangelnde Bodengare, zerstörte Bodenbiologie und -morphologie. Durch den Klimawandel bleiben die früher so wichtigen Landregen, die oft über mehrere Tage die Böden so mit Wasser versorgten, daß diese das Wasser aufnehmen, halten und schließlich versickern lassen konnten, aus. Heute gehen unwetterartige Regengüsse mit vielen Litern pro qm auf Böden nieder, die keinerlei Wasserhaltevermögen mehr besitzen, es kommt zu Erosion der besten Krume, Bodenverdichtung durch Feuchtigkeit aufgrund mangelnder Bodengare (im Weinbau z. B. Chlorose) und wenn es dann, nach den Regengüssen, warm wird, zu betonartiger Verhärtung der Bodenoberfläche, weil Krume und Gare nicht fachgerecht vorhanden sind, mit entsprechenden Wachstums- und Ertragsproblemen. Traurige, beängstigende Realität im modernen Agrarindustrielandbau, der nicht zu merken scheint, daß er nicht nur wegen oben beschriebener Phänomene, sondern auch wegen  kaum beherrschbarer Resistenzen gegen immer häufiger zu wechselnde und einzusetzende Spritzmittel, langsam aber sicher an die Wand fährt. Auf kaputten Böden wird das dringend benötigte Wasser plötzlich zum Problem ...

 

Im Biolandbau nehmen die Böden, sofern sie lebendig weil entsprechend bearbeitet sind, das Wasser sicht- und fühlbar anders auf. Auf biologisch bearbeiteten Böden steht selten Wasser, weil die Krume gesund und feinkörnig ist und deshalb durch Wassereinflußl auch längst nicht so verdichtet, wie das konventionell bewirtschaftete Böden tun.

Bioböden besitzen entsprechende Gare und Morphologie der Krume, dort sorgen Knöllchenbakterien, die sogenannte Mykorrhiza, selbst in extremen Trockensituationen für mikroskopische, aber ausreichende Wasser- und Nährstoffversorgung. Deshalb wirken hochwertige Bio- und Biodynamik-Weine von Winzern, die ihre Arbeit im Weinberg beherrschen, so entspannt »anders« im Mundgefühl. Deshalb ernten Bio- und Biodynamik-Landwirte zwar niedrigere Erträge, diese aber sehr viel konstanter, also unabhängig vom Klimaeinfluss des Jahrgangs, und ihre Erntequalität ist, egal welche Frucht, in der Regel gesünder, stabiler und frei von Mykotoxinen, weil in ihren Böden sehr viel weniger oder gar keine Fusarien aktiv sind.  

 

Hier ein beeindruckender Artikel über die Folgen konventioneller Landwirtschaft in Riesendimensionen in einem Teil der Welt, der vom Wasser lebt und es doch so unkontrolliert und unbedacht verbraucht, bei gleichzeitigem Pestizideinsatz, wie er nirgendwo sonst auf der Welt ähnlich intensive Anwendung findet, daß sie sich selbst buchstäblich das Wasser abgräbt.

Da haben wir Landwirtschaftsminister, die über geistigen Provinzmief und schäbige Lobbypolitik nicht hinausdenken, wo wir doch dringend kompetente unabhängige und visionär denkende Politiker bräuchten, die den Mut zu entscheidenden Veränderungen aufbringen . . .

 

Ein Lehrstück in Sachen Turbokapitalismus: https://story.californiasunday.com/resnick-a-kingdom-from-dust


Aus »The California Sunday Magazine« Februar 2018.

 


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