Das Nach-Tisch-Paket


Sechs besondere Weine zu Dessert, Käse, Gebäck und Gespräch.

Für kommende entspannte Fest- und Feiertage, ruhige Abende mit guten Gesprächen oder fröhliche Runden mit Freunden und Bekannten.

Alle sind satt. Die Vorspeise war lecker, der Festtagsbraten üppig, die Weine haben sichtlich geschmeckt, die Gäste lehnen satt, zufrieden und ein bisschen ermattet in ihren Stühlen. Für den dritten Akt unseres Menüs brauchen wir – vergleichbar der Dramaturgie eines gelungenen Theaterabends – einen kleinen Paukenschlag, der die Sinne wieder wachrüttelt. Auf die Teller kommt deshalb jetzt geschmacklich Prononciertes: Salzig (Käse) und/oder süß (Dessert), denn das erreicht unsere Geschmacksknospen unmittelbar und weckt nochmals unsere Aufmerksamkeit. Doch was kommt dazu in die Gläser? Der Wein zum Nach-Tisch* stellt sogar professionelle Gastgeber vor Herausforderungen, denn jetzt geht es nicht mehr nur um die Balance zwischen Speis und Trank, sondern darum, ein Menü, einen Abend, ein Gespräch, ein Fest stimmig ausklingen zu lassen.  

Für unsere Selektion »Nach-Tisch« haben wir sechs mehr oder weniger natursüße (weder mit Zucker noch mit Alkohol versetzte) Weine (vier Still- und zwei Schaumweine) gewählt, die nicht nur gut zu Käse und Dessert zu kombinieren sind, sondern auch für sich getrunken Vergnügen bereiten, da sie der Süße des Zuckers nicht nur spannende, ungewohnte Aromen (reife exotische Früchte, Karamell, Hasel-

nüsse), sondern auch eine feine Säureader entgegensetzen. Sie punkten zudem mit einem relativ geringen Alkoholgehalt, weshalb sie auch mal einfach zum Gebäck, zum Film oder als kleines Extra zum Brunch taugen. Auf jeden Fall verdienen sie Aufmerksamkeit, gehören sie doch zu den ganz besonderen Geschenken der Natur.  

Mit dem letzten Paket unserer Reihe »An Weihnachten zu Tisch« wünschen wir Jungen im Team von K&U frohe und entspannte Weihnachsttage im positiven Blick nach vorne. Alles Gute aus Nürnberg

Darja Ulbricht, Philip Ezel und Ramon Witzky


*Der Begriff Nachtisch beziehungsweise das aus dem Französischen stammende Dessert verweisen auf die Gepflogenheit, nach dem Hauptgang das Speisezimmer zu verlassen – nach Tisch ging es meist im Salon weiter – oder zumindest den Esstisch abzuräumen (»desservir«), bevor Süßes aufgetragen wurde. 


Sechs Weine - mal mit mehr, mal mit weniger Restzucker - zum Nach-Tisch

Zum Dessert, aber auch darüberhinaus, zu Käse, Gebäck und guten Gesprächen »danach«...

Hier können Sie das Paket bestellen!


2017 Beerenauslese »Sämling 88«, Angerhof Tschida, Burgenland  (0,375l)

186 Gramm Restzucker pro Liter. Ein Wunder der Natur aus fast getrockneten Beeren. Hans Tschida ist einer der besten Süßwein-Winzer der Welt. Zumindest hat man ihn dazu mehrfach gekürt. Sein Weingut liegt direkt am Neusiedlersee, nicht weit weg von der ungarischen Grenze. Seine Reben stehen dort auf kleinen Inseln mitten im Naturpark. Sie profitieren dort von der Wärme und der Feuchtigkeit um sie herum durch den flachen See. die seine Beeren regelmäßig mit dem Edelfäulepilz »Botrytis Cinerea« befallen. Der sieht nicht schön aus, läßt aber in den Beeren den Zucker auf natürliche Weise zu raren Süßwein-Wundern konzentrieren. Weich und cremig im Mund, süß aber nicht schwer, säurearm und hocharomatisch, denn die deutsche Rebsorte Scheurebe heißt in Österreich Sämling 88, und steht für intensiv gelbwürzigen Duft und Geschmack, die begeistern. Grandios zu raffiniert süßem Gebäck und süßen cremigen, schaumigen und fruchtigen Desserts.

2018 Vouvray »Moelleux«, Domaine Julien Pinon, Loire     (0.75l)

73 Gramm Restzucker pro Liter. Das entspricht 18 Stück Zuckerwürfel in dieser Flasche. Also ganz schön süß, aber deutlich weniger als obige Beerenauslese, zumal die Säure der Rebsorte Chenin Blanc in diesem großen Weißwein von der Loire ein Süß-Säurespiel besorgt, das einmalig ist in der Welt des Weines. Der junge Julien Pinon liest die Trauben sehr spät sehr aufwendig von Hand, wobei er zum Teil die Beeren einzeln aus der Traube schneidet. Wahnsinnsarbeit für einen Wein, der mundwässernd frisch und reintönig duftet und sich schlank anfühlt, weil er trotz 73 g/l Restzucker nicht opulent ausfällt, sondern strahlend und präzise wirkt im Mundgefühl. Auf der Zunge reintönig cremig, aromatisch gelb und begeisternd vielschichtig. Pikant milde Säure sorgt für straffen Zug in dichter, wohltuend mundfüllender Substanz. Süßweinqualität, die in dieser Brillanz, Frische und Komplexität nur Spitzenwinzer beherrschen. Großartig zu nicht zu süßen Desserts, von Teig bis Creme, von Frucht bis zu edlem Buttergebäck und französischer Patisserie.

2018 »Zinnkoepflé« Gewürztraminer Grand Cru Vendanges Tardives   0,5l

Gewürztraminer. Die Rebsorte des südlichen Elsaß. Nirgendwo sonst auf der Welt erreicht sie dieses Niveau. Vendanges Tardives. Französisch für »Spätlese«. Sie steht hier für perfekt reife Trauben und rares Weltklasseniveau. 76 g/l Restzucker treffen auf 7.3 g/l Säure. Die Harmonie der Natur. Durchgegoren, aber vor lauter Zucker durch hohe Traubenreife in der Gärung steckengeblieben. Natürlich süßer Wein. Marie und Matthieu Boesch beherrschen ihr Metier. Souveräner kann man Gewürztraminer kaum in Szene setzen. Nicht laut, eher leise. Unspektakulär in sich ruhend, entspannt in der Größe, unaufgeregt im Auftritt. Bescheidenheit statt Protz. Der Wein findet überall im Mund gleichzeitig statt. Komplexe Frucht wird zu dichter Würze, ätherisch im Duft mit Menthol, Feige, Dattel, Rose und Aprikose. Im Geschmack so komplex, daß man ihn kaum in Worte fassen kann. Zeitlose Größe, die berührt. Grandios zum berühmten Käse des Elsaß, dem Munster, aber auch zu vielen anderen anspruchsvollen Rohmilchkäse Frankreichs ein sinnlicher Begleiter. Und »danach« der so entspannte wie meditativ inspirierende Abend-Ausklang.

2020 »Sanzon Szamorodni«, Sanzon Winery, Tocaj    (0,5l)

Tokaj. Die junge ungarische Winzerin Erika Rácz will dort in Stil und Charakter nicht an die Vergangenheit anknüpfen, sondern ein neues Kapitel aufschlagen, durch biologische Bewirtschaftung für maximal authentischen Herkunftscharakter. Tokaj steht für kargen vulkanischen Boden. Die Erdauflage ist dünn, darunter liegt der nackte Stein. Deshalb ist ihr Wein ultrapräzise, schlank, extrem reintönig und spürbar rassig mineralisch. Fokussiert wie ein Laserstrahl läuft er über die Zunge. Szamorodni. Der Name bedeutet »so wie er gewachsen ist«. Dazu werden die vom Edelfäulepilz befallenen Harslevelű-Trauben (so heißt die Rebsorte dieses Weines) nicht ausgelesen, sondern so, wie sie geerntet werden, als ganze Trauben mit mehr oder weniger Fäulnis, nach mehrstündiger Maischestandzeit mit Stiel und Stängel vinifiziert. Je mehr verschrumpelte, rosinierte Beeren darunter sind, desto süßer fallt der Wein aus. Hier sind es 66 g/l. Trotzdem schmeckt der Wein nicht klebrig süß, sondern begeisternd leicht und mundwässernd frisch. Man will mehr davon. Genau das macht edelsüßen Tokajer einmalig. Zu französisch inspiriertem Edelgebäck, zu Blauschimmel- und anderem Weichkäse, zu nicht zu süßer edler Patisserie, oder aber solo genossen. Garantiert großes Süßweinerleben.

Birnenschaumwein »Champagner Bratbirne« trocken, Jörg Geiger

Jörg Geiger verarbeitet Mostobst, das keiner will. Im Mittelalter war der Most dieses Obstes lebensnotwendiger Wasserersatz, heute kräht kein Hahn danach, Wasser kommt schließlich aus der Leitung. Doch Jörg Geiger schafft prompt faszinierenden Mehrwert aus dem »überflüssigen« Obst. Viele Hektar alter Streuobstwiesen hat er so vor der Vernichtung gerettet. Hier sein vielleicht berühmtester Schaumwein. gekeltert aus der Uralt-Sorte Champagner-Bratbirne. 18 Gramm Restzucker, 8,5 Vol.%. Vollwertiger Schaumwein, der mit jedem Sekt und Champagner mithalten kann, auch wenn er anders riecht und schmeckt. Strahlendes hellgelb mit grünlichen Reflexen. Lebendig feine, sehr erfrischend wirkende Perlung. Im Duft Birne und Erinnerung an sommerliche Wiesenkräuter und weiße Blüten. Im Mund harmonisch trocken mit Birnenfrucht und angenehm herben Gerbstoffen. Im Nachklang nussige Fülle. Harmoniert zu süß-herben Vorspeisen und kross gebratenem Fisch, belebt aber auch solo nach einem Menü und läßt den Abend ohne benebelte Birne ausklingen. 

2021 »Cerdon du Bugey Initiale« Demi sec, Domaine Renardat-Fache

Rosé-Schaumwein aus den französischen Westalpen. Zwischen Lyon und Grenoble liegt Bugey. Von dort kommt dieser kultige Schaumwein in Pink, der zu den originellsten regionalen Schaumweinen Frankreichs zählt: Cerdon. Ihn kennen nur echte Kenner, denn das Anbaugebiet ist winzig, es gibt nur wenige Winzer, und so versickert die Produktion in Paris und der lokalen Umgebung. Cerdon ist ein dekadent himbeerfarbener, verhalten süßer Naturschaumwein ohne Zusatz von Hefe und Zucker. »Petillant Naturel«. Die pure Blasen-Lust. Einmal getrunken, immer geliebt. 97 % Gamay und 3 % Poulsard, rote Rebsorten, die dort auf völlig verrückten Steilhängen mitten in den Bergen stehen. Der Gamay sorgt für attraktive Farbe und sinnlichen Duft nach Himbeeren und reifen roten Früchten in wohltuend feinem Schaum mit lustvoll belebender Perlung. 35 g/l Restzucker, also nur sehr dezent süßlich und deshalb auch angenehm verhalten im Alkohol (8 vol.%). Läutet einen netten Abend ein oder leitet ihn aus, geht als Aperitif zu Salzigem oder zu Fruchtdesserts und selbst raffiniert herbe Schokokreationen passen zu ihm. Gut gekühlt servieren.