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Die Rhône

Die Rhône

Oben im Bild sehen Sie den Hausberg der südlichen Rhône, den Mont Ventoux. Für ambitionierte Radfahrer der Berg der Träume und der Alpträume. Berühmt gemacht hat ihn die Tour de France. Wie ein Wahrzeichen überragt er die Reben der südlichen Rhône, wo er maßgeblich das Wetter bestimmt, das von Extremen geprägt ist, wie wir sie bei uns nicht kennen. Wenn im Winter der Mistral durch das Rhônetal pfeift, klappern nicht nur die Dachziegel, auch die Menschen bibbern vor Kälte. Da sitzen wir zum Glück zu Hause und wärmen uns an den Gedanken an den nächsten Urlaub. Da wabert im Sommer die Luft vor Hitze, die Zikaden machen ihre wunderbare Musik, der Himmel ist blau, die Menschen schwitzen und die Trauben reifen für Weine heran, von denen viele kaum mehr kennen als den Namen »Côtes du Rhône«. Klingt so, als würden sie alle gleich schmecken. Es ist ein großes Weinbaugebiet mit rund 48.000 Hektar Rebfläche, verteilt auf 171 Weinbaugemeinden, in denen rund 5.000 Bauern Trauben für Genossenschaften produzieren und 2.000 Winzer unter eigenem Etikett abfüllen.

Doch trotz ihrer Größe ist die Côtes du Rhône eine erstaunlich bunte und dynamische Appellation. Sie ist die Heimat der ersten glyphosatfreien Appellation Frankreichs, der Bioanbau nimmt stetig zu und auch die Genossenschaften setzen auf Qualität. Allerdings scheint für den Außenstehenden verwirrend zu sein, daß ein Côtes du Rhône fast immer ein Verschnitt verschiedener Rebsorten ist. Doch das hat System, denn die reduktiven Sorten Syrah und Mourvèdre, die 20% der Cuvée ausmachen müssen, schützen die zur Oxidation neigende Leit-Sorte der Côtes du Rhône, die Grenache, die zu mindestens 30% in jeder Cuvée enthalten sein muß, auf natürliche Weise vor dem Verderb. Gewußt wie. Dabei werden die Cuvées meist erst nach dem fertigen Ausbau jeder einzelnen Rebsorte (21 verschiedene sind im Lastenheft der Appellation zugelassen) zusammengestellt.

Obwohl Grenache, Syrah und Mourvèdre (GSM) zu 70% die Rebfläche der Côtes du Rhône dominieren, schmecken die Weine innerhalb der riesigen Appellation doch sehr unterschiedlich. Wie kein anderes Land der Welt hat Frankreich schon in den 1930er Jahren den Zusammenhang von Herkunft und besonderem Charakter als Qualitätsmerkmal verstanden und in ein nachvollziehbares Appellationssystem übersetzt, das heute in Landwirtschaft und Weinbau international als Vorbild dient. Da wird die Dicke der Erdauflage ebenso berücksichtigt, wie die Beschaffenheit des Unterbodens, die Höhe der Lage wie die Dauer der Sonneneinstrahlung. Die berühmten Galets roulets, die über Jahrmillionen im Flußbett der Rhône aufgeschütteten Kieselsteine, verleihen ihren Weinen speziellen Charakter, der ganz anders ausfällt als in jenen Weinen, die auf den tiefgründigen Lehm- und Kalkböden am Rande des Flußbettes entstehen. Für jede einzelne Weinbaugemeinde regeln Lastenhefte die Vorstellungen einer spezifischen regionalen Qualität, von den Rebsorten über die Pflanzungsdichte bis zum Ausbau im Keller. So entstand innerhalb der großen Appellation »Côte du Rhône« ein Qualitätssystem, das 95 Weinbaugemeinden erlaubt, die besondere Qualität ihrer Lagen als »Dorfweine«, den sogenannten »Côtes du Rhône Villages«, zu deklarieren, deren Weine weniger fruchtig und charmant als gehaltvoll und dicht schmecken. Die Spitze der Appellation bilden 22 Gemeinden, die auf dem Etikett den Namen ihrer Weinbaugemeinde führen dürfen, als Hinweis auf besonders prägnanten und markanten Regionalcharakter, die sogenannten »Crus des Côte du Rhone«, unter denen Châteauneuf du Pape das berühmteste ist. Aber auch Cairanne, Rasteau, Vinsobres, Gigondas oder Vacqueyras, um nur einige zu nennen, stehen für Weine sehr speziellen, prägnant unterschiedlichen Charakters.

Die südliche Rhône mag wie ein kompliziertes Mosaik wirken, doch es folgt einer geschmacklich nachvollziehbaren Qualitätspyramide, deren Basis, mit der wir uns hier beschäftigen wollen, grundsolide, vorbildlich ehrliche und authentische Weine zu bieten hat, die zu den preiswertesten des Weinmarktes gehören. Sie sind weniger fein als trinkfröhlich deftig, spielen mit Frucht und reizvoller Würze, die je nach Zusammensetzung der Cuvée an Minze, Pinie, Wacholder, Rosmarin, Thymian, Veilchen oder schwarze Oliven erinnert, sie fallen durch die Rebsorte Grenache zwar kraftvoll im Alkoholgehalt aus, doch wirken die Exemplare der ambitionierten Winzer erstaunlich frisch und lebendig im Mund und eignen sich insofern hervorragend zur Begleitung guter regionaler Küche, auch unserer deutschen

Die Côtes du Rhône

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2017
Cairanne »La Brunote«
Denis Alary
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2019
Côtes du Rhône blanc
Charvin
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