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Aus dem Staub: »Poeira«

Aus dem Staub: »Poeira«

Jorge Moreira, einer der besten jungen Weinmacher der noch jungen Winzer-Szene Portugals. Macht sich seit 2002 international einen Namen als treibende Kraft hinter den Weinen der bekannten Quinta de la Rosa, die er mit souveräner Qualität in die Hitlisten Portugals katapultierte. Sein eigenes Weingut Poeira, bekannt durch den sich jedes Jahr anders kringelnden Staubsaugerschlauch auf dem Etikett, zählt nicht nur zu den besten Portugals, sondern hat auch das Zeug zum internationalen Klassiker. Den endgültigen Durchbruch könnte ihm der historisch gelungene Jahrgang 2009 bescheren. Ihn bewertete Parkers Wineadvocat mit 94 Punkten, seitdem steht er auf den Suchlisten der Punktejäger. 

7.5 Hektar alter Reben und 1.5 Hektar relativ junger Reben auf einem terrassierten Nordhang, der über fast 600 Höhenmeter steil ins Tal fällt, sind das Geheimnis der beeindruckenden Weinqualitäten vonPoeira.

Jorge Moreira, der junge Weinmacher, gehört zu den Stillen im lauten Weinzirkus. 1971 geboren, wußte er nach der Schule nicht, was er studieren sollte. So landete er quasi per Zufall beim Wein, denn seine Eltern hatten mit Wein nichts zu tun. Er absolvierte das Studium der Önologie an der Universität von Vila Real, arbeitete nach dem Abschluß aber zunächst als Verkäufer für Holzöfen, bevor er auf Drängen seines Vaters seine erste Anstellung im Wein annahm. Die war Gold wert. Sieben Jahre arbeitete er für die Real Compania Velha, wo er als Weinmacher die Chance bekam, ein Programm hochwertiger trockener Tafelrotweine aufzubauen. Doch erst die Freundschaft mit Dirk Niepoort brachte ihn endgültig zum guten Wein über das enge Tal des Douro hinaus. Der kommunikative Hans-Dampf-in-allen-Gassen führte den jungen Jorge in die Welt der großen Weine aus aller Welt ein und der junge Weinmacher begann Wein von der Pike auf zu lernen. Wißbegierig und ehrgeizig machte er sich binnen weniger Jahre zum versierten Verkoster. Mehr und mehr interessierte ihn dabei der Weinberg statt sein erlerntes Metier, der Keller. Als ihm Ende der Neunziger Jahre die Quinta da Terra Feita de Cima bei Pinhão angeboten wurde, schlug er zu. Ihn reizte der nach Norden ausgerichtete Weinbergshang, weil er nicht die üblichen schwarzen, gerbstoffbeladenen Rustikaltropfen machen wollte, für die das Dourotal bis dahin bekannt war, sondern er wollte feine, elegante Weine mit Frische, Saft und aromatischer Ausstrahlung produzieren. Sein erster Jahrgang 2001 verunsicherte ihn dann allerdings selber, denn er besaß feine, nervige Säure und seine dichte, aber kühle Gerbstoffrasse bewies genau die kraftvolle Eleganz, die er sich gewünscht und vorgestellt hatte, doch hatte der Wein so gar nichts mit den dicken, fetten, mit Tanninen beladenen 

Rotweinen internationaler Stilistik gemein, die zu der Zeit so erfolgreich in Mode waren. Doch einmal mehr half ihm Freund Dirk. Er übernahm mit seiner Distribution in Portugal den Vertrieb für den ersten Jahrgang von Poeira - und war binnen kürzester Zeit ausverkauft. Der Weg war bereitet.

Seitdem hat sich Jorge Moreira großen Ruf in Portugals Weinszene erarbeitet und ist auf dem Weg nach ganz oben. Er ist selbst zur Ikone einer nachfolgenden Generation jüngerer Weinmacher und Winzer geworden. Bei allem Erfolg, bereits mehrfach wählten ihn portugiesische Weinzeitschriften zum Winzer des Jahres und seinen Poeira zum besten Rotwein Portugals, ist er angenehm bescheiden geblieben. ‚Ich habe viele Jahre gebraucht, um guten Wein in seiner Komplexität zu verstehen. Der Keller ist dabei das eine gewesen, viel wichtiger ist mir heute der Weinberg; beides muß man in seiner Wechselwirkung beobachten und verstehen lernen, sonst kann man keinen wirklich guten Wein produzieren, der unmißverständlich für seine Herkunft stehen und zugleich internationale Geschmacksvorstellungen treffen soll, ohne sich selbst aufzugeben. Ich hatte zum Glück im Laufe meiner Ausbildung alle Chancen, dies alles zu lernen. Ich gehöre zur ersten Generation derart gut ausgebildeter Winzer in Portugal, trotzdem orientiere ich mich nicht an berühmten Önologen oder Weinmachern der internationalen Schule, sondern meine Vorbilder sind jene traditionell verwurzelten Winzer des Dourotales, die ihre Weinberge und deren Potential kannten und mit viel Respekt aus ihren alten angestammt autochthonen Rebsorten große, eigenständige, manchmal harte, manchmal wilde, immer aber charaktervolle Rotweine kelterten, die nur von hier kommen konnten. Das ist es, was mich gestern wie heute am Douro-Tal reizt.’

Besser kann man die Arbeit von Poeira kaum beschreiben. Jorge Moreira produziert drei Weine. Alle drei, ein Weißwein, zwei Rotweine, gehören in ihrer Klasse zu den herausragenden Weinpersönlichkeiten am Douro. Es sind keine modisch fetten, weichgespülten Weine internationaler Machart, sondern profilierte Charakterweine eigenständiger Stilistik. Sie werden nach den Regeln moderner Winzerkunst in mustergültig handwerklicher Manier produziert, beweisen aber unmißverständlich ihren Herkunftscharakter aus einem der heißesten Weintäler der Welt. Sie tun es mit faszinierend eigenem Charme und mutiger Frische in Struktur und Trunk. Es sind unverwechselbar persönliche Winzerweine, deren Herkunftscharakter sie zum überzeugenden Botschafter einer der großen Herkünfte der Weinwelt macht. Sie beweisen, daß das Dourotal das Potential hat, zu einem Klassiker der Weinmoderne zu werden. Poeira ist eines seiner Flaggschiffe, Jorge Moreira ein stiller, aber überzeugender Botschafter. 

2014
»Poeira« Douro tinto
Poeira (Jorge Moreira)
36,00 €
0.75l 
2013
»Poeira« Douro tinto
Poeira (Jorge Moreira)
33,90 €
0.75l 
2009
»Poeira impar« Douro tinto
Poeira (Jorge Moreira)
64,00 €
0.75l