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Am 22.4. war Earth Day und er hatte 50. Geburtstag

Am 22.4. war Earth Day und er hatte 50. Geburtstag

Ein wichtiger Tag, der hierzulande weitgehend unterging im lauten Rauschen der Corona-Pandemie. Doch es wird ein »Danach« geben, und das könnte uns, wenn man den Prognosen der Wetterfrösche Glauben schenkt, schon bald hart treffen, denn es zeichnet sich ab, daß 2020 so trocken werden könnte wie 2018 und 2019. Dann hätten unsere Land- und Weinwirtschaft, und damit wir alle, ein Problem. Deshalb dürfen wir den Umweltschutz nicht ins Irgendwann verschieben und die Probleme des Klimawandels ausblenden. Sie sind da, sie sind omnipräsent und sie werden uns, ob wir wollen oder nicht, in Zukunft massiv fordern. Zumal sich zusehends herausstellt, daß auch die Corona-Problematik mehr oder weniger direkt mit Umwelteinflüssen und Ernährungsgewohnheiten korreliert werden kann.

Oben im Bild der ganz normale Pestizid-Wahnsinn des konventionellen Weinanbaus. Dessen Denke hat kaputte, erodierende Böden zur Folge, zwangsläufige Düngemittelausbringung und korrigierende Manipulationen im Keller. Daran hat sich in den Jahren seit 1970 nichts geändert, im Gegenteil: Der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln hat sich potenziert, mit der Folge, daß die Önologie als Reparaturabteilung dieser Agrarchemie im Weinberg zur veritablen »Wissenschaft der Manipulation« wurde.

Dabei erschien schon im Jahr 1962 ein Buch, das heute als Auslöser der weltweiten Umweltbewegung und als eines der einflußreichsten und wichtigsten Bücher des 20. Jahrhunderts gilt: Rachel Carsons »Der stumme Frühling« (The silent spring). Die Autorin widmete es dem Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer, der wiederholt vor der Zerstörung der Erde durch Nuklearwaffen gewarnt hatte. Anstoß für ihr Buch war ein Brief der heute weitgehend vergessenen Journalistin Olga Owens Huckins, in dem diese über die verheerenden Auswirkungen der Sprühflüge in ihrem Vogelschutzgebiet schreibt. 

In 11 programmatischen Kapiteln beklagt Rachel Carson, diplomierte Biologin, den Einfluß der Umweltzerstörung durch organische Chemie, allen voran der Spritzmittel der Agrarchemie. Wenn man das Buch heute liest, überkommt einen die Panik, denn nahezu alles, was sie vor über 50 Jahren an Argumenten vorbrachte, so spekulativ diese damals auch gewesen sein mögen, hat sich mittlerweile bestätigt und als kritisches Wissen über Pestizide und deren Auswirkungen wissenschaftlich etabliert. Sie ging geschickt vor, denn schon zu Beginn ihres Buches erwähnt sie die Wissenschaftler, die die einzelnen Kapitel ihres Buches gegengelesen hatten. In Christian Simons lesenswerter Kulturgeschichte des inzwischen verbotenen Spritzmittels DDT wird The Silent Spring als das »prototypische Sachbuch für Umweltthemen, das durch Aufzeigen der Konsequenzen aus dem derzeit Wissbaren zum Handeln auffordern« wolle, bezeichnet. Der Wechsel der Darstellung von trockenen Fakten mit Passagen, die Erlebnisse und Erfahrungen einzelner Personen wiedergeben, mache das Buch für den Laien nachvollzieh- und lesbar. Dort, wo Schlussfolgerungen gezogen werden, seien diese meist mit den Namen führender Experten verbunden – ein rhetorisches Mittel, das als Autoritätssicherung bezeichnet wird. Gleichzeitig verzichte das Buch darauf, in Endzeitstimmung zu verfallen, was es Lesern mit Vorbehalten gegenüber den von Rachel Carson vertretenen Ansichten leichter mache, sich mit den Inhalten des Buches auseinanderzusetzen.

Ein heute mehr denn je frustrierendes Buch, weil es beweist, wie wenig in den Jahren seitdem passiert ist. Heute plagt uns das Corona-Virus und es gibt noch immer nur wenige Stimmen, die den Zusammenhang der Pandemie mit Umweltschäden bzw. Klimawandel zu benennen wagen, obwohl zunehmend Zusammenhänge erkennbar werden. 

Immerhin kam es 1970 zum Ausruf des ersten Earth Days. Schon damals brachte die Sorge um den Einsatz von Pestiziden, den Schutz von Wasser und Luft und den Verlust natürlicher Lebensräume aller wildlebenden Tiere viele Menschen zum Nachdenken. Damals lag der Schwerpunkt der Kritik noch auf persönlichen Veränderungen auf der Ebene des Einzelnen, heute, 50 Jahre später, hat sich der Umweltschutzgedanke immerhin schon auf Teile der Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft ausgedehnt. Sogar in großen Supermärkten und Discountern findet man Bio-Produkte und der Markt für Bio-Artikel aller Art gilt als Wachstumsmarkt der Zukunft. Die immer drastischer werdenden Herausforderungen des Klimawandels, allen voran Hitze und Trockenheit, Frost und Hagel, verändern Landwirtschaft und Weinanbau bereits nachhaltig und lassen viele Winzer zweifeln an dem, was sie tun. 

Gab es noch vor einem Jahrzehnt in Weinläden oder Supermärkten kaum Wein aus biologisch angebauten Trauben, hat sich heute sogar die Industrie schon dem Phänomen »Bio« angenommen und man findet Biowein und Bioprodukte selbst beim Billigdiscounter.
Auf der anderen, der qualitativ hochwertigen Seite des Marktes wird es in 10 Jahren kaum noch etwas anderes geben als Wein aus ambitioniert betriebenem biologischen Anbau. Schon heute kann Spitzenwein, wie wir ihn verstehen, ausschließlich aus biologischem Anbau kommen, denn der Klimawandel trifft mit zunehmender Trockenheit den konventionellen Weinbau hart. Seine ausgelaugten, über Jahrzehnte permanent abgebauten Böden sind nicht mehr in der Lage, die Reben mit den Nährstoffen zu versorgen, die sie für eine gesunde Traubenphysiologie, mehr noch aber für einen reibungslosen Gärverlauf (selbst mit den meist verwendeten Reinzuchthefen!) benötigen.
So mußte im angeblich großen Jahrgang 2018 die Önologie massiv eingreifen mit Hefenährstoffen, ohne die kaum eine Gärung in diesem Jahrgang in konventionellen deutschen Kellern auskam, mit Enzymen zur aromatischen »Beschleunigung«, mit Mannoproteinen für ein Mundgefühl, das wenigstens einigermaßen Ansprüche erfüllt, mit Ascorbinsäurezugaben, damit die Weine nicht schon im Keller der Winzer zerfallen, mit Aufsäuerung für mikrobiologische Stabilität und vieles, vieles mehr. Mit einem Spitzenjahrgang haben diese Manipulationen so wenig zu tun, wie mit Spitzenwein. Sie sind aber in den allermeisten Kellern konventionell arbeitender Winzer selbstverständliche Routine. Das dringt nie nach außen. der schöne Schein will gewahrt bleiben. Die Kunden werden vorsätzlich getäuscht.
Riechen und schmecken kann man dies alles, wenn man will und kann. Der Unterschied zwischen ambitionierten Bio- und Biodynamikweinen und Wein aus konventionellem Anbau ist in den letzten Jahren drastisch geworden: Durch die zwangsläufigen Eingriffe der Önologie wird Wein aus konventionellem Anbau immer mehr zum Klischee, das nach wissenschaftlichen Rezepten präzise eingestellt werden kann. Davon lebt die Wissenschaft der Önologie, Big Pharma, Hochschulen wie Geisenheim & Co und zahllose Labore. Wein als Klischee mag dem durchschnittlichen Weintrinker genügen, uns nicht.

Aber: »Bio« ist heute keine Garantie mehr für Qualität. Bio wird als Prozesstechnologie zertifiziert, nicht nach qualitativen, also organoleptischen, Kriterien. Deshalb muß sich, zumindest im Wein, die Biobranche etwas einfallen lassen, um nicht von der allmächtigen Nahrungsmittel- und Agrarchemie-Industrie vollends vereinnahmt zu werden. 

Allen Weintrinkern, denen unser arg geschundener Planet und dessen Gesundheit am Herzen liegen, bieten wir hier zwölf besondere Weine an, mit denen sie den 50. Geburtstag des Earth Days ohne schlechtes Gewissen zelebrieren können. Zwölf Weine, die mit neuen oder traditionell alten Methoden produziert wurden, deren CO2-Bilanz durch Verzicht auf Bearbeitung mittels Verbrennungsmotoren, Agrarchemie und weite Transportwege visionär ausfällt.


Wen tiefergehende Informationen zum Boden interessieren, der findet hier ein paar spannende Links, einen unbedingt hörenswerten Podcast und ein paar Poster, deren Studium wir dringend empfehlen.

Die Stiftung Ökologie und Landbau publiziiert sehr spannende Poster zum Thema Boden, die gute Einblicke in dieses so spannende Thema der Zukunft geben: https://www.soel.de/publikationen/bodenposter

Nicht minder spannend und lesenwert der Bodenatlas aus dem Jahr des Bodens, 2015 : https://www.boell.de/sites/default/files/bodenatlas2015_iv.pdf?dimension1=ds_bodenatlas

sowie der neue Agraratlas 2019 : https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/landwirtschaft/landwirtschaft_agraratlas2019.pdf

Unbedingt empfehlenswert sind zwei YouTube-Videos (in Englisch!) eines der führenden kritischen Geomorphologen dieser Welt, Dave Montgomery. Er ist eine der großen Koryphäen auf seinem Gebiet, hat die Obama-Administration beraten und ist didaktisch einfach supergut. So ist sein »Hidden Half of Nature« über die Mikrobiom-Forschung, vorgetragen auf einem Mediziner-Kongress, dazu angetan, die von der Agrarchemie gesteuerte und vereinnahmte Wissenschaft zu entlarven:

https://www.youtube.com/watch?v=JHy9Cf9IDGA sowie: https://www.youtube.com/watch?v=sQACN-XiqHU

Zur Einführung in das komplexe Thema Boden empfehlen wir schließlich und endlich noch eine ausgezeichnete Sendung des BR 2, die wir hier als Podcast zur Verfügung stellen. Schön, daß es solch kritische Sendungen noch gibt - natürlich im öffentlichen rechtlichen Rundfunk. Wo sonst!


2018
»Vitis« de Azul y Garanza
Azul y Garanza
7,50 €
0.75l 
10,00 €/L
9,90 €
0.75l 
13,20 €/L
2019
»Amassa«
Mamaruta
11,00 €
0.75l 
14,67 €/L
2018
Rioja blanca »Fuente Leon«
Bodegas Ojuel
11,80 €
0.75l 
15,73 €/L
2018
»Naturaleza Salvaje« Orange
Azul y Garanza
15,90 €
0.75l 
21,20 €/L
16,00 €
0.75l 
21,33 €/L
2018
Vouvray sec
François et Julien Pinon
16,00 €
0.75l 
21,33 €/L
18,90 €
0.75l 
25,20 €/L
2016
»Palistorti di Valgiano« Rosso DOC
Tenuta di Valgiano
25,00 €
0.75l 
33,33 €/L
26,00 €
0.75l 
34,67 €/L
2017
Carso Bianco Vitovska
Zidarich
29,00 €
0.75l 
38,67 €/L