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Alte Reben. Mehr Charakter. Mehr Geschmack.

Alte Reben. Mehr Charakter. Mehr Geschmack.

Alles nur Schnickschnack sagen die Gegner. Sie haben recht, denn sie bewirtschaften ihre Reben konventionell, spritzen Herbizide und andere Mittel der modernen Agrarchemie, und sind deshalb gezwungen, synthetisch zu düngen. Dadurch sind ihre Böden zwar vollgepumpt mit Stickstoff und nicht pflanzenverfügbarem Phosphor, sie sind aber auch so verdichtet, daß sie in der Regel nicht in der Lage sind, das für einen reibungslosen natürlichen Gärverlauf notwendige komplexe Nährstoffangebot in die Trauben zu transportieren. Deshalb sind sie gezwungen, die Gärung mit sicheren Reinzuchthefen oder Enzymen künstlich einzuleiten, sie mit Hefenährstoffen sicherzustellen und in der Kellerwirtschaft jene vielfältigen Korrekturmittel der modernen Önologie einzusetzen, die ihre Weine so schmecken machen, dass sie verkäuflich sind. Weil sie ihre Reben durch die Düngung von oben überernähren, wurzeln diese nicht tief. Deshalb ist es im konventionellen Weinbau tatsächlich weitgehend egal, wie alt die Reben sind. Geschmack und Mundgefühl solcher Weine werden nicht vom Alter der Reben, sondern vom Ausbau im Keller bestimmt. Recht haben sie also, die Gegner des »Alte-Reben-Theorems« (Sie sollten allerdings die Worte »Boden«, »Herkunft« und »Charakter« zur Beschreibung ihrer Weine nicht in den Mund nehmen …).

Je älter um so besser sagen die Befürworter. Warum liest man auf Weinetiketten immer wieder den Zusatz »Alte Reben«, auf französisch »Vieilles Vignes«, auf italienisch »Vecchie Vite«, auf spanisch »Cepa vieja«? Was hat es mit diesen alten Reben auf sich? Warum werden sie überhaupt auf dem Etikett erwähnt? Wann gelten denn Reben als alt?

Rebstöcke gelten als alt, wenn sie über 40 Jahre alt sind. Noch sehr viel ältere Rebstöcke gibt es heute noch an der Saar, der Nahe und der Mosel, in Südfrankreich, an Rhône und Loire, im spanischen Aragon, im Priorat, in Portugal und in Kalifornien, wo man von über 100 Jahre alten Zinfandel-Reben eindrucksvolle Wein-Charaktere keltert. Kalifornien dürfte über die ältesten noch produzierenden Rebstöcke der Welt verfügen. Solch alte Reben haben nur dort überlebt, wo sie die Reblaus-Pandemie Ende des 19. Jahrhunderts nicht vernichten konnte und wo die Flurbereinigung und der Mengenwahn der 1960 bis 1990er Jahre sie nicht roden ließ.  

Alte Rebstöcke wurzeln tief. Wie tief hängt vom Alter, der Bewirtschaftung und der Bodenformation ab. Sehr alte Reben, die nie mit Agrarchemie in Berührung kamen, können sehr tief wurzeln. Bis zu zehn und mehr Metern hat man in Kalifornien nachgewiesen. Ihre komplexen Wurzelsysteme machen alte Reben weitgehend resistent gegen Wasser- und Trockenstreß (z. B. in Châteauneuf du Pape oder Kalifornien). Sie produzieren weniger Trauben, die dickschaliger, kleiner und lockerbeeriger ausfallen, damit weniger fäulnis- und krankheitsanfällig sind und deutlich intensiver schmecken. Im Traubensaft alter Reben hat man höhere Mineralien-Gehalte nachgewiesen als in jungen Reben des identischen Standortes. In der Regel reifen alte Reben wegen ihrer alten Genetik nicht so homogen aus wie moderne Reben, sie sind also sehr viel aufwendiger und meist nur händisch zu bearbeiten. Das erklärt, warum man in Deutschland alte Reb-Bestände seit den fortschrittsgläubigen 1960er Jahren in den Flurbereinigungen flächendeckend gerodet hat und in Südfrankreich uralte, historische Carignan-Bestände mittels überhöhter EU-Subventionen über Jahrzehnte systematisch auszurotten versucht hat. Bis heute ist man im modernen Weinbau eben sehr viel mehr an Quantität denn an Qualität interessiert.

Zum Glück ist es nicht gelungen, alle alten Reben auszurotten und so beweisen heute besonders engagierte Winzer, welch spannendes Potential gerade in ihnen steckt, egal wo auf der Welt. Sie kommen mit dem Klimawandel sehr viel besser zurecht, als die modernen geklonten Industriereben. Sie sind Grundlage intensiver Forschungen zur Genetik, weil in den allermeisten Weinbergen Europas seit den 1960er Jahren katastrophal schlechtes Rebmaterial gepflanzt wurde, dessen genetische Eigenschaften Folgen zeitigen, die man sich ökologisch nicht mehr leisten kann. Deshalb ziehen sich besonders qualitätsorientierte Winzer aus alten Reben durch Selection massale eine eigene, diversifiziertere Genetik, die ihnen bessere Weine von gesünderen Reben liefert, die weniger behandelt werden müssen. Durch die großen Weine, die ambitionierte Winzer in den letzten Jahren alten Reben abringen konnten, ist die Genetik zum entscheidenden Thema in Sachen Zukunft und Nachhaltigkeit im Weinbau geworden. Es ist in Fachkreisen unbestritten, daß alte Reben in vielerlei Hinsicht die besseren, weil komplexeren, tiefgründigeren und charaktervolleren Weine liefern, entsprechende Anbaubedingungen vorausgesetzt. Sie werden im »Geschmack« nicht immer als »besser« empfunden, im Mundgefühl aber unterscheiden sie sich gravierend. 

Das gilt es zu erleben und so stellen wir Ihnen hier charaktervolle Weine von alten Reben vor, die grundlegend anders im Mund wirken, als Weine von jungen Rebstöcken. Das »Wie« muß man erleben, um es formulieren zu können. Photo © Niña Laure Ulbricht


 

Auch im Weißwein kann man alte Reben schmecken

2018
Old Vine Rosé
Marietta Cellars
14,90 €
0.75l 
19,87 €/L
2019
Silvaner »Alte Reben«
Zehnthof Luckert
14,90 €
0.75l 
19,87 €/L
19,00 €
0.75l 
25,33 €/L
2009
Champagne Grand Cru »du Levant« Vieilles Vignes
Champagne Larmandier-Bernier
89,00 €
0.75l 
118,67 €/L
100,00 €
0.75l 
133,33 €/L
100,00 €
0.75l 
133,33 €/L

Wo das Alter von Rebstöcken fühlbar wird

2019
Südtiroler Vernatsch »Alte Reben«
Gojer Glögglhof
11,90 €
0.75l 
15,87 €/L
14,90 €
0.75l 
19,87 €/L
14,90 €
0.75l 
19,87 €/L
Old Vine Red »Lot N°68«
Marietta Cellars
14,90 €
0.75l 
19,87 €/L
24,00 €
0.75l 
32,00 €/L
24,00 €
0.75l 
32,00 €/L
24,00 €
0.75l 
32,00 €/L
2018
Zinfandel »Old Vine« Sonoma Valley
Bedrock Wine Co.
26,00 €
0.75l 
34,67 €/L
29,00 €
0.75l 
38,67 €/L

Rotweine von alten Reben sind nicht immer dick und fett

29,90 €
0.75l 
39,87 €/L
32,00 €
0.75l 
42,67 €/L
34,00 €
0.75l 
45,33 €/L
34,00 €
0.75l 
45,33 €/L
34,00 €
0.75l 
45,33 €/L
34,00 €
0.75l 
45,33 €/L

Blaufränkisch, Sankt Laurent, Grüner Veltliner. Die ältesten Reben des Burgenlandes

36,00 €
0.75l 
48,00 €/L
44,80 €
0.75l 
59,73 €/L
2013
Sankt Laurent »Zagersdorf«
Rosi Schuster
44,90 €
0.75l 
59,87 €/L
52,00 €
0.75l 
69,33 €/L
52,00 €
0.75l 
69,33 €/L
54,00 €
0.75l 
72,00 €/L
78,00 €
0.75l 
104,00 €/L
78,00 €
0.75l 
104,00 €/L
78,00 €
0.75l 
104,00 €/L

Zinfandel und Mischsätze aus Kalifornien. Die ältesten noch produzierenden Reben der Welt

38,00 €
0.75l 
50,67 €/L
39,00 €
0.75l 
52,00 €/L
2017
Evangelho Vineyard »Heritage«
Bedrock Wine Co.
39,00 €
0.75l 
52,00 €/L
39,90 €
0.75l 
53,20 €/L
48,00 €
0.75l 
64,00 €/L
49,00 €
0.75l 
65,33 €/L
49,00 €
0.75l 
65,33 €/L
49,00 €
0.75l 
65,33 €/L