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Die K&U-Wein-Termine

Um die Faszination des Weines zu erleben, muß man etwas über ihn wissen. Neugier, Offenheit und Interesse sind der beste Einstieg - und schon ist Wein mehr als nur »lecker« ...

Viele würden gerne mehr über Wein wissen wollen, doch sein riesiges Angebot und seine erschlagende Vielfalt schrecken sie ab. Aus lauter Verzweiflung geben sie sich mit Primitivo und Lugana zufrieden. Das muß nicht sein. Mit unseren digitalen und präsenten Wein-Terminen wollen wir auch Ihre Lust auf mehr im Wein schüren. Wir zeigen Ihnen, was das Gute im Wein ist und wie man es zu genießen lernt. Mit Empathie und Informationen, statt mit Arroganz und Fachchinesisch. Wir freuen uns auf Sie!

13.10

Zoom-Verkostung | Faszination südliche Rhône

Donnerstag | 13. Oktober 2022 | 20:00 - 22:00 Uhr |
ZOOM-Meeting | K&U-Weinhalle | Nürnberg

Oben im Bild sehen Sie den Hausberg der südlichen Rhône, den Mont Ventoux. Für ambitionierte Radfahrer der Berg der Träume, wie der Alpträume. Berühmt gemacht hat ihn die Tour de France. Wie ein Wahrzeichen überragt er die Reben der südlichen Rhône, wo er maßgeblich das Wetter bestimmt, das von Extremen geprägt ist, wie wir sie bei uns nicht kennen. Wenn im Winter der Mistral durch das Rhônetal pfeift, klappern nicht nur die Dachziegel, auch die Menschen bibbern vor Kälte. Der Wind geht durch und durch und man friert wie bei uns im tiefsten Winter - während wir uns im Norden an den Gedanken an den nächsten Urlaub im Süden wärmen. Da wabert im Sommer im Rhônetal die Luft vor Hitze, die Zikaden machen ihre wunderbare Musik, der Himmel ist blau, die Menschen schwitzen und die Trauben reifen für Weine heran, von denen viele kaum mehr kennen als den Namen »Côtes du Rhône«.

Der klingt so, als würden sie alle gleich schmecken. Es ist ein großes Weinbaugebiet mit rund 48.000 Hektar Rebfläche, verteilt auf 171 Weinbaugemeinden, in denen rund 5.000 Bauern Trauben für Genossenschaften produzieren und 2.000 Winzer unter eigenem Etikett abfüllen.

Doch trotz ihrer Größe ist die Côtes du Rhône eine erstaunlich bunte und dynamische Appellation. Sie ist die Heimat der ersten glyphosatfreien Appellation Frankreichs, der Bioanbau nimmt stetig zu und auch die Genossenschaften setzen auf Qualität. Allerdings scheint für den Außenstehenden verwirrend zu sein, daß ein Côtes du Rhône fast immer ein Verschnitt verschiedener Rebsorten ist. Doch das hat System, denn die reduktiven Sorten Syrah und Mourvèdre, die 20% der Cuvée ausmachen müssen, schützen die zur Oxidation neigende Leit-Sorte der Côtes du Rhône, die Grenache, die zu mindestens 30% in jeder Cuvée enthalten sein muß, auf natürliche Weise vor dem Verderb. Gewußt wie. Dabei werden die Cuvées meist erst nach dem fertigen Ausbau jeder einzelnen Rebsorte (21 verschiedene sind im Lastenheft der Appellation zugelassen) zusammengestellt.

Obwohl Grenache, Syrah und Mourvèdre (GSM) zu 70% die Rebfläche der Côtes du Rhône dominieren, schmecken die Weine innerhalb der riesigen Appellation doch sehr unterschiedlich. Wie kein anderes Land der Welt hat Frankreich schon in den 1930er Jahren den Zusammenhang von Herkunft und besonderem Charakter als Qualitätsmerkmal verstanden und in ein nachvollziehbares Appellationssystem übersetzt, das heute in Landwirtschaft und Weinbau international als Vorbild dient. Da wird die Dicke der Erdauflage ebenso berücksichtigt, wie die Beschaffenheit des Unterbodens, die Höhe der Lage wie die Dauer der Sonneneinstrahlung. Die berühmten Galets roulets, die über Jahrmillionen im Flußbett der Rhône aufgeschütteten Kieselsteine, verleihen ihren Weinen speziellen Charakter, der ganz anders ausfällt als in jenen Weinen, die auf den tiefgründigen Lehm- und Kalkböden am Rande des Flußbettes entstehen. Für jede einzelne Weinbaugemeinde regeln Lastenhefte die Vorstellungen einer spezifischen regionalen Qualität, von den Rebsorten über die Pflanzungsdichte bis zum Ausbau im Keller. So entstand innerhalb der großen Appellation »Côte du Rhône« ein Qualitätssystem, das 95 Weinbaugemeinden erlaubt, die besondere Qualität ihrer Lagen als »Dorfweine«, den sogenannten »Côtes du Rhône Villages«, zu deklarieren, deren Weine weniger fruchtig und charmant als gehaltvoll und dicht schmecken. Die Spitze der Appellation bilden 22 Gemeinden, die auf dem Etikett den Namen ihrer Weinbaugemeinde führen dürfen, als Hinweis auf besonders prägnanten und markanten Regionalcharakter, die sogenannten »Crus des Côte du Rhone«, unter denen Châteauneuf du Pape das berühmteste ist. Aber auch Cairanne, Rasteau, Vinsobres, Gigondas oder Vacqueyras, um nur einige zu nennen, stehen für Weine sehr speziellen, prägnant unterschiedlichen Charakters.

Die südliche Rhône mag wie ein kompliziertes Mosaik wirken, doch es folgt einer geschmacklich nachvollziehbaren Qualitätspyramide, deren Basis, mit der wir uns hier beschäftigen wollen, grundsolide, vorbildlich ehrliche und authentische Weine zu bieten hat, die zu den preiswertesten des Weinmarktes gehören. Sie sind weniger fein als trinkfröhlich deftig, spielen mit Frucht und reizvoller Würze, die je nach Zusammensetzung der Cuvée an Minze, Pinie, Wacholder, Rosmarin, Thymian, Veilchen oder schwarze Oliven erinnert, sie fallen durch die Rebsorte Grenache zwar kraftvoll im Alkoholgehalt aus, doch wirken die Exemplare der ambitionierten Winzer erstaunlich frisch und lebendig im Mund und eignen sich insofern hervorragend zur Begleitung guter regionaler Küche, auch unserer deutschen.