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Die K&U-Wein-Termine

Um die Faszination des Weines zu erleben, muß man etwas über ihn wissen. Neugier, Offenheit und Interesse sind der beste Einstieg - und schon ist Wein mehr als nur »lecker« ...

Viele würden gerne mehr über Wein wissen wollen, doch sein riesiges Angebot und seine erschlagende Vielfalt schrecken sie ab. Aus lauter Verzweiflung geben sie sich mit Primitivo und Lugana zufrieden. Das muß nicht sein. Mit unseren digitalen und präsenten Wein-Terminen wollen wir auch Ihre Lust auf mehr im Wein schüren. Wir zeigen Ihnen, was das Gute im Wein ist und wie man es zu genießen lernt. Mit Empathie und Informationen, statt mit Arroganz und Fachchinesisch. Wir freuen uns auf Sie!

05.10

Im Gespräch | Wein und Weinbau im Klimawandel

Mittwoch | 5. Oktober 2022 | 20:00 - 21:30 Uhr |
ZOOM-Meeting | K&U-Weinhalle | Nürnberg

K&U im Gespräch

Monat für Monat Weinwissen aus erster Hand

 

Boden, Wasser und Wein im Klimawandel

Mit Dr. Wolfgang Patzwahl


Jedes Jahr verliert die Welt 100.000 km2 an fruchtbaren Böden. Ohne fruchtbare Böden gibt es aber keine Nahrungsmittel. Doch wir denken über den Boden in seiner lebenswichtigen Funktion für uns Menschen nicht nach. Wir bearbeiten ihn falsch, versiegeln ihn, verdichten ihn, machen ihn auf und opfern ihn so der Erosion oder dem Austrocknen und vernichten ihn so unwiderbringlich.

Die Zusammenhänge zwischen Klima und Boden sind komplex. Wenn wir uns über »schönes Wetter« freuen, beklagen Weinbau und Landwirtschaft mangelnde Niederschläge. Seit vielen Jahren leiden die Böden in weiten Teilen Deutschland unter massiven Dürreproblemen. Man sieht es an den Wäldern. Dort leiden die Bäume, vor allem Fichten und Buchen. Blätter und Nadeln bekommen braune Ränder, hängen schlaff herab, die Kronen werden licht und die Stämme ziehen sich zusammen, weil der Wasservorrat bis zum letzten Tropfen genutzt wird. Viele Bäume zeigen Nottriebe und viele kleine Früchte - aus Verzweiflung, um die Art in die nächste Generation zu retten. 

 

Zwischen Januar 2018 und April 2021 wurden fast fünf Prozent der gesamten Waldfläche Deutschlands Opfer von Trockenheit. Kaum jemals ging es den Böden in Deutschland so schlecht wie heute.

 

2018, 2019 und 2020 quälten Hitze und Dürre Pflanzen und Böden. Zwar gab es 2021 etwas mehr Niederschlag, doch die Karten des »Dürremonitors Deutschland« weisen schon wieder rote und tiefrote Stellen auf. Die Böden des Dürregürtels zwischen Brandenburg und Nordrhein-Westfalen sind bis auf 1,8 Meter Tiefe ausgetrocknet. In Franken sieht es nicht besser aus. Dort wurde das Tiefen-Grundwasser seit dreißig Jahren nicht mehr entscheidend aufgefüllt. Deshalb rechnen Landwirte hier wie dort schon wieder mit Ernteausfällen. Zwar war der April 2022 relativ feucht, doch der Mai war zu warm und zu trocken, um den Böden die Feuchtigkeit zu liefern, die sie dringend bräuchten. Noch ist nicht alles verloren, doch steht fest, daß Deutschlands Böden seit 2018 eine Trockenheit erleben, wie es sie seit einem Vierteljahrtausend nicht gegeben hat. Wasser wird zum knappen Gut. 

 

Wie weit wir uns vom Verständnis der Bedeutung der Zusammenhänge zwischen Boden, Wasser und Luft für unsere Gesundheit entfernt haben, dokumentiert dieser alarmierende Artikel, der alle Alarmglocken klingen lassen müßte. Doch die globale Agroindustrie darf einfach weiter machen, von der Politk nicht reguliert. Es gibt in der konventionellen Landwirtschaft noch immer kaum Kontrollen. Erst wenn die Natur stirbt, reagiert man, selbstverständlich industrieschonend (siehe Neonicotinoide etc.). Nur weiter so ....

 

Zurück zum Wein. Er trägt jedes Jahr Früchte, ist aber, anders als Ackerfrüchte, eine langjährige Standkultur. Vor allem konventionell wirtschaftende Winzer rufen seit Jahren nach Bewässerung - nachdem sie ihre Böden durch jahrelangen Herbizideinsatz zerstört und verdichtet haben und ihre übermäßige Düngung Nitrate zum existentiellen Problem für unser aller Trinkwasser machte (siehe unser Bild oben, das den typischen toten Boden konventioneller Glyphosat-Bewirtschaftung zeigt, die roten Kügelchen sind Stickstoff-Phosphor-Kalium-Dünger ... ) 

 

Dr. Wolfgang Patzwahl hat nicht nur ein Buch über Bewässerung von Weinbergen geschrieben, er ist auch Weinbau-Fachberater für den Bioverband »Naturland« und mit seinem »Büro für Technik und Management im Weinbau« ein sowohl national als auch international tätiger Weinbauberater und Gutachter. Seit 2012 hat er an der Fakultät Umweltingenieurwesen der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zudem einen Lehrauftrag im Fach »Verfahren der Siedlungswasserwirtschaft – Bewässerung«.

 

Mit Dr. Patzwahl, der wie kein anderer das Problem Weinbau und Wasser in Deutschland kennt, diskutiert Martin Kössler über die Probleme und Herausforderungen, die der Klimawandel für den Weinbau darstellt. Es wird um die Bedeutung des Bodens gehen, um dessen Bepflanzung und Bearbeitung. Wir werden über die Zukunft unserer Rebsorten ebenso diskutieren, wie über schlechte Rebgenetik, viel zu hohe Erträge und deren Konsequenezen, die Gier der Winzer und deren Angst vor höheren Preisen, die Machenschaften der Agroindustrie und den ökologischen Unsinn von Billigwein. Es wird ein spannendes Gespräch über die Zukunft des Weinbaus, das die Augen öffnet für die Problematik der systematischen Bodenvernichtung und den Wandel in Stil und Charakter der Weine durch Mechanisierung, Technisierung und immer mehr Chemie in Weinberg und Keller. Es wird auch um das dramatische Versagen und vorsätzliche Desinteresse der Politik gehen und um mögliche Aussichten für die Zukunft des Weines im allgemeinen und besonderen.

 

Anschließend beantworten wir gerne Ihre Fragen


Hier der Link zur Teilnahme: 

Meeting-ID: 867 1214 1081

Kenncode: C2bHCS