Henrik Möbitz

Um ehrlich zu sein: Bislang standen wir mit Baden eher auf Kriegsfuß. Unsere 'langsamen' Winzer, Thomas Seeger von der nördlichen Bergstrasse, Holger Koch aus Bickensohl am Kaiserstuhl und Familie Ziereisen aus dem äußersten Süden, belehren uns eines besseren und wir folgen ihnen seit Jahren mit Freude und Engagement. Was wir darüber hinaus aber aus Baden kennen und probieren, haut uns selten vom Hocker. Es ist eine Region, die in jenen Klischees zu verharren scheint, die sie seit Jahren bedient.

Da müssen Leute von außerhalb kommen, um das festgefügte Stilideal badischen Spätburgunders neu bzw. anders zu definieren. Leute wie Henrik Möbitz. Von Beruf Chemiker bei einem Schweizer Weltkonzern. In seiner Freizeit Hobbywinzer, der den meisten Profiwinzern zeigen könnte, wo der Bartel den Most holt. Er kommt von Berufs wegen viel herum und sammelt Pinot Noir aus aller Welt und Syrah von der Nordrhône. Henrik Möbitz kennt sich aus in der Welt des Weines und ist ein sensibler und versierter Verkoster.  

Vor 15 Jahren begann er aus Leidenschaft selbst Wein zu machen. Die Faszination Pinot Noir hatte ihn gepackt und er wollte ihn nicht mehr nur trinken, er wollte ihn jetzt auch machen. Der Wissenschaftler machte sich ans Werk. Er pachtete einen Hektar Reben am Bollschweiler Ölberg, kam auf einem nahe gelegenen Bauernhof im Keller mit seinen Fässern unter und betreibt seitdem akribisch und mit zunehmendem Staunen über die Natur Weinbau in mikroskopischer Dimension. Selten finden mehr als 2000 Flaschen Gewürztraminer, Weißburgunder und Pinot Noir den Weg zu Freunden und Liebhabern. 

Henrik Möbitz hat sich bewußt Pinot Noir verschrieben und nicht dem deutschen Spätburgunder. Wie Holger Koch unterscheidet auch er die beiden Stilistiken grundlegend. Während deutscher Spätburgunder entweder anämisch steril ins Glas kommt oder aber konzentriert süß mit sehr viel neuem Holz gewürzt, entfalten sich der beiden Winzer Pinot Noirs präzise duftig und transparent in erdig trockenen Beeren- und Würzaromen, wie sie typisch sind für große klassische Burgunder. Reife Erdbeeren, Pfeffer, Gewürznelken und Zimt dominieren ihr ätherisch duftendes Bukett und im Mund entwickeln sie trockene, erdige Komplexität, mineralische Länge und vibrierende Präzision in spannend lebendigem Mundgefühl, das in würzig kühler Länge am Gaumen ausklingt.

Henrik Möbitz nutzt den Vorteil der kleinen Größe und bearbeitet mit Hilfe von Familie und Freunden die Reben so individuell, wie es ein großer Betrieb nicht kann. Auf biologischen Weinbau hat er sich bislang nicht eingelassen, weil er auch bei seiner kleinen Betriebsgröße zu zeit- und arbeitsaufwendig wäre. Seine Trauben läßt er so lange hängen, bis sie aromatisch ideal reif sind und liest sie dann binnen weniger Stunden. Die kerngesunden Trauben keltert er von Hand, die Moste vergären spontan und bleiben bis April auf der Vollhefe im Holzfaß liegen. Bis zur Füllung schwefelt Henrik Möbitz seine Pinots nicht. 

Seit 2008 zuckert auch Henrik Möbitz seine Moste leicht auf. Ein Sakrileg ist damit gebrochen. In Burgund zuckern fast alle Winzer systematisch selbst in reifen Jahren auf und auch vielen deutschen Pinots muß man den dicken, unpräzise seifig wirkenden ‚Chaptalisierungs-Fleck’ auf der Zunge attestieren, der durch übermäßige Anreicherung entsteht und die Länge des Weines nachhaltig stört. Doch Henrik Möbitz weiß als Wissenschaftler wie und warum er es tut:  ‚Bisher habe ich mich geweigert, meine Pinots zu chaptalisieren, weil ich das Wettrüsten zu immer höheren Alkoholgehalten nicht mitmachen wollte. Chaptalisierung ist die beschönigende Bezeichnung für die Erhöhung des Alkoholgehalts durch Aufzuckerung des Mostes. Meine vollreifen Trauben bringen natürliche 13 bis 13,5 Vol. % an potentiellem Alkohol auf die Waage, landen durch Maischegärung mit eigenen Hefen und Verdunstung bei der Faßlagerung aber schließlich bei 11,5 bis 12 Vol.%. Ich habe 2008 meine Pinots auf moderate 12,5% Alkohol chaptalisiert und stelle geschmacklich und vom Ausbau her einen Riesenunterschied fest. Die Weine sind robuster und fleischiger, besitzen besser eingebundenes Tannin und haben sich im Keller viel besser geklärt, so daß ich sie unfiltriert und ungeschönt, nur durch Falldruck bewegt, auf die Flasche bringen konnte.’ Nach fünfzehn Jahren steten Experimentierens begeistert sich der Naturwissenschaftler Möbitz daran, daß er als Winzer allmählich zu stilistischer Reife im Sinne bester Tradition findet. Seine Pinot Noirs jedenfalls gehören zu den großen der deutschen Rotwein-Szene.

Um ehrlich zu sein: Bislang standen wir mit Baden eher auf Kriegsfuß. Unsere 'langsamen' Winzer, Thomas Seeger von der nördlichen Bergstrasse, Holger Koch aus Bickensohl am Kaiserstuhl und Familie Ziereisen aus dem äußersten Süden, belehren uns eines besseren und wir folgen ihnen seit Jahren mit Freude und Engagement. Was wir darüber hinaus aber aus Baden kennen und probieren, haut uns selten vom Hocker. Es ist eine Region, die in jenen Klischees zu verharren scheint, die sie seit Jahren bedient.

Da müssen Leute von außerhalb kommen, um das festgefügte Stilideal badischen Spätburgunders neu bzw. anders zu definieren. Leute wie Henrik Möbitz. Von Beruf Chemiker bei einem Schweizer Weltkonzern. In seiner Freizeit Hobbywinzer, der den meisten Profiwinzern zeigen könnte, wo der Bartel den Most holt. Er kommt von Berufs wegen viel herum und sammelt Pinot Noir aus aller Welt und Syrah von der Nordrhône. Henrik Möbitz kennt sich aus in der Welt des Weines und ist ein sensibler und versierter Verkoster.  

Vor 15 Jahren begann er aus Leidenschaft selbst Wein zu machen. Die Faszination Pinot Noir hatte ihn gepackt und er wollte ihn nicht mehr nur trinken, er wollte ihn jetzt auch machen. Der Wissenschaftler machte sich ans Werk. Er pachtete einen Hektar Reben am Bollschweiler Ölberg, kam auf einem nahe gelegenen Bauernhof im Keller mit seinen Fässern unter und betreibt seitdem akribisch und mit zunehmendem Staunen über die Natur Weinbau in mikroskopischer Dimension. Selten finden mehr als 2000 Flaschen Gewürztraminer, Weißburgunder und Pinot Noir den Weg zu Freunden und Liebhabern. 

Henrik Möbitz hat sich bewußt Pinot Noir verschrieben und nicht dem deutschen Spätburgunder. Wie Holger Koch unterscheidet auch er die beiden Stilistiken grundlegend. Während deutscher Spätburgunder entweder anämisch steril ins Glas kommt oder aber konzentriert süß mit sehr viel neuem Holz gewürzt, entfalten sich der beiden Winzer Pinot Noirs präzise duftig und transparent in erdig trockenen Beeren- und Würzaromen, wie sie typisch sind für große klassische Burgunder. Reife Erdbeeren, Pfeffer, Gewürznelken und Zimt dominieren ihr ätherisch duftendes Bukett und im Mund entwickeln sie trockene, erdige Komplexität, mineralische Länge und vibrierende Präzision in spannend lebendigem Mundgefühl, das in würzig kühler Länge am Gaumen ausklingt.

Henrik Möbitz nutzt den Vorteil der kleinen Größe und bearbeitet mit Hilfe von Familie und Freunden die Reben so individuell, wie es ein großer Betrieb nicht kann. Auf biologischen Weinbau hat er sich bislang nicht eingelassen, weil er auch bei seiner kleinen Betriebsgröße zu zeit- und arbeitsaufwendig wäre. Seine Trauben läßt er so lange hängen, bis sie aromatisch ideal reif sind und liest sie dann binnen weniger Stunden. Die kerngesunden Trauben keltert er von Hand, die Moste vergären spontan und bleiben bis April auf der Vollhefe im Holzfaß liegen. Bis zur Füllung schwefelt Henrik Möbitz seine Pinots nicht. 

Seit 2008 zuckert auch Henrik Möbitz seine Moste leicht auf. Ein Sakrileg ist damit gebrochen. In Burgund zuckern fast alle Winzer systematisch selbst in reifen Jahren auf und auch vielen deutschen Pinots muß man den dicken, unpräzise seifig wirkenden ‚Chaptalisierungs-Fleck’ auf der Zunge attestieren, der durch übermäßige Anreicherung entsteht und die Länge des Weines nachhaltig stört. Doch Henrik Möbitz weiß als Wissenschaftler wie und warum er es tut:  ‚Bisher habe ich mich geweigert, meine Pinots zu chaptalisieren, weil ich das Wettrüsten zu immer höheren Alkoholgehalten nicht mitmachen wollte. Chaptalisierung ist die beschönigende Bezeichnung für die Erhöhung des Alkoholgehalts durch Aufzuckerung des Mostes. Meine vollreifen Trauben bringen natürliche 13 bis 13,5 Vol. % an potentiellem Alkohol auf die Waage, landen durch Maischegärung mit eigenen Hefen und Verdunstung bei der Faßlagerung aber schließlich bei 11,5 bis 12 Vol.%. Ich habe 2008 meine Pinots auf moderate 12,5% Alkohol chaptalisiert und stelle geschmacklich und vom Ausbau her einen Riesenunterschied fest. Die Weine sind robuster und fleischiger, besitzen besser eingebundenes Tannin und haben sich im Keller viel besser geklärt, so daß ich sie unfiltriert und ungeschönt, nur durch Falldruck bewegt, auf die Flasche bringen konnte.’ Nach fünfzehn Jahren steten Experimentierens begeistert sich der Naturwissenschaftler Möbitz daran, daß er als Winzer allmählich zu stilistischer Reife im Sinne bester Tradition findet. Seine Pinot Noirs jedenfalls gehören zu den großen der deutschen Rotwein-Szene.