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Pét Nat | Pétillant Naturel

Pét Nat. Ein Namenskürzel, das noch vor wenigen Jahren für eklektizistische Schaumweine spinniger Franzosenwinzer stand. Binnen weniger Jahre sind deren »Pétillant Naturel«, so ihre vollständige Bezeichnung, auch bei uns in der Mitte der weintrinkenden Gesellschaft angekommen.

 

Das »natürlich« in diesen »natürlichen Schaumweinen« erklärt sich dabei fast von selbst.

 

Es geht darauf zurück, daß sich der Zucker im Traubenmost auf natürliche Weise in Alkohol verwandeln will. Dabei entsteht Kohlensäure. Die Pét Nat-Winzer füllen Most, der sich mitten in der alkoholischen Gärung befindet, also in der Umwandlung von Zucker in Alkohol, bei einem Restzuckergehalt von 20 bis 30 g/l in eine Flasche, die den Druck, der durch das Weitergären auf der Flasche entstehen wird, aushalten muß. Kaum ist der süße Most auf der Flasche, wird diese mit einem stabilen Kronenkorken verschlossen. Der Most gärt nun auf der Flasche weiter und vergärt dabei den verbliebenen Zucker mit der noch reichlich vorhandenen Hefe der alkoholischen Gärung zu Kohlensäure und Alkohol. Weil die Kohlensäure nicht entweichen kann, geht sie in Lösung und bildet so auf ganz natürliche Art und Weise jene Blasen, die den gärenden Wein am Ende der Gärung zum trockenen Schaumwein machen.

 

Man weiß, daß 4 Gramm Zucker im Ausgangsmost dabei 1 Bar Druck bilden. Ein guter Pét Nat entwickelt also in den sechs bis neun Monaten seiner Gärung zwischen 5 und 7 Bar Druck auf der Flasche, so viel wie Champagner, der dazu aber mindestens 15 Monate braucht, bei guten Produzenten oft auch Jahre. Dafür ist in gutem, also lange auf der Hefe gereiften Champagner die Blasenbildung sehr viel feiner und persistenter, weil sich die Kohlensäure über längere Zeit sehr viel feiner integrieren kann. Bei einem Pét Nat ist sie meist auch fein gelöst, hält aber längst nicht so lange, wie in einem über Jahre auf der Flasche vergorenen Champagner, dem zum fertigen trockenen Grundwein wieder Hefe und Zucker zugesetzt wird, damit diese während ihrer langen und langsamen Vergärung präzise definierten Kohlensäuregehalt mit entsprechendem Druck bilden kann.

 

Aussehen tut das in einem Pét Nat am Ende ziemlich wild (siehe Bild links). Die Hefe verleiht dem Getränk eine graubraune Farbe und hat sich am Flaschenrand als fast fester Kuchen niedergeschlagen. Weil sich an diesen Hefepartikeln beim Öffnen der Flasche die Kohlensäure schlagartig bildet, schäumt so ein nicht von der Hefe abgezogener Pét Nat wild und ungestüm mit viel Druck aus der Flasche. Es läßt sich dabei nicht verhindern, daß ein guter Teil des Flascheninhalts aus der Flasche schießt. Deshalb »degorgiert« man derart produzierte Schaumweine, man trennt sie also von der Gärhefe und dem während der Reifung entstandenen Weinstein, verschließt dann die Flasche wieder, und gleicht den entstandenen Verlust mit der sogenannten »Dosage« aus, wenn man will, daß dem meist ziemlich sauren Grundwein etwas Süße entgegensteht (das deklariert man dann als »Brut«), oder man füllt ihn mit dem eigenen trockenen Wein auf, also ohne Dosage, ohne Restzucker, was man dann als »Extra Brut« oder gar als »Brut Nature« oder »Dosage Zero« deklarieren kann (siehe »Champagner-Codierung«). Pét Nats sind in der Regel undosiert, also knochentrocken, maximal »natürlich« eben. 

 

Was die Pét Nats so populär hat werden lassen, war die Naturweinbewegung. Die hat sich, leider oft extrem ideologisch verbohrt, am Schwefelgehalt festgebissen, orientiert sich also, unsere Kritik an der Bewegung, sehr viel mehr an der Machart der von ihr propagierten Weine, als am maximal natürlichen Anbau, dem ein minimal eingreifender Ausbau folgt.

Pét Nats brauchen keinen Schwefelzusatz. Die entstehende Kohlensäure konserviert den Wein nämlich auf natürliche Weise. Vor allem wohl deshalb kaprizierte man sich in der Naturweinszene auf die natürliche Schaumweinvergärung der Pét Nats. Die wurde unerwartet so schnell zum Trend, daß dieser auch auf den »normalen« Weinmarkt überschwappte. So wurde aus dem einstigen Nischenprodukt »Pét Nat« binnen weniger Jahre ein heute fast schon fester Bestandteil der Schaumweinszene.   


 © K&U