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Photosynthese

 

Die Natur ist ein Wunder. Ist es nicht erstaunlich, in was für kurzer Zeit sie sich im Frühling ihr grünes Kleid anlegt? Ein paar wenige Tage und schon erstrahlt sie in saftigstem Grün. Wir staunen jedes Jahr aufs Neue über den Frühling und seinen wunderbaren Wandel vom winterlichen Grau in jenes Grün, das für uns Menschen so grundlegend lebensnotwendig und schließlich auch dafür verantwortlich ist, daß wir jedes Jahr aufs Neue einen neuen Wein-Jahrgang genießen dürfen.

 

Für uns scheint es selbstverständlich, daß im Frühjahr die Natur erwacht. Wir machen uns kaum Gedanken darüber, wie dieses fantastische Wunder der Natur entsteht.


Mehr noch - wir zeigen (tief im Unterbewußtsein verankert) offenkundige Angst vor der Natur, die sich in den vielzitierten seelenlosen »Vorgärten des Grauens« in Stand und Land ebenso manifestiert, wie im makellosen Golf-Rasen ohne jede Blüte oder im laubfreien Baumarkt-Einheitsgehölz, die so viele Gärten zu Angst-vor-der-Natur-Zonen degenerieren. Zubetonierte, autogerechte Straßenzüge und Asphalt-Orgien bis fast ins Wohnzimmer sprechen - vor allem auf dem Land und in Kleinstädten - eine frustrierend deutliche Sprache.


Die Bedeutung der Biodiversität und des Verständnisses für die faszinierende Komplexität der Natur, vom Boden über das Wasser bis zur Luft, als wesentliche Voraussetzungen für unsere Gesundheit wie für unseren immateriellen Wohlstand scheinen uns nicht bewußt. Sie sind gedanklich ganz weit weg. Der materielle Wohlstand, allen voran das Auto als Meßlatte für das, was wir unter »Wohlstand« verstehen, scheint uns wichtiger zu sein, als unsere Gesundheit und unser aller Lebensgrundlage Natur. Ganz schön verrückt, wenn man sich das genau überlegt. Zumal uns der derzeitige Krieg vor Augen führt, wie schnell dieser materielle Wohlstand pulverisiert sein kann. 


Was die Natur für ein grandioses Wunderwerk ist, ist auch uns erst durch die intensive Beschäftigung mit dem Wein klar geworden. Der kann nach unseren Kriterien nur gut sein, wenn sein Winzer mit der Natur und nicht gegen sie arbeitet. Das klingt so banal und steht inzwischen auf so vielen Webseiten und in so vielen Publikationen, daß wir es beiläufig überlesen. Viele der dort so gerne bemühten Begriffe wie Natur,RegionalitätBiodiversität und Nachhaltigkeit sind längst inflationär abgegriffen und inhaltslos abgenutzt. Wir nehmen sie kaum noch wahr, geschweige denn, daß wir uns damit beschäftigen würden, welche enorme Komplexität sich hinter jedem einzelnen dieser Begriffe verbirgt.


Das Greenwashing, das sich im Wein breitgemacht hat, ist, man kann es nicht anders sagen, zum Kotzen. Es ist unverfroren omnipräsent und vom Leser und Verbraucher kaum zu durchschauen. Winzer, Verbände aller Art und Händler lügen auf ihren Webseiten, daß sich die Balken biegen. Dagegen vorzugehen ist müßig. Es ist auch nicht unsere Aufgabe. Wir als K&U können nur versuchen, mit Fakten aufzuklären, Mißstände, die wir für relevant halten, zu benennen und komplexe Zusammenhänge so zu erläutern, daß sie verständlich und nachvollziehbar werden (was wir in unserer elektronischen »Flaschenpost« immer wieder versuchen).


Zurück zum sprießenden Grün des Frühjahrs, zum Wunder der Natur. Wir verdanken es einem aufregend biochemischen Prozess, der Photosynthese. Wer sich mit ihr eingehender beschäftigt hat, wird der Natur anschließend grundlegend verändertes Verständnis entgegenbringen. Eine schnelle und einfache Erklärung der Photosynthese finden Sie hier, wenn Sie tiefer einsteigen möchten empfehlen wir Ihnen diesen Artikel (dort vor allem den Abschnitt »Bedeutung der Photosynthese«).


Ohne Photosynthese kein Leben auf der Erde. Kein Boden, kein Bodenleben, keine Nahrungsmittel, kein Sauerstoff, keine Menschen und auch kein Wein. Das, was für uns so selbstverständlich wirkt, daß wir keinen Gedanken daran verschwenden, ist ein komplexer, nicht einfach zu verstehender Vorgang, der selbst nur ein kleiner, aber entscheidender Teil im großen Ganzen des Wunders der Natur ist.


Immerhin hat uns die Beschäftigung mit der Photosynthese dazu gebracht, uns auf der Suche nach harten Kriterien für Qualität im Wein intensiv mit Biologie, Chemie, Physik und den Grundlagen des Lebens auf der Erde zu beschäftigen. Das läßt uns seitdem ganz andere Kriterien an die Qualität von Wein anlegen als das, was sie heute meistens sind: oberflächlich geschmäcklerisches Gelabere.


Nur wenn ein Winzer die Photosynthese in seine Arbeit im Weinberg so zu integrieren versteht, daß er seine Böden über entsprechende Begrünung mit vielfältig diversem Leben versehen kann, werden seine Trauben die aromatische Reife entwickeln und die notwendigen Nährstoffe aufnehmen können, die sie für eine natürliche, spontane Gärung mittels der natürlich vorhandenen traubeneigenen Hefen benötigen. Nur sie lassen ihn dann einen mikrobiologisch stabilen, natürlich guten Wein produzieren, der auf die vielen chemischen und physikalischen Zusatzstoffe der modernen Önologie getrost verzichten kann. Nur so kann er Wein produzieren, der seine Arbeit und Qualitätsphilosophie, den Einfluß des Jahresverlaufes sowie die Herkunft und Qualität seiner Trauben unverwechselbar widerspiegelt. Wein, wie wir ihn verstehen, suchen und anbieten.


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