Franz & Florian Gojer. Wiedersehen nach 25 Jahren
  • Von Martin Kössler
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  • 30.01.2013
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  • 2 Kommentare
  • Winzer

 

Genau 25 Jahre ist es her, daß wir als einer der ersten Importeure hierzulande Weine aus Südtirol importierten. Jetzt haben wir uns mal wieder intensiv mit der landschaftlich so reizvollen Region und ihren Weinen zwischen Brenner und Trento beschäftigt – und waren doch sehr erstaunt und frustriert über das, was uns da nur zu oft geboten wurde.

 

Nicht daß die Weine schlecht wären. Ihr technisches Niveau ist hoch, zu hoch sogar, denn viel zu viele sind unglaublich langweilig weil schrecklich uniform. Wer nette, saubere Weine mit pflegeleichtem Charakter sucht, der mag hier richtig sein. Davon gibt es reichlich, von leicht bis schwer. Da ist für jeden etwas dabei.

Wer aber charaktervolle Weine mit Identität und Profil sucht, die aus der uniformen Einfalt simpler Primärfrucht und verdeckter Kommerzsüße herausragen, die ihre Herkunft selbstbewußt und unmißverständlich demonstrieren, der hat in Südtirol ein Problem. Solche Weine sind dort die rare Ausnahme.

 

Wir haben das Gefühl, daß die Berge rund um Südtirol vielen Winzern den Blick verstellen für das, was  in der großen weiten Welt des Weines passiert. Die simple, technisch kalte Frucht ihrer Weine und deren naive, trockenen Geschmack vorgaukelnde Art mögen dem durchschnittlichen italienischen Konsumenten gefallen und auch so mancher deutsche Urlauber mag nach einer Wanderung ihrem vordergründigen Charme erliegen, doch müssen wir feststellen, daß Südtirol in Sachen Qualität schon weiter war, als es sich heute zeigt.

So kommen die meisten seiner teilweise recht alkoholischen Rotweine kaum über netten globalen Charakter hinaus, sie als »typisch Südtirol« zu charakterisieren gelingt nur den wenigsten. Die viel zu oft nervig versteckt restsüßen und fast immer rückständig simpel fruchtigen Weißweine haben uns dagegen richtig genervt. Ihre prägenden Dropsaromen aus Kaltvergärung mittels entsprechender Reinzuchthefen versuchen wir in unseren deutschen Weinen gerade mühsam abzuschütteln. Das brauchen wir hierzulande also nicht!

 

FRanz_Gojer_Portrait

 Franz Gojer

 

Eine Riesenfreude war es uns, unseren ersten und damals wichtigsten Südtiroler Winzer wieder zu besuchen: Franz Gojer. Der Franz hat damals schon spektakulär schöne Vernatsch und St. Magdalener produziert und sein legendärer Lagrein hat uns auch dieses Jahr wieder ein ums andere Mal begeistert.

 

Wir hatten uns in den 25 Jahren aus den Augen verloren, warum auch immer. Doch es war wie damals, als wir uns letzte Woche trafen, sofort war der alte Faden wieder da.

Inzwischen macht Sohn Florian den Wein. Franz hat ihm die Verantwortung für den Betrieb übergeben und steht ihm mit Rat und Tat zur Seite. Mich hat es richtig berührt zu sehen, wie der junge Florian, der seine Ausbildung in Weinsberg und u. a. auch in Kalifornien bei Au Bon Climat absolvierte, mit leuchtenden Augen sein Engagement in den Weinbergen erläutert und seine Begeisterung, mit der er seine Philosophie im Keller erklärt, überträgt sich unwillkürlich auf einen selbst. Seine Weine im Glas stehen dafür. Sie spielen in Südtirol in einer eigenen Liga.

 

Florian_Gojer_Portrait

Florian Gojer

 

Eine tolle Winzerfamilie, die sich auf ihre ganz eigene Art den typischen alten roten Rebsorten Südtirols verschrieben hat und sie allen Moden zum Trotz zu souveräner Perfektion geführt hat. Eine Ausnahmeerscheinung in Südtirol. Franz und Florian Gojers Rotweine wirken verspielt im Mund, seidig und elegant verwoben in der außergewöhnlichen Qualität ihrer sensibel extrahierten Gerbstoffe, dabei dicht und kompakt wirkend, hochwertig samtig und cremig in der balsamischen Substanz am Gaumen. Zugleich aber, und das unterscheidet sie von so vielen anderen, durchzogen von wohltuender Frische, die spontane Trinkfreude auslöst. Insbesondere ihre Vernatsch-Weine haben mich begeistert. Sie erinnern an hochwertige Nordrhône-Syrah wie an exzellenten Pinot aus Burgund, sie haben etwas von gutem, kühlen Blaufränkisch und sie erinnern frappierend an traditionell vergorene Gamay. Hier steht sie im Glas, die ureigene Würze und Duftigkeit Südtirols, unverwechselbar und authentisch wie selten, süffig, fröhlich und ernsthaft ohne schwer zu sein. Die pure Weinfreude.

 

Der andere große Rotwein von Familie Gojer ist ihr Lagrein. Er stammt aus kühlen Lagen bei St. Magdalena und von warmen Lagen bei Auer im Oberland. Auch er sprengt konventionelle Vorstellungen typischen Lagreins und ist doch typischer als alle anderen. Dicht gepackt und ungewöhnlich tanninbetont zieht er seine seidig dichte, von feiner frischer Säure getragene Gerbstoffbahn über die Zunge. Seine Gerbstoffe wirken auf den ersten Schluck präsent und fast dominant, doch sie sind raffiniert kühl und balsamisch dicht verwoben, erinnern an Teroldego und hochwertige Barbera und machen den Wein so faszinierend eigenständig, daß man richtig Lust auf sein graphitisch geprägtes Lorbeer- und Wacholderbukett bekommt.  Ein großer, eigenständiger Weine, nichts für den Weltmarkt, weil ursprünglich regional und eigenartig, genau deshalb aber so attraktiv wie lustfördernd. Ein großer Südtiroler Rotwein, vor dessen Mut zur Persönlichkeit ich den Hut ziehe. Er wird sich in 3-5 Jahren so präsentieren, daß man Sehnsucht nach Südtirol verspürt, kaum daß man ihn im Glas hat. Die Faszination der autochthonen Rebsorte und des selbstbewußt regionalen Charakters. Das können so nicht viele Weine in Südtirol.

 

Gojer-FlascheEtikett

 

Franz und Florian Gojers »Glögglhof« ist klein, die Ernte stets im Voraus ausreserviert. Doch weil wir uns schon so lange kennen, wir besorgten ihm 1987 sein erstes französisches Barrique für seinen Lagrein, hat uns Franz versprochen, daß wir Wein bekommen. Er wird ab Mai/Juni 2013 verfügbar sein und wir freuen uns, Ihnen den großen Jahrgang 2012 anbieten zu können, der einfach hinreißend gut gelang. Florian meinte, es könnte vielleicht der beste werden, den sie bisher produzierten. Ich jedenfalls war total begeistert von seinem präzisen, geschmeidigen Regionalcharakter, expressiv duftig, rassig frisch, unglaublich saftig und dicht, dabei weich und sanft und mild in der Art, aber so durchdringend persönlich und eigen im Profil, daß es eine Freude ist, diese Weine zu trinken. Lieben Dank Franz und Florian für diesen spannenden Tag bei Euch, der mir richtig Freude gemacht hat! Schön, daß wir wieder mit Euch und für Euch arbeiten können.

 

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Auf der anderen Seite des Tals konnten Vater und Sohn Gojer einen alten Hof kaufen, auf dem sie seit drei Jahren auf über 600 m Höhe Weißweine anbauen, wie sie im Südtiroler Kontext nicht alltäglich sind, typisch Gojer also demnächst auch in weiß!

Sauvignon Blanc, furztrocken, mineralisch salzig und ultrapräzise, dicht und cremig mit der typisch gelb-grünen Duftkomplexität Südtirols, aber ohne die simplen Drops oder die nervige grüne Paprika im Duft, sondern nachhaltig lang, rassig und erstaunlich eigenständig. Die Proben waren hefetrüb, doch deuteten sie jenes weiße Abenteuer, wie es Florian nannte, mit dem die Ära der Weißweine auf dem »Glögglhof«beginnt, überzeugend an. Auch sie scheinen den Stoff zu famosem Niveau zu haben. Allerdings sind auch sie rar, mehr als 4-5000 Flaschen gibt es davon nicht. Doch wir können versprechen, wenigstens ein paar Flaschen davon anbieten zu können.

 

Wir informieren Sie hier über das Eintreffen der Weine von Franz und Florian Gojer aus St. Magdalena im Juni 2013. Bis die Weine lieferbar sind, bieten wir Ihnen rechts oben die Weine unseres anderen Südtiroler Partners Manincor aus Kaltern an.

Kommentare
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2 Kommentare
Ihr Name zmeck maria-luise
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06.Nov.2013
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wo bekommt man in innsbruck eure guten weine zu kaufen. danke
Thomas Straeter
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19.Feb.2013
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Freut uns, dass die Gojers vom Glögglhof wieder ins Programm kommen. Magdalener und der Magdalener Rondell gehören jedes Jahr zu den besten. Martin Gojer und sein Weingut Pranzegg sind auf einem ähnlich guten Weg wie Franz und Florian und auf jeden Fall einen Besuch wert.