Die Frage des Monats: Kork oder Alternativ-Verschluß?
  • Von Martin Kössler
  • |
  • 24.01.2013
  • |
  • 1 Kommentar
  • Zahlen, Fakten, Technik

Was ist der Unterschied zwischen Plastikkorken, zusammengeklebten „Ersatz-Korken“ und echtem Kork?

Hat dieser Unterschied Einfluß auf den Wein?

Wie sieht es mit dem Schraubverschluß aus?

 

Diese Fragen beschäftigen nicht nur unsere Kunden, sondern alle Weinleute seit Jahren und sorgen dafür, daß der Weinmarkt gespalten ist in die klaren Verfechter des Naturkorks und jene, die froh wären, wenn es Wein nur noch mit alternativen Verschlüssen gäbe.

 

Wer kennt das nicht: Ein gemütlicher Abend, eine schöne Flasche Wein, das mundwässernd lustweckende „Plopp“ – und dann schmeckt der Wein nach Kork oder einfach nur muffig, dumpf, chemisch, bäähh!
 Das ist um so ärgerlicher, je teurer die Flasche war.

 

Kork ist ein natürliches Material und insofern mit der (statistischen) Imperfektion der Natur behaftet. Es hat lange gedauert, bis die Wissenschaft herausfand, welche komplizierten chemisch-biologischen Vorgänge den als „Korkschmecker“ bezeichneten Fehlton des Weines verursachen. Sie gehen auf die Lagerung der Korkplatten und den Reinigungsprozess der Korken bei der Herstellung zurück, doch gibt es auch äußere Einflüsse, die den Korken im Weingut oder beim Kunden im Keller nachhaltig durch Bildung der chemischen Verbindung „Trichloranisol“ (TCA) zerstören können. Deshalb ist und bleibt das Naturmaterial Kork unberechenbar. Immerhin kann man heute unter verschiedenen alternativen Verschlüssen wählen:

 

Plastikkorken

Er gehört in keinen Wein. Er wird, damit er elastisch bleibt, mittels Weichmachern hergestellt, die sich dann prompt, das wissen wir von den dünnwandigen Plastikbilligflaschen aus dem Discounter, im Wasser und im Wein wiederfinden (Stichwort Pseudoöstrogene). Das muß nicht sein.

 

Pseudokork (Konglomerat)

In vielen Flaschen aus dem Discounter- und Supermarktregal findet man einen korkähnlichen Verschluss, der kein Kork ist. Man sieht ihn von außen nicht. Er wird aus Korkresten per Klebstoff zusammengepreßt, oft flächendeckend bedruckt, damit man nicht sieht, daß es sich um billigstes Konglomerat, also um einen Pseudo-Korken, handelt, der, wenn man die Flaschen liegend lagert, binnen weniger Wochen den Klebstoff an den Wein abgibt. Der riecht und schmeckt dann entsprechend muffig, der Wein ist zerstört. Schade drum, also Billigflaschen mit solchen Billigstopfen niemals liegend lagern!

 

Glas-Stopfen

Eine optisch hochwertige Alternative zum traditionellen Naturkork, aber zu teuer und zudem auch nur mit einem Silikonring dicht zu kriegen, der im sauren Medium Wein schneller Versprödung unterliegt und deshalb keine dauerhafte Lösung darstellt.

 

Diam

Eine neue Technologie. Wenn Sie auf einem Korken, der auf den ersten Blick wie ein billiges Konglomerat aussieht, das Wort „Diam“ finden, haben Sie einen gar nicht billigen hochmodernen Kunstkorken in der Hand, der als natürliche Alternative zum Naturkork gehandelt wird. Er ist geprüft frei von Korkschmecker und wird aus aufwendig gereinigtem Naturkork, ohne Klebstoff thermisch und unter hohem Druck komprimiert, produziert. Dieser sogenannte Diam-Kork wird von immer mehr Produzenten erfolgreich eingesetzt, doch bleibt abzuwarten, wie er sich langfristig bewährt (Diam-Homepage).

 

Schraubverschluß

Er vermittelt nicht das Flair von echtem Naturkork und seine Gegner bekritteln den Beigeschmack billigen Supermarktweines. In der Praxis aber hat er sich sehr bewährt und er besticht durch praktische Handhabung. Zwar hat auch er seine Macken, doch wenn er sachgerecht aufgebracht wird, scheint er in Zeiträumen normalen Weingenusses, also bis zu fünf oder zehn Jahre lang, einen Wein zuverlässig vor dem Verderb schützen zu können. Nur einfache Weine, die simpel primärfruchtig hergestellt wurden, neigen unter dem luftdicht abschließenden Schraubverschluß dazu, nach Chinaböller zu riechen, also Reduktionsaromen zu entwickeln. Über die Entwicklungs- und Lagerfähigkeit unter alternativen Verschlüssen sind bis heute noch keine absolut zuverlässigen Aussagen möglich, aber mir scheint der Schraubverschluß die bislang beste Alternative zum Naturkork zu sein (Stelvin-Homepage).

 

Naturkork

Früher hat man mit Naturkork verschlossene Weine mit Siegellack als Abdichtung gegen die Korkmotte, aber auch gegen Oxidation geschützt. Heute weiß man, daß ein guter Naturkork absolut luftdicht verschließt, so daß der Wein im Inneren keinem Sauerstoffaustausch ausgesetzt ist. Er entwickelt sich also ausschließlich mit dem in ihm gelösten Sauerstoff, wie das unter einem guten Schraubverschluß auch der Fall ist. Als natürliches Material, als nachwachsender Rohstoff, ist Naturkork absolut faszinierend, physikalisch/chemisch ist er aber nicht besser oder schlechter als der Schraubverschluß. Seine Ökobilanz gilt es noch zu prüfen. Mythos Kork . . . (Amorim-Homepage).

 

Weil die Korkqualitäten trotz größter Bemühungen der Korkindustrie nach wie vor schwanken, bleibt das Risiko negativer Korkbeeinflussung unverändert bestehen und das Thema „Naturkork oder Alternativen“ wird die Weinwelt auch weiterhin beschäftigen.  Wir alle – Winzer, Händler und Verbraucher – müssen also auch weiterhin mit dem Problem Kork leben. Unsere Produzenten und wir widmen dem Thema beim Einkauf aber größte Aufmerksamkeit, deshalb können weder sie noch wir für einen durch Korkschmecker entstandenen Schaden verantwortlich gemacht werden. Wir können nur dazu auffordern, uns jeden einzelnen Fall zu melden, damit wir den Winzern entsprechendes Feedback geben können. Wir prüfen jeden einzelnen Fall genau und entscheiden dann zusammen mit dem abfüllenden Betrieb über möglichen Ersatz. Flaschen mit Naturkork, die Sie schon vor über einem Jahr bei uns gekauft haben, ersetzen wir aus oben genannten Gründen nicht mehr. Das ist das Restrisiko, das jeder Naturkorkflasche in der Kette von der Trauben ins Glas innewohnt.

 

> Nachtrag: Helmut Knall von der „Wine-Times“ hat einen das Problem Verschlüsse erschöpfend behandelnden Artikel verfasst, auf den ich hiermit ausdrücklich hinweisen möchte.

 

Rechts oben finden Sie herausragend gute Weine mit Alternativverschlüssen zum Praxistest.

 

Kommentare
Kommentar hinzufügen

1 Kommentare
Peer G.
|
24.Jan.2013
|
Ein kleiner Einwand zu den dargestellten Nachteilen des Glas-Stopfens: Das Legen von Weinflaschen diente einst dem Feuchthalten des Naturkorks, gegen Versprödung. Diese Notwendigkeit der horizontalen Lagerung entfällt nun bei Flaschen mit Glasverschluss. Somit kommen auch nicht unbedingt Weinsäuren mit dem Silikonring in Verbindung. Der dargestellte Nachteil wäre damit entkräftet, eine stehende Lagerung vorausgesetzt.