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Zweigelt Schilfwein
Schilfwein in rot. Ein natürliches Verfahren, das die Inhaltsstoffe der Trauben, vor allem deren Zucker aber auch aromatische Qualitäten, durch Eintrocknen der Trauben konzentriert. Dazu werden in langen mit Plastikbahnen abgedeckten ‚Tunneln’ Trauben auf Schilfmatten ausgelegt und langsam im warmen Wind des Neusiedler Sees getrocknet. Nach ein paar Wochen werden die rosinierten Trauben abgepreßt und vergoren. Gut zehn Kilogramm getrocknete Trauben braucht man für einen Liter Wein. Der hat vor allem eines: Frucht. Um sie nicht zu zerstören, müssen die Trauben sehr sorgfältig und schonend abgepreßt und gekeltert werden.
Hans Tschidas Zweigelt ist als Schilfwein der pure Suchtstoff. Rote Trauben als cremig weiches Süßweinerlebnis sinnlicher Fruchtpotenz (das Flaschenphoto links ist weiß, nicht rot, dieser Wein ist aber rot, unter gleichem Etikett....). Man nimmt buchstäblich ein Beerenbad, wenn man den Wein im Glas hat. Rote und blaue Beeren im aromatischen Übermaß, reife Himbeeren, aber auch Berberitzen (kennen Sie die noch, die schönen kleinen quietschroten Früchte mit dem kleinen gelben Rucksack unten?) und Blutorangen, vermengt mit pikant ätherischer Pfefferwürze, darüber dunkles Nougat und feine Schokoladenaromen. Dezente Gerbstoffe in feiner Säure und angenehm balancierter Süße, Rotweincharakter anders, süß, duftig, fruchtig. Der ideale Begleiter zu hochwertiger Edelbitterschokolade ab 75% aufwärts. Nicht unbedingt zu Desserts, sondern solo als abendlicher Genußbegleiter. Oder als raffinierter Abschluß zu fruchtig gehaltenen Schokoladenkreationen. Oder als Seelenpflaster pur in kalten Nächten vor dem Kamin. Immer animierend würzig, fröhlich duftig und seriös strukturiert. Wie ein Portwein einzusetzen, nur süßer und aromatisch fruchtbetonter.
Weingut Angerhof-Tschida
Hans und Lisa Tschida produzieren auf ihrem 14 ha großen Weingut in Illmitz, mitten im Nationalpark Neusiedler-See-Seewinkel, glasklare, wie mit dem Federkiel puristisch rein gezeichnete Süßweine. Das pannonische Klima mit seinen ca. 2000 Sonnenstunden pro Jahr liefert die notwendigen Voraussetzungen. Die weltweit einmalige Kombination von Wärme am Tag, Kühle in der Nacht und ausreichend vorhandener Feuchtigkeit sorgt auf den teilweise auf kleinen Inseln gepflanzten Weingärten, inmitten zahlreicher Lacken und Salzlacken in der feuchten Umgebung des Neusiedler Sees, für fast schon planmäßigen, zumindest aber regelmäßigen Befall mit dem Edelfäulepilz. Diese für Süßweine paradiesischen Wachstumsbedingungen lassen Hans Tschida fast die gesamte Ernte zu Beerenauslesen, Eiswein, in trockeneren Jahren Schilfwein, sowie spektakulären Trockenbeerenauslesen (TBA) verarbeiten.
Kompromißlos in der Weinbereitung, kompromißlos im Stil. Hans Tschida kühlt seine Gärräume so weit herunter, daß die Weine gezwungen werden, sehr langsam zu vergären, manchmal über ein, zwei Jahre. Für mehr Komplexität beläßt er sie gezielt „dreckig“ auf der Feinhefe, vergärt aber bewußt nicht spontan; durch den starken Botrytisbefall würde er den angestrebten Rebsortencharakter sonst nicht kontrollieren bzw. herausarbeiten können. Man kann den Weinen deshalb in der Jugend eine gewisse Sterilität vorwerfen. Nach einem Jahr aber gehen sie auf, entwickeln präzise, komplexe Fülle mit ausgeprägtem Sortencharakter, betörend in ihrer Vielschichtigkeit und begeisternd im Nachhall am Gaumen. Süße als bestaunenswertes Wunder der Natur.
Die Rebe
Zweigelt
Zweigelt ist die erfolgreichste rote Rebsorte Österrreichs. Sie wird in allen Regionen der Alpenrepublik angebaut, in denen rote Trauben ausreifen können. Allmählich wird er zumindest im Image abgelöst vom Blaufränkisch, der in seinen Weinen neuen Generation feiner, tiefgründiger, rassiger, frischer, eleganter, gediegener und hochwertiger daherkommt, als es Zweigelt jemals sein wird.
Die Rebsorte ist deshalb so erfolgreich, weil sie früher reift als Blaufränkisch und später austreibt als Sankt Laurent, was ihr, zumal auf tiefgründigen, nährstoffreichen Böden wie im Burgenland, relativ hohe und sichere Erträge beschert; allerdings wird sie bei zu hohen Erträgen schnell dünn, sauer und mager. Sie bringt gute Widerstandskraft gegen Rebkrankheiten mit und stellt keine hohen Ansprüche an den Boden und verträgt Trockenheit wie Frost.
Ein guter Zweigelt präsentiert sich saftig und mit gutem Körper, dezent säurebetont und eher weich als gerbstoffdominiert auf der Zunge; er verträgt Faßausbau ausgezeichnet und gefällt durch weiche, charakteristisch fruchtbeladene würzige Gerbstoffe, die ihre typischen Weichselkirsch- und schwarzer Pfeffer-Aromen duftig und transparent im Mundgefühl verteilen. Ein guter reinsortiger Zweigelt aus niedrigem Ertrag und seriösem Faßausbau kann durchaus ein paar Jahre reifen und entwickelt sich dabei zu feingliedriger Finesse in dunkelwürzig kühlen Fruchtaromen. Doch auch als Verschnittpartner macht die Rebsorte in Cuvées mit Blaufränkisch, Sankt Laurent, Cabernet oder Merlot eine gute Figur.
Zweigelt ist eine ur-österreichische Neuzüchtung. Friedrich Zweigelt, Direktor des Bundeslehr- und Versuchsamtes für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg, kreuzte die Rebsorte 1922 aus St. Laurent und Blaufränkisch. Er nannte die entstandene Rebsorte ‚Rotburger’. Um Verwechslungen mit der Rebsorte ‚Rotberger’ zu vermeiden wurde sie 1975 in Zweigelt umbenannt. Friedrich Zweigelt war schon vor dem ‚Anschluß’ Österreichs 1938 ein überzeugter NSDAP-Anhänger, der auch im Wein ‚arisch rein’ sein wollte. Weil österreichischer Rotwein in der Zeit damals alles andere als farbintensiv war, war es üblich, ihn mit Färbeweinen, vornehmlich aus Italien, dunkel zu färben. Zweigelt wollte sich und alle geistesverwandten Weinbauern von dieser nichtarischen Untugend befreien und entwickelte über die Jahre aus seinem Rotburger jenen intensiv dunkelfarbigen Wein ‚arischer Reinheit’, der heute als Zweigelt fröhliche Triumphe feiert.
![]() | Österreich - Burgenland |
![]() | Zweigelt |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. OEW09710 | |
| Inhalt 0.375l |
















