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Venta D´Aubert
Michèle Hörler und Michael Rudolf verwalten seit ein paar Jahren die rund 80 ha große Bodega "Venta d´Aubert" in der wilden kargen Landschaft des Bajo Aragon, überragt von den Gipfeln des Puertos de Beceite, nicht weit vom berühmten Priorat entfernt. Weingut und Reben liegen 580 Meter über dem Meeresspiegel und nur knapp drei Kilometer trennen die Bodega von der Terra Alta. Dann läge sie in Katalonien und der Verkauf der Weine wäre um ein Vielfaches einfacher. So liegt sie im Bajo Aragon, und das ist önologisches Niemandsland. Es gibt dort keine eigenständige Appellation. Deshalb sind alle Weine der „Venta D´Aubert“ als Landwein eingestuft, auf spanisch „Vino de la Tierra“. Das ist nettes Understatement, denn ihre Weine gehören seit langem zur Oberliga der spanischen Weinszene, finden sich auf den besten Weinkarten des Landes und im Export, der immerhin 70 % des Umsatzes ausmacht, gelten sie als arrivierte Botschafter spanischer Weinavantgarde. In dieser Ecke Spaniens ist es still geworden in den letzten 50 Jahren. Das Land ist weitgehend entvölkert. Industrie gibt es hier so wenig wie Tourismus. Die Einheimischen treiben Landwirtschaft auf niedrigem Niveau. Die Natur ist wild und unberührt, die Region wirkt arm und verlassen. Es herrschen extreme Klimaverhältnisse im Bajo Aragon. Eisig kalt sind die Winter, heiß die Sommer, und es wehen starke Winde, die Menschen und Reben gleichermaßen fordern. Ein ziemlich mutiger Ort, um Wein zu machen. Ruth Brandestini und Peter Mühlemann aus der Schweiz begannen 1987 hier zu einer Zeit Reben zu pflanzen, als Spaniens Weinwirtschaft noch im Tiefschlaf vor sich hindämmerte. Damals bestand "Venta d´Aubert" aus völlig verwahrlosten Grenache Noir-Reben, der am besten an die harten klimatischen Verhältnisse des Bajo Aragon adaptierten Rebsorte, die in Spanien „Garnacha Tinto“ heißt. Sie ergänzt in Cuvées andere Rebsorten ideal, weil sie weiche, aromatische Fülle in sanfter, präsenter Gerbstoffstruktur beisteuert. Um die schwere alkoholische Wärme der Grenache zu puffern, pflanzten die Schweizer Reb-Pioniere damals visionär, in ihrer Zeit sogar revolutionär, die "kühlen" Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah, die damals noch nicht als moderne Globalsorten galten. Tatsächlich erwiesen sie sich als richtig für Terroir und Klima auf „Venta d´Aubert“, denn sie gediehen auf den tonhaltigen, kargen, mit Kalkgestein im Untergrund versehenen Böden ausgezeichnet. Heute sind auf „Venta d´Aubert“ 18 ha mit Reben bepflanzt. Eine neue Bodega mit großzügigem Barriquekeller wurde gebaut und die neuen Schweizer Verwalter Michele Hörler und Michael Rudolf gehen mit profundem Engagement ans Werk. Seit 1999 werden sie vom deutschen Önologen Stefan Dorst beraten, der Alvario Palacios Nachfolge antrat und aus dem Stand für dramatische Qualitätssteigerung sorgte. Aus heutiger Sicht mag die Rebsortenzusammensetzung auf „Venta d´Aubert“ nicht sonderlich originell sein. Von Cabernets, Merlots und Syrahs wimmelt es schließlich inzwischen in Spanien. Doch kein anderer Betrieb in Spanien kann mit ähnlich raffinierter Frische in derart dichter Struktur zu derart realistischen Preisen aufwarten. Die Weine der „Venta d´Aubert“ sind in vielerlei Hinsicht avantgardistisch: Sie sind unerwartet haltbar und entwicklungsfähig; sie entwickeln sich über zehn und mehr Jahre in ungewöhnlicher Konstanz, bleiben dabei erstaunlich frisch und reif und vermitteln stets seltene Trinkfreude; sie sind hochextrahiert und dicht, zugleich aber frisch und elegant im Trunk wie nur wenige andere spanische Weine; sie werden nie von neuem Holz dominiert und ihre Alkoholgehalte bewegen sich in "normalem" Rahmen, was im alkoholverliebten Spanien die Ausnahme ist. Sind es typisch spanische Weine? Schluck für Schluck spiegeln die Weine der "Venta d´Aubert" ihre wilde, hart erkämpfte Herkunft wieder. Deshalb sind sie so authentisch wie typisch. Nur eben anders als andere.
Die Rebe
Chardonnay
Die Herkunft des Chardonnay, der Königin der weißen Rebsorten, ist unbekannt. Viele Märchen ranken sich um ihren Ursprung, geklärt ist er nicht. Alleine in Frankreich kennt man 34 eigenständige Abarten, Klonen genannt, von denen einige überaus aromatisch, fast schon aufdringlich duften, andere sind extrem ertragsstark und riechen kaum.
Chardonnay reagiert wie keine andere Rebsorte unmittelbar auf die Art ihrer Verarbeitung, weshalb die Rebsorte ein so ungewöhnlich breites Qualitäts- und Geschmacksspektrum bietet, daß es den Chardonnay nicht gibt. Der Name der bekanntesten Rebsorte der Welt ist Weintrinkern in aller Welt so vertraut, daß sie kaum darüber nachdenken, daß sich dahinter eine Rebsorte verbirgt. Immer wieder passiert es, daß Kunden nicht wissen, daß Chablis, Chassagne oder Puligny Montrachet aus Chardonnay gekeltert werden. Für Sie scheint „Chardonnay“ eine Marke zu sein. Der Name ‚Chardonnay’ ist so populär, daß die zahlreichen Synonyme für die Rebsorte kaum noch bekannt sind; nur in Österreich beharrt man sympathisch auf dem alten Synonym ‚Morillon’.
Der relativ hohe Alkoholgehalt der Rebsorte vermittelt ein Gefühl von feiner Süße und cremiger Weichheit auf der Zunge, was maßgeblich zur weltweiten, von nationalen Geschmacksvorlieben losgelösten Popularität der Rebsorte beitrug. Die wie bei keiner anderen weißen Rebsorte mögliche Integration von Faßaromen und Eichenholzgeschmack ist ein weiterer Grund für die globale Popularität der Rebsorte.
Von Kellermeistern in aller Welt wird Chardonnay geschätzt, weil er wie keine andere Rebsorte auf ihre Weinbereitung reagiert. Sie läßt sich reduktiv kalt im Edelstahltank vergären und ergibt dann frische, rassige Weine mit angenehmer Säure. Sie läßt sich aber genau so gut oxidativ im kleinen Eichenfaß vergären und lange auf der Hefe lagern, verträgt sogar lange Lagerung und Reifung in neuem Holz, ohne dessen unangenehme Aromen aufzunehmen. Über das Ansprechen der Rebsorte auf Hefesatzaufrühren (die sogenannte ‚Battonage’, bei der man im Holzfaß den trüben Bodensatz der Hefe mit einem Stab aufrührt und sie auf diese Weise emulgiert; je häufiger man dies tut, um so cremiger und weicher wird der Wien) haben sich zwei Schulen an Verarbeitung zwischen Burgund und Kalifornien herauskristallisiert, die diese Eignung für besondere Stilistik nutzen: Es gibt die ‚modernen’ Winzer und Kellermeister, die durch starkes und häufiges Hefesatzaufrühren dicke, weiche, cremig fette Chardonnays produzieren, wie sie der Idealvorstellung dieser Rebsorte entsprechen. Dem stehen Winzer entgegen, die bewußt auf das Aufrühren der Hefe verzichten, um so die aromatische Komplexität der Rebsorte, ihre Mineralität und Straffheit, ihre Rasse und strukturelle Eigenartigkeit herausarbeiten. Sie rühren die Hefe gezielt nicht auf (wie z. B. Coche-Dury in Burgund oder Au Bon Climat in Kalifornien), um deren Aromen nach frischem Brot, Hefeteig, gerösteten Mandeln und Haselnüssen in das frische, nachhaltig straff wirkende, mineralisch geprägte Geschmacksbild der Rebsorte zu integrieren.
Guter Chardonnay besitzt attraktive goldene Farbe und einen breiten, gefälligen, aber nicht einfach zu beschreibenden Geschmack. In wissenschaftlichen Analysen stellte sich Chardonnay als aromatisch schwer zu fassen dar. Sein Spektrum reicht, je nach Ausbau, von Himbeeraromen über Tabak, Vanille, tropische Früchte und Pfirsicharomen zu reifen Tomaten, Tee und Blütendüften.
Wenn man Chardonnay von jungen Rebstöcken erntet, wie in Italien üblich, und dabei noch von den hohen Erträgen profitiert, die die Rebsorte mühelos bringt, wird er wäßrig, dünn und fast neutral. Einfacher Chardonnay ist ein so überflüssiger wie säuerlich dünner, an grüne Äpfel und Melonen erinnernder Saufwein, der den Markt in schier unerschöpflicher Menge zu überschwemmen scheint.
Dagegen können niedrige Erträge von erstklassigen Lagen auf basischen Böden (Kalk), die gesunde Säure mit optimalem pH-Wert aus präzise reif gelesenen Trauben besitzen, durch eine sich souverän zurücknehmende Kellertechnik großartige, eindrückliche Chardonnays begeisternder Individualität hervorbringen, die sich über Jahrzehnte zu unerreichter Grandezza rarer Komplexität entwickeln.
![]() | Spanien - Bajo Aragon |
![]() | Chardonnay |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. SRW10200 | |
| Inhalt 0.75l |


















