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Pinot Noir 'Marjorie Vineyard'  
2008

Pinot Noir 'Marjorie Vineyard'

Paul Gerrie und Steve Doerner, die beiden Männer hinter den Etiketten von Cristom Vineyard, sind Winzer, denen wir blind vertrauen. Ein eherner Grundsatz unserer Branche lautet ‚traue nie einem Winzer’, weil die Erfahrung lehrt, daß dieser Grundsatz grundsätzlich stimmt. Die Männer und Frauen von Cristom Vineyards aber genießen unser Vertrauen, praktizieren sie doch überzeugendes Handwerk aus Überzeugung, was ihnen ihre Weine mit puristisch natürlicher Frucht, Präzision, Balance und Komplexität in rarer Eleganz danken. Sie sind eine Klasse für sich im eher undurchsichtigen Pinot Noir-Business.

Die legendäre Spitze der Cristom-Produktion ist ‚Marjorie’, einer der seltenen Pinot Noirs der Weinwelt von wurzelechten Rebstöcken, gepflanzt 1982 und damit einer der älteren Weinberge Oregons. Wurzelechter Pinot Noir ist intensiver im Aroma, puristisch expressiver und tiefgründiger, aber auch wilder und eigenständiger in Bukett und Geschmack.

Als Paul Gerrie 1992 den Marjorie-Vineyard in den Eola Amity Hills kaufte, war er fasziniert von der Idee, wurzelechten Pinot Noir produzieren zu können. Steve Doerner setzt den Weinberg seitdem in einen grandiosen Pinot Noir um, dessen eindrucksvolles Bukett nach karamellisiertem Zucker und asiatischen Gewürzen ihm legendären Ruf bescherte. Doch der Weinberg stirbt. Wurzelechte Rebstöcke sind nicht resistent gegen die Reblaus und so sind die Tage dieses Weinberges gezählt. 2008 könnte einer der letzten Weine der alten wurzelechten Reben sein. Deren Produktivität sinkt ständig, die Reben sterben und das Cristom-Team pflanzt eifrig nach, freilich nicht mehr wurzelecht.

Der Wein hat es in sich. Er genießt nicht umsonst Kult-Status in der amerikanischen Pinot-Szene. ‚Marjorie’ 2008 ist ein opulent wirkender, floral expressiv duftender Pinot, dessen Stärke weniger das Aroma ist als die Struktur, die für den komplexesten und strukturell anspruchsvollsten Wein im Cristom-Portfolio sorgt. Kraftvoll und dicht gepackt auf den ersten, elegant, seidig und kühl auf den zweiten Schluck. Nobel konzentrierter Charakter, den die alten Reben und der wurzelechte Charakter mit Wucht und Substanz versorgen. Zimt, Gewürznelken und Sternanis prägen Bukett und Geschmack, intensiv und pur; die Tanninstruktur wirkt mächtig und durchdringend präsent, gibt sich physikalisch aber so fein und kühl wie Samt und Seide. Die nur schwer zu beschreibende Kombination von urwüchsig wilder Kraft und distinguiert kühler Noblesse macht den Wein besonders und wertvoll, verleiht ihm unnahbare Aura und Respekt im Glas. Statur und Expressivität gehören zur Spitze internationalen Pinot Noir-Erlebnisses. Beeindruckend ausdrucksstarker Pinot Noir mit Identität und persönlicher Ausstrahlung. Rar.

Cristom Vineyards

Oregon ist als Weinbauregion beim durchschnittlichen Weintrinker kaum bekannt. Bei ambitionierteren Weintrinkern aber sind die Pinots des pazifischen Nordweststaates längst ernsthafte Alternative zu Burgund. Einer der besten Betriebe Oregons ist ‚Cristom Vineyards’ in Salem im Willamette Valley, dem bekanntesten Anbaugebiet Oregons. Paul Gerrie, Gründer und Besitzer von ‚Cristom’, war Mitte der achtziger Jahre intensiv in Burgund unterwegs gewesen, hatte den Reiz des Pinot Noir kennengelernt und spontan beschlossen, der magischen Ausstrahlung der Rebsorte auf den Grund zu gehen.

Typisch amerikanisch hängte er 1991 seinen Job als Ingenieur an den berühmten Nagel, zog von der Ostküste ins aufblühende Oregon an der Westküste und gründete dort sein Weingut. Das verfügt heute über rund 30 Hektar Rebfläche und hat sich internationalen Ruf erworben. ‚Bei uns macht das Land den Wein’ ist das Motto von Cristom Vineyards’, das heute zu den besten Pinot-Noir-Produzenten Amerikas gehört.

Als Betriebsleiter engagierte Paul Gerrie den langjährigen Winemaker von ‚Calera’, Steve Doerner, der in Kalifornien Pinot Noirs produzierte, die damals schon Legende waren. Steve kam, sah und blieb. Das Team, das vor 20 Jahren den Betrieb gründete, arbeitet noch heute zusammen. Die absolute Ausnahme im schnellebigen amerikanischen Weinbusiness. Kontinuität und Zuverlässigkeit sind die Stärke dieses Weltklassebetriebes.

Steve Doerner, studierter Biochemiker und Sohn französischer Immigranten, hat sich einem fast schon intuitiv wirkenden Stil von Pinot Noir verschrieben, der viel von der Ausstrahlung und Kraft großer Burgunder vor 1959 hat. Damals gab es noch keine synthetischen Düngemittel, weshalb die Beerenschalen noch dick waren und die Weine saftig, reif, dunkelfarbig, würzig und dicht. An diese Zeiten knüpfen die Weine von Cristom an, die eher an großen Burgunder von damals erinnern als irgendein moderner Burgunder (mit Ausnahme der Weine von Bize Leroy); nach 1959 verlor Burgund seinen Charakter, weil es bis heute unter den gewaltigen Phosphatdüngergaben der sechziger bis neunziger Jahre leidet.

‚Ich übersetze eigentlich nur, was die Natur uns liefert’ meint Steve Doerner, und schöpft aus dem Vollen, hat er doch 1991 die jeweils nach Frauen aus der Familienhistorie benannten Weinberge konzipiert, sie mit einer breiten Selektion unterschiedlicher Klonen in hochdichten Pflanzungen angelegt und den bewußten Verzicht auf Bewässerung und synthetische Chemie im Weinberg beschlossen, nachhaltig visionär für damalige Zeiten.

Steve Doerner versteht sich auch im Keller als Traditionalist im vorindustriellen Sinne. Er mazeriert seine Trauben wie in alten Zeiten nicht abgebeert, also mit Stiel und Stengel; er vergärt ausschließlich spontan, bewegt Most und Wein nur per Schwerkraft und schwefelt nur wenn es nötig ist. ‚Schwefel und Pinot Noir ist eine delikate Kombination’, meint er und betont, daß es bei ‚Cristom Vineyards’ maximal natürlich zugeht. Auch nach 25 Jahren professioneller Beschäftigung mit Wein kämpft er mit Leidenschaft für Qualität und seriöses Handwerk. ‚Großer Pinot Noir hat diese faszinierende Kombination von seidiger Finesse mit druckvoller Kraft und Tiefe, die man aus keiner anderen roten Rebsorte gewinnen kann’, schwärmt er und setzt seine verschiedenen Lagen in eindrucksvoll eigenständige Pinot-Persönlichkeiten um. ‚Unsere Trauben können besonders lange am Stock reifen’, meint er, deshalb fielen seine Weine opulent in der Pinot Noir-Frucht aus mit satter Expressivität. ‚Durch das Klonenmaterial und die perfekte Ausreifung ohne Überreife fallen sie, ähnlich großen alten Burgundern aus großen Jahrgängen, etwas hoch im Alkohol aus, was man durch ihre Kraft aber geschmacklich kaum wahrnimmt’, meint er und legt Wert darauf, ‚daß meine Pinots in den Gerbstoffen nachvollziehbar handgemacht schmecken, komplex und dicht verwoben, tiefgründig und balanciert, kraftvoll und elegant zugleich.’ Große Pinots von einem der führenden Pinot Noir-Erzeuger der Weinwelt.

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Die Rebe

Pinot Noir

Ampelographisch gehört Pinot Noir zur Familie der Noirien-Rebsorten. Sie ist über  tausend Jahre alt, deshalb stark degeneriert und in zahlreichen Varianten bekannt, wie Pinot Blanc, Pinot Meunier, Pinot Gris und Pinot Madeleine = Frühburgunder beweisen. Alleine in Frankreich kennt man heute über 50 verschiedene Klone, von denen jeder einzelne eine charakteristische Morphologie der Traube und stark divergierende Ertragsleistung, Resistenz gegenüber Fäulnis und Reifeverhalten besitzt. Generell ist Pinot Noir dünnschalig und deshalb frühreifend, weshalb er sich besonders in nördlichen Weinbauregionen durchgesetzt hat.

Pinot treibt nicht nur früh aus, er ist auch empfindlich für Spätfröste und Verrieseln; feuchte kühle Böden auf tiefgelegenen Lagen mag er gar nicht, er gelingt am besten auf kargen Kalksteinböden in kühlen Klimata, weil dort die früh reifende Traube nicht zu reif wird, um Aroma und Säure zu verlieren.

Pinot Noir stellt hohe Ansprüche an die Lagenqualität, das Mikroklima und die Pfropf-Unterlage. Es ist eine zickige Rebsorte, die anfällig ist für beide Mehltauarten, für Fäulnis (seine Beerenhaut ist dünner als alle anderen roten Sorten) und die Reiser- sowie Blattrollkrankheit. Deshalb ist die Qualität des Standortes, der Bodenchemie und des Mineralienhaushaltes so wichtig. Pinot Noir ist eine sehr anspruchsvolle Terroir-Rebsorte.

Doch auch im Keller verhält sich Pinot Noir zickig. Dort dient die Weinbereitung der möglichst schonenden Extraktion seiner dünnschaligen Beerenschalen, denen man möglichst viel Information wie Farb-, Geschmacks- und Aromastoffe entziehen möchte, ohne zu viel bittere Gerbstoffe zu extrahieren. Deshalb gibt es wie bei keiner anderen Rebsorte grundsätzliche ‚Schulen’ der Weinbereitung, die das enorme Stilspektrum der Rebsorte weltweit erklären. Es ist neben der Herkunft tatsächlich vor allem die fordernde Weinbereitung, die das Bild des Pinot Noir prägt. So vergärt man ganz grundsätzlich entweder mit oder ohne Stiele und Stengel, also abgebeert oder nicht; es gibt als ein Extrem die sogenannten Kaltvergärer, die unter starker Schwefelung die Trauben kalt mazerieren, um ihnen möglichst viel Frucht und Farbtiefe ohne zu viele Gerbstoffe abzugewinnen, und als entgegengesetztes Extrem die Traditionalisten, die ohne Eingriffe warm vergären und dadurch relativ hellfarbige Weine erhalten, die aber voll aromatischer Finesse und Eleganz sind.  

Stilistik, Aroma und Geschmack reichen im Pinot Noir deshalb von fest, fast schon streng, über sauer, tanninschwer, bis zu unübertrefflich weich, samtig und aromatisch komplex. Den Ideal-Pinot gibt es nicht.  Den muß jeder für sich finden. Wir definieren guten Pinot als in Duft und Geschmack deutlich an Schwarzkirschen erinnernd in einem Mundgefühl, dessen sensible Harmonie von Frucht und Gerbstoff, Süße und Säure so ausbalanciert ausfallen kann, wie man es in der Welt des Weines bei keiner anderen Rebsorte findet. 

 

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USA - Oregon
rotPinot Noir
Langsam
6er Karton
Art-Nr. ORR08103
Inhalt 0.75l
Alkohol: 14,3 Vol %
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: - 2019+
Restzucker: < 2 g/l
Anbau: Naturnah
Ausbau: Barrique
Boden: Sand/Lehm/Geröll
Besonderes: Unfiltriert, minimale Schwefelung
Dekantieren: Ja
Vergärung: Wilde Hefe
Verschlussart: Naturkork

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