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Pinot Noir 'Beaux Frères'
Michael Etzel, der Mann, der Beaux Frères zu einem der ambitioniertesten Pinot Noir-Projekte der Welt gemacht hat, hat hart an sich und seinen Weinen gearbeitet. In der für ihn typischen schonungslosen Ehrlichkeit spricht er über die Fehler, die er gemacht hat. Vor Jahren hat er, wie alle anderen auch, auf- und entsäuert, mit Enzymen gearbeitet und Tannin zugesetzt, und das alles nur, um dem hohen Anspruch seines berühmten Schwagers Robert Parker gerecht zu werden, der als Beaux Frères, als Schwager, am Weingut beteiligt ist. Er hat geschworen, nie über das Weingut zu schreiben, doch seine Kritik an Stil und Qualität hat Michael Etzel stets schwer getroffen.
Lange hat es gedauert, bis sich Michael von diesem Alter Ego emanzipierte. Heute sieht er sein Verhältnis zum berühmtesten Weinschreiber der Welt entspannt. Jedenfalls hat er sein Weinideal in eine gänzlich andere Richtung gelenkt, als sich Schwager Bob großen Pinot Noir vorstellt. Michael ist zum harten Verfechter der Nichtmanipulation im Keller mutiert. Bei ihm gibt es keine Enyzme zur Farbintensivierung, wie sie in vielen Kellern Burgunds Praxis sind, er macht keine Prefermentation auf Stickstoff, keine Auf- oder Entsäuerung, verwendet nur wilde Hefe, benutzt so gut wie keinen Schwefel, setzt auf Stabilität durch niedrigen pH-Wert und füllt seine Weine auf der natürlichen Kohlensäure ab, die er durch lange Reifung auf der Vollhefe im Holzfaß als natürlichen Oxidationsschutz einsetzt.
Sein Beaux Frères Pinot Noir 2008 ist eine der überzeugendsten Reminiszenzen an den legendären Altmeister des Pinot Noir, Henri Jayer, der vor vielen Jahren, kurz vor seinem Tod, das kleine Weingut besuchte und bleibenden Eindruck hinterließ. Beaux Frères ist einer der wenigen Neue-Welt-Pinot Noirs, der sich mit Henri Jayers fabelhaften Weinen messen kann, weil er nach identischer Façon entstand. Er besitzt ähnlich zarte Farbe und doch kraftvolle Struktur, die fast ätherisch wirkt, schwebend, zart und zupackend zugleich. Beaux Frères sollte demnach auch im gleichen Geiste genossen werden.
Michael Etzel: „2008 bot rundum perfekte Konditionen. Der größte Jahrgang der letzten Dekade mit idealem Klima, wie wir es in Oregon nur selten erleben. Der Nachteil: Winzige Mengen. Wir kamen auf ganze 15 hl/ha! Die aber lieferten superkonzentrierten Saft aus winzigen Beeren, die einen dunkelfarbigen Wein mit vollem Körper und expressivem Bukett von Schwarzkirschen, Gewürzen, Vanille und Erde brachten. Der Wein zeigt sich kraftvoll wie ein Ur-Pinot Noir, mit moderater Tanninstruktur aber monströsen Extraktwerten. Der konzentrierteste und dichteste Pinot Noir, den ich bisher erzeugte. Probieren würde ich ihn ab 2012 und dann bis 2018 genießen. Bitte kühl lagern, am besten unter 14°C, denn ich habe ihn kaum geschwefelt.“
Beaux Frères
Beaux Frères ist vor allem Michael Etzel. Er ist das 'Mind behind', ist der Planer, Macher und Mitbesitzer des versteckt liegenden besten Weingutes Oregons. Seine Pionierarbeit für den modernen Pinot Noir in Oregon ist unbestritten, sie geschieht in aller Stille, denn sein Schwager ist kein geringerer als Robert M. Parker. Ihm zu Ehren heißt das Weingut ‚Beaux Frères’, französisch für Schwager, er ist zu einem Drittel am Weingut beteiligt, hat aber geschworen, niemals über das Kleinod zu schreiben, weshalb 'Beaux Frères' in kaum einer Veröffentlichung der Weinwelt auftaucht und deshalb nur unter Insidern bekannt ist.
Michael Etzel ist ein kauzig oregonisches Urgestein, das sich nach einigen Irrungen und Wirrungen einem der kompromißlosesten Pinot Noirs der neuen Welt verschrieb. Sein Weingut ist biologisch zertifiziert und kultiviert seit dem Jahrgang 2007 nach biodynamischen Prinzipien. Michael scheut kein Risiko. Er stellt sich der Herausforderung Pinot Noir wie wenige andere. Er interpretiert ihn mutig charaktervoll und fordernd, leicht und duftig, aber auch dicht und kompakt, durchaus dem großen Vorbild Henri Jayer ähnlich.
Der große Estate Pinot wirkt konzentriert ohne schwer zu sein. Er verbreitet feinste Würze in delikatem Korsett, das tiefgründig dunkle, würzige Frucht voller Tiefe freisetzt. ‚Beaux-Frères' vereint die speckige Qualität eines Pommards mit der rauchig beerigen Fruchtnote eines Vosne-Romanée und setzt frech die kompakte pflaumige Orientwürze eines Richebourg oben drauf.
Durch das extrem schonende, bewußt reduktive Winemaking, das den Wein während der 12 Monate Faßreife auf der Vollhefe weder schwefelt noch bewegt, gibt sich ein Beaux Frères-Pinot in der Jugend verschlossen. Ganz im Sinne vergessener Traditionen Burgunds verzichtet Michael Etzel visionär auf moderne Technik im Keller. Er arbeitet archaisch mit niedrigst möglichen Schwefelwerten, weshalb seine Weine stets schäumen, wenn sie ins Glas kommen, denn dann entweicht das natürliche CO2, das er als Oxidationsschutz statt Schwefel verwendet. „Schwefel“, so meint er „verträgt sich nicht mit Pinot Noir. Schwefelzugaben trocknen die Struktur, mehr aber noch die Frucht des Weines aus, beeinflussen die Farbpigmente negativ und prononcieren harte, scharfe Tannine im Wein, wie wir sie von Burgund her kennen und wie ich sie gar nicht mag.“ Die Vollhefe erzeugt während der Faßreife in geringen Mengen CO2, das den Wein im Faß auf natürliche Weise gegen Oxidationsprozesse schützt. Man muß dem Wein also im Glas ein paar Minuten Zeit geben, damit die Bläschen entweichen können. Natur-Pinot.
Von Pionierwinzern wie Michael Etzel gehen mehr positive Impulse für die Qualität des Pinot Noir in die Welt, als von irgendeinem burgundischen Spitzenwinzer, denn bei Michael gibt es keine Geheimnisse. Burgunder rücken dagegen kaum Informationen raus, schon gar nicht an Kollegen. Michael widmet sich visionär der Rückbesinnung auf alte burgundische Techniken. Sein Wein hat trotzdem Neue-Welt-Charakter, den er intellektueller Weinbergsarbeit, extrem niedrigen Erträgen und traditioneller Weinbereitung verdankt, wie sie in Burgund kaum noch jemand praktiziert. In Michael Etzels kleinem Keller findet die exemplarische Gegenreaktion auf die moderne Önologie statt. Das mutet merkwürdig an, denn sein Schwager ist maßgeblich dafür verantwortlich, daß sich die Weinwelt im Sinne seines Punktesystems brutal industrialisiert hat. Ein Widerspruch, der um so gegenwärtiger wird, wenn man mit Michael Etzel und seinem Schwager die zartesten und natürlichsten großen Pinots seit Henri Jayer probiert. Widersprüchliche Weinwelt.
Michael Etzel über seine Arbeit im Weinberg: Video
Die Rebe
Pinot Noir
Ampelographisch gehört Pinot Noir zur Familie der Noirien-Rebsorten. Sie ist über tausend Jahre alt, deshalb stark degeneriert und in zahlreichen Varianten bekannt, wie Pinot Blanc, Pinot Meunier, Pinot Gris und Pinot Madeleine = Frühburgunder beweisen. Alleine in Frankreich kennt man heute über 50 verschiedene Klone, von denen jeder einzelne eine charakteristische Morphologie der Traube und stark divergierende Ertragsleistung, Resistenz gegenüber Fäulnis und Reifeverhalten besitzt. Generell ist Pinot Noir dünnschalig und deshalb frühreifend, weshalb er sich besonders in nördlichen Weinbauregionen durchgesetzt hat.
Pinot treibt nicht nur früh aus, er ist auch empfindlich für Spätfröste und Verrieseln; feuchte kühle Böden auf tiefgelegenen Lagen mag er gar nicht, er gelingt am besten auf kargen Kalksteinböden in kühlen Klimata, weil dort die früh reifende Traube nicht zu reif wird, um Aroma und Säure zu verlieren.
Pinot Noir stellt hohe Ansprüche an die Lagenqualität, das Mikroklima und die Pfropf-Unterlage. Es ist eine zickige Rebsorte, die anfällig ist für beide Mehltauarten, für Fäulnis (seine Beerenhaut ist dünner als alle anderen roten Sorten) und die Reiser- sowie Blattrollkrankheit. Deshalb ist die Qualität des Standortes, der Bodenchemie und des Mineralienhaushaltes so wichtig. Pinot Noir ist eine sehr anspruchsvolle Terroir-Rebsorte.
Doch auch im Keller verhält sich Pinot Noir zickig. Dort dient die Weinbereitung der möglichst schonenden Extraktion seiner dünnschaligen Beerenschalen, denen man möglichst viel Information wie Farb-, Geschmacks- und Aromastoffe entziehen möchte, ohne zu viel bittere Gerbstoffe zu extrahieren. Deshalb gibt es wie bei keiner anderen Rebsorte grundsätzliche ‚Schulen’ der Weinbereitung, die das enorme Stilspektrum der Rebsorte weltweit erklären. Es ist neben der Herkunft tatsächlich vor allem die fordernde Weinbereitung, die das Bild des Pinot Noir prägt. So vergärt man ganz grundsätzlich entweder mit oder ohne Stiele und Stengel, also abgebeert oder nicht; es gibt als ein Extrem die sogenannten Kaltvergärer, die unter starker Schwefelung die Trauben kalt mazerieren, um ihnen möglichst viel Frucht und Farbtiefe ohne zu viele Gerbstoffe abzugewinnen, und als entgegengesetztes Extrem die Traditionalisten, die ohne Eingriffe warm vergären und dadurch relativ hellfarbige Weine erhalten, die aber voll aromatischer Finesse und Eleganz sind.
Stilistik, Aroma und Geschmack reichen im Pinot Noir deshalb von fest, fast schon streng, über sauer, tanninschwer, bis zu unübertrefflich weich, samtig und aromatisch komplex. Den Ideal-Pinot gibt es nicht. Den muß jeder für sich finden. Wir definieren guten Pinot als in Duft und Geschmack deutlich an Schwarzkirschen erinnernd in einem Mundgefühl, dessen sensible Harmonie von Frucht und Gerbstoff, Süße und Säure so ausbalanciert ausfallen kann, wie man es in der Welt des Weines bei keiner anderen Rebsorte findet.
![]() | USA - Oregon |
![]() | Pinot Noir |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. ORR08300 | |
| Inhalt 0.75l |
















