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Chardonnay 'Napa Valley'
Jason Pahlmeyers Weine passen eigentlich nicht mehr in unser Konzept. Es sind typische Napa Valley-Monster-Weine, brutal reif gelesen und zwar maximal natürlich und handwerklich im Keller von Erin Green, der langjährigen Weinmacherin des legendären Weingutes, verarbeitet, aber sie kommen so dick, fett, superkonzentriert und überbordend in allen Belangen ins Glas, daß sie schon fast plakativ für ‚typisch kalifornisch’ stehen, jenes Ideal, das vor zehn, fünfzehn Jahren Begeisterungsstürme auslöste, aus unserer heutigen Sicht aber ‚altmodisch’, ja fast schon überkommen wirkt, auch wenn Pahlmeyers Weine nach wie vor von Parker & Konsorten hohe und höchste Bewertungen einheimsen. Wir sehen seine Weine heute als zeitgeschichtliche Geschmacksdokumente. Weil wir mit Jason Pahlmeyer seit über 20 Jahren zusammenarbeiten, genießen wir seine Reminiszenzen an vergangene Weinzeiten also hin und wieder mit großem, sentimentalen Vergnügen, stilistisches Ideal sind sie für uns nie gewesen.
Pahlmeyers großer Napa Valley-Chardonnay, ein Weißwein-Erlebnis aussterbender Gattung. Trotzdem läßt sich das dicke Ding grandios lustvoll trinken und man staunt darüber, wieviel Weinsubstanz sich in eine Flasche konzentrieren läßt. Fast schon überirdisch dimensioniert, gleicht der Chardonnay einem Thyrannosaurus, den wir eingefleischten Kalifornien-Fans mit einem Augenzwinkern als Erinnerung an vergangene Zeiten ans Herz legen.
Strohgelb in der Farbe entsteigt seinem opulenten Bukett der berauschende Duft nach Limonen, tropischen Früchten, reifer Ananas, warmem Butterteig und Karamellbonbons. Im Mund wirkt ein samtiger Teppich aus exotischen Fruchtaromen, ultracremig, weich, dicht, und trotz barocker Pracht und lustvoller Fülle mit frischer Säure unterlegt, die den multidimensionalen Geschmack dieses Chardonnay-Monsters zu ungewohnt praller Harmonie zusammenfügt. Ein Riese von Chardonnay, absolut ungewöhnlich und eindrucksvoll; 14,9 Vol % wollen gezähmt sein, was Erin Green souverän gelingt. Pahlmeyer ist Pahlmeyer. Keiner kann (und will) so wie er. Durch den unmanipuliert natürlichen Ausbau mit geringer Schwefelung sollte dieser Chardonnay in den kommenden 2-3 Jahren getrunken sein. Nicht zu kalt servieren und unbedingt dekantieren. Historisch wertvolles Weindokument.
Pahlmeyer Winery
Jayson Pahlmeyer, steinreicher Ex-Anwalt, ist einer der Stars des Napa Valley. Pahlmeyer-Weine sind eine Institution in Kalifornien, sind Legende, sind unverwechselbar. Seit 1988 arbeiten wir zusammen, seit 1985 gibt es Wein unter seinem Etikett. Jayson Pahlmeyer kauft für seine Weine Trauben von ausgewählten Weinbauern und Kollegen zu, unter anderem auch bei Ric Forman. Sie kommen von unterschiedlichsten Lagen im gesamten Napa Valley und an der Sonoma Coast, verarbeitet werden sie in der eigenen Winery hoch über dem Silverado Trail südöstlich von Napa. Jayson Pahlmeyer hat sich aber auch 1997 am Atlas Peak eine Ranch mit eigenen Weinbergen gekauft, die 2007 die erste Ernte lieferten, und er engagiert sich seit über zehn Jahren als Pionier an der Sonoma Coast, um dort Weine, vor allem Chardonnay und Pinot Noir, mit Frische, Säure und Finesse zu produzieren.
Alles, was Jayson Pahlmeyer auf Flasche präsentiert, hat das Zeug zum Superlativ. Er liebt es ‚big’ und so sind auch seine Weine. Sie zu beschreiben ist nicht einfach. Es sind sensibel agierende Monstertropfen von monumentaler Größe, die man in ihrer spannenden Kombination von Gewalt und Sentiment, von Kraft und Feinheit, auch im Napa Valley so nicht oft findet. Immerhin haben sie Schule gemacht und das Genre der ‚typisch kalifornischen’ Weine maßgeblich mit geprägt. Es sind persönliche Weine, weniger Ausdruck ihrer Herkunft als jener Persönlichkeit, die dahintersteht: Jayson Pahlmeyer himself.
Pahlmeyer widmet seine Weine, weiß wie rot, einem Maximum an Extraktion und aromatischer und geschmacklicher Intensität. Sie sorgen für in jeder Hinsicht berauschende Sinneserlebnisse, sind multidimensional, fordernd und beeindruckend, aber nie ermüdend. Eindrucksvoll sind sie immer. Pahlmeyers fröhliche Winemakerin Erin Green verantwortet seit dem Jahr 2000 Weinberge und Keller in bewundernswerter Konstanz und Ausgeglichenheit. Sie versteht es meisterhaft, den Weinen ihren eigenen Stempel aufzudrücken, ohne Pahlmeyers geliebte ‚Big’-Stilistik grundsätzlich zu verändern. Sie beherrscht die nicht einfache Gratwanderung zwischen Extraktion und Finesse geradezu künstlerisch. Das hat sie bei Helen Turley gelernt, der berühmten Weinmacherin, die viele Jahre Jayson Pahlmeyers Stilistik prägte. Erin Green hat auf organischen Anbau umgestellt, sie vergärt im Keller ausschließlich spontan und verzichtet auf die üblichen Manipulationsmethoden der modernen Önologie. Pahlmeyer-Weine sind natürlich in des Wortes bestem Sinne. Deshalb sollte man sie auch in den ersten zehn Jahren ihres Flaschendaseins trinken und genießen. Pahlmeyers Weine neuer Generation sind so eindrucksvoll wie spannend, so eigenwillig wie eigenständig und so kalifornisch wie nur möglich. Lassen Sie sich vom Reiz dieser Weine aus einer gänzlich anderen Weinwelt verzaubern. Pahlmeyer ist mehr Pahlmeyer als Kalifornien. Doch nur in Kalifornien gibt es Pahlmeyers.
Die Rebe
Chardonnay
Die Herkunft des Chardonnay, der Königin der weißen Rebsorten, ist unbekannt. Viele Märchen ranken sich um ihren Ursprung, geklärt ist er nicht. Alleine in Frankreich kennt man 34 eigenständige Abarten, Klonen genannt, von denen einige überaus aromatisch, fast schon aufdringlich duften, andere sind extrem ertragsstark und riechen kaum.
Chardonnay reagiert wie keine andere Rebsorte unmittelbar auf die Art ihrer Verarbeitung, weshalb die Rebsorte ein so ungewöhnlich breites Qualitäts- und Geschmacksspektrum bietet, daß es den Chardonnay nicht gibt. Der Name der bekanntesten Rebsorte der Welt ist Weintrinkern in aller Welt so vertraut, daß sie kaum darüber nachdenken, daß sich dahinter eine Rebsorte verbirgt. Immer wieder passiert es, daß Kunden nicht wissen, daß Chablis, Chassagne oder Puligny Montrachet aus Chardonnay gekeltert werden. Für Sie scheint „Chardonnay“ eine Marke zu sein. Der Name ‚Chardonnay’ ist so populär, daß die zahlreichen Synonyme für die Rebsorte kaum noch bekannt sind; nur in Österreich beharrt man sympathisch auf dem alten Synonym ‚Morillon’.
Der relativ hohe Alkoholgehalt der Rebsorte vermittelt ein Gefühl von feiner Süße und cremiger Weichheit auf der Zunge, was maßgeblich zur weltweiten, von nationalen Geschmacksvorlieben losgelösten Popularität der Rebsorte beitrug. Die wie bei keiner anderen weißen Rebsorte mögliche Integration von Faßaromen und Eichenholzgeschmack ist ein weiterer Grund für die globale Popularität der Rebsorte.
Von Kellermeistern in aller Welt wird Chardonnay geschätzt, weil er wie keine andere Rebsorte auf ihre Weinbereitung reagiert. Sie läßt sich reduktiv kalt im Edelstahltank vergären und ergibt dann frische, rassige Weine mit angenehmer Säure. Sie läßt sich aber genau so gut oxidativ im kleinen Eichenfaß vergären und lange auf der Hefe lagern, verträgt sogar lange Lagerung und Reifung in neuem Holz, ohne dessen unangenehme Aromen aufzunehmen. Über das Ansprechen der Rebsorte auf Hefesatzaufrühren (die sogenannte ‚Battonage’, bei der man im Holzfaß den trüben Bodensatz der Hefe mit einem Stab aufrührt und sie auf diese Weise emulgiert; je häufiger man dies tut, um so cremiger und weicher wird der Wien) haben sich zwei Schulen an Verarbeitung zwischen Burgund und Kalifornien herauskristallisiert, die diese Eignung für besondere Stilistik nutzen: Es gibt die ‚modernen’ Winzer und Kellermeister, die durch starkes und häufiges Hefesatzaufrühren dicke, weiche, cremig fette Chardonnays produzieren, wie sie der Idealvorstellung dieser Rebsorte entsprechen. Dem stehen Winzer entgegen, die bewußt auf das Aufrühren der Hefe verzichten, um so die aromatische Komplexität der Rebsorte, ihre Mineralität und Straffheit, ihre Rasse und strukturelle Eigenartigkeit herausarbeiten. Sie rühren die Hefe gezielt nicht auf (wie z. B. Coche-Dury in Burgund oder Au Bon Climat in Kalifornien), um deren Aromen nach frischem Brot, Hefeteig, gerösteten Mandeln und Haselnüssen in das frische, nachhaltig straff wirkende, mineralisch geprägte Geschmacksbild der Rebsorte zu integrieren.
Guter Chardonnay besitzt attraktive goldene Farbe und einen breiten, gefälligen, aber nicht einfach zu beschreibenden Geschmack. In wissenschaftlichen Analysen stellte sich Chardonnay als aromatisch schwer zu fassen dar. Sein Spektrum reicht, je nach Ausbau, von Himbeeraromen über Tabak, Vanille, tropische Früchte und Pfirsicharomen zu reifen Tomaten, Tee und Blütendüften.
Wenn man Chardonnay von jungen Rebstöcken erntet, wie in Italien üblich, und dabei noch von den hohen Erträgen profitiert, die die Rebsorte mühelos bringt, wird er wäßrig, dünn und fast neutral. Einfacher Chardonnay ist ein so überflüssiger wie säuerlich dünner, an grüne Äpfel und Melonen erinnernder Saufwein, der den Markt in schier unerschöpflicher Menge zu überschwemmen scheint.
Dagegen können niedrige Erträge von erstklassigen Lagen auf basischen Böden (Kalk), die gesunde Säure mit optimalem pH-Wert aus präzise reif gelesenen Trauben besitzen, durch eine sich souverän zurücknehmende Kellertechnik großartige, eindrückliche Chardonnays begeisternder Individualität hervorbringen, die sich über Jahrzehnte zu unerreichter Grandezza rarer Komplexität entwickeln.
![]() | USA - Napa Valley |
![]() | Chardonnay |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. CAL07904 | |
| Inhalt 0.75l |















