You're currently on:
Cabernet Sauvignon 'Napa Valley'
Guten Wein seriös zu verkaufen fordert zunehmend, denn wir wollen nicht lauter brüllen als die anderen, wollen keine Hochglanzprospekte mit Bildern ‚schwitzender Flaschen’ als unnötigen Papiermüll produzieren, wollen nicht einfallen in den allgemeinen Reigen der inflationären Superlativwolken, mit denen unsere Branche um die Aufmerksamkeit der Kunden buhlt.
Wir setzen auf die leiseren Töne, auf Geschichten, denen Taten folgen im Glas und auf der Zunge. Auf Winzer wie Ric Forman, der einer der leisen in Kalifornien ist, obwohl er Geschichte schrieb im Napa Valley. Ihn kennt dort jeder, doch auf dem Weinmarkt kennen ihn nur ausgefuchste Kenner, denn Ric Forman produziert zwar einen der großen Cabernets des Napa Valley, doch macht er seinen Wein im wesentlichen für sich und seine Kunden und nicht für Parkers Punkte; er verschickt keine Proben und findet deshalb kaum Beachtung in der einschlägigen Presse. Trotzdem sind seine Weine, Cabernet und Chardonnay ganz eigener Stilistik, stets schon im Voraus ausverkauft. Die Produktion ist klein, die Qualität superb, der Name unter Kennern klingend und sein Guerillamarketing funktioniert prächtig.
2007 ist auch bei Ric Forman ein großer Jahrgang, der vielleicht beste bisher, wie er selbst meint, was etwas heißt, denn Ric spricht über seine Weine nie in Wertungen. Sein Jahrgang 2007 stammt vom legendären Thorevilos-Vineyard hoch oben auf dem Howell Mountain, präsentiert sich konzentriert und dicht in ungewöhnlich dunkler Farbe. Seine kraftvoll präsente, seidige Gerbstoffdichte kommt balanciert und konzentriert auf die Zunge, wo sie sich als kühle Trinkseide entfaltet. Der Wein wirkt reich und stoffig, strukturell vielschichtig und dicht gepackt wie lange nicht mehr. Er ist anders als die anderen, wirkt europäisch kompakt in seinen dunkelwürzigen Kräuteranklängen, die aber reiner ausfallen als in Europa, weniger soft und weich als die meisten Napa Cabernets, dafür konturierter, potenter und ungestümer, schwer zu beschreiben.
Wie für Kalifornien typisch präsentieren sich die Gerbstoffe ultrafein in blauer Finesse, erinnern an Graphit und frisch gespitzten Bleistift, an Cassis und Sommerkräuter, an dunkle Beeren und schwarze Kirschen, tiefgründig und reif, wie es nur großer Napa Cabernet ins Glas bringt. Ric Formans Jahrgang 2007 steht für raffinierte Opulenz ohne Exzess, für Frucht und Würze in langen samtigen Gerbstoffen, die ungemein frisch wirken und Rasse besitzen Da muß Bordeaux noch üben, auch wenn es längst diese Stilistik kopiert, ohne deren Klasse zu erreichen. Eine echte Weinpersönlichkeit mit Charisma und Charakter. Unverwechselbar Napa.
Forman Vineyard
Ric Forman ist ein Urgestein der kalifornischen Weinszene. Er gründete sein Weingut am Howell Mountain hoch über dem Silverado Trail 1983. Seitdem gehören seine Weine, allen voran sein legendärer Cabernet Sauvignon, zu den ursprünglichsten und authentischsten des Napa Valley, die kompromißlos Finesse und Eleganz in den Vordergrund stellen. Sie haben also nichts mit den silikonbusigen Edelweinhuren des modernen Napa Valley gemein, die mit viel Tamtam und noch mehr Make up um Parkers Punkte buhlen.
Ric Formans Cabernet Sauvignon ist einer der wahren Werte im Napa Valley. Eigenständig und feinsinnig widersetzt er sich dem lauten Treiben im weltberühmten Weintal. Ric Forman ist eine Institution im Napa Valley. Ihn kennt jeder dort. Sein Geld hat er mit Weinbergsimmobilien gemacht. Viele der berühmten Lagen im Napa Valley hat er entdeckt, angelegt und mit seinem Freund David Abreu gepflanzt. Trotzdem tritt Ric Forman bescheiden auf. Ihn stört der Lärm des Alltags im berühmten Weintal und so sind auch seine Weine die entspannte Ausnahme in Napa. Sie wirken wie das ‚missing link’ zwischen Europa und der neuen Welt, denn sie atmen wie wenige andere im Tal europäische Finesse in kalifornischer Reife und Kraft. Ich mag den blöden Vergleich zwischen Napa und Bordeaux nicht. Doch fest steht, daß nur wenige Weine in Bordeaux ähnliche Perfektion in Reife und Tanninqualität auf die Zunge bringen. Nicht umsonst wollten einige der berühmtesten Châteaux Bordeaux Ric Forman als Berater engagieren.
Ric Forman besitzt auf einem versteckt liegenden Plateau auf dem Howell Mountain den legendären ‚Thorevilos’-Weinberg. Der liefert ihm nicht nur die Trauben für den eigenen Wein, er versorgt damit auch einige der berühmtesten und teuersten Weingüter Kaliforniens. Deren Weinmacher fordern stets überreife, extrem spät gelesene Trauben. Er selbst erntet die Trauben für seinen eigenen Wein bewußt Wochen früher, denn es geht ihm um kühle Struktur und Frische im Wein, um natürliche Trinkfreude, um Balance und Finesse in unmanipuliert raffinierter Gerbstoffqualität, wie sie nur das Napa Valley ermöglicht. Ric Formans Cabernets präsentieren sich dicht und wuchtig, aber auch unverwechselbar elegant und fein. Sie verzichten auf die üblichen Napa Valley-Platitüden und treten wohltuend bescheiden auf, präsentieren ihren tiefgründigen, langlebigen Charakter im Stile eines Kammerorchesters, sensibel und kompakt, aber jederzeit bereit zum Fortissimo. Ric Forman, mit dem wir seit über zwanzig Jahren zusammenarbeiten, formuliert seine Philosophie so kurz wie knapp: „Ich verarbeite meine Weine so natürlich wie möglich und so einfach wie nötig; statt Extraktion und Konzentration suche ich das Maximum an Balance, Harmonie und Finesse“. Das gelingt ihm stilsicher in rarer Perfektion.
Es wird Zeit, daß Ric Formans Weine die Anerkennung erfahren, die sie verdient haben. Es macht richtig wütend zu sehen, wie neureiche Pseudowinzer sich im Napa Valley mit unendlich viel Geld die Anerkennung des inkompetenten Marktes erkaufen können mit Weinen, die nicht viel mehr als Plüsch und Plunder sind, Populismus auf Flasche. Vielleicht wird der Markt ja nach Parkers Abgang etwas selbstbewußter und kompetenter . . .
Die Rebe
Cabernet Sauvignon
Cabernet Sauvignon gilt heute allgemein als die Inkarnation guten Rotweines. Es ist die populärste aller roten Rebsorten und wird in praktisch jedem Land der Erde, in dem die Rebsorte ausreifen kann, auch angebaut. So wurde Cabernet Sauvignon zur dominanten Spitzenrebsorte der Welt.
Wie keine andere rote Rebsorte schmeckt Cabernet Sauvignon, egal wo er auf der Welt angebaut wird, stets unverkennbar nach Cabernet Sauvignon. Er ist also in Geschmack und Charakter weniger abhängig von Jahrgang, Herkunft und Machart als andere rote Rebsorten. Immer bringt er satte Konzentration an Gerbstoffen und Farbpigmenten auf die Zunge, immer steht ein kraftvolles, nach schwarzen Johannisbeeren, Zeder, Leder und dunkler Schokolade erinnerndes Bukett über dem Glas, das nur dann unangenehm in grüne Paprika und wenig attraktive unreife Aromen verfällt, wenn der Ertrag zu hoch und/oder das Klima so kühl war, daß die Trauben nicht physiologisch ausreifen konnten. Cabernet Sauvignon gedeiht als spätreifende Sorte also am besten in wärmeren Klimata, in denen er physiologisch ausreifen kann.
Ob seiner dicken Beerenschale und seiner vielen Kerne im Fruchtfleisch kann reinsortiger Cabernet Sauvignon, der nicht extrem sorgfältig mazeriert und ausgebaut wurde, ruppig, hart und uncharmant ausfallen. Seine Struktur ist ungewöhnlich potent und präsent, doch Gerbstoffe und Farbintensität alleine ergeben noch keinen großen Wein mit Fülle, Eleganz und Tiefe. Deswegen verschneidet man Cabernet Sauvignon in aller Welt mit anderen Rebsorten, wobei das klassische Bordeaux-Rezept das bekannteste und weitverbreitetste ist: Der spätreifende kernige, für Rückgrat und stoffigen Körper sorgende, stets etwas hart agierende Cabernet Sauvignon wird dabei mit dem um bis zu zwei Wochen früher reifenden, fruchtigen weil dünnschaligeren, aber etwas behäbigen Merlot verschnitten; Cabernet Franc verleiht der Cuvée raffinierte kühle Frische und rassige Duftigkeit und in geeigneten Jahrgängen besorgt die kleinbeerige, noch dickschaligere Petit Verdot prägnante Würze und zusätzliche Farbintensität. In der Toskana harmoniert die dortige Sangiovese verblüffend gut mit Cabernet Sauvignon und in der Provence, Südfrankreich und Australien hat sich Syrah als interessanter Partner des Cabernet Sauvignon bewährt.
Um seine natürlich hohe Konzentration an Phenolen, die während der Mazeration und Maischung den Beerenschalen und reichlich vorhandenen Fruchtkernen entzogen werden, zu zähmen, hat sich der Ausbau im kleinen Holzfaß für Cabernet Sauvignon als fast schon notwendige Voraussetzung für späteren Genuß etabliert. Durch bewußten Kontakt mit Sauerstoff während des Faßausbaus, der je nach Qualität und Reife des Weines bis zu 18 und mehr Monaten dauern kann, versucht man dabei die Polymerisation der Phenole/Gerbstoffe in feinere Bahnen zu lenken. Wie kaum eine andere rote Rebsorte belohnt großer Cabernet Sauvignon diese Faßreifung mit subtil komplexen Geschmacks- und Aromastoffen, die sich über viele Jahre der Reife zu einem delikaten Bukett entfalten, das in seiner Vielschichtigkeit und Tiefe einmalig ist. Aus einem deftigen, gerbstoffbetonten harten Burschen in der Jugend wird so mit den Jahren ein gediegener, edler Grandseigneur, der Finesse vor Kraft und Komplexität vor Wucht stellt.
In den letzten Jahren kommen speziell aus Kalifornien reinsortige Cabernet Sauvignons, die so sorgfältig gekeltert und verarbeitet wurden und so lange im Holzfaß auf der Hefe reifen konnten, daß sie unvergleichliches Weltklasseniveau erreichen, das den Weinen der alten Welt neue Maßstäbe vorgibt. Die enorme Popularität der Rebsorte sorgt so für ungewöhnliche Qualitätsdynamik in jenen Weinbergen der Welt, in denen Cabernet Sauvignon engagiert angebaut wird.
Um den Ursprung der Rebsorte ranken sich viele Märchen und Geschichten. 1997 ergab eine DNA-Analyse der berühmten Wein-Universität von Davis in Kalifornien, daß Cabernet Sauvignon mit größter Wahrscheinlichkeit eine Kreuzung aus Cabernet Franc und Sauvignon Blanc ist, was großes Erstaunen in der Fachwelt auslöste, bis heute aber unwidersprochen blieb. Tatsächlich tritt die Rebsorte nicht, wie immer wieder behauptet wird, schon im 16. Jahrhundert in Bordeaux offiziell in Erscheinung, sondern erst Ende des 18. Jahrhunderts, als im Médoc die ersten großen Weingüter entstehen. Nach der Reblauskatastrophe ist es die Merlot, die zusammen mit Cabernet Franc in Bordeaux maßgeblich angebaut wird. Erst in den 1980er Jahren nimmt die Rebfläche an Cabernet Sauvignon vor allem im Médoc enorm zu, in den späten 1990er Jahren kommt dann der Merlot wieder mehr ins Spiel. Der Klimawandel sorgt schließlich nach 2001 dafür, daß wieder dickschalige, später reifende Sorten wie Cabernet Sauvignon, Malbec, Petit Verdot und Cabernet Franc vermehrt angepflanzt werden.
Es sind also Geschmacksmoden aber auch klimatische Notwendigkeiten, die zu einem sich dynamisch verändernden Rebsortenspiegel führen im weltberühmten Bordeaux, mit dem Cabernet Sauvignon stets fast schon zwangsläufig in Verbindung gebracht wird, obwohl er dort nur äußerst selten reinsortig abgefüllt wird. Neue Maßstäbe für die Rebsorte werden heute eher in der neuen Welt, und dort vor allem in Washington State und Kalifornien, gesetzt, weniger in der alten Welt.
![]() | USA - Napa Valley |
![]() | Cabernet Sauvignon |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. CAL07300 | |
| Inhalt 0.75l |
















