You're currently on:
Pinot Noir 'Rincon Vineyard'
Rincon 2008, ein dunkler, männlich auftretender Pinot Noir, der an La Tache erinnert in seiner kühlen, pflaumigen Reife und den balsamisch blauen Aromen, die so raffiniert kühl wirken, daß man den durchaus stattlichen Alkohol nicht mal erahnt. Wild und expressiv entfaltet sich sein Bukett in charakteristischen Cola-Noten, reifen Feigen, Leder, Blaubeeren, herbstlichem Rauch. Jugenderinnerungen an herbstliche Kartoffelfeuer. Doch mehr Côte de Beaune als Côte de Nuits?
Eindrücklich hüllt einen dieser etwas plüschige Pinot Noir ein, um sofort mit druckvoll fokussierter Präzision auf der Zunge Aufmerksamkeit zu fordern. Und mit mehr Luft entfaltet er seidige Mitte in einem Mundgefühl, das emotional berührt. Das kann so würzig, delikat und zugleich mächtig nur großer Pinot, genau das ist es, was wir in großem Pinot suchen.
Rincon 2008 ist maskuliner Pinot Noir, mit erdigen Noten, kraftvoll spürbarer Mineralität, tiefgründigem Druck in Duft und Geschmack; der Wein dampft regelrecht aus dem Glas mit asiatischen Gewürznoten, Süße kommt einem entgegen, betörend kühle Frische und massive Dichte lassen ihn extrem elegant wirken, fein verwoben und feinmaschig gewirkt, samtig und seidig in süchtig machender Gerbstoffkonsistenz, die floral duftend und schmeckend die Sinne benebelt. Pinot kann so schön sein! Spontan in kleinen offenen Gärbehältern eingemaischt und vergoren, 18 Monate in zu 35 % neuen Fässern gereift, keine Spur von neuem Holz, aber geballte Packung erstklassigen Pinot Noirs aus mustergültig handwerklicher Produktion.
Talley Vineyards
Talley Vineyards liegt in Arroyo Grande, im Herzen der kalifornischen Central Coast, die sich von der Monterey Bay über Santa Cruz, San Benito und San Luis Obispo bis nach Santa Barbara erstreckt. Mit über 100 Weingütern ist die landschaftlich äußerst reizvolle Central Coast heute eine der wesentlichen Weinbauregionen Kaliforniens.
Talley Vineyards produzierte den ersten eigenen Wein 1986, das Weingut gibt es erst seit 1991, doch Familie Talley ist Pionier der Traubenproduktion in der Central Coast. Seit Mitte der achtziger Jahre kaufen viele renommierte Weinmacher hier Trauben. Brian Talley, der heute den über 100 Hektar großen Betrieb leitet, bietet den Weinmachern sogar an, Parzellen zu mieten, um dort eigene Trauben zu produzieren, ein sehr effizientes, typisch amerikanisches System, das jungen Einsteigern erlaubt, den eigenen Wein zu machen und sich so eine Existenz als Winzer oder Weinmacher aufzubauen.
Talleys Weinberge werden organisch bewirtschaftet, sie unterliegen rigoroser Kontrolle der Wasser- und Umweltinstitutionen in Sachen Spritzmitteleinsatz. Die Weinberge sind begrünt, Humus produziert man aus Pferde- und Kuhmist sowie Rebabfällen.
Talley Vineyards leistet sich einen festen Stab sehr gut ausgebildeter Arbeiter, die die aufwendigen Arbeiten im Weinberg nach Stunden bezahlt verrichten, statt nach abgearbeiteten Rebstöcken. Die Weinbergsarbeit findet deshalb hier auf einem Niveau statt, das wir in Europa kaum kennen. Die Weine sprechen für sich.
Gelesen werden die Trauben von Hand, die Wege sind kurz, die Verarbeitung so schonend wie möglich. Grundsätzlich entrappt Brian Talley die Trauben, doch wenn ein Jahrgang exzellent ausfällt, verwendet er auch mal 20-30 % ganze Trauben. Trauben und Most werden schonend per Schwerkraft bewegt. Vor der Vergärung mazerieren die Trauben 3-5 Tage (cold soak) kalt, um Farbe, Aroma und Intensität aus den Beerenschalen zu extrahieren, anschließend vergären sie spontan in kleinen oben offenen Gärgebinden. Low-Tech-Pinot ohne ChiChi. Nach etwa zehn Tagen Mazeration wird der Most per Schwerkraft zum weiteren Ausbau ohne jede chemische oder physikalische Manipulation in zu 35 % neue Fässer geleitet. Dort reifen die Weine dann bis zu 18 Monaten auf der Hefe und werden schließlich ohne Filtration gefüllt. Das Weingut produziert rund 200.000 Flaschen, die Spitzenweine gibt es aber nur in wenigen Tausend Flaschen.
Talley Vineyards ist ein visionär betriebenes Spitzenweingut, das eine Qualitätsphilosophie verfolgt, wie wir sie uns in Europa, geschweige denn Burgund, kaum vorstellen können. Deshalb glänzen Talleys Weine im Glas in avantgardistischer Intensität, begeisternder Reinheit und bewundernswerter Komplexität. Handwerklicher Pinot Noir der anderen Art. Dicht, dunkel, konzentriert, aber kühl, frisch und fein, wie er nur hier, im kühlen Klima der Central Coast, so charakteristisch und authentisch gelingt. Ein Muß für jeden, den guter Pinot Noir interessiert!
Brian Talleys informative Videos.
Die Rebe
Pinot Noir
Ampelographisch gehört Pinot Noir zur Familie der Noirien-Rebsorten. Sie ist über tausend Jahre alt, deshalb stark degeneriert und in zahlreichen Varianten bekannt, wie Pinot Blanc, Pinot Meunier, Pinot Gris und Pinot Madeleine = Frühburgunder beweisen. Alleine in Frankreich kennt man heute über 50 verschiedene Klone, von denen jeder einzelne eine charakteristische Morphologie der Traube und stark divergierende Ertragsleistung, Resistenz gegenüber Fäulnis und Reifeverhalten besitzt. Generell ist Pinot Noir dünnschalig und deshalb frühreifend, weshalb er sich besonders in nördlichen Weinbauregionen durchgesetzt hat.
Pinot treibt nicht nur früh aus, er ist auch empfindlich für Spätfröste und Verrieseln; feuchte kühle Böden auf tiefgelegenen Lagen mag er gar nicht, er gelingt am besten auf kargen Kalksteinböden in kühlen Klimata, weil dort die früh reifende Traube nicht zu reif wird, um Aroma und Säure zu verlieren.
Pinot Noir stellt hohe Ansprüche an die Lagenqualität, das Mikroklima und die Pfropf-Unterlage. Es ist eine zickige Rebsorte, die anfällig ist für beide Mehltauarten, für Fäulnis (seine Beerenhaut ist dünner als alle anderen roten Sorten) und die Reiser- sowie Blattrollkrankheit. Deshalb ist die Qualität des Standortes, der Bodenchemie und des Mineralienhaushaltes so wichtig. Pinot Noir ist eine sehr anspruchsvolle Terroir-Rebsorte.
Doch auch im Keller verhält sich Pinot Noir zickig. Dort dient die Weinbereitung der möglichst schonenden Extraktion seiner dünnschaligen Beerenschalen, denen man möglichst viel Information wie Farb-, Geschmacks- und Aromastoffe entziehen möchte, ohne zu viel bittere Gerbstoffe zu extrahieren. Deshalb gibt es wie bei keiner anderen Rebsorte grundsätzliche ‚Schulen’ der Weinbereitung, die das enorme Stilspektrum der Rebsorte weltweit erklären. Es ist neben der Herkunft tatsächlich vor allem die fordernde Weinbereitung, die das Bild des Pinot Noir prägt. So vergärt man ganz grundsätzlich entweder mit oder ohne Stiele und Stengel, also abgebeert oder nicht; es gibt als ein Extrem die sogenannten Kaltvergärer, die unter starker Schwefelung die Trauben kalt mazerieren, um ihnen möglichst viel Frucht und Farbtiefe ohne zu viele Gerbstoffe abzugewinnen, und als entgegengesetztes Extrem die Traditionalisten, die ohne Eingriffe warm vergären und dadurch relativ hellfarbige Weine erhalten, die aber voll aromatischer Finesse und Eleganz sind.
Stilistik, Aroma und Geschmack reichen im Pinot Noir deshalb von fest, fast schon streng, über sauer, tanninschwer, bis zu unübertrefflich weich, samtig und aromatisch komplex. Den Ideal-Pinot gibt es nicht. Den muß jeder für sich finden. Wir definieren guten Pinot als in Duft und Geschmack deutlich an Schwarzkirschen erinnernd in einem Mundgefühl, dessen sensible Harmonie von Frucht und Gerbstoff, Süße und Säure so ausbalanciert ausfallen kann, wie man es in der Welt des Weines bei keiner anderen Rebsorte findet.
![]() | USA - Central Coast |
![]() | Pinot Noir |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. CAL08351 | |
| Inhalt 0.75l |
















